Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

Lädt...

Colitis ulcerosa

Von

Aaron E. Walfish

, MD, Mount Sinai Medical Center;


Rafael Antonio Ching Companioni

, MD, Digestive Diseases Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Kurzinformationen
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Quellen zum Thema

Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit Entzündungen und Geschwüren (vertieft oder erodiert) im Dickdarm (Colon), die Schübe (Attacken) mit blutigem Durchfall, Bauchkrämpfen und Fieber verursachen. Das langfristige Risiko einer Darmkrebserkrankung ist im Vergleich zu Personen, die nicht an Colitis ulcerosa leiden, erhöht.

  • Die exakte Ursache dieser Erkrankung ist nicht bekannt.

  • Typische Symptome im Rahmen der Schübe umfassen Bauchkrämpfe, Stuhldrang und Durchfall (typischerweise blutig).

  • Die Diagnose basiert auf einer Sigmoidoskopie, manchmal auf einer Koloskopie.

  • Personen, bei denen seit langer Zeit eine Colitis ulcerosa bestanden hat, können Darmkrebs entwickeln.

  • Ziel der Behandlung ist, die Entzündung einzudämmen, Beschwerden zu lindern und mögliche Flüssigkeits- und Nährstoffverluste auszugleichen.

Eine Colitis ulcerosa kann in jedem Lebensalter beginnen, tritt aber gewöhnlich vor dem 30. Lebensjahr, normalerweise zwischen dem 14. und 24. Lebensjahr auf. Eine kleine Gruppe von Personen erlebt den ersten Krankheitsschub im Alter von 50 bis 70 Jahren.

Colitis ulcerosa beginnt normalerweise im Mastdarm (ulzeröse Proktitis). Sie kann auf den Mastdarm begrenzt bleiben oder sich mit der Zeit auf den gesamten Dickdarm ausbreiten. Manchmal ist schon zu Beginn der Krankheit fast der gesamte Dickdarm betroffen.

Bei der Colitis ulcerosa sind in der Regel nicht alle Schichten der Dickdarmwand erkrankt, und der Dünndarm ist fast nie betroffen. Die betroffenen Darmabschnitte weisen flache Geschwüre (wunde Stellen) auf. Anders als Morbus Crohn führt eine Colitis ulcerosa nicht zu Fisteln oder Abszessen.

Die Ursache der Colitis ulcerosa ist nicht sicher bekannt, aber genetische Faktoren und eine Überaktivität des Immunsystems im Darm spielen möglicherweise eine Rolle. Das Zigarettenrauchen, das an der Entwicklung und den periodischen Schüben des Morbus Crohn beteiligt zu sein scheint, senkt scheinbar das Risiko für Colitis ulcerosa. Angesichts der vielen gesundheitlichen Probleme, die durch Zigarettenrauchen entstehen, ist es dennoch nicht angebracht, zu rauchen, um das Risiko einer Colitis ulcerosa zu senken.

Symptome

Die Symptome der Colitis ulcerosa treten in Schüben auf. Die Krankheitsschübe können plötzlich mit heftigen Beschwerden einsetzen und führen zu starkem Durchfall mit Schleim und Blut, hohem Fieber, Bauchschmerzen und bisweilen zu Peritonitis (Bauchfellentzündung). Während dieser Schübe sind die Betroffenen schwer krank. Häufiger beginnen die Schübe schleichend mit Stuhldrang (Defäkationsdrang), leichten Krämpfen im Unterbauch und sichtbaren Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl. Ein Schub kann Tage oder Wochen dauern und jederzeit wieder auftreten.

Wenn die Erkrankung auf den Mastdarm und das Sigmoid begrenzt ist, kann der Stuhl normal oder hart und trocken sein. Allerdings wird während oder zwischen den Stuhlgängen Schleim mit zahlreichen roten und weißen Blutkörperchen aus dem Mastdarm ausgeschieden. Die Personen können an leichten allgemeinen Krankensymptomen wie Fieber leiden.

Breitet die Krankheit sich in höher gelegene Dickdarmabschnitte aus, ist der Stuhl weicher, und die Patienten haben über 10 Stuhlgänge täglich. Oft werden sie von schweren Bauch- und schmerzhaften Muskelkrämpfen gequält, die den Stuhldrang begleiten. Auch nachts lassen die Schmerzen nicht nach. Der Stuhl kann wässrig sein und Eiter, Blut und Schleim enthalten. Oft besteht der Stuhl fast aus schließlich aus Blut und Eiter. Die Person kann auch Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme aufweisen.

Komplikationen

Zu den wesentlichen Komplikationen von Colitis ulcerosa zählen

  • Blutung

  • Fulminante Colitis (toxische Colitis)

  • Darmkrebs

Blutungen, die häufigste Komplikation, führen oft zu Blutarmut durch Eisenmangel.

Fulminante Colitis (auch als toxische Colitis bezeichnet) ist eine besonders schwere Komplikation. Bei nahezu 10 % der Patienten mit Colitis ulcerosa wird ein sich sehr schnell verschlimmernder erster Schub zu einer ernsten Bedrohung, mit starker Blutung, Darmriss (Perforation) oder weit ausgebreiteter Infektion. Die Schäden an Nerven und Muskeln der Darmwand verursachen einen Darmverschluss (eine Erkrankung, bei der die normalen Kontraktionen der Darmwand vorübergehend aussetzen), sodass der Darminhalt nicht weiterbefördert wird. Der Bauch ist aufgebläht (gedehnt).

Wenn sich die fulminante Colitis verschlimmert, verliert der Dickdarm seine Muskelspannung und weitet sich innerhalb weniger Tage – oder sogar Stunden (eine Erkrankung, die als toxisches Megacolon bezeichnet wird). Diese Komplikation kann zu hohem Fieber und Bauchschmerzen führen. Manchmal kommt es zur Perforation des Dickdarms, und die Person entwickelt eine Bauchfellentzündung (Peritonitis). Röntgenaufnahmen des Bauchraums können die Aufblähung des Darms und das Vorliegen von Gas in der Wand der gelähmten Darmabschnitte zeigen.

Darmkrebs wird etwa 7 Jahre nach dem Beginn der Erkrankung von Personen mit ausgedehnter Colitis ulcerosa häufiger. Das Risiko für Darmkrebs ist am höchsten, wenn der gesamte Dickdarm betroffen ist, und nimmt zu, je länger die Person schon an Colitis ulcerosa leidet. Nach 20 Jahren dieser Erkrankung hat sich bei etwa 7–10 % der Patienten Krebs gebildet und nach 35 Jahren bei bis zu 30 % der Patienten. Krebs wird jedes weitere Jahr bei etwa 1 von 100 bis 200 Patienten mit 8–10 Jahren einer extensiven Colitis ulcerosa diagnostiziert. Patienten, die sowohl an einer entzündlichen Darmerkrankung als auch einer Entzündung der Gallenwege (primäre sklerosierende Cholangitis) leiden, tragen jedoch ab dem Diagnosezeitpunkt ihrer Colitis ein noch höheres Risiko für die Entstehung von Darmkrebs.

Patienten, die seit mehr als 8 bis 10 Jahren an Colitis ulcerosa oder an einer primären sklerosierenden Cholangitis leiden, wird zu einer Koloskopie (Untersuchung des Dickdarms mit einem biegsamen Kameraschlauch) alle 1 bis 2 Jahre geraten. Bei der Koloskopie werden Gewebeproben für mikroskopische Untersuchungen aus Bereichen des Dickdarms entnommen, um die Frühwarnzeichen von Krebs (Dysplasie) zu erkennen. Die Entnahme und Untersuchung von Gewebe wird Biopsie genannt. Bei einer neueren Form der Koloskopie, der Chromoendoskopie, werden während der Koloskopie Farbkontrastmittel in den Dickdarm eingeführt, um die kanzerösen (bösartigen) und präkanzerösen Areale besser sichtbar zu machen und die Ärzte bei der Identifizierung der für eine Biopsie geeigneten Bereiche zu unterstützen.

Andere Komplikationenals bei Morbus Crohn können auftreten. Bei einem Schub einer Colitis ulcerosa mit gastrointestinalen Symptomen können Betroffene zudem folgende Symptome haben:

Wenn Colitis ulcerosa nicht für die gastrointestinalen Symptomschübe verantwortlich ist, können Betroffene dennoch u. a. folgende Komplikationen erleiden, die keinen Zusammenhang zu der Darmerkrankung aufweisen:

Obwohl Personen mit Colitis ulcerosa häufig nur eine geringe Funktionsstörung der Leber haben, weisen 1 bis 3 % Symptome einer leichten bis schweren Lebererkrankung auf. Als schwere Lebererkrankungen können eine Entzündung der Leber (chronische aktive Hepatitis), eine Entzündung der Gallenwege (primäre sklerosierende Cholangitis), die zu Verengungen und schließlich zum Verschluss der Gallenwege führt, und eine Verdrängung von funktionsfähigem Lebergewebe durch Narbengewebe (Zirrhose) entstehen. Eine Entzündung der Gallenwege kann viele Jahre vor dem Auftreten von Darmsymptomen von Colitis ulcerosa erscheinen. Die Entzündung erhöht deutlich das Risiko für Krebs der Gallenwege und scheint auch mit einer starken Erhöhung des Risikos für Darmkrebs assoziiert zu sein.

Diagnose

  • Stuhltests

  • Sigmoidoskopie

  • Bluttests

  • Bildgebende Verfahren

Ärzte vermuten Colitis ulcerosa bei Personen mit rezidivierenden blutigen Durchfällen begleitet von Krämpfen und einem starken Stuhldrang, insbesondere wenn die Person andere Komplikationen wie Arthritis oder Leberprobleme und eine Vorgeschichte mit ähnlichen Attacken aufweist.

Ärzte untersuchen den Stuhl, um nach Parasiten zu suchen und bakterielle Infektionen auszuschließen.

Mit einer Sigmoidoskopie (eine Untersuchung des „Colon sigmoideum“ genannten Darmabschnitts) wird die Diagnose Colitis ulcerosa bestätigt. Mit dieser Untersuchung kann der Arzt direkt die Schwere der Entzündung bestimmen, Proben von Schleimhaut oder Stuhl zur Kultivierung entnehmen und Gewebeproben der betroffenen Areale für eine mikroskopische Untersuchung (sogenannte Biopsie) entnehmen. Auch in den beschwerdefreien Abschnitten sieht der Darm nur selten normal aus, und Gewebeproben lassen bei einer mikroskopischen Untersuchung Anzeichen einer chronischen Entzündung erkennen. Eine Koloskopie ist normalerweise nicht erforderlich, Ärzte müssen sie jedoch durchführen, wenn sich die Entzündung über die Reichweite des Sigmoidoskops hinaus ausdehnt.

Blutuntersuchungen bestätigen die Diagnose einer Colitis ulcerosa nicht, können aber ergeben, dass der Patient eine Blutarmut, eine erhöhte Anzahl weißer Blutzellen (bei einer Entzündung), einen niedrigen Albuminspiegel und eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) oder einen erhöhten Spiegel des C-reaktiven Proteins (CRP) aufweist, alles Messungen, die auf eine aktive Entzündung hindeuten. Ein Arzt könnte zudem Tests zur Untersuchung der Leberfunktion vornehmen.

Röntgenaufnahmen des Bauchraums nach Suspendierung eines Bariumklistiers in den Dickdarm (ein sogenannter Kolonkontrasteinlauf) können den Schweregrad und die Ausbreitung der Erkrankung anzeigen, werden aber nicht durchgeführt, wenn die Erkrankung aktiv ist, wie z. B. während eines Schubs, da sonst die Gefahr eines Darmrisses besteht. Es könnten auch andere Röntgenaufnahmen vom Bauch angefertigt werden.

Wiederkehrende oder schwere Symptome einer Colitis ulcerosa

Ärzte untersuchen Patienten, wenn ihre typischen Symptome wiederkehren. Sie führen jedoch nicht immer Tests durch. Wenn die Symptome häufiger oder länger anhaltend sind als normal, können Ärzte eine Sigmoidoskopie oder Koloskopie und ein Blutbild durchführen. Ärzte könnten andere Untersuchungen in Bezug auf Infektionen oder Parasiten durchführen.

Bei schwerwiegenden Symptomen werden die Patienten stationär aufgenommen. Ärzte fertigen Röntgenaufnahmen an, um nach erweiterten oder perforierten Darmabschnitten zu suchen.

Prognose

Eine Colitis ulcerosa verläuft normalerweise chronisch mit wiederholten Schüben und Ruhephasen (Zeiträume ohne Symptome). Ein sich schnell verschlechternder erster Schub führt bei etwa 10 % der Personen zu ernsten Komplikationen. Weitere 10 % erholen sich nach einem einzelnen Schub vollständig. Die übrigen Personen haben einen gewissen Grad einer rezidivierenden Erkrankung.

Personen mit ulzerativer Proktitis haben die beste Prognose. Schwere Komplikationen sind unwahrscheinlich. Bei etwa 20 bis 30 % der Personen breitet sich die Krankheit aber schließlich auf den Dickdarm aus (und wird dadurch zu einer Colitis ulcerosa). Bei Personen mit nicht ausgebreiteter Proktitis ist eine Operation nur selten erforderlich, die Krebsraten sind nicht erhöht, und die Lebenserwartung ist normal.

Darmkrebs

Die langfristige Überlebensrate für Personen mit Darmkrebs durch Colitis ulcerosa beträgt etwa 50 %. Die meisten Personen überleben, wenn die Diagnose in frühen Stadien erfolgt und der Dickdarm rechtzeitig entfernt wird.

Behandlung

  • Ernährung und Loperamid

  • Aminosalizylate

  • Kortikosteroide

  • Immunsuppressiva

  • Biologika

  • Manchmal operative Eingriffe

Ziel der Behandlung der Colitis ulcerosa ist es, die Entzündung einzudämmen, Beschwerden zu lindern und mögliche Flüssigkeits- und Nährstoffverluste auszugleichen.

Die spezifische Behandlung hängt vom Schweregrad der Symptome ab.

Die allgemeine Behandlung von Colitis ulcerosa

Eisenpräparate können die Blutarmut ausgleichen, die der ständige Blutverlust mit dem Stuhl verursacht.

Normalerweise sollten Patienten bei geschwollenem Dickdarm auf eine ballaststoffarme Ernährung achten (und insbesondere Nahrungsmittel wie Nüsse, Maiskolben, rohes Obst und Gemüse meiden), um eine Verletzung der entzündeten Darmwand des Dickdarms zu vermeiden.

Eine milchfreie Diät verringert manchmal die Beschwerden und lohnt einen Versuch, kann jedoch abgebrochen werden, wenn kein Nutzen erkennbar ist.

Alle Patienten mit Colitis ulcerosa sollten Kalzium- oder Vitamin-D-Präparate nehmen.

Bei relativ leichtem Durchfall werden kleine Dosen Loperamid genommen. Bei stärkerem Durchfall können höhere Dosen Loperamid erforderlich sein. In schweren Fällen muss ein Arzt jedoch den Patienten, der diese Durchfallmittel einnimmt, sorgfältig überwachen, damit es nicht plötzlich zu einer toxischen Colitis kommt.

Regelmäßige Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit, insbesondere Impfungen und Screening-Untersuchungen auf Krebserkrankungen, sind wichtig.

Aminosalizylate

Aminosalizylate sind Arzneimittel, die zur Behandlung von durch entzündliche Darmerkrankungen verursachte Entzündungen eingesetzt werden. Medikamente wie Sulfasalazin, Olsalazin und Mesalamin sowie Balsalazid sind Arten von Aminosalizylaten und werden verwendet, um die Entzündung bei Colitis ulcerosa einzudämmen und erneute Krankheitsschübe zu verhindern. Diese Medikamente werden in Tablettenform (oral) eingenommen, Mesalamin gibt es aber auch als Einlauf oder Zäpfchen (rektal). Diese Medikamente sind bei der Behandlung einer leichten oder mittelschweren aktiven Erkrankung sowohl bei oraler wie rektaler Verabreichung höchstens mäßig wirksam. Sie wirken allerdings bei der Aufrechterhaltung einer Remission besser und möglicherweise auch bei der Reduktion des langfristigen Risikos für ein kolorektales Karzinom.

Kortikosteroide

Patienten mit mittelschwerer Erkrankung, die nicht ans Bett gefesselt sind, nehmen normalerweise Kortikosteroide wie Prednison. In recht hoher Dosis bewirkt Prednison eine erhebliche Besserung. Nachdem die Entzündung der Colitis ulcerosa durch Prednison eingedämmt ist, wird oft zusätzlich Sulfasalazin, Olsalazin, Mesalamin, ein Immunmodulator oder ein Biologikum gegeben, um die Verbesserung aufrechtzuerhalten. Die Prednisondosis wird dann allmählich reduziert, und schließlich wird Prednison abgesetzt.

Budesonid ist ein anderes Kortikosteroid, das eingesetzt werden kann. Es hat weniger Nebenwirkungen als Prednison, wirkt aber nicht so rasch und wird üblicherweise Patienten mit einer weniger schweren Erkrankung verabreicht.

Eine verlängerte Kortikosteroidbehandlung verursacht fast immer Nebenwirkungen ( Kortikosteroide: Einsatz und Nebenwirkungen).

Wenn eine leichte oder mittelschwere Colitis ulcerosa auf die linke Seite des Dickdarms (absteigender Dickdarm) und den Mastdarm beschränkt ist, kann man Kortison oder Mesalamin als Einlauf oder Zäpfchen geben. Die Kortikosteroidbehandlung wird schrittweise reduziert und über mehrere Wochen hinweg ausgeschlichen.

Wenn die Erkrankung schwer wird, wird die Person im Krankenhaus aufgenommen, und Kortikosteroide und Flüssigkeiten werden über eine Vene (intravenös) gegeben. Patienten könnten noch Mesalamin erhalten. Bei starken Blutungen aus dem Mastdarm sind möglicherweise Blutübertragungen nötig.

Immunsuppressiva

Immunmodulierende Medikamente verändern die Wirkung des körpereigenen Immunsystems, indem sie dessen Aktivität dämmen. Medikamente wie Azathioprin und Mercaptopurin werden eingesetzt, um Remissionen bei Patienten mit Colitis ulcerosa aufrechtzuerhalten, die anderenfalls eine Kortikosteroid-Langzeittherapie benötigen würden. Diese Medikamente hemmen die Funktion der T-Zellen, die ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems sind. Da diese Medikamente nur langsam wirken, ist ein Nutzen nach 1 bis 3 Monaten noch nicht sichtbar. Außerdem besteht die Möglichkeit von schweren Nebenwirkungen, die eine enge Überwachung durch den Arzt erfordert.

Cyclosporin wurde einigen Patienten mit schweren Schüben verabreicht, die nicht auf eine Kortikosteroidtherapie angesprochen haben. Die meisten dieser Menschen sprechen anfänglich auf Cyclosporin an, manche müssen jedoch letztendlich immer noch operiert werden.

Tacrolimus wird oral verabreicht. Dieses Medikament wird zur vorübergehenden Behandlung von Patienten eingesetzt, deren Colitis ulcerosa zu Beginn der Therapie mit Azathioprin und Mercaptopurin Schwierigkeiten bereitet. Tacrolimus kann eine Remission aufrechterhalten helfen.

Biologische und verwandte Wirkstoffe

Biologika sind Medikamente, die von lebenden Organismen gebildet werden.

Infliximab, das von monoklonalen Antikörpern des Tumornekrosefaktors abgeleitet ist (daher als Tumornekrosefaktorhemmer oder TNF-Hemmer bezeichnet wird), und intravenös verabreicht wird, nützt einigen Patienten mit Colitis ulcerosa. Das Medikament kann Personen verabreicht werden, die nicht auf Kortikosteroide ansprechen oder die Symptome entwickeln, sobald die Kortikosteroiddosen gesenkt werden, trotz der optimalen Anwendung von anderen Immunsuppressiva. Infliximab, Adalimumab und Golimumab sind für Patienten nützlich, deren Colitis ulcerosa schwierig zu behandeln ist, oder für Patienten, die von Kortikosteroiden abhängen.

Mögliche Nebenwirkungen mit Infliximab können die Verschlechterung einer vorliegenden, nicht behandelten bakteriellen Infektion, Reaktivierung von Tuberkulose oder Hepatitis B sein oder die Erhöhung des Risikos für die Bildung einiger Formen von Krebs. Manche Patienten zeigen Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Kopfschmerzen, Juckreiz oder Hautausschlag während der Infusion (die als infusionsbedingte Reaktionen bezeichnet werden). Vor Beginn der Behandlung mit Infliximab oder anderen TNF-Hemmern wie Adalimumab und Golimumab müssen die Patienten auf Infektionen mit Tuberkulose und Hepatitis B getestet werden.

Vedolizumab ist ein Medikament für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa, die auf TNF-Hemmer oder andere immunmodulierende Medikamente nicht angesprochen haben oder die diese Medikamente nicht vertragen. Als schwerwiegendste Nebenwirkung verursacht es eine Anfälligkeit für Infektionen. Vedolizumab birgt auch ein theoretisches Risiko einer schwerwiegenden Hirninfektion namens progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML), da diese Infektion im Zusammenhang mit dem Einsatz eines anderen Medikaments aus der gleichen Medikamentenklasse, nämlich Natalizumab, gemeldet wurde.

Tofacitinib ist ein Medikament, das zweimal täglich bei Erwachsenen mit mäßiger bis schwerer Colitis ulcerosa oral verabreicht wird. Dieses Medikament ist ein Janus-Kinase- bzw. JAK-Hemmer, wobei es sich eigentlich nicht um ein Biologikum handelt, weil es durch chemische Prozesse und nicht durch lebende Organismen erzeugt wird. Es hat jedoch viele Eigenschaften mit Biologika gemeinsam, einschließlich vieler ihrer Nebenwirkungen. Es beeinflusst die Kommunikation zwischen den Zellen, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind, indem es ein Enzym (Janus-Kinase oder JAK) hemmt. Zu den schweren Nebenwirkungen gehören eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und Lungenembolien (Blockierung einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel).

Tabelle
icon

Medikamente, welche die durch Colitis ulcerosa verursachte Darmentzündung reduzieren

Medikament

Einige Nebenwirkungen

Anmerkungen

Aminosalizylate

  • Sulfasalazin

Häufig: Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Fieber, Hautausschlag, und bei Männern reversible Unfruchtbarkeit

Gelegentlich: Entzündung von Leber (Hepatitis), Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder Lungen (Pneumonie) und hämolytische Anämie

Bauchschmerzen, Schwindel und Müdigkeit sind dosisabhängig.

Hepatitis und Pankreatitis sind nicht dosisabhängig.

  • Balsalazid

  • Mesalamin

  • Olsalazin

Häufig: Fieber und Ausschlag

Gelegentlich: Pankreatitis, Entzündung des Perikards (Perikarditis) und Pneumonie

Für Olsalazin: Wässriger Durchfall

Die meisten unter Sulfasalazin beobachteten Nebenwirkungen können mit allen anderen Aminosalizylaten auftreten, aber weniger häufig.

Kortikosteroide

Prednison

Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Katarakt, Osteoporose (verminderte Knochendichte), Ausdünnung der Haut, mentale Probleme, akute Psychose, Stimmungsschwankungen, Infektionen, Akne, exzessive Körperbehaarung (Hirsutismus), unregelmäßige Menstruation, Gastritis und peptisches Geschwür.

Diabetes und Bluthochdruck treten eher bei Personen mit weiteren Risikofaktoren auf.

Budesonid

Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Katarakt und Osteoporose

Budesonid verursacht die gleichen Nebenwirkungen wie Prednison, aber in geringerer Ausprägung.

Hydrokortison (Einlauf oder Schaum)

Ein Teil des Medikaments wird durch den Körper aufgenommen, aber selbst bei langfristiger Anwendung haben nur wenige Personen schwere Nebenwirkungen (anders als bei Kortikosteroiden wie Prednison).

Ein Hydrokortison-Einlauf oder -Schaum ist hauptsächlich der Colitis ulcerosa vorbehalten, die den Mastdarm oder den Dickdarm in der Nähe des Mastdarms betrifft.

Immunmodulatoren

  • Azathioprin

  • Mercaptopurin

Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, allgemeines Krankheitsgefühl, Infektion, Krebs, allergische Reaktionen, Pankreatitis, niedrige Anzahl weißer Blutzellen, Unterdrückung des Knochenmarks und Leberversagen

Nebenwirkungen, die normalerweise dosisabhängig sind, umfassen Unterdrückung des Knochenmarks und Leberdysfunktion.

Eine regelmäßige Überwachung des Blutes ist erforderlich.

Ciclosporin

Bluthochdruck, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, Tremor, Infektionen, Krampfanfälle, Neuropathie und Entwicklung von Lymphomen (Krebs des lymphatischen Systems)

Nebenwirkungen werden bei langfristiger Anwendung wahrscheinlicher.

Tacrolimus

Ähnlich wie Cyclosporin

Dieses Medikament ist eng mit Cyclosporin verwandt und hat eine Reihe von dessen Nebenwirkungen.

Biologische und verwandte Wirkstoffe

Infliximab

Infusionsreaktionen, Infektionen, Krebs, Bauchschmerzen, Leberdysfunktion und niedrige Anzahl weißer Blutkörperchen

Infusionsreaktionen sind potenziell unmittelbare Nebenwirkungen, die während der Infusion auftreten (wie auch Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Kopfschmerzen, Juckreiz, Hautausschlag, Nesselsucht, niedriger Blutdruck oder Atemprobleme).

Patienten sollten vor Behandlungsbeginn auf Tuberkulose und Hepatitis B untersucht werden.

Adalimumab

Schmerzen oder Juckreiz an der Injektionsstelle (Überempfindlichkeitsreaktionen), Kopfschmerzen, Infektionen und Krebs

Die Nebenwirkungen ähneln denen von Infliximab. Da Adalimumab jedoch unter die Haut (subkutan) gespritzt wird, verursacht es keine Infusionsreaktionen.

Zu den weiteren Überempfindlichkeitsreaktionen an der Injektionsstelle zählen Hautausschläge und Nesselsucht. Schwerere Formen von Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich.

Golimumab

Bei subkutaner Verabreichung Schmerzen oder Juckreiz an der Injektionsstelle (Überempfindlichkeitsreaktionen), Infektionen und Krebs

Die Nebenwirkungen sind denen von Infliximab ähnlich.

Bei subkutaner Verabreichung führt dieses Medikament nicht zu infusionsbedingten Reaktionen.

Zu den weiteren Überempfindlichkeitsreaktionen an der Injektionsstelle zählen Hautausschläge und Nesselsucht. Schwerere Formen von Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich.

Tofacitinib

Durchfall, erhöhter Cholesterinspiegel, Kopfschmerzen, Infektion mit Herpes zoster (Gürtelrose), erkältungsähnliche Symptome, Ausschlag und Infektionen der oberen Atemwege sowie Lungenembolie

Die Personen sollten vor Behandlungsbeginn auf Tuberkulose voruntersucht werden.

Vedolizumab

Infektionen, Überempfindlichkeitsreaktionen, grippaler Infekt

Dieses Medikament ist mit einem theoretischen Risiko einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) assoziiert.

Schweregrad der Symptome

Patienten mit Proktitis oder einer Colitis, die nur den mastdarmnahen Dickdarmanteil betrifft, erhalten Mesalamin-Einläufe. Einläufe mit Kortikosteroiden und Budesonid werden Personen verabreicht, denen Mesalamin nicht hilft oder die es nicht vertragen können.

Patienten mit mittlerer oder ausgedehnter Erkrankung erhalten zusätzlich zu den Mesalamin-Einläufen orales Mesalamin. Personen mit heftigen Symptomen und mit Symptomen während der Anwendung von Mesalamin nehmen normalerweise orale Kortikosteroide wie Prednison ein. In recht hoher Dosis bewirkt Prednison eine erhebliche Besserung. Nachdem die Entzündung der Colitis ulcerosa durch Prednison eingedämmt ist, wird oft zusätzlich Sulfasalazin, Olsalazin oder Mesalamin gegeben, um die Verbesserung beizubehalten. Schrittweise wird die Prednison-Dosis reduziert, und schließlich wird Prednison abgesetzt, da eine längere Kortikosteroidbehandlung fast immer Nebenwirkungen verursacht.

Patienten, deren Symptome zurückkehren, wenn Prednison reduziert wird, erhalten manchmal ein immunmodulierendes Medikament (Azathioprin oder Mercaptopurin). Außerdem profitieren manche Patienten von Infliximab, Adalimumab, Vedolizumab, Golimumab oder Tofacitinib.

Patienten mit schwerer Colitis werden stationär aufgenommen und erhalten intravenös hochdosierte Kortikosteroide und Flüssigkeiten. Ärzte können die Gabe von Mesalamin fortsetzen. Bei starken Blutungen aus dem Mastdarm sind möglicherweise Blutübertragungen nötig. Wenn Personen auf diese Behandlungen innerhalb von 3 bis 7 Tagen nicht ansprechen, kann ihnen Cyclosporin oder Infliximab intravenös verabreicht werden, oder es kann sein, dass sie operiert werden müssen.

Fulminante Colitis (toxische Colitis)

Personen, deren Erkrankung plötzlich auftritt, rasch und mit starken Schmerzen, oder die ein toxisches Megacolon haben, werden im Krankenhaus aufgenommen. Alle Durchfallmittel werden abgesetzt, keine Nahrung oder Medikamente oral verabreicht, und Ärzte legen einen Schlauch durch die Nase in den Magen oder den Dünndarm, um die Inhalte aus dem Magen oder dem Dünndarm zu entfernen. Die Personen erhalten intravenöse Flüssigkeiten und Elektrolyte und hochdosierte intravenöse Kortikosteroide oder Cyclosporin. Ärzte geben auch Antibiotika. Den Patienten kann Infliximab verabreicht werden.

Die Patienten werden sorgfältig auf Anzeichen für eine Entzündung oder eine Perforation überwacht. Patienten, deren Zustand sich nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden verbessert, müssen sofort operiert und der ganze oder beinahe der gesamte Dickdarm entfernt werden.

Erhaltungsregimes

Um zu vermeiden, dass Symptome erneut auftreten (also um eine Remission aufrechtzuerhalten), wenden die Patienten zeitlich unbegrenzt orales Mesalamin oder als Einlauf an, da eine Unterbrechung dieses Erhaltungsregimes häufig dazu führt, dass die Erkrankung zurückkehrt (sogenanntes Rezidiv). Studien deuten darauf hin, dass eine Kombination von oral und rektal verabreichtem Mesalamin signifikant wirksamer ist als die jeweilige Einzeltherapie.

Patienten, die Kortikosteroide nicht absetzen können, erhalten immunmodulierende Medikamente (Azathioprin oder Mercaptopurin), TNF-Hemmer (Infliximab, Adalimumab oder Golimumab) oder eine Kombination davon. Patienten mit schwer behandelbarer Erkrankung können Vedolizumab erhalten.

Operation

Etwa 30 % der Personen mit ausgedehnter Colitis ulcerosa benötigen eine Operation. Bei akuten, lebensbedrohlichen Attacken mit massiver Blutung, Perforationen oder fulminanter Colitis kann eine Notoperation erforderlich sein.

Manchmal ist eine Operation auch dann erforderlich, wenn keine Notsituation für einen operativen Eingriff vorliegt. Zu diesen Situationen zählen eine chronische Colitis, die zu Behinderung führt oder dauerhaft hohe Dosen von Kortikosteroiden erfordert, die zu Krebs führt und die bei Kindern zu einer Verengung des Dickdarms oder zu einer Wachstumsverzögerung führt.

Eine vollständige Entfernung des Dickdarms, Rektums und Anus (totale Proktokolektomie) heilt eine Colitis ulcerosa dauerhaft, bewahrt die normale Lebenserwartung und eliminiert das Risiko für Dickdarmkrebs. Allerdings benötigen Patienten, bei denen Rektum und Anus entfernt wurden, ein dauerhaftes Ileostoma. Bei einem Ileostoma vernäht der Operateur das Ende des verbleibenden Dünndarmabschnitts (Ileum) mit einer Öffnung in der Bauchdecke (Stoma). Patienten mit einem Ileostoma müssen stets einen Kunststoffbeutel (Ileostoma-Beutel) über der Öffnung tragen, damit der auslaufende Stuhlgang darin aufgefangen werden kann. Ein Ileostoma war der übliche Preis für die Heilung.

Inzwischen stehen jedoch zahlreiche alternative Maßnahmen zur Verfügung. Die häufigste ist dabei ein Eingriff namens Proktokolektomie mit ileoanaler Pouch-Anlage (IPAA). Dabei werden der Dickdarm und der Großteil des Mastdarms entfernt, aus dem Dünndarm wird ein kleines Reservoir (Pouch) gebildet und mit dem verbliebenen Mastdarmteil kurz vor dem After verbunden. Da die Anusmuskeln (Analschließmuskel) nicht entfernt werden, behalten Patienten mithilfe dieses Eingriffs die Kontrolle über ihre Darmentleerung (Kontinenz). Da jedoch ein kleiner Gewebeabschnitt des Rektums verbleiben kann, ist die Krebsgefahr, wenn auch sehr minimiert, jedoch nicht ganz beseitigt. Eine häufige Komplikation bei IPAA ist die Entzündung des Reservoirs (Pouchitis). Zur Behandlung der Pouchitis verabreichen die Ärzte Antibiotika. Die meisten Fälle von Pouchitis können mit Medikamenten kontrolliert werden. Ein kleiner Prozentsatz jedoch nicht. In diesen Fällen wird zur Beseitigung des Problems ein Ileostoma gebildet.

Bei einer ulzerierenden Proktitis ist selten eine Operation erforderlich, und die Lebenserwartung ist normal. Bei einigen Patienten können die Symptome dennoch schwer zu behandeln sein.

Weitere Informationen

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Verdauung
Video
Verdauung
Die Verdauung ist der Prozess, bei dem der Magen-Darm-Trakt für den Körper wichtige Nährstoffe...
3D-Modelle
Alle anzeigen
Morbus Crohn
3D-Modell
Morbus Crohn

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN