Das Fragiles-X-Syndrom (FXS) ist eine genetische Anomalie in einem X-Chromosom, das zu geistiger Behinderung und zu Verhaltensauffälligkeiten führt. Die Diagnose erfolgt durch eine molekulare DNA-Analyse. Die Therapie ist symptomatisch.
Das Fragile-X-Syndrom ist eine Anomalie eines spezifischen Genlokus auf dem X-Chromosom und ist die häufigste vererbte Ursache für geistige Behinderung und Autismus-Spektrum-Störung (1). Männer sind häufiger betroffen als Frauen. (Das Down-Syndrom ist die häufigste Ursache für eine geistige Behinderung bei Männern. Obwohl es eine genetische Erkrankung ist, treten die meisten Fälle sporadisch und nicht veerbt auf.)
Die Symptome des FXS werden durch eine Anomalie des FMR1-Gens auf dem X-Chromosom verursacht. Die Anomalie ist eine instabile Triplett-Repeat-Expansion; nicht betroffene Menschen haben < 54 CGG-Wiederholungen und Menschen mit FXS haben > 200. Es wird davon ausgegangen, dass Menschen mit 55–200 CGG-Wiederholungen eine Premutation haben, weil die erhöhte Anzahl der Wiederholungen die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass eine weitere Mutation bei > 200 Wiederholungen bei einer nachfolgenden Generation führen.
FXS betrifft etwa einen von 4000 Männern und eine von 8000 Frauen (2). Die Premutation ist häufiger. Frauen mit dieser Störung sind typischerweise weniger beeinträchtigt als Männer. Das Fragile-X-Syndrom wird X-chromosomal vererbt und führt bei Frauen nicht immer zu klinischen Symptomen.
In der Vergangenheit zeigte eine Karyotypisierung eine Verengung am Ende des langen Arms des X-Chromosoms, gefolgt von einem dünnen Strang des genetischen Materials. Dies war der Grund, warum dieses Syndrom als eine chromosomale Anomalie betrachtet wurde. Allerdings erscheint dieser strukturelle Defekt nicht, wenn modernenogenetische Techniken verwendet werden, und dies ist der Grund, warum FXS nun als eine Störung eines einzelnen Gens betrachtet wird und nicht mehr als eine chromosomale Anomalie.
Allgemeine Literatur
1. National Fragile X Foundation. Fragile X 101. Accessed August 6, 2025.
2. MedlinePlus [Internet]. Bethesda (MD): National Library of Medicine (US); [updated 2020 Jun 24]. Fragile X syndrome; [updated 2020 Jun 10; reviewed 2020 Apr 1; cited 2025 Jul 29]; [about 5 p.]. Available from: Fragile X syndrome: MedlinePlus Genetics.
Symptome und Zeichen des Fragile-X-Syndroms
Menschen mit FXS können körperliche, kognitive und Verhaltensauffälligkeiten haben.
Typische Merkmale sind große, hervorstehende Ohren, prominentes Kinn und Stirn, ein hoher Gaumen und bei postpubertären Männern, Makroorchidismus. Die Gelenke können überdehnbar sein und Herzerkrankungen (Mitralklappenprolaps) können auftreten.
Zu den kognitiven Anomalien können leichte bis mittelschwere geistige Behinderungen gehören. Merkmale einer Autismus-Spektrum-Störung können sich entwickeln, darunter perseverative Sprache und Verhaltensweisen, mangelnder Blickkontakt und soziale Angst.
Frauen mit Premutation haben eventuell eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz, manchmal tritt die Menopause in der Mitte der 30er Jahre auf. Bei Männern und Frauen mit einer FMR1-Prämutation besteht ein Risiko für das fragile X-assoziierte Tremor/Ataxie-Syndrom (FXTAS), das mit Ganganomalien, Intentionstremor, späterer intellektueller Beeinträchtigung und psychiatrischen Problemen assoziiert ist.
Diagnose des Fragilen-X-Syndroms
DNA-Tests
Das Fragile-X-Syndrom wird häufig erst im Schulalter oder, selten, in der Adoleszenz vermutet, abhängig von der Ausprägung der Symptome und dem Grad der intellektuellen Behinderung, sofern keine relevante Familienanamnese vorliegt. Jungen mit Autismus-Spektrum-Störung und geistiger Behinderung sollten auf das Fragile-X-Syndrom getestet werden, insbesondere wenn sie ebenfalls betroffene mütterliche Verwandte haben.
Eine molekulare DNA-Analyse (Polymerase-Kettenreaktionstest und Southern-Blot-Analyse zur Bestimmung der Repetitionsgröße und Methylierung) wird durchgeführt, um die erhöhte Anzahl von CGG-Repetitionen nachzuweisen (1). Ein Multigen-Panel, das FMR1 einschließt, ist in den Vereinigten Staaten verfügbar.
(Siehe auch Next-Generation-Sequenzierungstechnologien.)
Diagnosehinweis
1. Spector E, Behlmann A, Kronquist K, et al. Laboratory testing for fragile X, 2021 revision: a technical standard of the American College of Medical Genetics and Genomics (ACMG). Genet Med. 2021;23(5):799-812. doi:10.1038/s41436-021-01115-y
Behandlung des Fragilen-X-Syndroms
Unterstützende Maßnahmen
EIne frühe Intervention, einschließlich Logopädie und Ergotherapie kann Kindern mit FXS helfen, ihre Fähigkeiten auszubauen.
Stimulanzien, Antidepressiva und Medikamente gegen Angststörungen (z. B. Sertralin) können für einige Kinder vorteilhaft sein (1).
Treatment reference
1. Protic D, Hagerman R. State-of-the-art therapies for fragile X syndrome. Dev Med Child Neurol. 2024;66(7):863-871. doi:10.1111/dmcn.15885



