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Diabetes mellitus (DM) bei Kindern und Jugendlichen

Von

Andrew Calabria

, MD, Perelman School of Medicine at The University of Pennsylvania

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Bei der Krankheit Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel (Glukose) ungewöhnlich hoch, da der Körper nicht genügend Insulin produziert oder auf das gebildete Insulin nicht richtig anspricht.

  • Diabetes beschreibt eine Gruppe von Erkrankungen mit einem hohen Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) aufgrund einer verminderten Insulinproduktion, einer verminderten Wirkung des Insulins oder beidem.

  • Häufige Symptome bei der Diagnosestellung sind übermäßiger Durst, vermehrte Harnproduktion und Gewichtsverlust.

  • Die Diagnose basiert auf den Symptomen sowie auf den Ergebnisse von Urin- und Bluttests.

  • Zu den Behandlungen zählen eine veränderte Ernährung, sportliche Betätigung, Gewichtsabnahme (bei Übergewicht), Insulinspritzen oder oral einzunehmende Medikamente. Die Behandlung hängt dabei von der Art des Diabetes ab.

Symptome, Diagnose und Behandlung von Diabetes bei Kindern und Erwachsenen entsprechen sich weitgehend ( Diabetes mellitus (DM)). Bei Kindern kann es jedoch schwieriger sein, Diabetes in den Griff zu bekommen. Die Behandlung muss der physischen und emotionalen Reife des Kindes sowie den konstanten Änderungen der Nahrungsaufnahme, körperlichen Aktivitäten und Stress angepasst werden.

Blutzucker

Diabetes ist eine Erkrankung, bei der die Zuckermenge im Blut beeinflusst wird. Es gibt viele Arten von Zucker. Die weißen Körnchen des Kristallzuckers heißen Saccharose. Saccharose ist in Zuckerrohr und Zuckerrüben vorzufinden. Laktose, eine andere Form von Zucker, ist in Milch enthalten. Saccharose besteht aus zwei verschiedenen Einfachzuckern: Glukose und Fruktose. Laktose besteht aus den Einfachzuckern Glukose und Galaktose. Saccharose und Laktose müssen vom Darm in ihre Einfachzucker aufgespalten werden, bevor sie aufgenommen werden können. Glukose ist der wichtigste Zucker, aus dem der Körper Energie gewinnt. Aufgrund dessen werden während und nach der Aufnahme die meisten Zucker in Glukose umgewandelt. Wenn Ärzte daher über Blutzucker sprechen, beziehen sie sich auf Blutglukose.

Insulin

Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Insulin kontrolliert die Glukosemenge im Blut und ermöglicht es der Glukose, vom Blut in die Zellen einzudringen. Ohne eine ausreichende Insulinmenge gelangt die Glukose nicht in die Zellen und reichert sich im Blut an. Wenn der Glukosespiegel im Blut steigt, ist die Glukose auch im Urin nachweisbar. Dadurch wird mehr Wasser im Urin aufgenommen und die Betroffenen müssen häufiger urinieren (Polyurie), werden dadurch durstiger und trinken mehr (Polydipsie). Ohne Insulin kann es zu Problemen im Elektrolythaushalt und zu einem Flüssigkeitsmangel im Körper kommen. Ein Insulinmangel verursacht zudem einen Abbau von Fett und Eiweiß.

Arten von Diabetes mellitus

Die Diabetes-Typen bei Kindern sind ähnlich wie bei Erwachsenen. Sie umfassen

  • Prädiabetes

  • Typ-1-Diabetes

  • Typ-2-Diabetes

Prädiabetes

Prädiabetes ist ein Zustand, bei dem die Blutglukosespiegel zu hoch sind, um als normal angesehen zu werden, aber nicht hoch genug, um als Diabetes erachtet zu werden. Prädiabetes kommt bei übergewichtigen Jugendlichen häufiger vor. Bei der Hälfte der Jugendlichen ist er nur vorübergehend, der Rest entwickelt jedoch Diabetes, insbesondere wenn die Jugendlichen weiterhin zunehmen.

Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse wenig oder kein Insulin bildet. Er ist die häufigste Art bei Kindern und ist für etwa zwei Drittel aller Fälle verantwortlich. Er ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in der Kindheit. Im Alter von 18 Jahren hat eines von 350 Kindern Typ-1-Diabetes entwickelt. Die Zahl der betroffenen Kinder ist in letzter Zeit gestiegen, insbesondere bei Kindern unter 5 Jahren.

Typ-1-Diabetes kann sich zu jedem Zeitpunkt während der Kindheit, mitunter in den ersten Lebensjahren, entwickeln. Meist beginnt er jedoch bei Kindern zwischen 4 und 6 Jahren oder zwischen 10 und 14 Jahren.

Bei der Typ-1-Diabetes bildet die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Insulin, da das Immunsystem die entsprechenden Insulin-bildenden Zellen (Inselzellen) angreift und zerstört. Solche Angriffe können bei Menschen, die bestimmte Gene geerbt haben, die sie für Diabetes anfälliger machen, durch umweltbedingte Faktoren ausgelöst werden. Diese Gene sind in bestimmten ethnischen Gruppen häufiger (wie bei Skandinaviern und Sarden). Nahe Verwandte von Typ-1-Diabetes-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für diese Erkrankung. Geschwister haben ein Risiko von etwa 4 bis 8 Prozent, eineiige Zwillinge mit 30 bis 50 Prozent ein noch höheres Risiko. Das Diabetes-Risiko eines Kindes mit einem Elternteil, der an Typ-1-Diabetes leidet, liegt bei etwa 10 Prozent, wenn der Vater betroffen ist, und bei etwa 4 Prozent, wenn die Mutter betroffen ist.

Bei Kindern mit Typ-1-Diabetes ist das Risiko weiterer Erkrankungen erhöht, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift (Autoimmunerkrankungen), insbesondere Schilddrüsenerkrankungen und Zöliakie.

Typ-2-Diabetes

Typ-2-Diabetes entsteht, wenn die Körperzellen nicht angemessen auf das Insulin ansprechen (als Insulinresistenz bezeichnet). Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes kann die Bauchspeicheldrüse hier zwar noch Insulin bilden, jedoch nicht genug, um die Insulinresistenz zu überwinden. Dies wird häufig als relativer Insulinmangel bezeichnet, im Gegensatz zum absoluten Insulinmangel beim Typ-1-Diabetes. Typ-2-Diabetes tritt hauptsächlich im Jugendalter auf und ist bei übergewichtigen oder fettleibigen Kindern immer verbreiteter. Bis in die 1990er hatten mehr als 95 Prozent der betroffenen Kinder Typ-1-Diabetes, heute leidet jedoch ein Drittel der neu diagnostizierten Kinder an Typ-2-Diabetes. Typ-2-Diabetes entwickelt sich normalerweise, nachdem die Pubertät eingesetzt hat. Auch wenn viele Kinder Typ-2-Diabetes zwischen 10 und 14 Jahren entwickeln, tritt die höchste Rate während der späten Jugendzeit auf, im Alter zwischen 15 und 19 Jahren (siehe Fettleibigkeit bei Jugendlichen).

Die Zunahme von Typ-2-Diabetes in der Kindheit ist unter Kindern indigener Amerikaner, Afro- und Hispanoamerikanern, Amerikanern mit asiatischer Abstammung und Pazifikinsulanern besonders auffällig.

Andere Kinder tragen ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, wenn sie folgende Eigenschaften aufweisen:

Symptome

Ein hoher Glukosespiegel im Blut kann eine Vielzahl von unmittelbaren Symptomen und Langzeitkomplikationen verursachen.

Typ-1-Diabetes

Bei Typ-1-Diabetes entwickeln sich die Symptome schnell, meist über mehrere Tage bis Wochen, und sind offensichtlich. Durch den hohen Glukosespiegel muss das Kind häufig und große Mengen Wasser lassen. Die Kinder nässen möglicherweise das Bett ein oder können tagsüber ihre Blase nicht mehr kontrollieren. Noch nicht saubere Kinder haben möglicherweise mehr nasse Windeln. Der Flüssigkeitsverlust verursacht großen Durst, das Kind trinkt häufig und viel. Etwa die Hälfte der Kinder nimmt ab und wächst weniger. Bei manchen Kindern kommt es zur Austrocknung und in der Folge zu Schwäche, Müdigkeit und schnellem Puls. Bei Kindern kann es auch zu Übelkeit und Erbrechen aufgrund von Ketonen (Nebenprodukte, die durch den Abbau von Fett entstehen) im Blut kommen. Auch Sehstörungen können auftreten. Wenn nicht festgestellt wird, dass die Symptome von Diabetes verursacht werden, und keine entsprechende Behandlung erfolgt, kann eine diabetische Ketoazidose entstehen.

Typ-2-Diabetes

Viele Kinder haben keine Symptome und Typ-2-Diabetes wird nur festgestellt, wenn Blut oder Urin aus anderen Gründen untersucht werden (zum Beispiel im Rahmen einer körperlichen Untersuchung vor Sportunterricht oder Ferienlager). Die Symptome von Typ-2-Diabetes sind leichter als die von Typ 1 und entwickeln sich langsamer. Den Eltern fallen manchmal nur ein verstärkter Durst und eine vermehrte Urinausscheidung oder lediglich vage Symptome wie Müdigkeit auf. Bei Kindern mit Typ-2-Diabetes ist die Wahrscheinlichkeit einer Ketoazidose oder einer schweren Austrocknung geringer als bei Typ-1-Diabetes.

Komplikationen

Diabetes kann zu kurz- und langfristigen Komplikationen führen. Die schwerste unmittelbare Komplikation ist die diabetische Ketoazidose.

Langfristige Komplikationen beziehen sich meist auf soziale oder psychologische Probleme oder auf Probleme im Zusammenhang mit Blutgefäßen. Es kann zwar Jahre dauern, bis solche Komplikationen mit den Blutgefäßen auftreten, doch je besser Diabetes eingestellt ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie überhaupt auftreten.

Diabetische Ketoazidose (DKA)

Bei etwa einem Drittel der Kinder mit Typ-1-Diabetes besteht bei der Diagnosestellung eine diabetische Ketoazidose. Außerdem tritt bei Kindern mit bekanntem Typ-1-Diabetes die diabetische Ketoazidose häufig auf. Sie entsteht zudem jedes Jahr bei einem bis 10 Prozent der Kinder, normalerweise, wenn diese ihr Insulin nicht erhalten oder Probleme mit der Insulinverabreichung haben (zum Beispiel mit der Insulinpumpe). Diabetische Ketoazidose kann auch entstehen, wenn Kinder während einer Krankheit nicht ausreichend Insulin erhalten (wenn sie krank sind, benötigen Kinder mehr Insulin). Ohne Insulin können die Zellen die Glukose aus dem Blut nicht verwerten. Die Zellen wechseln auf einen Reservemechanismus, um Energie zu erhalten und Fette abzubauen, indem sie Ketonkörper als Nebenprodukte produzieren.

Die Ketone übersäuern das Blut (Ketoazidose), was zu Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Bauchschmerzen führt. Der Atem des Kindes riecht aufgrund der Ketonkörper nach Nagellackentferner. Die Atmung wird tief und schnell, da der Körper versucht, den Säuregehalt des Blutes zu korrigieren ( Übersicht über den Säure-Basen-Haushalt). Einige Kinder bekommen Kopfschmerzen und sind verwirrt oder weniger aufmerksam. Diese Symptome können durch die Ansammlung von Flüssigkeiten im Gehirn (Gehirnödem) verursacht werden. Diabetische Ketoazidose kann zu Koma und sogar zum Tod führen. Kinder mit diabetischer Ketoazidose sind außerdem dehydriert und können auch Störungen in anderen Stoffwechselbereichen aufweisen, wie die des Kalium- und Natriumhaushalts.

Soziale und psychologische Probleme

Soziale und psychologische Probleme ( Betreuung) sind bei Kindern mit Diabetes sehr häufig. Bis zur Hälfte der Kinder entwickelt eine Depression, Angst oder andere psychologische Probleme ( Übersicht über psychische Erkrankungen bei Kindern). Da Insulin zu einer Gewichtszunahme führen kann, sind Essstörungen ein schweres Problem bei Jugendlichen, die ihre Insulindosen auslassen, um ihr Gewicht zu kontrollieren. Soziale und psychologische Probleme können die Fähigkeit der Kinder beeinflussen, ihre Ernährungs- und Medikamentenpläne einzuhalten, was zu einer schlechten Kontrolle des Blutzuckerspiegels führt.

Probleme mit den Blutgefäßen

Diabetes führt letztendlich zu einer Verengung der kleinen und großen Blutgefäße, was zur Schädigung vieler verschiedener Organe führen kann. Obwohl die Verengung der Blutgefäße bereits innerhalb von ein paar Tagen nach Einsetzen des Diabetes beginnt, wird die Organschädigung erst Jahre später bemerkbar und ist in der Kindheit selten.

Die Schädigung der kleinen Blutgefäße betrifft am häufigsten die Augen, Nieren und Nerven. Schädigungen der Blutgefäße im Auge können zum Verlust der Sehfähigkeit (diabetische Retinopathie) führen. Eine Schädigung der Nieren (als diabetische Nephropathie bezeichnet) kann zu Niereninsuffizienz führen. Nervenschädigungen (diabetische Neuropathie) können Taubheitsgefühl, Kribbeln oder brennende Schmerzen in Armen und Beinen verursachen. Diese Probleme treten häufiger bei Kindern mit Typ-2-Diabetes als mit Typ-1-Diabetes auf. Diese Probleme können auch zum Zeitpunkt der Diagnose oder bei Kindern mit Typ-2-Diabetes früher vorliegen.

Schädigungen der großen Blutgefäße betreffen meist die Arterien zum Herzen und Gehirn. Eine Verengung der Arterien zum Herzen kann einen Herzinfarkt auslösen. Bei einer Verengung der Arterien zum Gehirn kann es zu einem Schlaganfall kommen.

Diagnose

  • Blutglukosetests

  • Hämoglobin-A1C-Test (glykosyliertes Hämoglobin)

  • Manchmal oraler Glukosetoleranztest

Die Diagnose des Diabetes erfolgt in zwei Schritten. Zunächst wird der Diabetes diagnostiziert. Anschließend wird die Art bestimmt. Treten bei Kindern Komplikationen auf, werden weitere Tests durchgeführt.

Diagnose des Diabetes

Der Verdacht auf Diabetes entsteht, wenn die Kinder die typischen Symptome aufweisen oder bei einer Routineuntersuchung des Urins Glukose nachgewiesen wird. Die Diagnose wird durch Messung des Blutglukosespiegels bestätigt. Der Blutglukosespiegel kann morgens vor dem Essen (Nüchternblutglukose) oder unabhängig von der Nahrungsaufnahme (Gelegenheitsglukose bzw. Nicht-Nüchternglukose) gemessen werden. Bei Kindern wird ein Diabetes bestimmt, wenn sie sowohl die typischen Symptome von Diabetes als auch einen hohen Blutzuckerspiegel zeigen. Wenn der Nüchternglukosespiegel bei mehr als 2 Messungen 126 Milligramm pro Deziliter (mg/dl – 7,0 mmol/l) oder mehr beträgt, leidet das Kind an Diabetes. Wenn der zufällig gemessene Glukosespiegel 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher ist, hat das Kind Diabetes.

Ärzte messen auch den Spiegel eines Proteins im Blut, den Hämoglobin A1C-Wert (glykosyliertes Hämoglobin). Hämoglobin ist die rote, Sauerstoff transportierende Substanz in den roten Blutkörperchen. Wenn Blut über einen gewissen Zeitraum hohen Blutglukosespiegeln ausgesetzt wird, lagert sich Glukose an Hämoglobin an und bildet Hämoglobin A1C. Da die Bildung und der Abbau von Hämoglobin A1C relativ lange dauern, verändert sich dessen Spiegel nur über einen Zeitraum von Wochen bis Monaten anstatt von Minute zu Minute, wie es beim Glukosespiegel der Fall ist. Hämoglobin-A1C-Werte zeigen daher den Blutzuckerspiegel über einen Zeitraum von 2 bis 3 Monaten. Bei einem Hämoglobin-A1C-Wert ab 6,5 Prozent wird ein Diabetes angenommen. Die Hämoglobin-A1C-Werte sind bei der Diagnose des Typ-2-Diabetes bei Kindern hilfreich, die keine typischen Symptome aufweisen.

Wenn keine Symptome bestehen oder wenn die Symptome nur leicht oder untypisch sind, kann auch ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden. Für diesen Test bleiben die Kinder nüchtern, dann wird eine Blutprobe entnommen, um den Nüchternglukosewert zu bestimmen. Anschließend wird eine Lösung mit einer großen Glukosemenge getrunken. 2 Stunden später wird der Blutglukosespiegel gemessen. Bei einem Wert ab 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) gelten Kinder als an Diabetes erkrankt. Dieser Test ist ähnlich dem auf Schwangerschaftsdiabetes.

Bestimmung des Diabetes-Typs

Um Typ-1-Diabetes vom Typ 2 zu unterscheiden, werden Bluttests durchgeführt, um Antikörper gegen verschiedene Eiweiße zu bestimmen, die von Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden. Diese Antikörper sind bei Typ-1-Diabetes häufig, bei Typ-2-Diabetes selten vorhanden.

Tests nach der Diagnose

Bei Kindern mit Typ-1-Diabetes werden normalerweise weitere Bluttests durchgeführt, um sie auf Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie und Schilddrüsenerkrankungen zu untersuchen.

Wird Typ-2-Diabetes festgestellt, werden Bluttests durchgeführt, um die Leber- und Nierenfunktion zu überprüfen, und es erfolgen Urintests. Bei der Diagnosestellung werden Kinder mit Typ-2-Diabetes auch auf andere Probleme untersucht, wie Bluthochdruck, hohe Lipidwerte im Blut (Fette) und Fettleber, da diese bei der Erkrankung häufig auftreten. Weitere Tests werden abhängig von den Symptomen durchgeführt. Beispielsweise werden Kinder, die tagsüber schläfrig sind und schnarchen, auf obstruktive Schlafapnoe untersucht, Mädchen, die haarig sind und Akne oder Menstruationsunregelmäßigkeiten haben, auf das polyzystische Eierstocksyndrom.

Vorbeugung

Maßnahmen wie eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Betätigung und Gewichtsabnahme können den Ausbruch von Typ-2-Diabetes verhindern oder hinauszögern; bei Kindern mit einem erhöhten Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, sollten sorgfältige Analysen einer Blutprobe durchgeführt werden, die den Hämoglobin-A1c-Spiegel messen. Dieser Test sollte zunächst im Alter von 10 Jahren durchgeführt werden oder wenn die Pubertät einsetzt (wenn die Pubertät früher beginnt) und dann alle 3 Jahre wiederholt werden.

Einige Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes können verhindert werden. Kinder, die fettleibig sind, sollten beispielsweise Gewicht verlieren, und alle Kinder sollten regelmäßig Sport treiben (siehe Ernährung und Sport).

Typ-1-Diabetes lässt sich nicht verhindern.

Behandlung

  • Ernährung und körperliche Aktivität

  • Bei Typ-1-Diabetes Insulinspritzen

  • Bei Typ-2-Diabetes orales Metformin und manchmal Insulinspritzen

Das Hauptziel einer Diabetes-Behandlung ist, den Blutglukosespiegel so weit, wie es auf unbedenkliche Weise möglich ist, im normalen Bereich zu halten. Bei keiner Behandlung ist es jedoch möglich, den Blutglukosespiegel auf normalem Niveau zu halten. Wenn der Blutglukosespiegel sehr streng im Normbereich gehalten wird, erhöht sich das Risiko, dass die Blutglukosewerte manchmal zu niedrig werden. Ein niedriger Blutglukosewert wird als Hypoglykämie bezeichnet und kann gefährlich sein.

Ernährung und körperliche Aktivität

Kinder mit Diabetes sollten unabhängig vom Typ

  • Auf eine gesunde Ernährung achten

  • Abnehmen, wenn sie übergewichtig sind

  • Sich regelmäßig bewegen

Eine allgemeine Ernährungskontrolle und Aufklärung sind für alle Kinder mit Diabetes von besonderer Bedeutung. Ernährungsempfehlungen für Kinder mit Diabetes basieren auf den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung für alle Kinder. Ihr Ziel ist es, ein ideales Körpergewicht und optimales Wachstum zu erreichen und die kurz- und langfristigen Komplikationen von Diabetes zu vermeiden.

Alle Kinder sollten regelmäßig essen und keine Mahlzeiten auslassen. Auch wenn die meisten Ernährungspläne eine gewisse Flexibilität bezüglich der Kohlenhydrataufnahme und der Zeiten erlauben, ist die Einnahme von Mahlzeiten und geplanten Zwischenmahlzeiten jeden Tag zu etwa der gleichen Zeit und mit etwa der gleichen Kohlenhydratmenge wichtig für eine optimale Glukosekontrolle. Da der Körper Kohlenhydrate im Essen in Glukose umwandelt, hängt der Blutglukosespiegel mit der Aufnahme von Kohlenhydraten zusammen.

Durch die Wahl gesunder Lebensmittel lässt sich der Blutglukosewert kontrollieren und die Gesundheit des Herzens schützen. Kinder sollten vor allem Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Nahrungsmittel zu sich nehmen (zum Beispiel Lebensmittel, die pro Portion mindestens 3 Gramm Ballaststoffe enthalten). Die Nahrung sollte wenig intensiv verarbeitete (raffinierte) Kohlenhydrate, insbesondere Süßigkeiten, Backwaren (wie Cookies, Donuts und Gebäck) sowie zuckerhaltige Getränke beinhalten. Kinder sollten nicht mehr als 110 bis 230 ml eines 100-prozentigen Fruchtsafts am Tag zu sich nehmen. Sie sollten Soda, gesüßten Eistee, Limonade, Fruchtsaft und Sportgetränke insgesamt vermeiden. Auch Nahrungsmittel mit gesättigten Fetten, wie Backwaren, Snacks (Kartoffelchips und Maistortilla-Chips), frittierte Nahrungsmittel (wie Pommes frites) und Fast Food sollten vermieden werden. Manche dieser Nahrungsmittel können noch Transfette enthalten, häufige Bestandteile bestimmter verarbeiteter Lebensmittel, die entfernt werden, weil sie nachweislich mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen in Zusammenhang gebracht wurden.

Bei Typ-1-Diabetes wird den Eltern und älteren Kindern gezeigt, wie der Kohlenhydratanteil von Nahrungsmitteln geprüft und ein Ernährungsplan erstellt werden kann. Bei den meisten Kindern mit Typ-1-Diabetes ist die Nahrungsaufnahme nicht streng festgelegt und basiert auf den normalen Ernährungsgewohnheiten sowie Insulindosen gemäß der tatsächlichen Kohlenhydrataufnahme. Säuglinge und Vorschulkinder stellen die Eltern vor eine besondere Herausforderung, da sie keine gleichbleibende Menge Nahrung zu sich nehmen und weil es zu einer Hypoglykämie kommen kann, deren Symptome sie ihren Eltern jedoch nicht mitteilen können.

Bei Typ-2-Diabetes konzentrieren sich die Veränderungen der Lebensweise bei der Mehrheit der Kinder auf das Körpergewicht. Schritte zur Verbesserung der Ernährung und Kontrolle der Nahrungsaufnahme umfassen den Verzicht auf zuckerhaltige Getränke, die Einschränkung der Portionsgröße, eine Umstellung auf fettarme Nahrungsmittel und die Steigerung der Ballaststoffaufnahme durch Obst und Gemüse.

Regelmäßige Bewegung ist wichtig, da dadurch die Glukosekontrolle verbessert und die Gewichtsabnahme erleichtert wird. Da anstrengende körperliche Aktivität zu einem erheblichen Abfall der Blutglukose führen kann, müssen Kinder mit Typ-1-Diabetes möglicherweise vor und/oder während eines Trainings zusätzliche Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Diabetische Ketoazidose

Kinder mit diabetischer Ketoazidose (DKA) werden intensivmedizinisch behandelt. Zum Ausgleich des Wasserhaushalts benötigen sie häufig Flüssigkeit, die über eine Vene (intravenös) verabreicht wird. Zudem ist oft auch eine intravenöse Kaliumlösung notwendig, um den niedrigen Kaliumspiegel auszugleichen. Bei DKA ist häufig intravenöses Insulin erforderlich.

Um eine DKA zu verhindern und Krankenhausaufenthalte zu minimieren, sollten die Ketonwerte im Blut oder Urin mit Keton-Teststreifen gemessen werden. Bei kleineren Kindern und bei Kindern, bei denen eine Urinprobe schwer zu sammeln ist, sowie Kindern mit häufigen DKA-Episoden und Kindern, die Insulinpumpen verwenden, können Bluttests vorgezogen werden. Ketontests sollten durchgeführt werden, wenn Kinder krank werden (unabhängig vom Blutglukosespiegel) oder wenn der Blutglukosespiegel hoch ist. Hohe Ketonwerte können auf DKA hindeuten, insbesondere wenn es zu Bauchschmerzen, Erbrechen, Benommenheit oder schneller Atmung kommt.

Behandlung des Typ-1-Diabetes

Zur Kontrolle der Blutglukose erhalten Kinder mit Typ-1-Diabetes Insulinspritzen.

Kinder, bei denen ein Typ-1-Diabetes festgestellt wird, werden üblicherweise ins Krankenhaus eingewiesen. Kinder mit Typ-1-Diabetes erhalten Flüssigkeiten (zur Behandlung von Dehydratation) und Insulin. Insulin wird bei ihnen stets erforderlich sein, da kein anderer Wirkstoff effektiv ist. Wenn bei der Diagnosestellung keine DKA vorliegt, erhalten die Kinder für gewöhnlich zwei oder mehr Insulinspritzen pro Tag. Die Insulinbehandlung wird meistens im Krankenhaus begonnen, damit der Blutglukosespiegel regelmäßig getestet werden kann und Ärzte die Insulindosis entsprechend anpassen können. Seltener wird die Behandlung bei einem normalen Arztbesuch begonnen.

Wenn die Kinder aus dem Krankenhaus entlassen werden, müssen sie regelmäßig Insulin erhalten. Zusammen mit den Kindern und ihren Familien arbeiten die Ärzte das beste Insulinschema für den Patienten aus.

Es gibt verschiedene Arten von Insulinschemata:

  • Behandlungsplan (Schema) mit mehreren Dosen täglich (MDI) (meist ein Basal-Bolus- Insulin-Schema)

  • Behandlungspläne mit Insulinpumpe

  • Vorgemischtes Insulin

Die meisten Kinder mit Typ-1-Diabetes sollten mit MDI-Behandlungsplänen (Schemata) oder mit einer Insulinpumpe behandelt werden.

Bei MDI-Schemata wird ein Basal-Bolus-Insulinplan bevorzugt. Bei diesem Schema werden täglich ein oder zwei Injektionen eines länger wirksamen Insulins (Basis- oder Basal-Dosis) sowie zusätzliche Injektionen (Bolus-Dosis) eines kurzwirksamen Insulins unmittelbar vor den Mahlzeiten verabreicht. Jede Bolus-Dosis hängt von der Nahrungsmenge ab, die das Kind isst, sowie vom aktuellen Blutglukosespiegel.

Ein Vorteil der Basis-Bolus-Therapie ist die Flexibilität bei Mahlzeiten.

Wenn ein Basal-Bolus-Schema nicht infrage kommt (z. B. wenn eine angemessene Überwachung nicht verfügbar ist, z. B. wenn kein Erwachsener zur Verfügung steht, um in der Schule oder in der Tagesstätte Injektionen zu verabreichen), kann eine bestimmte Form von MDI-Schemata eine Option sein. Bei diesen Behandlungsplänen (Schemata) erhalten Kinder eine bestimmte (festgelegte) Menge an länger wirksamem und kürzer wirkenden Insulin vor dem Verzehr von Frühstück und Abendessen und einer festgesetzten Dosis mit längerer Wirkung vor dem Schlafengehen. Feste Schemata sind weniger flexibel. Die Mahlzeiten müssen zu festen Zeiten eingenommen werden. Daher wurden sie weitgehend durch Basal-Bolus-Schemata ersetzt.

Bei Behandlung mit der Insulinpumpe wird die Basaldosis durch einen kleinen, biegsamen Schlauch (Katheter) verabreicht, der in der Haut verbleibt. Ergänzende Bolus, die zur Mahlzeit verabreicht werden oder um einen hohen Blutzuckerspiegel zu korrigieren, werden als separate Injektionen des schnell wirksamen Insulins mit einer Nadel oder einer Insulinpumpe verabreicht.

Beim vorgemischten Insulin wird eine feststehende Mischung zweier Insulinarten verwendet: eine schnell und nur ein paar Stunden wirksame und eine langsam, jedoch länger wirkende Formulierung. Das gängige Verhältnis des Insulins beträgt 70/30 (70 Prozent langwirksam und 30 Prozent kurzwirksam) oder 75/25. Die Kinder erhalten jeweils beim Frühstück und Abendessen eine Injektion.

Ein Vorteil ist, dass weniger Injektionen notwendig sind und die Handhabung einfacher ist. Allerdings sind die vorgemischten Schemata bezüglich des Zeitpunkts und der Menge von Mahlzeiten weniger flexibel und können nicht so häufig angepasst werden. Daher lässt sich der Blutglukosespiegel mit diesen Schemata nicht so gut kontrollieren.

Methoden zur Insulingabe

Insulin kann mit verschiedenen Methoden verabreicht werden:

  • Durchstechflasche und Spritze

  • Insulin-Pen

  • Insulinpumpe

Manche Kinder verwenden eine Durchstechflasche und Spritze. Bei dieser Methode wird jede Insulindosis aus einer Durchstechflasche in eine Spritze gezogen und dann unter die Haut gespritzt, meist in den Arm, Oberschenkel oder Bauch. Kleine Spritzen mit sehr dünnen Nadeln machen die Injektionen nahezu schmerzlos. Die Insulinmenge in der Spritze hängt von der benötigten Insulinmenge ab. Bei kleinen Kindern kommen häufig Spritzen mit halben Einheiten zum Einsatz, damit kleinere Insulindosen verwendet werden können.

Ein Insulin-Pen ist für viele Kinder für das Tragen und Anwenden von Insulin angenehm, insbesondere für Kinder, die täglich mehrere Injektionen außerhalb von zuhause nehmen. Der Pen enthält eine Patrone mit mehreren Insulindosen. Die bei jeder Injektion abgegebene Dosis wird durch Drehen des Pens angepasst.

Ein anderes Produkt ist eine Insulinpumpe, die Insulin kontinuierlich aus einem Behälter durch einen Katheter pumpt. Die Katheterstelle muss alle 2 bis 3 Tage gewechselt werden. Immer mehr Kinder verwenden Insulinpumpen, unter anderem auch junge Kinder. Die Pumpe imitiert genauer, wie der Körper normalerweise Insulin abgibt. Die Pumpen sind so eingestellt, dass sie über einen Zeitraum von 24 Stunden gleichmäßig Insulin abgeben (als Basis-Dosis bezeichnet). Bei Mahlzeiten oder hohem Blutzucker kann die Pumpe auch manuell betätigt werden, um zusätzliches Insulin freizusetzen (als Bolus-Dosis bezeichnet). Im Gegensatz zu anderen Methoden enthalten Insulinpumpen nur kurzwirksames Insulin. Die Kinder benötigen kein länger wirksames Insulin, da sie durch die Basis-Dosis durchgehend eine kleine Insulinmenge erhalten. Die Pumpe kann so eingestellt werden, dass sie zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten unterschiedliche Insulinmengen abgibt.

Insulinpumpen können zusammen mit Systemen zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung ( Überwachung der Diabetes-Behandlung) verwendet werden, um die Blutglukose während des Tages besser nachverfolgen zu können. Bei neueren Insulinpumpen sind die Insulinpumpen mit einem System zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung in einem Gerät integriert.

Für manche Kinder bietet die Pumpe ein zusätzliches Maß an Kontrolle, während andere das Tragen der Pumpe als unangenehm empfinden oder an der Stelle des Katheters eine Wunde oder Infektionen entwickeln.

Behandlung des Typ-2-Diabetes

Kinder mit Typ-2-Diabetes werden normalerweise nur bei einem schweren Diabetes im Krankenhaus behandelt. Für gewöhnlich erhalten sie bei einem Arztbesuch Medikamente zur Senkung des Blutglukosespiegels (Antidiabetika). Kinder mit einem schweren Diabetes müssen möglicherweise zu Beginn der Insulinbehandlung ins Krankenhaus. In seltenen Fällen entwickeln Kinder mit Typ-2-Diabetes eine schwere Austrocknung, oder wie bei Typ-1-Diabetes, eine DKA.

Metformin ist das Hauptmedikament, das bei Kindern und Jugendlichen über den Mund (oral) gegeben wird. Man verabreicht zunächst eine niedrige Dosis, die oft über mehrere Wochen erhöht wird. Es kann zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden, um Übelkeit und Bauchschmerzen zu vermeiden.

Andere Medikamente, die zur Behandlung von Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen eingesetzt werden, können auch bei manchen Jugendlichen hilfreich sein. Sie sind jedoch teurer und der Nutzen bei Kindern ist kaum nachgewiesen.

Insulin wird Kindern verabreicht, die ins Krankenhaus eingewiesen werden. Insulin kann häufig nach einigen Wochen wieder abgesetzt werden, sobald sich die Glukosespiegel nach der Behandlung mit Metformin normalisieren. Wenn der Typ-2-Diabetes nicht mit Metformin allein kontrolliert werden kann, muss zusätzlich Insulin gegeben werden. Etwa die Hälfte aller Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes benötigt letztendlich Insulin.

Andererseits gibt es auch einige wenige Kinder, die mit einer Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung und regelmäßiger körperlichen Bewegung sämtliche Medikamente absetzen können.

Hypoglykämie (Unterzuckerung)

Zu geringem Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) kommt es, wenn zu viel Insulin oder zu viel eines antihyperglykämischen Medikaments eingenommen wird oder wenn das Kind nicht regelmäßig isst oder sich über einen längeren Zeitraum übermäßig sportlich betätigt. Warnsignale sind Verwirrtheit oder anderes auffälliges Verhalten. Zudem sind die Kinder oft blass und/oder schwitzen.

Zur Behandlung einer Hypoglykämie erhalten Kinder Zucker in jeglicher Form, wie Glukosetabletten, Bonbons, Glukose-Gel oder ein süßes Getränk, wie ein Glas Fruchtsaft. Wenn das Kind weder essen noch trinken kann, erhält es Glukagon als Injektion. Eine unbehandelte, schwere Unterzuckerung führt zu Schwäche, Verwirrtheit und sogar zum Koma oder Tod.

Bei Erwachsenen, Jugendlichen und älteren Kindern verursachen Unterzuckerungen nur selten anhaltende Probleme. Bei Kindern unter 5 Jahren können häufige Unterzuckerungen jedoch die intellektuelle Entwicklung schädigen. Hinzu kommt, dass jüngere Kinder die Vorboten und Warnzeichen einer Unterzuckerung meist nicht erkennen. Um das Risiko einer Unterzuckerung bei jungen Kindern gering zu halten, sollte deren Blutzuckerspiegel besonders oft kontrolliert und der Zielbereich für ihre Blutglukosewerte etwas höher angesetzt werden. Systeme zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung können Kindern helfen, da ein Alarm ertönt, wenn der Glukosewert unter einen bestimmten Bereich sinkt.

Überwachung der Diabetes-Behandlung

Die Häufigkeit der Überwachung hängt vom Diabetes-Typ ab.

Bei Typ-1-Diabetes sollten die Blutglukosespiegel vor allen Mahlzeiten und vor einer Zwischenmahlzeit vor dem Zubettgehen gemessen werden. Hierzu wird mithilfe einer kleinen Lanzette ein Blutstropfen aus einer Fingerspitze entnommen. Die Lanzette trägt eine winzige Nadel, die in den Finger gestochen werden kann oder in ein Gerät mit Federmechanismus platziert wird, und dringt leicht und schnell durch die Haut. Der Tropfen wird auf einen Teststreifen gegeben, der dann maschinell ausgewertet wird. Ein Gerät zeigt das Ergebnis digital an. Da körperliche Aktivität den Glukosespiegel für bis zu 24 Stunden senken kann, sollte an diesen Tagen die Glukose häufiger gemessen werden. Manchmal muss der Spiegel auch nachts gemessen werden.

Geräte zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung (CGM) verwenden einen kleinen Blutzuckersensor, der unter die Haut platziert wird. Der Sensor misst die Blutglukosespiegel alle 1 bis 5 Minuten. Die CGM-Systeme werden mit Blutglukosespiegeln durch einen Stich in den Finger kalibriert und senden das Ergebnis kabellos an ein Gerät, das Teil einer Insulinpumpe sein kann oder an einen kabellosen Bildschirm, der an einem Gürtel getragen werden kann. Er zeichnet die Ergebnisse auch zur Kontrolle für den Arzt auf. Bei der CGM kann ein hörbarer Alarm eingestellt werden, wenn die Blutglukosespiegel zu stark fallen oder zu hoch steigen, das Gerät kann den Menschen also dabei helfen, bedrohliche Veränderungen der Blutglukose schnell zu erkennen. Auch wenn die CGM-Geräte mit jedem Insulinschema verwendet werden können, kommen sie typischerweise bei Insulinpumpen zum Einsatz.

Sogenannte künstliche Bauchspeicheldrüsen (ein Closed-Loop-System zur Abgabe von Insulin) für Kinder ab 14 Jahren wurden von der amerikanischen Food and Drug Administration zugelassen. Künstliche Bauchspeicheldrüsen-Systeme überwachen die Zuckerwerte mit einen kleinen Glukosesensor. Mithilfe von intelligenten Computer-Algorithmen auf einem Smartphone oder ähnlichen Gerät geben sie über eine Insulinpumpe automatisch die richtige Insulinmenge ab. Diese Systeme ermöglichen eine engmaschigere Insulindosierungskontrolle und minimieren Fälle, in denen die Blutinsulinwerte zu hoch oder zu niedrig sind.

Bei Typ-2-Diabetes sollten die Blutglukosespiegel zwar auch regelmäßig gemessen werden, jedoch nicht so häufig wie bei Typ-1-Diabetes. Mehrere Faktoren bestimmen die Häufigkeit der Selbstüberwachung, unter anderem der Glukosespiegel des Kindes zwischen den Mahlzeiten und nach dem Essen. Die Häufigkeit der Überwachung sollte erhöht werden, wenn die Kinder ihre Glukose nicht gut kontrollieren, bei einer Krankheit oder wenn Symptome einer Hypoglykämie oder Hyperglykämie spürbar sind. Sobald der Glukosespiegel eingestellt ist, werden die Tests zuhause wöchentlich auf ein paar Blutglukosemessungen zwischen den Mahlzeiten und nach dem Essen beschränkt.

Sobald Eltern und Kinder den Umgang gelernt haben, können sie die Insulindosis bei Bedarf anpassen, um den Blutzuckerspiegel besser unter Kontrolle zu halten. Gewöhnlich wollen Kinder im Alter von 10 Jahren ihren Blutglukosespiegel selbst testen und sich selbst Insulin spritzen. Eltern sollten diesen Wunsch bestärken, müssen jedoch sicherstellen, dass das Kind dabei verantwortungsvoll ist. Ärzte bringen Kindern meist bei, wie sie ihre Insulindosis ihren zuhause gemessenen Blutglukosewerten anpassen können.

Unabhängig vom Typ des Diabetes besuchen die betroffenen Kinder ihren Arzt gewöhnlich mehrere Male im Jahr. Der Arzt bewertet Wachstum und Entwicklung, prüft die von der Familie aufbewahrten Blutglukosewerte, gibt Ratschläge zur Ernährung und misst das glykosylierte Hämoglobin (Hämoglobin A1c –  Diagnose des Diabetes). Normalerweise sucht der Arzt nach langfristigen Komplikationen von Diabetes, indem er Eiweiß im Urin misst, Tests zur Bestimmung der Schilddrüsenfunktion durchführt (Schilddrüsenfunktionstests), nach Nervenschädigungen sucht und Augenuntersuchungen durchführt. Screening-Tests können einmal im Jahr oder alle zwei Jahre durchgeführt werden.

Kinder mit Diabetes sollten einen medizinischen Ausweis (z. B. ein Armband oder einen Anhänger) tragen, der das behandelnde Notfallpersonal über das Vorliegen von Diabetes informiert. Diese Informationen ermöglichen es dem Personal, schnell eine lebensrettende Behandlung zu beginnen, insbesondere bei Verletzungen oder Veränderungen des Geisteszustands.

Manche Kinder kommen mit ihrem Diabetes und dessen Kontrolle sehr gut und ohne Konflikte zurecht. Bei anderen verursacht Diabetes großen Stress in der Familie, unter dem dann auch die Diabetesbehandlung leidet. Besonders Jugendlichen fällt es oft schwer, den Behandlungsplan einzuhalten, wenn er mit dem eigenen Terminplan kollidiert und sie sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Jugendlichen kann es helfen, wenn der Arzt ihren gewünschten Zeitplan und ihre Aktivitäten berücksichtigt und bei der Lösung von Problemen flexibel ist, d. h. mit Jugendlichen zusammenarbeitet, statt ihnen Lösungen aufzudrängen.

Wussten Sie ...

  • Kinder mit Typ-1-Diabetes benötigen immer Insulinspritzen, ungeachtet dessen, ob sie abnehmen oder ihren Ernährungsplan umstellen.

Jugendliche mit Diabetes

Jugendlichen kann es aus den folgenden Gründen besonders schwer fallen, ihren Blutglukosespiegel zu kontrollieren

  • Hormonelle Veränderungen während der Pubertät: Diese Veränderungen wirken sich darauf aus, wie der Körper auf Insulin reagiert. Aufgrund dessen sind während dieser Zeit gewöhnlich höhere Dosen erforderlich.

  • Jugendlicher Lebensstil: Gruppenzwang, vermehrte Aktivitäten, unregelmäßige Tagesabläufe, die Sorge um das Aussehen oder Essstörungen können den vorgeschriebenen Behandlungsplan beeinträchtigen, vor allem den Ernährungsplan.

  • Das Probieren von Alkohol, Zigaretten und illegalen Drogen: Jugendliche, die diese Substanzen probieren, vernachlässigen womöglich ihre Behandlung, was zu einem erhöhten Risiko von Komplikationen im Zusammenhang mit Diabetes (wie Hypoglykämie und DKA) führen kann.

  • Konflikte mit den Eltern und mit anderen Autoritätspersonen: Bei solchen Konflikten sind Jugendliche weniger bereit, ihren Behandlungsplan zu befolgen.

Daher ist es wichtig, dass Eltern oder andere Erwachsene Schwierigkeiten dieser Art erkennen und dem Jugendlichen die Möglichkeit bieten, Probleme mit einer medizinischen Fachkraft zu besprechen. Die medizinische Fachkraft hilft dabei, dass Jugendliche darauf achten, ihren Blutglukosespiegel unter Kontrolle zu halten. Eltern und medizinische Fachkräfte müssen Jugendliche dazu auffordern, ihren Blutglukosespiegel regelmäßig zu kontrollieren.

Betreuung

Die Diagnose Diabetes ist für viele Kinder und ihre Familie eine große psychische Belastung ( Soziale und psychologische Probleme). Das Bewusstsein, eine lebenslange Erkrankung zu haben, kann Kinder traurig oder wütend machen und manchmal sogar dazu führen, dass sie ihre Krankheit verleugnen. Ärzte, Psychologen oder Berater müssen diese Gefühle angehen, um sicherzustellen, dass das Kind mitarbeitet und sich an den erforderlichen Behandlungsplan zur richtigen Ernährungsweise, zur körperlichen Betätigung, zu Blutglukosetests und Medikamenten hält. Diese Probleme nicht anzugehen, kann die Kontrolle des Blutglukosespiegels erschweren.

In Ferienlagern für Kinder mit Diabetes lernen sie, mehr Verantwortung für sich und ihren Körper zu übernehmen. Gleichzeitig können sie ihre Erfahrungen mit anderen teilen und austauschen.

Bei der Behandlung von Diabetes bezieht der Hausarzt des Kindes gewöhnlich weitere Fachleute, wie pädiatrische Endokrinologen, Ernährungsberater, Diabetestrainer, Sozialarbeiter und Psychologen, in die Behandlung ein. Auch Familienunterstützungsgruppen können helfen. Der Arzt kann die Eltern mit Informationsschriften und Merkblättern für die Schule versorgen, um auch die Lehrkräfte über den richtigen Umgang mit Diabetes aufzuklären.

Wussten Sie ...

  • Typ-2-Diabetes ist in den meisten Fällen mit Fettleibigkeit verbunden.

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