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Lynch-Syndrom

(Hereditäres nichtpolypöses kolorektales Karzinom [HNPCC])

Von

Elliot M. Livstone

, MD, Sarasota Memorial Hospital, Sarasota, FL

Inhalt zuletzt geändert Okt 2017
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Das Lynch-Syndrom ist eine autosomal dominante Erkrankung, die für 2 bis 3% der Fälle von kolorektalen Karzinomen (CRC) verantwortlich ist. Die Symptome, initiale Diagnostik und Behandlung entsprechen denen anderer Formen von CRC. Das Lynch-Syndrom wird anhand der Anamnese vermutet und durch genetische Untersuchungen bestätigt. Die Patienten erfordern darüber hinaus auch Kontrollen in Hinblick auf das Auftreten weiterer Krebserkrankungen, v. a. von Endometrium- und Ovarialkarzinomen.

Das Lynch-Syndrom ist eine autosomal-dominante Erkrankung, bei der Patienten mit einer von mehreren bekannten genetischen Mutationen, die die DNA-Mismatch-Reparatur beeinträchtigen, ein Lebenszeitrisiko von 70 bis 80% aufweisen CRC. Verglichen mit sporadischen Formen des Kolonkarzinoms, tritt das Lynch-Syndrom in einem jüngeren Alter (Mitte vierzig) auf und die Läsion liegt mit einer größeren Wahrscheinlichkeit proximal der linken Kolonflexur. Die Vorstufe ist meist ein einzelnes Kolonadenom, nicht multiple Adenome, wie sie bei Patienten mit familiärer adenomatöser Polypose (FAP) auftreten, der anderen Hauptform des hereditären kolorektalen Karzinoms.

Allerdings treten ähnlich wie bei der FAP auch zahlreiche Manifestationen außerhalb des Kolons auf. Nichtmaligne Veränderungen sind Café-au-lait-Flecken und Talgdrüsentumoren und Keratoakanthome. Bei niedrig-gradigem Hautkrebs kann ein Keratoakanthom auftreten. Andere häufige assoziierte Karzinome sind Endometriumtumoren und Ovarialtumoren (ein Risiko von 39% für Endometriumkarzinome und von 9% für Ovarialtumoren bis zum 70. Lebensjahr). Die Patienten haben außerdem ein erhöhtes Risiko für ander Karzinome, einschließlich des Magens, der Harnwege, des Pankreas, der Gallenwege, des ♦Dünndarms♦ und des Gehirns.

Symptome und Beschwerden

Symptome und Anzeichen des Lynch-Syndroms sind ähnlich wie bei anderen Formen von Darmkrebs, und die Diagnose und Behandlung des Tumors selbst sind die gleichen.

Diagnose

  • Detaillierte Familienanamnese

  • Klinische Kriterien, gefolgt von Tests auf Mikrosatelliteninstabilität (MSI) oder mit Immunhistochemie (IHC)

  • Genetische Tests zur Bestätigung

(Siehe auch die Richtlinie der American Gastroenterological Association 2016 zur Diagnose und Behandlung des Lynch-Syndroms

Die spezifische Diagnose eines Lynch-Syndroms wird durch genetische Untersuchungen bestätigt. Allerdings ist es schwer zu entscheiden, wer diesen Test erhalten soll, da es, im Gegensatz zur FAP, kein typisches klinisches Bild gibt. Daher erfordert die Verdachtsdiagnose Lynch-Syndrom die Erhebung einer detaillierten Familienanamnese, diese sollte bei allen jüngeren Kolonkarzinompatienten erfolgen.

Um die Amsterdam-II-Kriterien für das Lynch-Syndrom zu erfüllen, müssen alle drei der folgenden anamnestischen Elemente vorhanden sein:

  • Drei oder mehr Verwandte mit CRC oder Lynch-Syndrom-assoziierter Krebserkrankung

  • CRC unter Einschluss von mindestens zwei Generationen

  • zumindest ein Fall von CRC vor dem 50. Lebensjahr

Andere Vorhersagemodelle (z. B. die PREMM Modell) und andere Kriterien (z. B. die Bethesda-Kriterien1]) werden von einigen Gesundheitsexperten verwendet.

Patienten, die diese Kriterien erfüllen, sollten ihr Tumorgewebe entweder auf MSI oder mit IHC testen lassen, um Proteine nachzuweisen, die für die Reparatur von DNA-Fehlanpassungen verantwortlich sind. Die meisten kommerziellen und klinischen Pathologielabors führen diesen Test nun routinemäßig an allen kolorektalen Adenokarzinom-Proben durch. Die AGA-Leitlinien von 2015 empfehlen, dass Tumoren aller Patienten mit KRK entweder mit IHC oder mit MSI getestet werden sollten (2). Wenn MSI oder IHC positiv ist, ist eine genetische Untersuchung auf spezifische Lynch-Syndrom-Mutationen angezeigt.

Patienten mit Lynch-Syndrom sollten alle 1 bis 2 Jahre eine Kontrollkoloskopie erhalten (2). Patienten mit einem bestätigten Lynch-Syndrom benötigen fortgesetzte Kontrollen wegen des Auftretens anderer Krebserkrankungen. Als Früherkennungsmaßnahmen werden für das Endometriumkarzinom eine jährliche endometriale Aspiration oder eine transvaginale Sonographie empfohlen. Für Ovarialkarzinome sind die Optionen eine jährliche transvaginale Sonographie und das Bestimmen der CA-125-Spiegel. Eine weitere Möglichkeit ist eine prophylaktische Hysterektomie und Ovarektomie. Die Urinanalyse kann zur Suche nach renalen Tumoren genutzt werden.

Verwandte ersten Grades von Patienten mit einem Lynch-Syndrom sollten ab dem 20. Lebensjahr alle 1–2 Jahre eine Koloskopie erhalten, nach dem 40. Lebensjahr jährlich. Weibliche Verwandte ersten Grades sollten jährlich auf Endometrium- und Ovarialkarzinome untersucht werden. Weiter entfernte Verwandte sollten einen genetischen Test erhalten; wenn das Ergebnis negativ ist, sollten sie Koloskopien in den für Patienten mit durchschnittlichem Risiko empfohlenen Intervallen erhalten.

Hinweis zur Diagnose

  • 1. Umar A, Boland CR, Terdiman JP, et al: Revised Bethesda guidelines for hereditary nonpolyposis colorectal cancer (Lynch syndrome) and microsatellite instability. J Natl Cancer Inst 96(4): 261–268, 2004.

  • 2. Rubenstein JH, Enns R, Heidelbaugh J, et al: American Gastroenterological Association Institute guideline on the diagnosis and management of Lynch syndrome. Gastroenterology 149:777–782, 2015. doi: 10.1053/j.gastro.2015.07.036.

Therapie

  • Chirurgische Resektion

Die Behandlung des Lynch-Syndroms besteht meist in der Resektion der Indexläsion mit regelmäßiger Suche nach anderen Darmkrebserkrankungen und assoziierten Tumoren in anderen Organen. Da die meisten Lynch-Syndrom-Tumoren proximal der linken Flexur auftreten, wurde die subtotale Kolektomie als Alternative vorgeschlagen, wobei das Rektosigmoid intakt bleibt. In jedem Fall ist eine engmaschige Nachsorge notwendig.

Wichtige Punkte

  • Gewisse autosomal-dominante Mutationen bergen ein Lebenszeitrisiko von 70–80% für die Entwicklung eines kolorektalen Karzinoms (CRC).

  • Die Patienten haben auch ein erhöhtes Risiko für andere Krebsarten, insbesondere der Gebärmutterschleimhaut und der Eierstöcke.

  • Die Symptome, initiale Diagnostik und Behandlung entsprechen denen anderer Formen von CRC.

  • Patienten mit bestimmten familiären Risikofaktoren sollten ihr Tumorgewebe auf Mikrosatelliteninstabilität (MSI) oder mit Immunhistochemie (IHC) testen lassen; wenn positiv, werden genetische Tests durchgeführt.

  • Bei Verwandten ersten Grades sollte ab dem 20. Lebensjahr alle 1–2 Jahre und nach dem 40. Lebensjahr jährlich eine Koloskopie durchgeführt werden; Frauen sollten darüber hinaus jährlich auf Endometrium- und Ovarialkarzinom untersucht werden.

  • Bei entfernteren Verwandten sollten Gentests erfolgen.

Weitere Informationen

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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