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Akute Paronychie

Von

Chris G. Adigun

, MD, Dermatology & Laser Center of Chapel Hill

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Quellen zum Thema

Die Paronychie ist eine Infektion der periungualen Gewebe. Akute Paronychie verursacht Rötung, Überwärmung und Schmerzen entlang des Nagelrandes. Die Diagnose erhält man durch die Inspektion. Die Therapie erfolgt mit staphylokokkenwirksamen Antibiotika und der Drainage von jedwedem Eiter.

Die Paronychie ist für gewöhnlich eine akute Erkrankung, chronische Fälle sind jedoch möglich. Bei akuter Paronychie sind die Erreger in der Regel Staphylococcus aureus oder Streptokokken und seltener, Pseudomonas oder Proteus spp. Organismen dringen durch einen Bruch in der Epidermis ein, der durch einen Niednagel, ein Trauma an einer Nagelfalz, Verlust der Kutikula oder chronische Reizung (z. B. durch Wasser und Waschmittel) entsteht. Beißen oder Saugen der Finger kann auch zur Entwicklung der Infektion beitragen. An den Zehen ist oft ein eingewachsener Nagel der Auslöser.

Neuartige Medikamentbehandlungen, wie etwa mit Inhibitoren der epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptoren (EGFR), Säugetierziel von Rapamycin (mTOR) und weniger gebräuchliche BRAF-Gen-Inhibitoren können Paronychie wie auch andere Hautveränderungen verursachen. Der Mechanismus ist nicht vollständig aufgeklärt. Allerdings scheinen die meisten Fälle vom Medikament selbst ausgelöst zu werden, beispielsweise durch Veränderungen des Retinsäuremetabolismus, und nicht durch eine Sekundärinfektion.

Bei Diabetikern sowie bei Patienten mit peripherer Gefäßerkrankung ist die gesamte Extremität durch die Zehenparonychie gefährdet.

Symptome und Beschwerden

Die Paronychie entsteht entlang des Nagelrandes (laterale und/oder proximale Nagelfalz) und manifestiert sich im Laufe von Stunden bis Tagen mit Schmerzen, Überwärmung, Rötung und Schwellung. Für gewöhnlich bildet sich am Nagelrand sowie gelegentlich unter dem Nagel Eiter. Eine Infektion kann sich auf die Fingerspitze ausbreiten, was eine Nagelbettentzündung verursacht. Selten dringt die Infektion in die Tiefe des Fingers vor und führt dort zur infektiösen Tenosynovitis der Flexoren.

Akute Paronychie am Finger
Akute Paronychie am Finger
DR. P. MARAZZI/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Diagnose

Die Diagnose erhält man durch die Inspektion. Mehrere Hauterkrankungen können Änderungen verursachen, die aussehen wie Paronychie; sie sollten daher in Betracht gezogen werden, vor allem, wenn die Behandlung zunächst nicht wirksam ist. Zu diesen Krankheiten gehören Plattenepithelkarzinom, proximale Onychomykose, pyogenes Granulom, Pyoderma gangrenosum und Herpes Panaritium.

Behandlung

  • staphylokokkenwirksames Antibiotikum

  • Drainage von Eiter

Zunächst erfolgen warme Umschläge oder Bäder unter Abdeckung mit einem staphylokokkenwirksamen Antibiotikum (z. B. Dicloxacillin oder Cephalexin viermal täglich 250 mg p.o., Clindamycin viermal täglich 300 mg p.o.). In Gebieten, in denen Methicillin-resistentes S. aureus häufig vorkommt, sollten Antibiotika, die wirksam gegen diesen Organismus sind (z. B. Trimethoprim/Sulfamethoxazol) basierend auf den Ergebnissen der lokalen Sensitivitätstestung gewählt werden. Bei Diabetikern und Patienten mit peripherer Gefäßkrankheit sollte bei einer Paronychie an den Zehen auf Zeichen einer Phlegmone oder schweren Infektion geachtet werden (z. B. Ausbreitung von Erythem und Ödem, Lymphadenopathie, Fieber).

Fluktuierende Schwellungen oder sichtbarer Eiter sollten drainiert werden, z. B. indem eine schmale Skalpellklinge zwischen Nagel und Nagelfalz geschoben wird. Eine Hautinzision ist nicht erforderlich. Zur Drainageförderung kann für 24–48 h ein dünner Mullschlauch eingelegt werden.

Ein Fall, der durch eine EGFR-Inhibitorentherapie ausgelöst wurde und nicht auf die üblichen Behandlungen ansprach, wurde erfolgreich mit autologem Blutplättchen-reichem Plasma behandelt.

Wichtige Punkte

  • Akute Paronychie kann mit einem Niednagel, einem Nagelfalztrauma, dem Verlust der Nagelhaut, einer chronischen Reizung oder Beißen oder Lutschen der Finger zusammenhängen.

  • Die Diagnose ist wahrscheinlich, wenn sich schwere Rötungen, Schmerzen und Wärme akut entlang des Nagelrandes entwickeln, aber Alternativdiagnosen sollten in Erwägung gezogen werden, insbesondere dann, wenn die Behandlung nicht erfolgreich ist.

  • Die Behandlung erfolgt über die Drainage jeglichen sichtbaren Eiters oder, falls kein Eiter zu sehen ist, mit Antibiotika und feuchter Wärme.

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