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Pulmonales Barotrauma

Von

Alfred A. Bove

, MD, PhD, Lewis Katz School of Medicine, Temple University

Inhalt zuletzt geändert Jul 2017
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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Barotrauma ist eine Gewebeverletzung, verursacht durch eine druckbedingte Änderung des Gasvolumens im Körperraum Zu den Faktoren, die das Risiko für ein pulmonales Barotrauma erhöhen, gehören bestimmte Verhaltensweisen (z. B. schneller Aufstieg, Atemanhalten, Einatmen komprimierter Luft) und Lungenerkrankungen (z. B. COPD). Pneumothorax und Pneumomediastinum sind häufige Erscheinungen. Die Patienten benötigen neurologische Untersuchung und Brust-Bildgebung. Pneumothorax wird behandelt. Prävention beinhaltet Verringerung riskanter Verhaltensweisen und Beratung von Tauchern mit hohem Risiko.

Eine Überdehnung und alveoläre Ruptur kann auftreten, wenn während eines sehr schnellen Auftauchens der Atem angehalten wird (gewöhnlich wenn Druckluft eingeatmet wird). Die Folge kann ein Pneumothorax sein, der mit Dyspnoe, Brustschmerzen und einer einseitigen Verminderung der Atemgeräusche einhergeht, oder aber ein Pneumomediastinum, das ein Gefühl der Völle in der Brust, Nackenschmerzen, pleuritischen Schmerz, der in die Schultern ausstrahlen kann, Dyspnoe, Husten, Heiserkeit, und Dysphagie verursacht. Ein Pneumomediastinum kann aufgrund von subkutanen Hautemphysemen zu Krepitationen im Halsbereich führen, und es kann zudem ein knisterndes Geräusch während der Systole über dem Herzen gehört werden (Hamman-Zeichen). Ein Spannungspneumothorax, der zwar selten beim Barotrauma vorkommt, kann einen Blutdruckabfall, Halsvenenstauung, einen hypersonoren Klopfschall und, als ein später Befund, eine Trachealverschiebung verursachen. Im Rahmen von alveolären Rupturen kann Gas in die pulmonal-venöse Strombahn gelangen, woraus eine arterielle Gasembolie folgt.

Bei sehr tiefem Tauchen bei angehaltenem Atem kann die Kompression der Lunge während des Abtauchens in seltenen Fällen zu einer Volumenverkleinerung unter das Residualvolumen führen und ein Mucosaödem, vaskuläre Stauung und Hämorrhagien hervorrufen, die sich beim Aufsteigen klinisch als Dyspnoe und Hämoptyse manifestieren.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

  • Bildgebende Verfahren

Patienten benötigen eine neurologische Untersuchung auf Anzeichen von Funktionsstörungen des Gehirns aufgrund einer arteriellen Gasembolie.

Werden keine neurologischen Ausfälle gefunden, wird eine Röntgenthoraxaufnahme im Stehen gemacht, in der nach Anzeichen eines Pneumothorax oder Pneumomediastinums (strahlendurchlässiges Band entlang der kardialen Grenze) gesucht wird. Wenn die Röntgenthoraxaufnahme negativ ist, jedoch ein starker klinischer Verdacht besteht, kann eine CT, die empfindlicher als eine einfache Röntgenaufnahme ist, diagnostisch zielführend sein. Ultraschall kann auch für eine schnelle Diagnose von Pneumothorax am Krankenbett nützlich sein.

Therapie

  • 100% Sauerstoff

  • Manchmal Pleuradrainage

Ein vermuteter Spannungspneumothorax wird mit einer Nadel-Dekompression und anschließender Thorakotomie behandelt. Wenn ein kleiner (z. B. 10–20%iger) Pneumothorax vorhanden ist und es keine Anzeichen einer hämodynamischen oder respiratorischen Instabilität gibt, kann sich der Pneumothorax wieder zurückbilden, wenn 100%iges Sauerstoff mit hohem Flow über 24–48 h gegegeben wird. Wenn diese Behandlung unwirksam ist oder wenn ein größerer Pneumothorax vorliegt, kann eine Pleuradrainage unter Verwendung eines Pigtailkatheters oder eines kleinen Thoraxtubus durchgeführt werden.

Bei einem Pneumomediastinum ist keine spezifische Behandlung erforderlich; die Symptome verschwinden gewöhnlich innerhalb von Stunden oder Tagen. Nach wenigen Stunden Beobachtung können die meisten Patienten ambulant behandelt werden. Um die Resorption von extraalveolärer Luft bei diesen Patienten zu beschleunigen, wird eine Beatmung mit 100%igem Sauerstoff mit hohem Flow empfohlen. Selten ist eine Mediastinotomie erforderlich, um ein Spannungspneumomediastinum zu entlasten.

Vorbeugung

Die Prävention der pulmonalen Barotraumata hat höchste Priorität. Korrekte Techniken des Aufstiegs und des Timings sind unerlässlich. Patienten mit pulmonalen Bullae, Marfan-Syndrom oder chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COLD) stehen unter hohem Risiko für einen Pneumothorax und sollten nicht tauchen oder in Zonen mit komprimierter Luft arbeiten. Patienten mit Asthma haben ein Risiko für ein Lungenbarotrauma, aber viele Menschen mit Asthma können sicher tauchen, nachdem sie untersucht und entsprechend behandelt worden sind.

Wichtige Punkte

  • Pulmonale Barotraumata können in seltenen Fällen zum Spannungspneumothorax führen, der sofort dekompressiert werden muss.

  • Alle Patienten, die pulmonale Barotraumata haben, sollten auf Anzeichen von Funktionsstörungen des Gehirns aufgrund von arterieller Gasembolie untersucht werden.

  • Alle Patienten mit Verdacht auf pulmonale Barotraumata werden mit 100%igem Sauerstoff beatmet und diagnostisch untersucht.

Weitere Informationen

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