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Bisse von Menschen oder Säugetieren

Von

Robert A. Barish

, MD, MBA, University of Illinois at Chicago;


Thomas Arnold

, MD, Department of Emergency Medicine, LSU Health Sciences Center Shreveport

Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Quellen zum Thema

Bisse von Menschen oder Haustieren (meistens Hunde und Katzen, aber auch Eichhörnchen, Rennmäuse, Kaninchen, Meerschweinchen und Affen) sind nicht ungewöhnlich und führen gelegentlich zu schweren Erkrankungen und dauerhaften Schäden. Betroffen sind meist die Hände, die Extremitäten und das Gesicht. Bei Bissen von Menschen sind gelegentlich auch die Genitalien betroffen.

Bisse von großen Tieren können manchmal erhebliche Gewebetraumata zur Folge haben, etwa 10–20 Menschen, meist Kinder, sterben jedes Jahr durch einen Hundebiss. Die meisten Bisse verursachen jedoch meist relativ kleine Wunden.

(Siehe auch Rattenbissfieber.)

Ansteckung

Zusätzlich zu dem Gewebetrauma führen Bisse von Menschen aufgrund der bakteriellen Besiedelung des menschlichen Mundes zu Infektionen. Durch Bisse vom Menschen können theoretisch virale Hepatitis und HIV übertragen werden. Allerdings ist eine HIV-Übertragung unwahrscheinlich, da die Konzentration von HIV im Speichel viel niedriger als in Blut ist und Inhibitoren im Speichel das Virus unwirksam machen.

Zum Tollwutrisiko durch Tierbisse. Affenbisse, die gewöhnlich nur bei Mitarbeitern wissenschaftlicher Laboratorien vorkommen, bergen ein gewisses Risiko für Herpesvirus simiae-Virusinfektionen. Diese Infektion äußert sich in Blasen an der Bissstelle und kann nicht selten bis zu einer tödlich verlaufenden Enzephalitis fortschreiten.

Bisse an der Hand haben ein höheres Infektionsrisiko als Bisse an anderen Körperstellen. Spezifische Infektionen sind

Ein Kampfbiss ist die häufigste menschliche Bisswunde. Er resultiert aus einem geballten Faustschlag in den Mund und ist ein besonderes Infektionsrisiko. Bei Kampfbissen bewegt sich die Hautwunde von den darunter liegenden zerstörten Strukturen weg, wenn die Hand geöffnet wird, womit Bakterien innen eingeschlossen werden. Patienten zögern oft eine Behandlung hinaus, wodurch sich die Bakterien ungehindert vermehren können.

Katzenbisse an der Hand haben auch ein hohes Risiko für Infektionen, da Katzen lange, dünne Zähne haben, die oft tief in Strukturen wie Gelenke und Sehnen eindringen, während die kleinen Löcher sich schnell wieder schließen.

Menschliche Bisse an anderen Stellen als der Hand scheinen kein größeres Infektionsrisiko zu bergen als der Biss anderer Säugetiere.

Diagnose

  • Untersuchung von Handbissen am besten in genau der Handstellung, in der der Biss erfolgte

  • Abklärung auf Schäden an darunter liegenden Nerven, Sehnen, Knochen und dem Gefäßsystem und auf das Vorhandensein von Fremdkörpern

Menschliche Bisse passieren manchmal in einer heftigen Auseinandersetzung und werden dann auf andere Ursachen zurückgeführt, um der anderen Person oder sich selber keine Unannehmlichkeiten mit den Behörden oder den Versicherungen zu bereiten. Häusliche Gewalt wird oft geleugnet.

Tipps und Risiken

  • Für jede dorsale Handwunde in der Nähe des Metakarpophalangealgelenks sollte ein menschlicher Biss in Erwägung gezogen werden, besonders wenn der vorgebrachte Unfallhergang vage ist oder Fragen offen lässt.

Bisswunden müssen zunächst danach beurteilt werden, inwieweit darunterliegende Strukturen (z. B. Nerven, Gefäße, Sehnen und Knochen) betroffen sind. Außerdem muss nach Fremdkörpern in der Bisswunde gesucht werden. Die Beurteilung der Wunde muss sich auf Funktionseinschränkungen und das Ausmaß der Wunde konzentrieren. Wunden oberhalb oder in der Nähe von Gelenken sollten untersucht werden, während der verletzte Bereich in der gleichen Position gehalten wird wie bei dem Unfallhergang (z. B. geballte Faust). Wunden werden unter sterilen Bedingungen untersucht, um Sehnen, Knochen und Gelenkbeteiligung zu beurteilen und um Fremdkörper zu erkennen. Wenn ein zurückgehaltener Fremdkörper eine Möglichkeit ist, kann eine Bildgebung (z. B. Röntgenstrahlen für strahlenundurchlässige Fremdkörper wie die meisten Zähne) durchgeführt werden. Ultraschall hat sich auch zu einem wertvollen Hilfsmittel bei der Erkennung von subkutanen Fremdkörpern entwickelt. Wunden, die durch Herumbeißen (Nagen) zugefügt werden, sehen zwar oft weniger gefährlich aus, sollten aber auch bei kleineren Abschürfungen näher untersucht werden, um tiefe Verletzungen auszuschließen.

Die mikrobielle Untersuchung einer frischen Wunde ist nicht zielführend; ein Abstrich an einer Wunde darf erst dann erfolgen, wenn eindeutige Infektionszeichen vorliegen. Eine Untersuchung auf Hepatitis C oder HIV ist erst dann indiziert, wenn bekannt ist bzw. der Verdacht besteht, dass der Täter serumpositiv ist.

Behandlung

  • Sorgfältige Wundversorgung

  • Selektiver Wundverschluss

  • Gezielter Einsatz prophylaktischer Antibiotika

Ein Krankenhausaufenthalt ist indiziert, wenn Komplikationen eine sehr engmaschige Überwachung erfordern, insbesondere bei Patienten, bei denen vorherzusehen ist, dass sie es mit der Nachsorge nicht so genau nehmen werden. Ein Krankenhausaufenthalt sollte in den folgenden Fällen in Betracht gezogen werden:

  • Wenn ein menschlicher Biss infiziert ist (einschließlich Verletzungen der geballten Faust)

  • Wenn ein nicht menschlicher Biss leicht oder schwer infiziert ist

  • Wenn ein Verlust der Funktion offensichtlich ist

  • Wenn die Wunde tiefere Strukturen gefährdet oder beschädigt hat

  • Wenn eine Wunde zu einer Behinderung führt oder schwer zu Hause zu pflegen ist, z. B. erhebliche Wunden beider Hände oder beider Füße oder aber Handwunden, die eine kontinuierliche Anhebung erforderlich machen

Schwerpunkte der Behandlung sind Wundreinigung, Débridement, Verschluss und Infektionsprophylaxe, auch bei Tetanus (siehe Tabelle Tetanusprophylaxe bei Routinewundbehandlung).

Wundversorgung

Die Wunde sollte zuerst mit einer antibakteriellen Seife und Wasser (Leitungswasser ist ausreichend) gereinigt werden. Dann folgt eine Spülung unter Druck mit reichlich Kochsalzlösung. Hierzu kann eine Spritze oder ein Katheter benutzt werden, der sonst für i.v. Infusionen Anwendung findet. Bei Schmerzen sollten entsprechende Lokalanästhetika angewendet werden. Totes und devitalisiertes Gewebe sollte debridiert werden, wobei besondere Sorgfalt denjenigen Wunden gilt, die das Gesicht oder die Hand betreffen.

Wundverschluss ist nur bei bestimmten Wunden angezeigt, z. B. solchen, die minimal sind und effektiv gereinigt werden können. Meistens werden Wunden zunächst offen gelassen, einschließlich diese:

  • Stichwunden

  • Verletzungen an Händen, Füßen, Damm oder an den Genitalien

  • Wunden, die mehr als einige Stunden alt sind

  • Wunden, die stark verunreinigt sind

  • Wunden, die stark ödematös sind

  • Wunden, die Anzeichen einer Entzündung zeigen

  • Wunden, die tiefere Strukturen (z. B. Sehnen, Knorpel, Knochen) betreffen

  • Wunden durch menschliche Bisse

  • Wunden in einer kontaminierten Umgebung (z. B. bei einem Miltäreinsatz, in der Kanalisation)

Auch bei Patienten mit Immunschwäche ist eher ein sekundärer Wundverschluss vorzunehmen. Andere Wunden, wie z. B. frische Hautrisse, können normalerweise nach entsprechender Wundreinigung primär verschlossen werden. Das Behandlungsergebnis bei sekundärem Verschluss ist dem beim primären Wundverschlusses ähnlich, sodass in der Regel keine Gründe gegen einen vorzeitigen Wundverschluss sprechen.

Bisse in die Hand sollten mit Gaze verbunden werden, die Hand auf einer Schiene fixiert (Position auf der Schiene: das Handgelenk in leichter Extension, das Metakarpophalangealgelenk und beide Interphalangealgelenke in Flexion). Wenn Wunden mittelschwer oder schwerer sind, sollte die Hand kontinuierlich erhöht gehalten werden, z. B. an einem Infusionsständer hängend.

Bisse im Gesicht bedürfen häufig der wiederherstellenden Chirurgie, damit keine kosmetischen Probleme und hässlichen Narben entstehen. Eine primäre Schließung von Hundebissen im Gesicht von Kindern konnte gute Ergebnisse zeigen, aber eine vorherige Rücksprache mit einem plastischen Chirurgen ist zu empfehlen.

Infizierte Wunden erfordern ggf. Wundreinigung, Nahtmaterialentfernung, Wundbad, das Verbringen auf eine Schiene mit Anhebung der Extremität und die intravenöse Anwendung von Antibiotika in Abhängigkeit von der Schwere und des klinischen Bildes. Sollte es zur Gelenkinfektion und Osteomyelitis kommen, bedarf es einer langfristigen intravenösen Antibiotikatherapie und einer orthopädischen Mitbetreuung.

Antimikrobielle Medikamente

Eine gründliche Wundreinigung ist der beste Weg, um eine Infektion zu verhindern und ist oft ausreichend. Es gibt keinen Konsens über die Gabe von prophylaktischen Antibiotika. Entsprechende Studien konnten keinen erkennbaren Nutzen feststellen und der weit verbreitete Einsatz prophylaktischer Antibiotika birgt zudem die Gefahr der Ausbildung von resistenten Organismen. Medikamente verhindern keine Infektion bei stark verschmutzten oder unzureichend gereinigten Wunden. Allerdings verschreiben viele Ärzte prophylaktische Antibiotika bei Bissen an der Hand und bei anderen Bissen (z. B. Katzenbisse, Affenbisse).

Infektionen werden mit antimikrobiellen Wirkstoffen behandelt, die nach der Tierart ausgewählt werden (siehe Tabelle Antimikrobielle Medikamente bei Bisswunden). Das Ergebnis bakteriologischer Kulturen aus Wunden sollte, wenn vorhanden, die weitere Therapie bestimmen.

Patienten mit blutenden Wunden von Menschenbissen sollten je nach dem Serumstatus des Täters eine Postexpositionsprophylaxe für Virusinfektionen und HIV erhalten. Wenn der Status unbekannt ist, ist eine Prophylaxe nicht indiziert.

Tabelle
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Antimikrobielle Medikamente bei Bisswunden

Medikament

Dosis

Kommentare

Menschen- und Hundebisse

Amoxicillin/Clavulansäure

500–875 mg p.o. 2-mal täglich

Für ambulante Patienten

Prophylaxe: Dosierung über 3 Tage

Behandlung: Dosierung über 5–7 Tage

Ampicillin/Sulbactam

1,5–3,0 g i.v. alle 6 h

Für stationäre Patienten

Wirksam gegen alpha-hämolytischen Streptokokken, Staphylococcus aureus und Eikenella corrodens

Trimethoprim/Sulfamethoxazol

zzgl.

160/800 mg i.v. alle 12 h

Für Patienten, die auf Penzillin allergisch sind (Bei Kindern richtet sich die Dosis nach dem Gewicht)

Clindamycin

150–300 mg i.v. alle 6 h

Doxycyclin

100 mg p.o. oder i.v. alle 12 h

Alternative für Hundebisse für Patienten mit Allergie auf Penizillin, außer Kinder < 8 Jahre und schwangere Frauen

Clindamycin

zzgl.

150–300 mg p.o. oder i.v. alle 6 h

Alternative für Hundebisse bei Erwachsenen

Ein Fluoroquinolon (z. B. Ciprofloxacin)

500 mg p.o. alle 12 h (Ciprofloxacin)

Katzenbisse*

Ein Fluoroquinolone (z. B. Ciprofloxacin)

500 mg p.o. 2-mal täglich für 5–7 Tage

Zur Prophylaxe und Behandlung bei Erwachsenen

Wirksam gegen P. multocida

Clarithromycin

500 mg p.o. 2-mal täglich für 7–10 Tage

Alternative für Kinder

Clindamycin

150–300 mg p.o. 4-mal täglich über 7–10 Tage

Alternative für Kinder

Affenbisse

Aciclovir

800 mg i.v. 5-mal täglich über 14 Tage

Zur Prophylaxe

*Bisse durch Eichhörnchen, Rennmäuse, Kaninchen und Meerschweinchen infizieren sich selten und können, wenn sie sich doch entzünden, mit den gleichen Medikamenten wie bei Katzenbissen behandelt werden.

Bartonella henselae, Katzenkratzkrankheit - wird auch durch Katzenbisse übertragen

Für die Behandlung von infizierten Affenbissen werden antibakterielle Medikamente wie bei infizierten Menschen- und Hundebissen verwendet.

Wichtige Punkte

  • Die Infektionsgefahr an der Hand ist höher, besonders bei Bissen mit geballter Faust.

  • Wunden an der Hand sollten in der Position untersucht werden, in der die Wunde zugefügt wurde.

  • Wunden sollten auf Schäden an Nerven, Sehnen, Knochen und am Gefäßsystem untersucht werden, sowie auf das Vorhandensein von Fremdkörpern.

  • Wunden werden nur geschlossen, die minimal sind und effektiv gereinigt werden konnten.

  • Das Risiko einer Infektion kann durch gründliche mechanische Reinigung, Débridement und manchmal antimikrobiellen Prophylaxe minimiert werden.

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