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Paraneoplastische Syndrome

Von

Robert Peter Gale

, MD, PhD, Imperial College London

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2018| Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Kurzinformationen
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Paraneoplastische (krebsbedingte – siehe auch Krebs: Ein Überblick) Syndrome treten auf, wenn ein Krebs die ungewöhnlichen Symptome aufgrund von Stoffen verursacht, die im Blutstrom zirkulieren. Diese Substanzen können die Hormone sein, die durch den Tumor produziert werden, oder Antikörper, die vom Immunsystem produziert werden. Sie können die Funktion der verschiedenen Gewebe und Organe beeinträchtigen und Symptome in Bereichen verursachen, die vom Tumor entfernt liegen. Paraneoplastische Syndrome können viele unterschiedliche Organsysteme, einschließlich das Nervensystem und das endokrine (Hormon) System, beeinträchtigen und Probleme wie Störungen des Nervensystems, niedrigen Blutzuckerspiegel, Durchfall oder hohen Blutdruck verursachen.

Etwa 20 % der Menschen mit Krebserkrankungen entwickeln ein paraneoplastisches Syndrom. Die häufigsten Krebsarten werden mit paraneoplastischen Syndromen in Verbindung gebracht, darunter:

Allgemeine paraneoplastische Syndrome

Krebs verursacht oft Fieber, Nachtschweiß und Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Die nachfolgenden Syndrome sind weniger häufig.

Syndrome des Verdauungstrakts

Wässriger Durchfall kann durch Stoffe entstehen, die von bestimmten Krebsarten abgesondert werden. Bestimmte Tumoren, die den Darm betreffen, können viel Eiweiß in den Stuhl abgeben, was zu einem niedrigen Eiweißgehalt im Blut führt.

Endokrine Syndrome

Kleinzellige Karzinome der Lunge können einen Stoff absondern, der die Nebenniere anregt, mehr des Hormons Cortisol zu produzieren, was Schwäche, Gewichtszunahme und Bluthochdruck (Cushing-Syndrom) verursachen kann. Diese Krebserkrankung kann auch Vasopressin produzieren, das bei einigen Menschen zu Wassereinlagerungen, verringertem Natriumspiegel, Schwäche, Verwirrung und Anfällen führen kann.

Sehr hohe Kalziumwerte im Blut (Hyperkalzämiesyndrom) können bei Menschen mit soliden Tumoren oder Leukämien auftreten. Das Hyperkalzämiesyndrom kann auftreten, wenn der Krebs eine hormonähnliche Substanz (ähnlich dem Parathormon) in das Blut absondert, das zur Freisetzung von Kalzium aus den Knochen führt. Ein hoher Kalziumspiegel kann auch darauf beruhen, dass ein Tumor direkt in Knochen einwächst und somit Kalzium frei wird. Der hohe Kalziumgehalt des Blutes hat Nierenversagen und Verwirrtheit zur Folge, die zum Koma und sogar zum Tod fortschreiten kann, wenn es nicht sofort erkannt und behandelt wird.

Die übermäßige Produktion von anderen Hormonen, normalerweise durch karzinoide Tumoren der Bauchspeicheldrüse, kann auch zum Karzinoidsyndrom führen, das Erröten, Keuchatmung, Durchfall und Herzklappenprobleme mit sich bringt.

Neurologische Syndrome

Eine Polyneuropathie ist ein Funktionsverlust der peripheren Nerven (Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks), die zu Schwäche, Empfindungsverlust und verringerten Reflexen führt. Die subakute sensorische Neuropathie ist eine seltene Form der Polyneuropathie, die sich mitunter bereits vor der Krebsdiagnose zeigt. Sie führt zu Empfindungsverlusten und Koordinationsstörungen, aber kaum zu Schwäche. Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine weitere Art der Funktionsstörung der Nerven, das einen allgemeinen Verlust der Muskelstärke verursacht. Es tritt häufiger bei Menschen auf, die am Hodgkin-Lymphom erkrankt sind.

Die subakute zerebelläre Degeneration tritt selten bei Patienten mit Brustkrebs, Eierstockkrebs, kleinzelligem Karzinom der Lunge und anderen soliden Tumoren auf. Die Erkrankung kann auf Autoantikörper (Antikörper, die körpereigenes Gewebe angreifen) zurückgehen und das Kleinhirn zerstören. Die Symptome können Unsicherheiten beim Laufen, Koordinationsstörungen der Arme und Beine, Probleme beim Sprechen, Schwindel und Doppelbilder beinhalten. Die Symptome können vor der Krebsdiagnose auftreten.

Bei einigen Kindern mit Neuroblastomen können unkontrollierbare Augenbewegungen (Opsoklonus) und blitzartige Kontraktionen der Muskeln von Armen und Beinen (Myoklonus) auftreten.

Die subakute motorische Neuronopathie zeigt sich bei manchen Patienten mit Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphom. Die Nervenzellen des Rückenmarks sind betroffen, wodurch Arme und Beine geschwächt werden.

Eine Vielzahl ungewöhnlicher Symptome kann aus Antikörpern resultieren, die gegen den Tumor gerichtet sind und zusammen mit dem Hirngewebe eine Änderung der geistigen Funktion, Desorientiertheit, Sehkraftveränderungen und Muskelschwäche hervorrufen.

Manche Patienten mit kleinzelligen Karzinomen der Lunge entwickeln das Eaton-Lambert-Syndrom. Dieses Syndrom zeichnet sich durch eine extreme Muskelschwäche aus, die auf eine ungenügende Aktivierung der Muskeln durch die Nerven zurückgeht.

Subakute nekrotisierende Myelopathie ist ein seltenes Syndrom, bei dem ein schneller Verlust der Neuronen im Rückenmark zu Paralyse führt.

Syndrome der Haut

Juckreiz ist das häufigste Hautsymptom, das bei Krebserkrankten auftritt. Auch häufig ist Gesichtsröte. Bei Betroffenen kann es auch zu gutartigen Hauterkrankungen kommen, wie Gürtelrose.

Andere Syndrome

Eine Polymyositis zeigt sich als Muskelschwäche und Schmerzen, die von Muskelentzündungen herrühren. Tritt die Polymyositis in Begleitung von Hautentzündungen auf, spricht man von einer Dermatomyositis.

Die hypertrophe Osteoarthropathie kann bei Lungenkrebspatienten auftreten. Dieses Syndrom verändert die Form von Fingern und Zehen und führt zu schmerzhaften Schwellungen einiger Gelenke.

Menschen mit Krebs können verschiedene Anomalien der Blutzellen entwickeln. Sie können zu wenige rote Blutkörperchen (Anämie), zu viele Blutplättchen oder zu viele von anderen Arten von weißen Blutkörperchen haben. Krebsarten der Nieren oder der Leber können den Körper veranlassen, zu viele rote Blutkörperchen zu produzieren, während andere in das Knochenmark eindringen und die Produktion der Blutkörperchen behindern können (einschließlich rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen).

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