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Optikusneuritis

Von

James Garrity

, MD, Mayo Clinic College of Medicine and Science

Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Die Optikusneuritis (Neuritis nervi optici) ist eine Entzündung des Sehnervs. Symptome wie Augenschmerzen und partieller oder kompletter Sehverlust treten meist unilateral auf. Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Die meisten Fälle bessern sich spontan.

Ätiologie

Die Optikusneuritis tritt am häufigsten bei 20- bis 40-Jährigen auf. Die meisten Fälle sind auf eine demyelinisierende Krankheit zurückzuführen, insbesondere multiple Sklerose Multiple Sklerose (MS) Die multiple Sklerose (MS) ist charakterisiert durch eine verstreute, flickenförmige Demyelinisierung in Gehirn und Rückenmark. Häufige Symptome können visuelle und okulomotorische Anomalien... Erfahren Sie mehr Multiple Sklerose (MS) , wobei Rezidive auftreten können. Die Optikusneuritis ist häufig die zu sehende Manifestation einer Multiplen Sklerose. Zu weiteren Ursachen zählen:

Symptome und Beschwerden

Das Hauptsymptom der optischen Neuritis ist der Sehverlust, der oft innerhalb von 1 oder 2 Tagen sein Maximum erreicht und von einem kleinen zentralen oder parazentralen Skotom bis zur vollständigen Blindheit variiert. Die meisten Patienten haben leichte Augenschmerzen, welche sich mit Augenbewegung oft schlimmer anfühlen.

Wenn die Papille geschwollen ist, so wird dieser Zustand als Papillitis bezeichnet. Wenn die Papille normal erscheint, wird der Zustand als Retrobulbärneuritis (Neuritis nervi optici) bezeichnet. Die charakteristischsten Befunde umfassen reduzierte Sehschärfe, Gesichtsfelddefekte, und gestörte Farbwahrnehmung (oft in keinem Verhältnis zum Verlust der Sehschärfe). Ein afferenter Pupillendefekt ist in der Regel nachweisbar, wenn das kontralaterale Auge nicht oder nur zu einem geringeren Grad betroffen ist. Die Prüfung des Farbsehens ist eine nützliche Ergänzung, obwohl 10 % der Männer eine angeborene Farbenblindheit haben, die falsch-positive Ergebnisse liefert. Bei etwa zwei Dritteln der Patienten ist die Entzündung gänzlich retrobulbär, und verursacht keine sichtbaren Veränderungen des Sehnervenkopfes. Bei den übrigen Fällen sind Papillenhyperämie, Ödeme in oder um die Papille, Gefäßschwellung, oder eine Kombination aus diesen zu erkennen. In der Nähe oder auf der Papille können einige Exsudate und Blutungen vorhanden sein.

Diagnose

  • Klinische Bewertung

  • Magnetresonanztomographie

Der Verdacht auf eine Optikusneuritis besteht bei Patienten mit typischen Schmerzen und Sehverlust, vor allem, wenn sie jung sind. Die neurologische Bildgebung, vorzugsweise eine MRT mit Gadolinium, wird für gewöhnlich durchgeführt und kann einen vergrößerten, verbesserten Sehnerv zeigen. Die MRT kann auch bei der Diagnose von Multipler Sklerose, der Erkrankung der Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein-Autoantikörper (MOG-IgG) und der Neuromyelitis optica (NMO) helfen. Wenn die Optikusneuritis mit Demyelinisierung verbunden ist, lassen sich mit FLAIR-Sequenzen (Fluid Attenuated Inversion Recovery) der MRT typische demyelinisierende Läsionen in periventrikulärer Lage darstellen. Eine Beteiligung des Rückenmarks kann bei der NMO- oder MOG-IgG-Erkrankung beobachtet werden.

Tipps und Risiken

  • Ziehen Sie eine MRT mit Gadolinium bei jungen Patienten in Betracht, die Augenbewegungsschmerzen und Verlust des Sehvermögens (z. B. Verminderung der Sehschärfe oder des Farbsehens, Gesichtsfelddefekte) oder einen afferenten Pupillendefekt haben.

  • Betrachten Sie die Bildgebung des Rückenmarks bei Patienten mit neurologischen Symptomen, die auf eine Beteiligung des Rückenmarks hinweisen, was entweder bei der NMO- oder MOG-IgG-Erkrankung zu beobachten ist.

Prognose

Die Prognose hängt von der zugrunde liegenden Krankheit ab. In den meisten Fällen kommt es zu einer spontanen Erholung mit Normalisierung des Sehvermögens in 2–3 Monaten. Bei den meisten Patienten mit typischer Optikusneuritis-Anamnese und ohne zugrunde liegender systemischer Krankheit, wie eine Bindegewebserkrankung (Kollagenose), erholt sich der Visus zwar wieder, doch in > 25% entwickelt sich ein Rezidiv im selben Auge oder im anderen Auge. Mit der MRT lässt sich das zukünftige Risiko einer demyelinisierenden Krankheit abschätzen.

Behandlung

  • Kortikosteroide

Kortikosteroide sind eine Option, insbesondere, wenn multiple Sklerose oder Neuromyelitis optica vermutet wird. Eine Behandlung mit Methylprednisolon (500–1000 mg intravenös 1-mal täglich) über 3 Tage und anschließend Prednison (1 mg/kg oral 1-mal täglich) über 11 Tage kann die Erholung beschleunigen, jedoch unterscheiden sich die endgültigen Visusergebnisse nicht von denen bei alleiniger Beobachtung. Berichten zufolge können intravenöse Kortikosteroide den Beginn einer multiplen Sklerose um mindestens 2 Jahre hinauszögern. Durch alleinige Behandlung mit oral verabreichtem Prednison verbessert sich das Visusergebnis nicht, zudem kann sich die Rezidivrate erhöhen. Low-Vision-Hilfen (z. B. Lupen, Großdruck-Geräte, sprechende Uhren) können hilfreich sein. Andere Behandlungen, wie etwa jene, die zur Behandlung von multipler Sklerose genutzt werden, können angewandt werden, wenn multiple Sklerose vermutet wird.

Wichtige Punkte

Hinweis

  • 1. Pittock SJ and Luccienetti CF: Neuromyelitis optica and the evolving spectrum of autoimmune aquaporin-4 channelopathies: a decade later. Ann NY Acad Sci doi: 10.1111/nyas.12794, 2015.

  • 2. Chen JJ, Flanagan EP, Jitprapaikulsan J, et al: Myelin oligodendrocyte glycoprotein antibody-positive optic neuritis: Clinical characteristics, radiologic clues, and outcome. Am J Ophthalmol195:8-15, 2018. doi: 10.1016/j.ajo.2018.07.020.

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