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Komplikationen eines akuten Koronarsyndroms

Von

Ranya N. Sweis

, MD, MS, Northwestern University Feinberg School of Medicine;


Arif Jivan

, MD, PhD, Northwestern University Feinberg School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Der Herzmuskel benötigt eine konstante Versorgung mit Blut, das mit Sauerstoff angereichert ist. Dieses Blut wird von den Koronararterien geliefert, die von der Aorta abzweigen, direkt nachdem diese das Herz verlässt. Ein akutes Koronarsyndrom tritt auf, wenn ein plötzlicher Verschluss in einer der Koronararterien die Blutzufuhr zu einem Bereich des Herzmuskels (Myokardium) stark verringert oder unterbricht. Eine mangelnde Blutversorgung eines Gewebes wird als Ischämie bezeichnet. Dauert dies länger als ein paar Minuten, stirbt Herzgewebe ab. Ein Herzinfarkt, auch als Myokardinfarkt (MI) bezeichnet, bezieht sich auf das Absterben von Herzgewebe aufgrund von Ischämie. (Siehe auch Überblick über koronare Herzkrankheit.)

Die Komplikationen des akuten Koronarsyndroms hängen davon ab, wie viel des Herzmuskels beschädigt ist, was eine direkte Folge davon ist, wo ein Herzkranzgefäß blockiert wurde und wie lange diese Arterie blockiert war. Wenn der Verschluss einen großen Teil des Herzmuskels betrifft, kann das Herz nicht ausreichend pumpen. Unterbricht der Verschluss die Blutversorgung des elektrischen Systems des Herzens, kann der Herzrhythmus beeinträchtigt werden.

Pumpprobleme

Bei einem Herzinfarkt stirbt ein Teil des Herzmuskels ab. Totes Gewebe und Narbengewebe, das dieses eventuell ersetzt hat, ziehen sich im Gegensatz zu Muskeln nicht zusammen. Das Narbengewebe kann sich manchmal sogar ausdehnen und ausbeulen, wenn sich der Rest des Herzens zusammenzieht. Folglich steht weniger Muskelgewebe für das Pumpen des Blutes zur Verfügung. Wenn ein gewisser Anteil des Muskelgewebes abstirbt, kann die Pumpleistung des Herzens so stark herabgesetzt sein, dass das Herz den Bedarf des Körpers an Blut und Sauerstoff nicht mehr decken kann. Es kann zu einem Herzinsuffizienz, niedrigen Blutdruck (Hypotonie), und/oder Schock kommen. Ist mehr als die Hälfte des Herzgewebes betroffen, kann das Herz normalerweise nicht mehr arbeiten, was wahrscheinlich zu einer schweren Behinderung oder zum Tod führt.

Medikamente, wie Betablocker und besonders Angiotensinkonversionsenzym(ACE)-Hemmer, können das Ausmaß dieser Schädigung begrenzen, indem sie die Arbeitslast und die Belastung des Herzens verringern (siehe Tabelle Medikamente zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit. Diese Medikamente können folglich dazu beitragen, Form und Funktion des Herzens aufrechtzuerhalten.

Das geschädigte Herz vergrößert sich ggf. in dem Bemühen, die nachlassende Pumpfunktion auszugleichen (bis zu einem gewissen Punkt schlägt ein größeres Herz mit mehr Kraft). Eine solche Herzvergrößerung kann Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen.

Herzrhythmusprobleme

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) kommen bei mehr als 90 % der Menschen vor, die einen Herzinfarkt erlitten haben. Die Ursache dieser Herzrhythmusstörungen kann in einer teilweisen Schädigung des elektrischen Systems des Herzens durch einen Herzinfarkt liegen. Manchmal kommt es auch zu einem Problem mit dem Teil des Herzens, der den Herzschlag auslöst, was zu einer zu niedrigen Herzfrequenz (Bradykardie) führt. Andere Probleme können einen zu schnellen oder unregelmäßigen Herzschlag (zum Beispiel Vorhofflimmern) verursachen. In manchen Fällen wird das Signal für den Herzschlag nicht von einem Teil des Herzens in den anderen weitergeleitet, wodurch sich der Herzschlag verlangsamen oder gar aufhören kann (Herzblock).

Zusätzlich dazu können Bereiche des Herzmuskels, deren Blutversorgung unzureichend ist, die aber nicht abgestorben sind, sehr reizbar sein. Diese Reizbarkeit kann wiederum zu Herzrhythmusstörungen führen, wie ventrikulärer Tachykardie oder Kammerflimmern. Probleme mit dem Herzrhythmus beeinträchtigen die Pumpleistung des Herzens sehr stark und können zum Herzstillstand führen. Bewusstlosigkeit und Tod können die Folge sein. Diese Rhythmusstörungen betreffen vor allem Menschen mit einem chemischen Ungleichgewicht im Blut, wie etwa niedrigen Kaliumwerten.

Perikarditis

Innerhalb der ersten beiden Tage nach einem Herzinfarkt kann sich eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) entwickeln. Die Perikarditis tritt verstärkt bei Menschen auf, deren blockierte Arterien nicht durch eine perkutane Koronarintervention (PCI) oder eine Koronararterienbypass-Operation (CABG) geöffnet worden sind. Die Symptome einer früh auftretenden Perikarditis werden meist von denen des Herzinfarkts überdeckt. Eine Perikarditis erzeugt allerdings einen kratzenden, rhythmischen Ton, den man manchmal 2 bis 3 Tage nach dem Herzinfarkt über ein Stethoskop hören kann. In manchen Fällen verursacht die Entzündung auch die Einlagerung einer kleinen Flüssigkeitsmenge im Raum zwischen den beiden Blättern des Herzbeutels (Perikarderguss).

Postmyokardinfarktsyndrom (Dressler-Syndrom) ist eine Herzbeutelentzündung, die 10 Tage bis 2 Monate nach einem Herzinfarkt auftritt. Dieses Syndrom verursacht Fieber, Perikarderguss (abnorme Flüssigkeitsansammlung im Raum um das Herz), Entzündung der die Lunge bedeckenden Membranen, Pleuraerguss (abnorme Flüssigkeitsansammlung im Raum zwischen den beiden Blättern der Pleura [zwei Membranen zwischen der Lunge und der Brusthöhle]) und Gelenkschmerz. Die Diagnose stützt sich auf die Symptome, die das Syndrom verursacht und auf die Zeit, in der es auftritt.

Patienten mit einer Herzbeutelentzündung erhalten in der Regel Entzündungshemmer, sog. nichtsteroidale Antirheumatika. Auch Colchicin ist hier oft sehr rasch wirksam. Trotz Behandlung kann das Syndrom wieder auftreten. Bei einem schweren Postmyokardinfarktsyndrom können kurzfristig ein Kortikosteroid oder ein nichtsteroidales Antirheumatikum notwendig sein.

Herzruptur

In seltenen Fällen kann der geschädigte und geschwächte Herzmuskel durch den Druck bei der Pumparbeit einreißen. Derartige Risse treten gewöhnlich 1 bis 10 Tage nach einem Herzinfarkt auf und betreffen am häufigsten Frauen. Besonders anfällig für eine Ruptur während oder nach einem Herzinfarkt sind die Wand zwischen beiden Ventrikeln (Septum), die äußere Herzwand und die Muskeln, die die Mitralklappe öffnen und verschließen.

Bei einem Septumriss gelangt übermäßig viel Blut in die Lunge, was zu einer Flüssigkeitsansammlung (Lungenödem) führen kann. Ein Septumriss kann in manchen Fällen mit einer Operation wiederhergestellt werden.

Eine Ruptur der äußeren Wand führt beinahe immer zu einem sofortigen Tod. Es bleibt für die Ärzte kaum Zeit, eine Operation einzuleiten, und selbst wenn, ist diese selten erfolgreich.

Der Riss von Muskeln der Mitralklappe führt zum Ausfall der Klappe, was ein plötzliches und schweres Herzinsuffizienz zur Folge hat. Der Schaden kann manchmal durch eine Operation beseitigt werden.

ventrikuläres Aneurysma

Der geschädigte Herzmuskel kann eine dünne Aussackung (Aneurysma) an der Ventrikelwand bilden. Der Verdacht auf ein Aneurysma beruht meistens auf abnormalen EKG-Ergebnissen, doch wird, um sicherzugehen, noch eine Echokardiografie durchgeführt. Durch Aneurysmen kommt es zu Herzrhythmusstörungen, und die Pumpleistung des Herzens verringert sich. Weil das Blut im Bereich eines Aneurysmas langsamer fließt, können sich in den Herzkammern Blutgerinnsel bilden. Wenn ein Aneurysma Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen hervorruft, kann es mit einer Operation beseitigt werden.

Blutgerinnsel

Bei etwa 20 Prozent der Herzinfarktpatienten bilden sich im Herz Blutgerinnsel über dem Bereich des abgestorbenen Muskelgewebes. In jüngster Zeit treten Blutgerinnsel seltener auf. Bei etwa 10 Prozent dieser Betroffenen lösen sich Teile dieser Gerinnsel ab, wandern mit dem Blut weiter und bleiben irgendwo im Körper in kleineren Blutgefäßen stecken. Sie können die Blutversorgung zu Teilen des Gehirns blockieren (was einen Schlaganfall verursacht) oder zu anderen Organen.

Eine Echokardiografie kann helfen zu erkennen, ob sich Blutgerinnsel im Herzen bilden, oder ob bei dem Patienten Faktoren vorliegen, die ein Entstehen solcher Gerinnsel begünstigen. Beispielsweise kann ein Bereich des linken Ventrikels nicht so gut schlagen, wie er eigentlich sollte.

Patienten mit Blutgerinnseln oder solchen, bei denen ein Risiko dafür besteht, werden oft Antikoagulanzien (die manchmal auch Blutverdünner genannt werden) wie Heparin oder Warfarin verschrieben. Heparin wird über eine Dauer von mindestens 2 Tagen intravenös im Krankenhaus verabreicht. Im Anschluss daran nimmt der Patient 3 bis 6 Monate lang oral Warfarin ein. Auch Aspirin wird für unbestimmte Zeit eingenommen.

Weitere Probleme

Andere Komplikationen nach einem Herzinfarkt sind unter anderem ein Leck in der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz).

Nervosität und Depressionen treten nach einem Herzinfarkt häufig auf, Eine Depression nach einem Herzinfarkt kann erheblich sein und andauern.

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