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Morbus Crohn

(Regionale Enteritis, Granulomatöse Ileitis oder Granulomatöse Ileokolitis)

Von

Aaron E. Walfish

, MD, Mount Sinai Medical Center;


Rafael Antonio Ching Companioni

, MD, Digestive Diseases Center

Inhalt zuletzt geändert Okt 2017
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Quellen zum Thema

Der Morbus Crohn ist als chronische transmurale Darmntzündung definiert, die in der Regel das distale Ileum und das Kolon befällt, aber auch in jedem Abschnitt des Gastrointestinaltrakts auftreten kann. Zu den Symptomen gehören Diarrhö und abdominale Schhmerzen. Abszesse, interne und externe Fisteln und Darmverschluss können auftreten. Extraintestinale Symptome, v. a. Arthritis, kommen ebenfalls vor. Die Diagnose wird koloskopisch und durch bildgebende Verfahren gestellt. Die Therapie besteht aus 5-Aminosalicylsäure, Kortikosteroiden, Immunmodulatoren, Antizytokinen, Antibiotika und häufig operativem Vorgehen.

Pathophysiologie

Morbus Crohn beginnt mit einer entzündlichen Reaktion der Krypten und mit Kryptenabszessen, die zu kleinen fokalen aphthoiden Ulzera fortschreiten. Diese Schleimhautschäden können sich zu tiefen longitudinalen und transversalen Ulzera mit dazwischenliegendem Schleimhautödem weiterentwickeln und auf diese Weise das charakteristische Bild eines Pflastersteinreliefs hervorrufen.

Die transmurale Ausbreitung der Entzündung führt zu einem Lymphödem und zu einer Verdickung der Darmwand und des Mesenteriums. Das mesenterische Fett weitet sich typischerweise auf die Serosaoberfläche des Darms aus. Die mesenterialen Lymphknoten sind häufig vergrößert. Die ausgeprägte Entzündungsreaktion kann zur Hypertrophie der Musculares mucosae, Fibrose und zu Strikturbildungen und damit zum Darmverschluss führen.

Abszesse treten häufig auf, Fisteln penetrieren oft in die anliegenden Strukturen, inkl. anderer Darmschlingen, der Blase oder des M. psoas. Fisteln können sich auch bis in die Haut am vorderen Abdomen oder in die Flanken erstrecken. Unabhängig von der intraabdominalen Krankheitsaktivität treten perianale Fisteln und Abszesse in 25–33% der Fälle auf und stellen häufig die lästigsten Komplikationen beim Morbus Crohn dar.

Nichtverkäsende Granulome können in den Lymphknoten, im Peritoneum, in der Leber und allen Schichten der Darmwand vorkommen. Obwohl ihr Vorliegen pathognomonisch ist, werden sie bei etwa der Hälfte der Patienten mit einem Morbus Crohn nicht gefunden. Das Vorkommen von Granulomen scheint mit dem klinischen Verlauf der Krankheit nicht in Verbindung zu stehen.

Die Segmente des erkrankten Darms sind vom benachbarten normalen Darm scharf demarkiert (sog. skip areas), daher der Name regionale Enteritis.

  • Etwa 35% der Morbus-Crohn-Fälle betreffen das Ileum allein (Ileitis).

  • Etwa 45% umfassen Ileum und Colon (Ileocolitis), mit einer Vorliebe für die rechte Seite des Dickdarms.

  • Etwa 20% betreffen den Darm allein (granulomatöse Kolitis), von denen die meisten, im Gegensatz zu Colitis ulcerosa (UC) das Rektum aussparen.

Gelegentlich ist der gesamte Dünndarm betroffen (Jejunoileitis). Magen, Zwölffingerdarm oder Ösophagus sind klinisch nur selten betroffen, obwohl oft ein mikroskopischer Nachweis der Krankheit im Magenantrum gelingt, vor allem bei jüngeren Patienten. Wenn keine chirurgischen Maßnahmen durchgeführt werden, breitet sich die Krankheit beinahe nie auf Regionen des Dünndarms aus, die bei der Erstdiagnose nicht befallen waren.

Klassifikation

Morbus Crohn ist in drei prinzipielle Muster eingeteilt: 1. in erster Linie entzündliche Form, die nach einem Verlauf von mehreren Jahren in der Regel in 2., die v. a. stenotische oder obstruierende Form oder 3. in die v. a. penetrierende oder fistelbildende Form übergeht.

Diese verschiedenen klinischen Muster erfordern unterschiedliche therapeutische Ansätze. Es gibt genetische Daten, die auf eine molekulare Basis dieser Klassifikation hinweisen.

Komplikationen

Es besteht ein erhöhtes Karzinomrisiko in den betroffenen Dünndarmsegmenten. Patienten mit einem Kolonbefall haben ein Langzeitrisiko für ein kolorektales Karzinom wie bei der Colitis ulcerosa, vorausgesetzt, es bestehen das gleich Ausmaß und die gleiche Dauer der Krankheit. Chronische Malabsorption kann Nährstoffmängel, insbesondere von Vitamin D und B12, hervorrufen.

Das Toxische Megakolon stellt eine seltene Komplikation bei Colitis ulcerosa dar. Es ist ein klinisches Syndrom von Ileus, begleitet von Kolon-Dilatation, durch Röntgenaufnahmen nachgewiesene; viele Fälle müssen aggressiv mit chirurgischem Eingriff behandelt werden.

Symptome und Beschwerden

Die häufigsten Erscheinungsformen von Morbus Crohn sind

  • Chronische Diarrhö mit Bauchschmerzen, Fieber, Anorexie und Gewichtsverlust.

  • Das Abdomen ist empfindlich und es kann eine Masse palpierbar sein.

Stärkere rektale Blutungen treten in der Regel nicht auf, ausgenommen bei isoliertem Kolonbefall, der sich ähnlich wie eine Colitis ulcerosa manifestieren kann. Einige Patienten erscheinen mit akutem Abdomen, das eine akute Appendizitis oder einen Darmverschluss vortäuscht. Ungefähr ein 33% der Patienten hat eine perianale Beteiligung (inkl. Fissuren und Fisteln), die manchmal die hervorstechenden oder sogar initialen Beschwerden darstellen.

Bei Kindern herrschen oft extraintestinale Manifestationen vor: Arthritis, Fieber unbekannter Ursache, Anämie oder Wachstumsverzögerungen, wohingegen Bauchschmerzen und Diarrhö nicht bestehen müssen.

Bei Wiederauftreten der Krankheit variieren die Symptome. Schmerz ist das häufigste Symptom, er tritt sowohl beim einfachen erneuten Wiederauftreten der Krankheit als auch bei komplizierenden Abszessen auf. Bei Patienten mit schweren Entzündungsschüben oder Abszessen besteht häufig eine ausgeprägte Empfindlichkeit, Schmerzhaftigkeit, Abwehrspannung und ein schweres allgemeines toxisches Krankheitsbild. Stenotische Segmente können einen Darmverschluss verursachen, mit Koliken, Aufblähung des Abdomens, Obstipation und Erbrechen. Ebenso können Adhäsionen nach vorausgegangenen operativen Eingriffen einen Darmverschluss hervorrufen, der meist plötzlich entsteht, ohne Prodromi wie Fieber, Schmerz und Krankheitsgefühl, wie sie typischerweise bei einem Verschluss aufgrund eines entzündlichen Schubes des Morbus Crohn auftreten. Enterovesikale Fisteln können zur Bildung von Luftblasen im Urin (Pneumaturie) führen. Drainierende kutane Fisteln können auftreten. Eine freie Perforation in die Bauchhöhle ist ein seltenes Ereignis.

Die chronische Krankheit verursacht eine Reihe von systemischen Symptomen wie Fieber, Gewichtsverlust, Fehlernährung und andere extraintestinale Manifestationen.

Diagnose

  • Bariumröntgenaufnahmen des Dünndarms

  • Abdomen-CT (konventionell oder CT- Enterographie)

  • Gelegentlich Bariumeinlauf, Magnetresonanz-(MR-)Enterographie, obere Endoskopie, Colonoskopy und/oder Koloskopie und Videokapselendoskopie

Der Verdacht auf einen Morbus Crohn stellt sich bei Patienten mit entzündlicher oder Verschlusssymptomatik oder bei Patienten ohne hervorstechende gastrointestinale Symptome, aber mit perianalen Fisteln oder Abszessen oder mit einer anderweitig nicht erklärbaren Arthritis, Erythema nodosum, Fieber, Anämie oder (bei Kindern) Wachstumshemmung. Eine positive Familienanamnese für Morbus Crohn erhöht den Verdacht.

Andere gastrointestinale Krankheiten, besonders Colitis ulcerosa können ähnliche Befunde und Symptome aufweisen (z. B. Bauchschmerzen, Diarrhö). Die Differenzialdiagnose der Colitis ulcerosa kann in den 20% der Fälle problematisch sein, in denen der Morbus Crohn auf das Kolon beschränkt ist. Da jedoch das therapeutische Vorgehen bei beiden ähnlich ist, bekommt die Unterscheidung nur dann Bedeutung, wenn ein operatives Vorgehen oder eine experimentelle Therapie in Erwägung gezogen werden.

Bei Patienten mit einem akuten Abdomen (entweder initial oder bei einem Rückfall) werden Abdomenübersichtsaufnahmen im Liegen und im Stehen und ein CT-Abdomen durchgeführt. Diese Untersuchungen zeigen Verschluss, Abszesse oder Fisteln und andere mögliche Ursachen eines akuten Abdomens (z. B. Appendizitis). Mithilfe des Ultraschalls kann eine gynäkologische Krankheit bei Frauen mit Beschwerden im unteren Abdomen und im Becken besser abgegrenzt werden.

Wenn die Krankheit weniger akut erscheint, kann eine Dünndarmdarstellung mit Zielaufnahmen des terminalen Ileums besser sein als eine konventionelle CT. Allerdings werden neuere Techniken der CT- oder MR-Enterographie, die hochauflösende CT- oder MR-Bildgebung mit großen Mengen von Kontrastmittel kombinieren, in einigen Zentren zu Verfahren der Wahl. Diese bildgebenden Verfahren sind nahezu diagnostisch, wenn sie charakteristische Stenosen oder Fisteln mit begleitender Separation von Darmschlingen zeigen.

Wenn die Befunde zweifelhaft sind, kann ein CT-Doppelkontrasteinlauf oder eine Videokapselenteroskopie oberflächliche Aphthen und lineare Ulzera anzeigen. Ein Bariumkontrasteinlauf kann angewendet werden, wenn die Symptome vorwiegend dem Dickdarm zugeordnet werden (z. B. Diarrhö), er kann den Reflux von Barium ins terminale Ileum mit Unregelmäßigkeiten, Knotigkeit, Steifheit, Wandverdickung und eingeengtem Lumen zeigen. Differenzialdiagnosen bei Patienten mit ähnlichen Röntgenbefunden umfassen Karzinome des Zäkums, ileales Karzinoid, Lymphom, systemische Vaskulitis, Bestrahlungsenteritis, ileozäkale Tuberkulose und Amöbom.

Bei atypischen Fällen (z. B. bei im Vordergrund stehender Diarrhö und nur minimalen Schmerzen) wird dieAbklärung ähnlich wie bei Verdacht auf eine Colitis ulcerosa mittels Koloskopie durchgeführt (inkl. Biopsieentnahme, Probenentnahme für Darmpathogene und wenn möglich Einsicht in das terminale Ileum). Eine endoskopische Untersuchung des oberen GIT kann eine subtile Beteiligung von Magen und Duodenum auch in solchen Fällen aufdecken, in denen keine Symptome eines Befalls des oberen Gastrointestinaltrakts bestehen.

Technische Untersuchungen

Die Laboruntersuchungen sollten auf den Nachweis einer Anämie, einer Hypoalbuminämie und auf Elektrolytstörungen gerichtet sein. Die Leberwerte sollten erhoben werden: Eine erhöhte alkalische Phosphatase und Gamma-Glutamyltranspeptidase sind bei Patienten mit einem Kolonbefall für das Bestehen einer primär sklerosierenden Cholangitis verdächtig. Eine Leukozytose und erhöhte Spiegel von Akute-Phase-Proteinen (z. B. BGS, CRP) sind unspezifische Zeichen, können aber im Verlauf als Aktivitätsparameter der Krankheit nützlich sein.

Um Mangelzustände erkennen zu können, sollten die Vitamin D- und B12-Werte alle 1–2 Jahre überprüft werden. Zusätzliche Labormessungen wie die Werte wasserlöslicher Vitamine (Folsäure und Niacin), fettlöslicher Vitamine (A, D, E und K) und von Mineralien (Zink, Selen und Kupfer) sind zu überprüfen, wenn Mangelzustände vermutet werden.

Alle Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen (IBD), egal ob männlich oder weiblich, jung oder alt, sollten ihre Knochendichte überwachen lassen, in der Regel durch eine Röntgendichtemessung (DXA).

Perinukleäre antineutrophile zytoplasmatische Antikörper bestehen bei 60–70% der Patienten mit einer Colitis ulcerosa und nur bei 5–20% Patienten mit einem Morbus Crohn. Anti-Saccharomyces cerevisiae-Antikörper sind relativ spezifisch für einen Morbus Crohn. Allerdings lassen diese Tests nicht zuverlässig zwischen den beiden Krankheiten unterscheiden und sie werden nicht zur Routinediagnose empfohlen . Weitere Antikörper wie Anti-OmpC und Anti-CBir1 sind inzwischen verfügbar, aber der klinische Nutzen dieser zusätzlichen Tests ist unklar; manche Studien weisen darauf hin, dass hohe Titer von diesen Antikörpern eine ungünstige prognostische Bedeutung haben.

Prognose

Ein etablierter Morbus Crohn wird selten geheilt, aber ist durch intermittierend auftretende Verschlechterungen und Remissionen charakterisiert. Einige Patienten zeigen einen schweren Krankheitsverlauf mit häufigen entkräftenden Schmerzperioden. Mit vernünftiger, medizinisch konservativer Therapie und, wenn notwendig, besonnenem therapeutischem Vorgehen lassen sich die meisten Patienten erfolgreich einstellen. Die krankheitsbezogene Mortalität ist sehr gering. Die führende krankheitsbezogene Mortalitätsursache ist ein Karzinom des Gastrointestinaltrakts, v. a. Kolon- und Dünndarmkarzinom. Thromboembolische Komplikationen (vor allem während des aktiven Morbus Crohn) können auch zu Tod führen. Etwa 10% der Menschen sind von Morbus Crohn und die dadurch verursachten Komplikationen invalide.

Therapie

  • Loperamid oder Spasmolytika zur Linderung der Symptome

  • 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) oder Antibiotika

  • Weitere Medikamente, abhängig von Symptomen und Schwere der Erkrankung

  • Gelegentlich Operation

Die spezifischen Medikamente und Dosierungen werden unter den entzündlichen Darmerkrankungen besprochen.

(Siehe auch die American Gastroenterological Association's guidelines for drug therapy for Crohn disease.)

Allgemeine Behandlungsmaßnahmen

Krämpfe und Durchfall können durch die orale Verabreichung von Loperamid 2–4 mg oder von krampflösenden Medikamenten bis zu 4-mal täglich (im Idealfall vor den Mahlzeiten) gebessert werden. Diese symptomatische Behandlung ist sicher, mit Ausnahme einzelner Fälle einer akuten, sehr schweren Crohn-Kolitis, die genauso wie eine Colitis ulcerosa in eine toxische Kolitis übergehen kann. Die Gabe von hydrophilen Substanzen (z. B. Methylcellulose oder Psylliumpräparate) kann manchmal einer Reizung des Anus vorbeugen, indem sie die Konsistenz des Stuhls erhöhen. Unverdauliche Stoffe in der Nahrung sollten bei Vorliegen von Strikturen oder einer aktiven Dickdarmentzündung vermieden werden.

Routinegesundheitspflege Maßnahmen (z. B. Impfungen, Krebsvorsorge) sollten hervorgehoben werden.

Leichte bis mäßig schwere Erkrankung

Diese Kategorie umfasst ambulante Patienten, die sich normal oral ernähren können und keine Zeichen von Toxizität, empfindlicher Bauchdecke, palpabler Masse oder eines Verschlusses zeigen. I5-ASA. (Mesalazin) wird allgemein als First-Line-Behandlung eingesetzt. Pentasa® wird beiDünndarmerkrankung bevorzugt, und Asacol® HD bei distalem Ileum und Dickdarmerkrankung. Allerdings sind die Vorteile eines 5-ASA Medikaments bei Dünndarm-Morbus-Crohn bescheiden, und viele Experten befürworten dieses nicht bei Dünndarm-Morbus-Crohn-.

Antibiotika werden von einigen Klinikern als First-line-Substanzen bezeichnet oder sie werden für Patienten, die nach 4 Wochen nicht auf eine 5-ASA-Therapie ansprechen, reserviert, ihr Einsatz ist absolut empirisch. Mit jeder dieser Substanzen sollte 8–16 Wochen behandelt werden.

Bei therapeutischem Ansprechen sollte zu einer Erhaltungstherapie übergegangen werden.

Moderate bis schwer ausgeprägte Erkrankung

Patienten ohne Fisteln oder Abszesse, aber mit ausgeprägtem Schmerz, Empfindlichkeit der Bauchdecken, Fieber oder Erbrechen oder jene, die auf die Behandlung ihrer leichten Erkrankung nicht angesprochen haben, erfahren oft eine Erleichterung ihrer Symptome, wenn sie Kortikosteroide bekommen, entweder oral oder parenteral gegeben. Oral gegebenes Prednison oder Prednisolon wirkt schneller und zuverlässiger als oral verabreichtes Budesonid, aber Budesonid zeigt weniger Nebenwirkungen und gilt in vielen Zentren als das Kortikosteroid der Wahl, vor allem in Europa.

Patienten, die nicht schnell auf Kortikosteroide ansprechen oder diejenigen, deren Dosen nicht innerhalb weniger Wochen verringert werden können, müssen diese Arzneimittel nicht weiter einnehmen und benötigen eine andere Therapie .

EinAntimetabolit (Azathioprin, 6-Mercaptopurin oder Methotrexat), ein TNF-Blocker (Infliximab, Adalimumab oder Certolizumab Pegol) oder eine Kombination aus beidem kann als Second-Line-Therapie nach Kortikosteroiden verwendet werden und auch als First-Line-Therapie anstatt Kortikosteroide. Diese Medikamente, geführt durch Messungen von Medikamenten-und Antikörperspiegeln, erreichen in den meisten Fällen einen klinischen Erfolg. Wenn diese Behandlungen bei Patienten, bei denen eine Operation nicht durchführbar oder angemessen ist, nicht wirken, können neuere Biopräparate, einschließlich Anti-Integrine (z. B. Natalizumab und Vedolizumab) oder ein anti-IL-12/23 Antikörper (z. B. Ustekinumab) verwendet werden. Ferner können andere biologische Wirkstoffe schnell entstehen.

Eine Obstruktion wird initial mit Magensonde und i.v. Flüssigkeitsgabe behandelt. Eine Obstruktion auf dem Boden eines unkomplizierten Morbus Crohn sollte in der Regel innerhalb einiger Tage verschwinden und bedarf daher weder einer spezifischen antiinflammatorischen Therapie nohc einer perenteralen Ernährung. Das Fehlen eines prompten Ansprechens weist jedoch auf eine Komplikation oder auf eine andere Ätiologie hin und erfordert umgehendes operatives Eingreifen.

Fulminante Erkrankung oder Abszess

Patienten mit toxischen Symptomen, hohem Fieber, persistierendem Erbrechen, Loslassschmerz oder einer empfindlichen oder palpablen Masse müssen für die Gabe von i.v. Flüssigkeit oder Antibiotika stationär aufgenommen werden. Abszesse müssen entweder perkutan oder operativ drainiert werden. Intravenöse Kortikosteroide oder biologische Erreger sollten nur verabreicht werden, wenn bei dem Patienten eine Infektion ausgeschlossen werden konnte oder sich unter Kontrolle befindet. Zeigt sich nach 5–7 Tagen kein Ansprechen auf Kortikosteroide und Antibiotika, ist in der Regel ein operatives Vorgehen indiziert.

Fisteln

Perianale Fisteln werden initial mit Metronidazol und Ciprofloxacin behandelt. Patienten, die nach 3–4 Wochen nicht ansprechen, können auf Immunmodulatoren umgesetzt werden (z. B. Azathioprin, 6-Mercaptopurin), mit oder ohne Induktionsregime von Infliximab oder Adalimumab für ein rasches Ansprechen. Eine Anti-TNF-Therapie (Infliximab oder Adalimumab) kann auch allein angewendet werden. Ciclosporin oder Tacrolimus stellen eine Alternative dar, aber Fisteln rezidivieren nach Beendigung der Therapie häufig.

Die endoskopische ultraschallgesteuerte Platzierung von Fibrinkleber oder die Verwendung eines Seton-Abflusses (ein Stück Nahtmaterial, das vorübergehend in der Fistel gelassen wird, um es abfließen zu lassen) kann einigen Patienten mit komplexeren oder refraktäreren perianalen Fisteln helfen. Schwere refraktäre perianale Fisteln können die temporäre Anlage einer Kolostomie erfordern, zeigen jedoch fast immer nach Zurückverlagerung ein Rezidiv. Daher wird diese Ableitung auch mehr als eine Vorbereitung zur definitiven operativen Versorgung oder bestenfalls als Ergänzung zu Infliximab oder Adalimumab angesehen denn als eine primäre Behandlungsmethode.

Erhaltungstherapie

Patienten, die allein mit 5-ASA oder einem Antibiotikum eine Remission von Morbus Crohn erreichen, können dieses Medikament als Erhaltungstherapie weiter einnehmen. Patienten, bei denen die akute Erkrankung mit Kortikosteroiden oder Anti-TNF-Substanzen behandelt werden musste, brauchen in der Regel Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat oder eine Anti-TNF-Therapie oder Kombinationstherapie als Erhaltungstherapie. Viele, wenn nicht die meisten Patienten, die unter Anti-TNF-Therapie eine Remission erreicht haben, benötigen eine Steigerung der Dosis oder eine Verkürzung der Behandlungsintervalle innerhalb von 1 oder 2 Jahren. Systemisch wirksame Kortikosteroide sind weder sicher noch wirksam für eine Erhaltungstherapie, obwohl für Budesonid gezeigt worden ist, dass es die Zeit bis zum Rezidiv mit weniger Nebenwirkungen verzögern kann. Patienten, die in ihrer akuten Krankheitsphase auf eine Anti-TNF-Therapie angesprochen haben, bei denen aber die Remissionserhaltung mit Antimetaboliten nicht gelingt, brauchen unter Umständen zur Remissionserhaltung wiederholte Dosen einer Anti-TNF-Substanz.

Die Überwachung während der Remissionsphasen wird anhand der Symptome und der Blutuntersuchungen durchgeführt und erfordert keine routinemäßige Röntgenuntersuchung oder Koloskopie (anders als die übliche Dysplasieüberwachung nach 7- bis 8-jähriger Krankheitsdauer).

Operative Eingriffe

Obwohl ca. 70% der Patienten letztlich ein operatives Eingreifen bei Morbus Crohn benötigen, wird dies häufig mit großer Zurückhaltung ausgeführt. Am besten behält man Operationen den Fällen mit wiederholtem Darmverschluss oder mit nichtbehandelbaren Fisteln oder Abszessen vor. Eine Resektion des befallenen Darms kann die Symptome abschwächen, aber sie heilt nicht die Krankheit, die wahrscheinlich wieder auftreten wird, auch wenn alle klinisch offensichtlichen Läsionen chirurgisch beseitigt wurden.

Die Rezidivrate, die durch endoskopische Läsionen an der Anastomoseseite definiert ist, liegt bei

  • > 70% bei 1 Jahr

  • > 85% bei 3 Jahren

Definiert nach klinischen Symptomen beträgt die Rezidivrate ca.

  • 25 bis 30% bei 3 Jahren

  • 40 bis 50% bei 5 Jahren

Letztlich ist ein weiteres chirurgisches Vorgehen in fast 50% der Fälle erforderlich. Es sieht so aus, als ob die Rückfallraten durch einen frühen postoperativen Einsatz von 6-Mercaptopurin oder Azathioprin, Metronidazol oder Infliximab herabgesetzt werden können. Zudem profitieren fast alle Patienten mit einer verbesserten Lebensqualität, wenn die Operation auf dem Boden einer guten Indikation durchgeführt wurde.

Da Rauchen das Risiko eines Rezidivs erhöht, insbesondere bei Frauen, sollte eine Raucherentwöhnung angeregt werden.

Wichtige Punkte

  • Morbus Crohn betrifft typischerweise das Ileum und/oder das Kolon, aber spart das Rektum aus (dieses ist ausnahmslos bei Colitis ulcerosa betroffen).

  • Die befallenen Darmsegmente sind vom benachbarten normalen Darm scharf demarkiert (sog. skip areas).

  • Die Symptome umfassen in erster Linie episodische Diarrhö und Bauchschmerzen; gastrointestinale Blutungen sind selten.

  • Als Komplikationen gelten abdominale Abszesse und enterokutane Fisteln.

  • Die Behandlung von leichten bis moderaten Fällen erfolgt mit 5-Aminosalicylsäure und/oder Antibiotika (z. B. Metronidazol, Ciprofloxacin, Rifaximin).

  • Die Behandlung schwerer Fälle erfolgt mit Kortikosteroiden und gelegentlich Immunmodulatoren (z. B. Azathioprin) oder Anti-TNF-Substanzen (z. B. Infliximab, Adalimumab).

  • Über 70% der Patienten benötigen letztlich eine Operation, in der Regel aufgrund eines wiederholten Darmverschlusses, von nicht behandelbaren Fisteln oder Abszessen.

Weitere Informationen

  • American Gastroenterological Association's guidelines for drug therapy for Crohn disease

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