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Darmverschluss

Von

Parswa Ansari

, MD, Hofstra Northwell-Lenox Hill Hospital, New York

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Quellen zum Thema

Unter einem Darmverschluss versteht man eine signifikante mechanische Verschlechterung oder einen vollkommenen Stillstand des Transports von Darminhalt wegen einer Pathologie, die eine Verstopfung des Darms verursacht. Symptome sind Schmerz mit Krampfcharakter, Erbrechen, Obstipation und Luftverhalt. Die Diagnose ist klinisch und wird durch Übersichtsaufnahmen vom Abdomen bestätigt. Die Behandlung besteht in Flüssigkeitsersatz, Absaugung über die Magensonde und in der Mehrzahl der Fälle mit komplettem Verschluss in operativem Vorgehen.

Der mechanische Verschluss wird unterteilt in Verschlüsse des Dünndarms (inkl. des Duodenums) und des Dickdarms. Der Verschluss kann partiell oder komplett sein. Während sich 85% der partiellen Dünndarmverschlüsse auch ohne operatives Eingreifen zurückbilden, erfordern ca. 85% der kompletten Dünndarmverschlüsse eine Operation.

Ätiologie

Insgesamt sind die häufigsten Ursachen eines mechanischen Verschlusses Adhäsionen, Hernien und Tumoren. Andere allgemeine Ursachen sind Divertikulitis, Fremdkörper (inkl. Gallensteine), Volvulus (Drehung des Darms an seinem Mesenterium), Invagination (Einstülpung eines Darmsegmentes in ein anderes) und Stuhleinklemmung. Einzelne Segmente des Darms sind unterschiedlich betroffen (siehe Tabelle: Ursachen von Darmverschlüssen).

Tabelle
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Ursachen von Darmverschlüssen

Lokalisation

Ursache

Kolon

Tumoren (meist an der linken Flexur), Divertikulitis (meist im Sigma), Volvulus des Sigmas oder Zäkums, Koteinklemmung, Morbus Hirschsprung, Morbus Crohn

Duodenum

  • Erwachsene

Krebs des Zwölffingerdarmes oder Krebs des Leiters von Pankreas, Geschwürkrankheit

  • Neugeborene

Atresie, Volvulus, Membranen, Pancreas anulare

Jejunum und Ileum

  • Erwachsene

Hernien, Adhäsionen (häufig), Tumoren, Fremdkörper, Meckel-Divertikel, Morbus Crohn (selten), Ascaris-Befall, Volvulus des Mitteldarms, Invagination durch Tumor (selten)

  • Neugeborene

Mekoniumileus, Volvulus bei malrotiertem Darm, Atresie, Invagination

Pathophysiologie

Bei der einfachen mechanischen Verlegung entsteht der Verschluss ohne Schädigung von Gefäßen. Oberhalb des Verschlusses sammeln sich aufgenommene Flüssigkeit und Nahrung, Verdauungssekrete und Luft an. Der proximale Darm erweitert sich, während die distalen Segmente kollabieren. Die normalen sekretorischen und absorptiven Funktionen der Mukosa sind vermindert und die Darmwand wird ödematös und gestaut. Die schwere Aufblähung des Darms ist selbstperpetuierend und progressiv und verstärkt die peristaltischen sekretorischen Störungen und erhöht damit das Risiko von Dehydratation und Fortschreiten zum Strangulationsileus.

Der Strangulationsileus ist ein Verschluss mit geschädigtem Blutfluss. Er entsteht bei ca. 25% der Patienten mit Dünndarmverschluss. Er ist im Allgemeinen mit einer Hernie, einem Volvulus oder einer Invagination assoziiert. Ein Strangulationsileus kann sich schon innerhalb von 6 h zu einer Infarzierung und einer Gangrän entwickeln. Zunächst entsteht ein venöser Verschluss, gefolgt von einem arteriellen, mit dem Resultat einer sich schnell ausbildenden Darmwandischämie. Der ischämische Darm wird ödematös und infiziert, was zu Gangrän und Perforation führt. Beim Dickdarmverschluss tritt selten eine Strangulation auf (mit Ausnahme von Volvulus).

Eine Perforation kann in einem ischämischen Segment (typischerweise Dünndarm) oder bei ausgeprägter Dilatation des Darms auftreten. Das Risiko ist bei Erweiterung des Zäkums 13 cm im Durchmesser groß. An der Verschlussstelle kann auch eine Perforation eines Tumors oder eines Divertikels auftreten.

Tipps und Risiken

  • Ein Strangulationsileus kann sich schon innerhalb von 6 h zu einer Infarzierung und einer Gangrän entwickeln.

Symptome und Beschwerden

Der Dünndarmverschluss ruft in der Regel unmittelbar nach seiner Entstehung Symptome hervor: Bauchkrämpfe um den Nabel oder im Epigastrium, Erbrechen und – bei Patienten mit komplettem Verschluss – Obstipation. Patienten mit partiellem Verschluss können eine Diarrhö entwickeln. Ein schwerer, ständiger Schmerz lenkt den Verdacht auf eine Strangulation. Besteht keine Strangulation, ist das Abdomen nicht schmerzempfindlich. Typisch ist eine hyperaktive, von hochgestellten Darmgeräuschen begleitete Peristaltik mit peristaltischen Wellen und Krämpfen. Manchmal sind dilatierte Darmschlingen zu fühlen. Tritt eine Infarzierung ein, wird das Abdomen gespannt und die Auskultation zeigt ein sog. stilles Abdomen oder eine minimale Peristaltik. Kreislaufschock und Oligurie sind ernste Hinweise auf ein spätes Stadium eines einfachen Verschlusses oder auf eine Strangulation.

Ein Dickdarmverschluss zeigt meist eine weniger ausgeprägte Symptomatik, die sich, verglichen mit einem Dünndarmverschluss, auch langsamer entwickelt. Es treten zunehmende Obstipation und Auftreibung des Leibes auf. Erbrechen kann ebenfalls vorkommen (in der Regel einige Stunden nach Auftreten weiterer Symptome), ist aber nicht häufig. Krämpfe im unteren Abdomen führen nicht zum Stuhlabgang. Die körperliche Untersuchung zeigt typischerweise ein aufgetriebenes Abdomen mit lauten Borborygmen. Es besteht keine Druckempfindlichkeit und das Rektum ist meistens leer. Oft kann eine Masse an der Stelle eines obstruierenden Tumors palpiert werden. Allgemeinsymptome sind bei einem Dickdarmverschluss meist relativ gering und Flüssigkeits- und Elektrolytmangelzustände selten.

Der Volvulus zeigt oft einen abrupten Beginn. Der bestehende kontinuierliche Schmerz wird überlagert von Schmerzwellen mit kolikartigem Charakter.

Diagnose

  • Abdomenübersichtsaufnahmen

Abdomenübersichtsaufnahmen im Liegen und Stehen werden durchgeführt und erlauben meist eine adäquate Diagnosestellung. Obwohl letztlich nur eine Laparotomie die definitive Diagnose einer Strangulation stellen kann, liefert eine sorgfältige klinische Überwachung frühe Warnhinweise. Erhöhte Leukozyten und Azidose können darauf hindeuten, dass eine Strangulation bereits stattgefunden hat, aber diese Zeichen können fehlen, wenn der venöse Abfluss aus der strangulierten Schlinge verringert ist.

Auf Übersichtsaufnahmen ist eine leiterartige Serie von erweiterten Dünndarmschlingen typisch für das Vorliegen eines Dünndarmverschlusses; dies kann aber auch bei Verschlüssen des rechten Kolons auftreten. Im Darm stellen sich Flüssigkeitsspiegel dar. Ähnliche, aber meist weniger dramatische Röntgenbefunde und Symptome treten beim Ileus auf (Paralyse des Darms ohne Verschluss); eine Differenzierung kann schwierig sein. Erweiterte Schlingen und Flüssigkeitsspiegel müssen bei einem Verschluss des proximalen Jejunums oder bei einem Strangulationsverschluss (wie er beim Volvulus vorkommen kann) nicht vorliegen. Ein infarzierter Darm kann sich im Röntgenbild wie eine solide Masse darstellen. Luft in der Darmwand (Pneumatosis intestinalis) weist auf eine Gangrän hin.

Bei Dickdarmverschluss zeigen die Röntgenbilder eine Erweiterung des Kolons proximal des Verschlusses. Beim Zäkumvolvulus kann eine große Luftblase in der Mitte des Abdomens oder im linken oberen Quadranten auftreten. Diese Prozedur kann unter Umständen den sigmoidalen Volvulus vermindern. Sowohl beim zäkalen als auch beim sigmoidalen Volvulus zeigt ein Kontrasteinlauf die Lokalisation des Verschlusses durch eine typische vogelschnabelartige Verformung an der Stelle der Darmverschlingung. Wenn kein Kontrasteinlauf durchgeführt wird, kann eine Koloskopie zur Druckverminderung eines sigmoidalen Volvulus, seltener eines zäkalen Volvulus eingesetzt werden.

Eine abdominal CT wird häufiger bei Verdacht auf Dünndarmobstruktion eingesetzt.

Therapie

  • Magensonde

  • i.v. Flüssigkeitsgabe

  • i.v. Antibiotika bei Verdacht auf Darmischämie

Patienten mit Verdacht auf einen Darmverschluss müssen hospitalisiert werden. Die Behandlung des akuten Darmverschlusses muss gleichzeitig mit der Diagnostik einsetzen. Es muss immer ein Chirurg hinzugezogen werden.

Die supportiven Maßnahmen bei Verschluss des Dünn- und Dickdarms sind ähnlich: Absaugen über Magensonde, i.v. Flüssigkeitszufuhr (0,9%ige Kochsalz- oder Ringer-Laktat-Lösung als intravasaler Volumenersatz) und ein Blasenkatheter zur Überwachung der Flüssigkeitsausscheidung. Der Elektrolytersatz sollte sich an den Testergebnissen orientieren, aber bei wiederholtem Erbrechen sind Natrium und Kalium im Serum wahrscheinlich erschöpft. Wenn der Verdacht auf eine Ischämie oder Infarzierung des Dünndarms besteht, müssen Antibiotika vor der operativen Exploration gegeben werden (z. B. ein Cephalosporin der 3. Generation wie Cefotetan 2 g i.v.).

Spezifische Maßnahmen

Eine Obstruktion im Erwachsenenalter wird reseziert oder, falls dies nicht möglich ist, durch eine palliative Gastrojejunostomie (Behandlung bei Kindern, Duodenale Obstruktion) versorgt.

Ein kompletter Dünndarmverschluss wird vorzugsweise frühzeitig mit einer Laparatomie behandelt, obwohl die Operation auch 2–3 h aufgeschoben werden kann, um den Flüssigkeitsstatus und die Urinausscheidung bei einem sehr schwer kranken, dehydrierten Patienten zu normalisieren. Die ursächliche Läsion ist wenn immer möglich zu beseitigen. Wenn ein Gallenstein ursächlich für den Verschluss ist, wird er durch eine Enterotomie entfernt, eine Cholezystektomie ist nicht notwendig. Präventive, rezidivverhindernde Maßnahmen müssen ebenfalls durchgeführt werden, wie die Operation von Hernien, die Entfernung von Fremdkörpern und eine Lyse der auslösenden Adhäsionen. Bei einigen Patienten mit frühem postoperativem Verschluss oder rezidivierenden, durch Adhäsionen bedingten Verschlüssen kann unter der Bedingung, dass keine peritonealen Zeichen vorliegen, eine einfache Versorgung mit einer langen Darmsonde (manche Untersucher sehen eine einfache Magensonde als ebenso effektiv an) statt einem operativen Vorgehen versucht werden.

Ein intraperitoneal metastasierendes Karzinom mit Dünndarmverschluss ist eine der Haupttodesursachen bei Erwachsenen mit Tumoren des Gastrointestinalraktes. Operativ oder mit einer endoskopischen Stent-Versorgung kann versucht werden, eine solche Obstruktion zu umgehen und die Symptome palliativ kurzzeitig zu vermindern.

Verschließende Kolonkarzinome können teilweise durch eine Resektion und gleichzeitige Anastomose, mit oder ohne temporäre Kolostomie oder Ileostomie, behandelt werden. Wenn dieses Verfahren nicht möglich ist, kann der Tumor reseziert werden, und es erfolgt eine Kolostomie oder Ileostomie; das Stoma kann gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt geschlossen werden. Gegentlich ist eine umleitende Kolostomie mit späterer Resektion notwendig.

Wenn eine Divertikulitis zum Verschluss führt, kommt es häufig zur Perforation. Die operative Entfernung des gesamten betroffenen Abschnitts kann sehr schwierig sein, ist aber bei Vorliegen einer Perforation und einer generalisierten Peritonitis indiziert. Zunächst erfolgen eine Resektion und Kolostomie und die Anastomose wird zurückgestellt.

Eine Koteinklemmung tritt im Allgemeinen im Rektum auf und kann manuell und mit Einläufen behoben werden. Dagegen erfordert eine Stuhlverhärtung allein oder vermischt mit Barium oder Antazida, die einen kompletten Verschluss (in der Regel im Sigma) verursacht, eine Laparotomie.

Die Behandlung eines Volvulus des Zäkums besteht aus einer Resektion und Anastomose des betroffenen Segments oder bei einem schwachen Patienten in einer Fixation des Zäkums in seiner normalen Position durch eine Zäkostomie. Beim Volvulus des Sigmas kann mithilfe eines Endoskops oder eines langen rektalen Tubus die Schleife in der Regel entlastet und können eine Resektion und Anastomose für einige Tage aufgeschoben werden. Ohne Resektion ist das Rezidiv fast unvermeidbar.

Wichtige Punkte

  • Die häufigsten Ursachen eines mechanischen Verschlusses sind Adhäsionen, Hernien und Tumoren; ein Dünndarmverschluss ohne vorausgegangener Operation oder Hernie ist häufig auf einen Tumor zurückzuführen.

  • Erbrechen und third spacing von Flüssigkeit verursachen Volumenmangel.

  • Ein anhaltender Darmverschlus kann zu Ischämie, Infarkt und Perforation führen.

  • Der Einsatz von Magensonde und Infusionen hat Vorrang vor einer chirurgischen Intervention.

  • Bei Patienten mit rezidivierendem Darmverschluss durch Adhäsionen ist ein Versuch mit einer Nasensonde eher in Betracht zu ziehen als eine sofortige Operation.

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