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Rehabilitation nach einer Hirnverletzung

Von

Alex Moroz

, MD, New York University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2017| Inhalt zuletzt geändert Jul 2017
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Sollte ein Schlaganfall oder eine Kopfverletzung das Hirngewebe schädigen, jedoch nicht zerstören, kann das Gewebe seine Funktion schrittweise wiedererlangen. Die Genesung kann sich sechs Monate bis mehrere Jahre hinziehen, die Rehabilitation kann jedoch zu einer schnelleren und vollständigeren Genesung beitragen. Zerstörtes Hirngewebe kann seine Funktion nicht wiedererlangen, andere Teile des Gehirns können jedoch manchmal einspringen und Aufgaben des zerstörten Bereichs übernehmen. Die Rehabilitation kann diesen Lernprozess unterstützen. Es kann nicht sicher vorhergesagt werden, inwieweit ein Wiedererlangen der Funktionen möglich sein wird. Daher muss die Rehabilitation beginnen, sobald der Patient medizinisch stabil ist. Frühe Rehabilitation kann zudem Komplikationen wie Verkürzung der Muskeln (Kontraktionen), Schwächung der Muskulatur und Depressionen vorbeugen.

Eine umfassende Beurteilung des Patienten einschließlich psychologischer Tests hilft dem Rehabilitationsteam, Typ und Schwere der Schädigung zu erkennen. Anschließend beurteilen die Teammitglieder, welche verlorenen Funktionen ggf. von der Rehabilitationsbehandlung am meisten profitieren, und erstellen ein Programm, das auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist. Der Erfolg der Rehabilitation hängt von vielen Faktoren ab, z. B.: allgemeiner Gesundheitszustand, Bewegungsumfang, Muskelstärke, Darm- und Blasenfunktion, Funktionsfähigkeit vor dem Hirnschaden, soziale Situation, Lernfähigkeit, Motivation, Nachahmungsfähigkeit und Bereitschaft, an dem Programm teilzunehmen.

Wenn die Gliedmaßen nach der Hirnverletzung geschwächt oder gelähmt sind, bewegen die Therapeuten die betroffenen Gliedmaßen oder ermuntern den Patienten, sie zu bewegen. Das Bewegen der betroffenen Gliedmaßen hilft, Kontraktionen vorzubeugen oder zu lindern und den Bewegungsumfang der Gelenke aufrechtzuerhalten. Auch die nicht betroffenen Gliedmaßen sollten darüber hinaus regelmäßig bewegt werden, um Muskeltonus und Muskelkraft aufrechtzuerhalten. Vom Patienten wird erwartet, dass er andere Aufgaben übt, wie sich im Bett zu bewegen und zu drehen, die Position zu wechseln und aufzustehen. Die Fähigkeit, sich sicher und ohne fremde Hilfe vom Bett in den Stuhl oder Rollstuhl zu begeben, ist für die körperliche und psychische Gesundheit des Patienten wichtig.

Auch Koordinationsübungen können erforderlich sein. Der Therapeut fixiert manchmal die nicht betroffene Gliedmaße (auch „einschränkungsinduzierte Bewegungstherapie‟ genannt). Ein Patient mit einem teilweise gelähmten Arm kann beispielsweise einen Handschuh oder eine Schlinge um den gesunden Arm tragen, während er Alltagsübungen macht, z. B. essen, sich waschen, Körperpflege, schreiben oder eine Tür öffnen. Diese Maßnahme hilft, das Gehirn neu zu vernetzen, damit es die geschwächte oder gelähmte Gliedmaße benutzt.

Nach einer Hirnverletzung erfordern einige Probleme spezielle Therapien – z. B. um das Gehen zu unterstützen (Geh- oder Bewegungstraining), Koordination und Gleichgewicht zu verbessern, die Spastik (unwillkürliche Muskelkontraktion) abzubauen oder Seh- und Sprechprobleme auszugleichen. Wer z. B. Probleme beim Gehen hat, lernt in solchen Sitzungen, Stürzen vorzubeugen. Ergotherapie kann die Koordination verbessern. Wärme-oder Kältetherapie kann die Spastik in den Muskeln vorübergehend lindern und eine Dehnung der Muskeln ermöglichen. Personen mit einseitiger Blindheit können lernen, wie sie es vermeiden, gegen Türrahmen oder andere Hindernisse zu laufen – z. B. indem sie den Kopf zur betroffenen Seite wenden.

Ein Schlaganfall oder eine andere Hirnverletzung, insbesondere eine Gehirnerschütterung, kann die Denkfähigkeit (Kognition) beeinträchtigen. Der Patient kann Probleme mit dem Orientierungsvermögen, der Aufmerksamkeit, der Konzentration, der Wahrnehmung, dem Verständnis, dem Lernen, der Problemlösung, dem Gedächtnis, dem Sprechen und damit, die Gedanken zu ordnen, haben. Welche Probleme ein Patient hat, hängt von der Verletzung ab. Die kognitive Rehabilitation ist ein sehr langsamer Prozess, der auf die jeweilige Situation des Patienten zugeschnitten sein muss und Einzeltherapie erfordert. Die Ziele der kognitiven Rehabilitation sind das Umlernen des Gehirns und das Erlernen von Methoden, um bestehende Probleme auszugleichen. Aufgaben wie das Zubinden von Schuhen werden in einfache Fragmente aufgebrochen und geübt. Auch verbale, visuelle und taktile (Tast-) Hinweise, z. B. verbale Zeichen, Gesten und farblich kodierte Gegenstände, können dem Patienten helfen, zu lernen und sich zu erinnern, wie er eine Aufgabe bewältigen kann.

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