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Virusinfektionen des zentralen Nervensystems bei Kindern

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2019| Inhalt zuletzt geändert Sep 2019
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Quellen zum Thema

Infektionen des zentralen Nervensystems sind extrem ernst. Bei Meningitis (Hirnhautentzündung) werden die Häute um das Gehirn und das Rückenmark befallen. Enzephalitis befällt das Gehirn selbst.

  • Virale Infektionen des zentralen Nervensystems können Meningitis (Hirnhautentzündung) und Enzephalitis auslösen.

  • Zu den Symptomen zählen gewöhnlich anfängliches Fieber und im weiteren Verlauf Reizbarkeit, Essensverweigerung, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und manchmal Krampfanfälle.

  • Die Diagnose der Virusinfektionen des zentralen Nervensystems beruht auf einer Spinalpunktion.

  • Viele Infektionen verlaufen leicht, manche hingegen sind schwer und können bis zum Tod führen.

  • Antivirale Medikamente wirken bei der Behandlung der meisten viralen Infektionen des zentralen Nervensystems nicht, sodass die erkrankten Kinder nur unterstützend gepflegt werden können (z. B. mit Flüssigkeitszufuhr und Medikamenten zur Fieber- und Schmerzkontrolle).

Zu den Viren, die das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) befallen, gehören Herpesviren (siehe auch Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus), Arboviren, Coxsackieviren, Echoviren und Enteroviren.

Einige dieser Infektionen befallen in erster Linie die Meningen (Häute, die das Hirn und das Rückenmark bedecken) und führen zu Meningitis (Hirnhautentzündung). Die virale Meningitis (Hirnhautentzündung) wird manchmal als aseptische Hirnhautentzündung bezeichnet. Meningitis (Hirnhautentzündung) kann aber auch durch Bakterien ausgelöst werden (siehe Akute bakterielle Meningitis).

Andere Virusinfektionen befallen in erster Linie das Gehirn; sie werden Enzephalitis genannt. Infektionen, die sowohl die Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen) als auch das Gehirn befallen, werden Meningoenzephalitis genannt. Eine Meningitis (Hirnhautentzündung) kommt bei Kindern wesentlich häufiger vor als eine Enzephalitis.

Wussten Sie ...

  • Virusinfektionen können nicht mit Antibiotika geheilt werden.

Viren können das zentrale Nervensystem auf zwei verschiedene Arten befallen:

  • Bei einer akuten Erkrankung können sie die Zellen des zentralen Nervensystems direkt befallen und zu Schwellungen an der befallenen Stelle führen.

  • Bestimmte Virusinfektionen an anderen Stellen im Körper können dazu führen, dass das Immunsystem die Zellen um die Nerven angreift und beschädigt.

Diese weitere Schädigung (postinfektiöse Enzephalomyelitis oder akute disseminierte Enzephalomyelitis) verursacht typischerweise einige Wochen nach der Genesung von einer akuten Erkrankung Symptome.

Kinder können auf verschiedene Arten an einer Infektion des zentralen Nervensystems erkranken. Neugeborene können sich während der Geburt durch Kontakt mit infiziertem Sekret im Geburtskanal Herpesvirus-Infektionen zuziehen (siehe Herpes-simplex-Virus-Infektion (HSV) bei Neugeborenen). Andere Virusinfektionen entstehen durch das Einatmen virushaltiger Tröpfchen, die eine infizierte Person ausgeatmet hat. Arbovirusinfektionen werden durch den Biss infizierter Insekten übertragen.

Symptome und Behandlung einer viralen Meningitis (Hirnhautentzündung) und einer Enzephalitis bei älteren Kindern und Jugendlichen sind ähnlich wie bei Erwachsenen. Da Säuglinge nicht direkt kommunizieren können, sind ihre Symptome schwer zu verstehen. Meist rufen Infektionen des zentralen Nervensystems bei Säuglingen jedoch einige der unten beschriebenen Symptome hervor.

Symptome

Viral bedingte Infektionen des zentralen Nervensystems beginnen bei Neugeborenen und Säuglingen meist mit Fieber. Neugeborene haben häufig keine anderen Symptome und wirken anfangs auch nicht krank. Infizierte Säuglinge über einem Monat sind gewöhnlich reizbar und unruhig und wollen nicht trinken. Häufig erbrechen sie. Manchmal tritt die weiche Stelle am Kopf des Neugeborenen (Fontanelle) hervor, wenn er aufrecht sitzt, was auf einen erhöhten Hirndruck hinweist. Da Bewegung die Reizung der Hirnhäute (Meningen) verschlimmert, lässt sich der Säugling auch nicht durch Hochnehmen und sanftes Wiegen beruhigen. Im Gegenteil, dies bringt ihn möglicherweise noch mehr zum Schreien. Manche Säuglinge stoßen seltsame schrille Schreie aus. Säuglinge mit Enzephalitis leiden oft an Krampfanfällen oder führen andere auffällige Bewegungen aus. Säuglinge mit schwerer Enzephalitis können teilnahmslos werden, ins Koma fallen und sterben.

Eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren, die sich oft nur auf einen Teil des Gehirns konzentrieren, kann zu Krampfanfällen und Muskelschwäche führen, die auf einen bestimmten Teil des Körpers beschränkt ist. Bei einem Kind mit einer Enzephalitis aufgrund des Herpes-simplex-Virus kann es auch zu einem Ausschlag der Haut, der Augen oder im Mund kommen. Der Ausschlag besteht aus roten Flecken mit flüssigkeitsgefüllten Blasen, die verkrusten oder Schorf bilden, bevor sie abheilen (siehe Infektion mit Herpes-simplex-Viren (HSV) bei Neugeborenen).

Die postinfektiöse Enzephalomyelitis kann viele neurologische Probleme verursachen, abhängig davon, welcher Teil des Gehirns geschädigt ist. Es kann zu Muskelschwäche in einem Arm oder Bein, Seh- und Hörschaden, Gehschwierigkeiten, Verhaltensveränderungen, intellektueller Behinderung oder wiederkehrenden Krampfanfällen kommen. Einige dieser Symptome werden sofort bemerkt. Manche Symptome werden erst später festgestellt, beispielsweise bei routinemäßigen Hör-, Seh- und/oder Intelligenztests. Die Symptome klingen mit der Zeit oft wieder ab, manchmal bleiben sie aber auch dauerhaft bestehen.

Diagnose

  • Spinalpunktion (Lumbalpunktion)

Der Verdacht auf Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Enzephalitis entsteht, wenn ein Neugeborenes Fieber hat, oder wenn ältere Säuglinge und Kinder fiebern und darüber hinaus reizbar sind oder sich ansonsten anders als sonst verhalten. Zur Diagnosestellung einer Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Gehirnentzündung wird eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) durchgeführt, um Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (CSF) für Laboruntersuchungen zu entnehmen. Bei einer Virusinfektion ist die Zahl der weißen Blutkörperchen in der Zerebrospinalflüssigkeit erhöht, Bakterien finden sich aber nicht. Außerdem können Antikörper gegen Viren in der Zerebrospinalflüssigkeit mit immunologischen Tests nachgewiesen werden; bis solche Tests abgeschlossen sind, dauert es jedoch meist mehrere Tage. Mit den Methoden der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) können das Herpes-simplex-Virus und Enteroviren in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis, CSF) schneller nachgewiesen werden.

Durch Messung der Gehirnwellen (Elektroenzephalographie) lässt sich eine Enzephalitis durch Herpesviren nachweisen. Um die Diagnose zu bestätigen, können eine Magnetresonanztomographie (MRT) und eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden, insbesondere bei einer postinfektiösen Enzephalomyelitis.

Prognose

Die Heilungsaussichten hängen weitgehend von der Art der Infektion ab. Häufig verläuft eine virale Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Enzephalitis leicht, und das Kind erholt sich schnell und vollständig. Andere Formen verlaufen schwerer.

Infektionen des Gehirns mit dem Herpes-simplex-Virus sind besonders schwerwiegend. Ohne Behandlung sterben etwa 50 Prozent der Neugeborenen mit einer Herpes-simplex-Infektion des Gehirns, zwei Drittel der Überlebenden haben schwere Hirnschäden. Auch mit einer Behandlung sterben etwa 25 Prozent und die Hälfte der Überlebenden trägt Gehirnschäden davon. Wenn die unbehandelte Herpesinfektion außer dem Gehirn noch weitere Körperteile befällt, liegt die Sterberate sogar bei 85 Prozent.

Behandlung

  • Es dem Säugling bequem machen

  • Medikamente bei Fieber und Krampfanfällen

  • Bei postinfektiöser Enzephalomyelitis Kortikosteroide oder andere Medikamente

Die meisten Kinder müssen nur unterstützend behandelt werden, d. h. sie müssen warm gehalten werden und ausreichend Flüssigkeit und Medikamente zur Behandlung von Fieber oder Krampfanfällen erhalten. Antivirale Medikamente sind bei den meisten Infektionen des zentralen Nervensystems nicht wirksam. Herpes-simplex-Infektionen können jedoch durch die intravenöse Gabe von Acyclovir behandelt werden.

Die postinfektiöse Enzephalomyelitis kann mit Kortikosteroiden oder anderen Medikamenten zur Unterdrückung der Immunantwort, die die neurologischen Schäden verursacht, behandelt werden.

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