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Blutprodukte

Von

Ravindra Sarode

, MD, The University of Texas Southwestern Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Quellen zum Thema

Manchmal erhalten Patienten bei starken Blutungen (z. B. nach einer Verletzung oder Schwangerschaftskomplikationen) Vollbluttransfusionen. In der Regel erhalten sie jedoch nur die Blutbestandteile, die sie brauchen. Die verschiedenen Bestandteile des Blutes sind folgende:

Das Plasma enthält Antikörper (Immunglobuline) und Gerinnungsfaktoren, die manchmal vom Plasma getrennt werden.

Nicht alle Bestandteile werden von einer bestimmten Einheit gespendeten Blutes gebildet. So können beispielsweise Immunglobuline und Gerinnungsfaktoren vom zusammengelegten Plasma von vielen Spendern getrennt werden. Weiße Blutkörperchen und Blutplättchen erhält man durch Apherese. Je nach Lage erhält ein Patient vielleicht nur rote Blutkörperchen, Blutplättchen, Plasma oder Kryopräzipitat. Durch die Transfusion von ausgewählten Blutbestandteilen kann die Behandlung treffsicher sein und weniger Nebenwirkungen haben; außerdem können mit den verschiedenen Bestandteilen aus einer Einheit Blut mehrere Personen behandelt werden.

Bisweilen werden Blutprodukte bestrahlt, um das Risiko zu reduzieren, dass die transfundierten weißen Blutkörperchen den Empfänger angreifen (Graft-versus-Host-Reaktion).

Rote Blutkörperchen

Erythrozytenkonzentrate werden am häufigsten übertragen; sie können die Funktion des Blutes, Sauerstoff zu transportieren, wiederherstellen. Dieser Bestandteil kann Menschen mit Blutungen oder starker Anämie gegeben werden. Die roten Blutkörperchen werden vom flüssigen Blutplasma und den anderen zellähnlichen Bestandteilen getrennt. Nach diesem Schritt werden die roten Blutkörperchen konzentriert, damit sie weniger Platz einnehmen.

Manchmal werden die roten Blutkörperchen gewaschen, damit sie Patienten gegeben werden können, die stark auf Plasma reagieren. Gewaschene rote Blutkörperchen haben kaum noch Spuren von Plasma, weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen.

Spezialfilter werden routinemäßig verwendet, um die weißen Blutkörperchen zu entfernen und so viele Arten von Nebenwirkungen zu verringern, einschließlich Fieber, Schüttelfrost, einer Cytomegalovirus(CMV)‑Infektion und der Bildung von Antikörpern gegen Humane-Leukozyten-Antigene (HLA). HLA-Antigene sind chemische Marker auf der Oberfläche von Zellen und sind in jedem Organismus einzigartig, wodurch sich der Körper von Fremdkörpern unterscheiden kann.

Gekühlte rote Blutkörperchen halten sich gewöhnlich 42 Tage lang. Unter besonderen Umständen – z. B. zur Aufbewahrung seltener Blutgruppen - können rote Blutkörperchen eingefroren werden; dann sind sie bis zu 10 Jahre haltbar.

Blutplättchen

Blutplättchen sind kleine zellenartige Partikel im Blut, die bei der Gerinnung helfen. Sie werden meistens Patienten mit zu wenig Blutplättchen (Thrombozytopenie) gegeben, die schwere und spontane Blutungen bekommen können. Blutplättchen können nur 5 Tage lang aufbewahrt werden, da sie bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden.

In der Vergangenheit waren mehrere Spender notwendig, um genügend Blutplättchen für eine Person zu erhalten. Aktuelle Apherese-Sammeltechniken, die die Blutplättchen besser von den übrigen Blutbestandteilen trennen können, sorgen dafür, dass heute ein einziger Spender genügend Blutplättchen für den Bedarf einer Person liefert.

Plasma

Plasma, der flüssige Bestandteil des Blutes, enthält viele Eiweiße, einschließlich Blutgerinnungsfaktoren. Das sind Eiweiße im Blut, die den Blutplättchen bei der Blutgerinnung helfen. Ohne Gerinnungsfaktoren würden Blutungen nicht aufhören.

Plasma wird im Allgemeinen sofort eingefroren, nachdem es von dem frischen Blut getrennt wurde (frisches gefrorenes Plasma). Wenn Plasma innerhalb von 24 Stunden nach der Entnahme eingefroren wird, kann es bis zu einem Jahr aufbewahrt werden. Es wird bei Blutungsstörungen verwendet, wenn der fehlende Gerinnungsfaktor unbekannt oder der genaue Gerinnungsfaktor nicht vorhanden ist. Darüber hinaus kommt es zum Einsatz, wenn die Blutung durch die mangelnde Produktion aller oder vieler Gerinnungsfaktoren wegen Erkrankungen wie Leberversagen oder einer schweren Infektion verursacht wird.

Wussten Sie ...

  • Ärzte können angeben, welche Bestandteile des Blutes bei einer Transfusion gegeben werden sollen, damit die Patienten nur die Bestandteile bekommen, die sie für die Behandlung ihrer Erkrankung benötigen.

Kryopräzipitat

Wenn gefrorenes Frischplasma zum ersten Mal aufgetaut wird, bilden bestimmte Gerinnungsfaktoren (hauptsächlich Fibrinogen, Faktor VIII, XIII und Von-Willebrand-Faktor) feste Klumpen unten im flüssigen Plasma. Auf diese Weise gebildete Klumpen werden als „Präzipitat“ (Niederschlag) bezeichnet. „Kryo“ bedeutet „kalt“, daher der Name Kryopräzipitat. Kryopräzipitat wird meistens Patienten mit starken Blutungen und zu wenig Fibrinogen (einem wichtigen Gerinnungsfaktor) gegeben (zum Beispiel Patienten mit Verbrauchskoagulopathie oder einer Plazentaablösung).

Einzelne Gerinnungsproteine können auch vom zusammengeführten Plasma gereinigt oder unter Verwendung genetischer Rekombinationstechniken hergestellt werden. Einzelne konzentrierte Blutgerinnungsfaktoren können Patienten mit vererbten Blutungsstörungen gegeben werden, wie Hämophilie oder Von-Willebrand-Krankheit, oder um die Wirkung von Arzneimitteln umzukehren, die eine Blutgerinnung hemmen (Gerinnungshemmer wie Warfarin).

Antikörper

Antikörper (Immunglobuline) sind die krankheitsabwehrenden Bestandteile des Blutes und dienen dazu, Menschen zeitweise zu immunisieren, die mit einer Infektionskrankheit in Berührung gekommen sind oder nur wenige Antikörper haben. Antikörper werden aus dem Blut einer Reihe behandelter Plasmaspender hergestellt.

Zu den Infektionen, für die Antikörper erhältlich sind, gehören Windpocken, Hepatitis, Tollwut und Tetanus.

Weiße Blutkörperchen

Weiße Blutkörperchen werden übertragen, um bei Menschen mit einer stark verringerten Zahl weißer Blutkörperchen oder abnorm funktionierenden weißen Blutkörperchen lebensbedrohliche Infektionen zu behandeln. Die Transfusion von weißen Blutkörperchen ist selten, weil sie durch verbesserte Antibiotika und den Einsatz von Wachstumsfaktoren, mit denen Personen zur vermehrten Bildung eigener weißer Blutkörperchen angeregt werden, nicht mehr so oft gebraucht werden. Weiße Blutkörperchen werden durch Apherese gewonnen und können bis zu 24 Stunden gelagert werden.

Blutersatzstoffe

Forscher haben versucht, Blutersatzstoffe herzustellen, die gewisse chemische oder besondere behandelte Hämoglobinlösungen verwenden (das Eiweiß, mit dessen Hilfe die roten Blutkörperchen Sauerstoff transportieren), um Sauerstoff zum Gewebe zu transportieren. Diese Lösungen können bei Raumtemperatur gelagert werden (häufig mehrere Jahre lang – viel länger, als Blut in einer Blutbank aufbewahrt werden kann) und brauchen nicht mit der Blutgruppe des Empfängers abgeglichen zu werden. Aufgrund dieser Eigenschaften eignen sie sich für einen Transport zu Unfallorten oder Kriegsschauplätzen. Allerdings haben Studien ergeben, dass bisher keiner der bisher entwickelten Blutersatzstoffe Leben rettet. Ärzte forschen weiter nach anderen möglichen Blutersatzstoffen.

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