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Kandidose (Mukokutane)

(Moniliasis)

Von

Denise M. Aaron

, MD, Dartmouth Geisel School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Quellen zum Thema

Candidiasis ist eine Infektion der Haut und Schleimhäute mit Candida sp., meist Candida albicans. Die Infektionen können überall auftreten, überwiegend an Hautfalten, "digital web spaces", den Genitalian, der Nagelhaut und der oralen Schleimhaut. Symptome und Beschwerden hängen von der Lokalisation ab. Die Diagnose wird anhand des klinischen Bildes und des Kaliumhydroxid-Nativpräparates gestellt. Die Behandlung erfolgt mit trocknenden Substanzen und Antimykotika.

Ätiologie

Zu den potenziell pathogenen Pilzen gehören Dermatophyten und Hefe. Candida bezeichnet eine Gruppe von etwa 150 Hefespezies. C. albicans ist für etwa 70–80% aller Candidainfektionen verantwortlich. Andere klinisch relevante Spezies sind u. a. C. glabrata,C. tropicalis,C. krusei, und C. dubliniensis.

Candida ist eine ubiquitär vorkommende Hefe, die als harmloser Kommensale auf Haut und Schleimhäuten lebt, bis Feuchtigkeit, Wärme und eine beeinträchtigte lokale und systemische Abwehr eine günstige Umgebung schaffen, sodass sie wachsen kann.

Zu den Risikofaktoren für Candidiasis gehören

  • Heißes Wetter

  • Restriktive Bekleidung

  • Mangelnde Hygiene

  • Unregelmäßiges Wechseln von Windeln oder Unterwäsche bei Kindern und älteren Patienten

  • Veränderte Flora durch eine Behandlung mit Antibiotika

  • Entzündliche Erkrankungen (z. B. Psoriasis), die in Hautfalten auftreten

  • Immunsuppression, verursacht durch Kortikosteroide und Immunsuppressiva, Schwangerschaft, Diabetes, andere Endokrinopathien (z. B. Cushing-Krankheit, Hypoadrenalismus, Hypothyreose), Blutdyskrasien, HIV/AIDS oder T-Zell-Defekte

Die Kandidose tritt meist in den Intertrigines auf, wie Achselhöhlen, Leisten und Glutealfalten (z. B. Windelekzem) und in den Finger- und Zehenzwischenräumen, auf der Glans penis sowie unter den Brüsten. Bei Frauen tritt oft eine vulvovaginale Kandidose auf. Nach unprofessioneller Maniküre sowie bei Küchenangestellten und anderen, deren Hände ständig Wasserkontakt haben, können Nagelinfektionen durch Candida und Paronychien Akute Paronychie Die Paronychie ist eine Infektion der periungualen Gewebe. Akute Paronychie verursacht Rötung, Überwärmung und Schmerzen entlang des Nagelrandes. Die Diagnose erhält man... Erfahren Sie mehr Akute Paronychie auftreten ( Onychomykose Onychomykose Die Onychomykose ist eine Pilzinfektion der Nagelplatte, des Nagelbettes oder von beiden. Die Nägel sind in der Regel verformt und weiß oder gelb verfärbt. Die Diagnose wird mittels... Erfahren Sie mehr Onychomykose ). Bei adipösen Menschen können Infektionen durch Candida unter dem Pannus (Bauchfalte) auftreten. Die oropharyngeale Kandidose ist ein häufiger Befund bei lokaler oder systemischer Immunsuppression.

Die chronische mukokutane Kandidose betrifft typischerweise Nägel, Haut und Oropharynx. Die Patienten weisen eine kutane Candida,-Anergie auf, keine proliferative Reaktion auf das Candida-Antigen (aber eine normale Proliferationsreaktion auf Mitogene), aber eine intakte Antikörperreaktion auf Candida und andere Antigene. Die chronische mukokutane Kandidose kann gemeinsam mit einer Hypoparathyreoidose und einem M. Addison als autosomal-rezessive Erkrankung auftreten (Candida-Endokrinopathie-Syndrom).

Symptome und Beschwerden

Die intertriginösen Infektionen manifestieren sich mit juckenden, gut abgegrenzten erythematösen Flecken unterschiedlicher Form und Größe. Bei dunkelhäutigen Patienten ist das Erythem oft nur schwer zu erkennen. Die primären Flecken haben oft angrenzende Satellitenpapeln und -pusteln.

Die perianale Kandidose führt zu weißen Mazerationen und analem Juckreiz.

Candidale Nagelinfektionen kann die Nagelplatte, Nagelkanten oder beides beeinflussen. Eine Infektion durch Candida ist eine häufige Ursache chronischer Paronychie Akute Paronychie Die Paronychie ist eine Infektion der periungualen Gewebe. Akute Paronychie verursacht Rötung, Überwärmung und Schmerzen entlang des Nagelrandes. Die Diagnose erhält man... Erfahren Sie mehr Akute Paronychie , die sich als schmerzhafte rote periunguale Schwellung manifestiert. Subungualinfektionen sind durch eine distale Abtrennung von einem oder mehreren Fingernägeln (Onycholyse Onycholyse Dysplasien werden oft zusammen mit Dystrophien betrachtet, dabei sind die beiden etwas unterschiedlich; Dysplasien gelten allgemein als grobe Veränderungen der Nagel-Form, während Dystrophien... Erfahren Sie mehr  Onycholyse ) mit weißer oder gelber Verfärbung des Subungualbereiches charakterisiert.

Perlèche ist Candidiasis in den Mundwinkeln, die Brüche und kleine Risse erzeugt. Es kann aus chronischem Lecken der Lippen, Daumenlutschen, schlecht sitzenden Zahnprothesen oder andere Bedingungen, die die Mundwinkel feucht genug machen, sodass Hefe wachsen kann, resultieren.

Die chronische mukokutane Kandidose geht mit roten, pustulösen, verkrusteten und verdickten Plaques einher, die an Psoriasis erinnern, insbesondere auf Nase und Stirn, und grundsätzlich mit einer chronischen oralen Kandidose assoziiert sind.

Diagnose

  • Klinisches Erscheinungsbild

  • Kaliumhydroxid-Nativpräparate

Die Diagnose einer mukokutanen Candiasis basiert auf dem klinischen Erscheinungsbild und der Identifikation von Hefe und Pseudohyphen im Kaliumhydroxid-Nativpräparaten von Proben einer Läsion. Positive Kulturen allein sind meist ohne Bedeutung, da Candida omnipräsent ist.

Behandlung

  • Manchmal trocknende Substanzen

  • Topische oder orale Antimykotika

Die intertriginöse Infektion wird bei Bedarf mit trocknenden Substanzen (z. B. Kompressen mit Burow-Lösung, die für 15–20 Minuten bei aussickernden Läsionen angebracht werden) und topischen Antimykotika behandelt (siehe Tabelle: Behandlungsmöglichkeiten oberflächlicher Pilzinfektionen* Behandlungsmöglichkeiten oberflächlicher Pilzinfektionen*  Behandlungsmöglichkeiten oberflächlicher Pilzinfektionen* ). Puderartige Darreichungsformen sind ebenfalls hilfreich (z. B. Miconazolpuder 2-mal täglich für 2–3 Wochen). Bei ausgedehnter intertriginöser Kandidose kann einmal wöchentliche Fluconazol 150 mg p.o. für 2–4 Wochen gegeben werden. Gleichzeitig können auch topische Substanzen angewandt werden.

Tabelle
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Kandidale Windeldermatitis wird mit einem häufigeren Wechseln der Windeln, der Nutzung von Super- oder Ultra-absorbierenden Einwegwindeln und einer 2-mal täglich angewandten Imidazol-Creme behandelt. Orales Nystatin ist eine Möglichkeit bei Säuglingen mit gleichzeitiger oropharyngealer Kandidose, dazu wird 4-mal täglich 1 ml einer Lösung (100.000 I.E./ml) in jede Wangentasche gegeben.

Kandidale Paronychie wird dadurch behandelt, dass der Bereich vor Nässe geschützt wird und topische oder orale Antimykotika gegeben werden. Diese Infektionen sind oft resistent gegen die Behandlung. Thymol 4% in Alkohol auf die betroffene Stelle zweimal täglich angewendet ist oft hilfreich.

Mundkandidose kann behandelt werden, indem 1 Clotrimazol 10 mg-Pastille 4- bis 5-mal täglich für 14 Tage im Mund aufgelöst wird. Eine weitere Möglichkeit ist, eine orale Nystatinlösung (4–6 ml einer 100.000 I.E./ml-Lösung) 3- bis 4-mal täglich so lange wie möglich im Mund zu halten und dann zu schlucken oder auszuspucken, was für 7–14 Tage weitergeführt wird, nachdem sich die Symptome und Beschwerden gebessert haben. Ein systemisches Antimyotikum kann ebenfalls genutzt werden (z. B. Fluconazol 200 mg p.o. am ersten Tag und anschließend für 2–3 Wochen 100 mg/Tag p.o.).

Eine chronische mukokutane Kandidose erfordert eine langfristige orale antimykotische Behandlung mit oralem Fluconazol.

Wichtige Punkte

  • Candida sind normale Hautflora, die unter bestimmten Bedingungen (z. B. übermäßige Feuchtigkeit, Veränderung der normalen Flora, Immunsuppression des Wirtes) infektiös werden können.

  • Kandidosen mit geröteten, schuppenden, juckende Flecken in den Intertrigines und mit Läsionen an den Schleimhäuten, den Nägeln oder in den Mundwinkeln werden betrachtet.

  • Sofern das klinische Erscheinungsbild nicht diagnostisch ist, wird versucht, Hefe und Pseudohyphen im Kaliumhydroxid-Nativpräparat von Proben einer Läsion nachzuweisen.

  • Die meisten intertriginösen Kandidosen werden mit trocknenden Substanzen und topischen Antimykotika behandelt.

  • Die meisten Fälle von Windeldermatitis werden mit häufigem Wechsel absorbierender Wegwerfwindeln und mit Imidazolcreme behandelt.

  • Orale Kandidose wird mit Clotrimazol-Pastillen, einer oralen Nystatinlösung oder oralen Antimykotika behandelt.

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