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Vaginaler Juckreiz und Ausfluss

Von

David H. Barad

, MD, MS, Center for Human Reproduction

Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Quellen zum Thema

Vaginaler Juckreiz (Pruritus) und/oder Ausfluss sind Folge einer infektiösen oder nichtinfektiösen Entzündung der vaginalen Schleimhaut (Vaginitis Übersicht über Vaginitis Vaginitis (Kolpitis) ist eine infektionsbedingte oder nichtinfektionsbedingte Entzündung der Vaginalmukosa, manchmal ist auch die Vulva beteiligt. Die Symptome umfassen vaginalen Ausfluss, Reizung... Erfahren Sie mehr  Übersicht über Vaginitis ), die häufig von einer Entzündung der Vulva (vulvovaginitis) begleitet ist. Irritation, Brennen, Rötung sowie gelegentlich Dysurie und Dyspareunie können sich ebenfalls zeigen. Die Symptome der Vaginitis gehören zu den häufigsten gynäkologischen Beschwerden.

Pathophysiologie

Etwas vaginaler Ausfluss ist normal, besonders wenn Östrogenspiegel hoch sind. Die Östrogen-Spiegel sind in den folgenden Situationen hoch:

  • Ein paar Tage vor dem Eisprung

  • Während der ersten 2 Wochen des Lebens (weil mütterliche Östrogene vor der Geburt übertragen werden)

  • Während der wenigen Monate vor der Menarche und während der Schwangerschaft (wenn die Östrogen-Produktion steigt)

  • Mit der Verwendung von Medikamenten, die Östrogen enthalten oder die Östrogen- Produktion erhöhen (z. B. einige Fruchtbarkeitsmedikamente)

Allerdings sind Reizung, Brennen und Juckreiz nie normal.

Lactobacillus Spezies ist die vorherrschende Keimart der normalen Vaginalflora bei Frauen im gebärfähigen Alter. Die Besiedelung mit diesem Bakterium hält den pH-Wert der Vagina im Normbereich (pH 3,8–4,2) und verhindert damit ein Überwuchern von pathogenen Bakterien. Darüber hinaus sorgen hohe Östrogenkonzentrationen für eine ausreichend dicke Vaginalhaut, wodurch die lokale Abwehr gestärkt wird.

Faktoren, die zu einer Überwucherung durch pathogene Bakterien beitragen, sind

  • Einnahme von Antibiotika (reduzieren die Laktobazillenzahl)

  • Alkalischer vaginaler pH-Wert, verursacht durch Menstruationsblut, Sperma oder zu wenige Laktobazillen

  • Mangelhafte Hygiene

  • Häufige Scheidenspülungen

  • Schwangerschaft

  • Diabetes mellitus

  • Ein intravaginaler Fremdkörper (z. B. ein vergessener Tampon oder Vaginalpessar)

Ätiologie

Kinder

Eine Vaginitis Übersicht über Vaginitis Vaginitis (Kolpitis) ist eine infektionsbedingte oder nichtinfektionsbedingte Entzündung der Vaginalmukosa, manchmal ist auch die Vulva beteiligt. Die Symptome umfassen vaginalen Ausfluss, Reizung... Erfahren Sie mehr  Übersicht über Vaginitis wird gewöhnlich durch die Flora des Magen-Darm-Traktes verursacht (unspezifische Vulvovaginitis). Ein Faktor, der bei Mädchen im Alter von 2–6 Jahren oft dazu beiträgt, ist mangelhafte perineale Hygiene (z. B. Säubern von hinten nach vorn und Verzicht auf das Händewaschen nach dem Stuhlgang).

Auch chemische Zusätze in Schaumbädern oder Seifen können wiederkehrende Entzündungen und Juckreiz verursachen. Fremdkörper können eine unspezifische Vaginitis, oft mit spärlichem blutigen Ausfluss, hervorrufen.

Frauen im gebärfähigen Alter

Die Vaginitis ist meistens infektiös. Am häufigsten sind

Eine Vaginitis kann auch durch Fremdkörper (z. B. einen vergessenen Tampon) entstehen. Eine nicht entzündliche infektiöse Vaginitis kommt selten vor.

Frauen nach der Menopause

Frauen jeden Alters

In jedem Alter, Bedingungen, die zu vaginalen oder Vulva-Infektion prädisponieren

  • Fisteln zwischen Darm und Genitaltrakt, die der Darmflora ermöglichen, den Genitaltrakt zu bediedeln

  • Becken-Strahlung oder Tumoren (die das Gewebe durchbrechen und somit die normale Wirtsabwehr gefährden)

Fisteln sind meist auf geburtshilfliche Umstände (durch vaginales Geburtstrauma oder Komplikation eines infizierten Dammschnitts) zurückzuführen, können gelegentlich auch Folge einer entzündlichen Darmerkrankungen oder Beckentumoren oder Operation im Beckenbereich (z. B. Hysterektomie, Analchirurgie) sein.

Eine nichtinfektiöse Vulvitis ist für bis zu 30% der Vulvovaginitis-Fälle verantwortlich. Sie kann aufgrund einer Überempfindlichkeits- oder Reizreaktion auf Hygienesprays oder Parfüms, Damenbinden, Waschmittel, optische Aufheller, Weichspüler und gelegentlich auch auf Spermizide, vaginale Gleitmittel oder Cremes, Latexkondome, vaginale Ringkontrazeptiva und Diaphragmen entstehen.

Tabelle
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Abklärung

Anamnese

Die Anamnese der aktuellen Erkrankung umfasst die Art der Beschwerden (z. B. Juckreiz, Brennen, Schmerzen, Ausfluss), Dauer und Intensität. Bei vaginalem Ausfluss sollten die Patientinnen über die Farbe und den Geruch des Ausflusses sowie auslösende und rezidivierende Faktoren (vor allem in Bezug zu Regelblutung und Geschlechtsverkehr) befragt werden. Sie sollten auch Auskunft über die Verwendung von Hygienesprays oder Parfüms, Spermiziden, vaginalen Cremes oder Gleitmitteln, Latexkondomen, vaginalen Ringkontrazeptiva oder Diaphragmen geben.

Bei der Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen gesucht werden, die auf mögliche Ursachen hinweisen, einschließlich der Folgenden:

  • Fieber oder Schüttelfrost und abdominale oder suprapubische Schmerzen: entzündliche Beckenerkrankung (PID) oder Zystitis

  • Polyurie und Polydipsie: Neu einsetzender Diabetes

Zur Anamnese gehören Risikofaktoren für :

  • Candidale Infektion (z. B. Antibiotikaeinnahme, Diabetes, HIV-Infektion, andere Immunsuppressiva)

  • Fisteln (z. B. Morbus Crohn, GU- oder GI-Karzinom, Becken- oder Rektumoperation, Risswunden während der Entbindung)

  • Sexuell übertragbare Krankheiten (z. B, ungeschützter Geschlechtsverkehr, mehrere Partner)

Wenn Verdacht auf sexuellen Missbrauch eines Kindes besteht, kann eine strukturierte forensische Befragung auf Grundlage des National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) Protocol durchgeführt werden. Sie hilft dem Kind, Informationen über das erfahrene Ereignis zu berichten und verbessert die Qualität der erhaltenen Informationen.

Körperliche Untersuchung

Bei den klinischen Untersuchungen steht die Untersuchung des Beckens im Mittelpunkt.

Der äußere Genitalbereich wird auf Rötung, Abschürfungen und Schwellungen untersucht. Mit Hilfe eines mit Wasser benetzten Spekulums wird die Vaginawand auf Rötung, Ausfluss und Fisteln untersucht. Die Zervix wird auf eine Entzündung (z. B. Trichomoniasis) und Ausfluss kontrolliert. Der vaginale pH-Wert wird gemessen und Sekretproben genommen. Mit Hilfe der bimanuellen Untersuchung kann ein zervikaler Bewegungsschmerz und eine Druckempfindlichkeit der Adnexe oder des Uterus (Hinweis auf Adnexitis [PID]) erkannt werden.

Warnzeichen

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Trichomonaden-Vaginitis bei Kindern (Hinweis auf sexuellen Missbrauch)

  • Fäkaler Ausfluss (Hinweis auf eine Fistel, auch wenn sie nicht zu sehen ist)

  • Fieber oder Schmerzen im Beckenbereich

  • Blutiger Ausfluss bei Frauen nach der Menopause

Interpretation der Befunde

Bei Kindern mit vaginalem Ausfluss muss man an einen vaginalen Fremdkörper denken. Ist kein Fremdkörper vorhanden und haben die Kinder eine Trichomonaden-Vaginitis, so ist ein sexueller Missbrauch wahrscheinlich. Wenn sie einen nicht erklärbaren Ausfluss haben, sollte eine Zervizitis Zervizitis Zervizitis ist eine infektionsbedingte oder nicht-infektionsbedingte Entzündung der Zervix. Zu den Befunden gehören vaginaler Ausfluss, vaginale Blutung und zervikale Rötung und Brüchigkeit... Erfahren Sie mehr  Zervizitis , die Folge einer sexuell übertragbaren Krankheit sein kann, in Betracht gezogen werden. Eine unspezifische Vulvovaginitis ist eine Ausschlussdiagnose.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter muss Ausfluss als Folge einer Vaginitis von normalem Ausfluss abgegrenzt werden:

Kontakt zu reizenden Objekten oder allergische Reaktionen verursachen erhebliche Irritationen und Entzündung mit vergleichsweise geringem Ausfluss.

Ausfluss durch Zervizitis Zervizitis Zervizitis ist eine infektionsbedingte oder nicht-infektionsbedingte Entzündung der Zervix. Zu den Befunden gehören vaginaler Ausfluss, vaginale Blutung und zervikale Rötung und Brüchigkeit... Erfahren Sie mehr  Zervizitis (z. B. durch Adnexitis [PID]) kann dem einer Vaginitis ähneln. Abdominalschmerzen, zervikaler Bewegungsschmerz oder zervikale Entzündung deuten auf eine Adnexitis (PID) hin.

Bei atrophischer Vaginitis ist der Ausfluss gering und kann wässrig und dünn oder dick und gelblich sein. Dyspareunie ist häufig, und die Vaginalhaut erscheint dünn und trocken.

Tests

Bei allen Patientinnen werden folgende Tests in der Praxis durchgeführt:

  • pH-Wert

  • Nativpräparat

  • Kaliumhydroxidpräparation

Der pH-Wert des Vaginalsekrets wird mit Indikatorpapier gemessen, das die Bestimmung in 0,2-Intervallen zwischen 4,0 und 6,0 erlaubt Die Sekretproben werden mittels Watteträger auf 2 Objektträger aufgebracht. Anschließend wird die erste Probe mit 0,9%iger Natriumchloridlösung (NaCl-Nativpräparat) und die zweite mit 10%iger Kaliumhydroxidlösung (Kaliumhydroxid-Nativpräparat) verdünnt.

Das Kaliumhydroxid-Nativpräparat wird auf Amine mittels Geruchtest untersucht, die einen ausgeprägten Fischgeruch verursachen und bei Trichomonaden-Vaginitis und bakterieller Vaginose produziert werden. Der Objektträger wird unter dem Mikroskop untersucht; die Kaliumhydroxidlösung löst alle Zellen außer Pilzfäden auf und erleichtert somit deren Identifikation.

Das NaCl-Nativpräparat wird unter dem Mikroskop unverzüglich auf bewegliche Trichomonaden untersucht, da diese innerhalb von Minuten auf dem Objektträger unbeweglich werden und dadurch schwer erkennbar sein können.

Wenn die klinischen Kriterien und die Tests in der Sprechstunde nicht eindeutig ausfallen, kann man eine Pilz- und Trichomonadenkultur aus dem Ausfluss anlegen.

Behandlung

Jede spezifische Ursache muss behandelt werden.

Die Vulva sollte so sauber wie möglich gehalten werden. Seifen und unnötige, lokal aufgetragene Präparate (z. B. Hygienesprays) sollten vermieden werden. Wenn eine Seife benötigt wird, sollte ein hypoallergenes Seife verwendet werden. Die intermittierende Anwendung von Eisbeuteln oder warmen Sitzbädern (mit oder ohne Zusatz von Natron) kann Hautreizungen und Pruritus lindern. Bei chronischer Vulvitis aufgrund von Bettlägerigkeit oder Inkontinenz kann eine bessere Vulvahygiene hilfreich sein.

Bei Symptomen, die mäßig bis stark ausgeprägt sind oder auf andere Maßnahmen nicht ansprechen, können Arzneimittel erforderlich sein. Bei Pruritus kann man ein Kortikosteroidpräparat (z. B. 1%iges Hydrokortison, 2-mal/Tag nach Bedarf) auf die Vulva, jedoch nicht auf die Vaginalhaut applizieren. Orale Antihistaminika verbessern den Juckreiz und machen müde, sodass die Patientin besser schlafen kann.

Mädchen vor der Pubertät sollte man die Grundlagen einer guten perinealen Hygiene beibringen (z. B. sich nach dem Stuhlgang und dem Wasserlassen von vorn nach hinten zu säubern, die Hände zu waschen, Berühren des Damms zu vermeiden).

Geriatrische Aspekte

Nach der Menopause führt die starke Östrogenabnahme dazu, dass die Vaginalhaut dünner wird (athropische Vaginitis); dadurch steigt die Anfälligkeit für Infektionen und Entzündungen (atrophische Vaginitis). Weitere häufige Ursachen einer Östrogenabnahme bei älteren Frauen sind Ovarektomie, Bestrahlung des Beckens und bestimmte Chemotherapeutika.

Bei atrophischer Vaginitis, führt Entzündung oft zu einen anormalen Ausfluss, der gering ist und dünn oder dick und gelblich sein kann. Dyspareunie ist häufig, und die Vaginalhaut erscheint dünn und trocken.

Mangelhafte Hygiene (z. B. bei inkontinenten oder bettlägerigen Patientinnen) kann aufgrund einer chemischen Reizung durch Urin oder Kot zu einer chronischen Entzündung der Vulva führen.

Bakterielle Vaginose, Candida-Vaginitis und Trichomonaden-Vaginitis kommen in der Postmenopause selten vor, dann aber am ehesten bei Frauen mit Risikofaktoren.

Nach der Menopause ist das Krebsrisiko erhöht, und eine blutige oder wässrige Absonderung eher auf Krebs zurückzuführen; so sollte jede Ausfluss bei postmenopausalen Frauen zeitnah ausgewertet werden.

Wichtige Punkte

  • Vaginale Beschwerden sind häufig unspezifisch.

  • Ursachen von Vaginaljucken und Juckreiz variieren je nach Alter des Patienten.

  • Bei den meisten Patientinnen werden der vaginale pH-Wert bestimmt und die Sekrete unter dem Mikroskop untersucht; falls erforderlich, wird eine Kultur auf sexuell übertragbare Organismen angelegt.

  • Bei postmenopausalen Frauen sollte jeglicher vaginale Ausfluss sofort untersucht werden.

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Bakterielle Vaginose
Als bakterielle Vaginose bezeichnet man eine Vaginitis aufgrund einer komplexen Veränderung der Vaginalflora, bei der die Laktobazillen zurückgedrängt und von anaeroben Pathogenen überwuchert werden. Welche der folgenden Faktoren trägt mit geringster Wahrscheinlichkeit zu dieser Erkrankung bei?

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