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Kohlenwasserstoffvergiftung

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema
  • Klebstoff schnüffeln oder das Verschlucken von Benzin, Farbverdünnungsmitteln, einiger Reinigungsmittel oder Kerosin kann zu einer Kohlenwasserstoffvergiftung führen.

  • Das Verschlucken oder das Inhalieren von Kohlenwasserstoff kann zu Lungenentzündungen mit Husten, Zittern, Atemnot und neurologischen Problemen führen.

  • Schnüffeln oder Rauch einzuatmen kann zu Herzrhythmusstörungen, Herzklopfen oder plötzlichem Tod führen, insbesondere nach körperlicher Anstrengung oder Belastung.

  • Die Diagnose basiert auf der Beschreibung der Vorfälle, dem charakteristischen Geruch von Petroleum im Atem oder auf der Kleidung des Betroffenen und manchmal einem Röntgenbild des Brustraums.

  • Zur Behandlung gehört das Ausziehen der kontaminierten Kleidung, das Waschen der Haut und die Gabe von Sauerstoff und manchmal von Antibiotika an Menschen mit Atemproblemen oder einer Lungenentzündung (Pneumonie).

Mineralölprodukte, Reinigungsmittel und Klebstoffe enthalten Kohlenwasserstoffe (Verbindungen weitgehend aus Kohlenstoff und Wasserstoff). Viele Kinder unter 5 Jahren vergiften sich durch das Verschlucken von Mineralölprodukten, wie etwa Benzin, Kerosin und Farbverdünnungsmittel, aber die meisten erholen sich wieder. Gefährdeter sind Jugendliche, die vorsätzlich die Dämpfe von Klebstoffen, Farben, Lösungsmitteln, Reinigungssprays, Benzin oder Fluorkohlenwasserstoff, das in Kühlschränken verwendet wird, oder Treibmittel in Sprühdosen einatmen, um sich zu berauschen. Diese Art von Drogenmissbrauch wird als Huffing, Bagging, Sniffing, Klebstoff-Sniffing oder Missbrauch volatiler Substanzen bezeichnet. Das Einatmen dieser Stoffe kann lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand verursachen, vor allem nach körperlicher Belastung oder Stress. Ein wiederholtes Einatmen von Toluol (einer Komponente mancher dieser Produkte) kann Teile des Gehirns schädigen. Einige Kohlenwasserstoffprodukte enthalten zudem giftige Zusätze wie Methanol oder Blei.

Verschluckte Kohlenwasserstoffe verursachen Husten und Würgen, sodass die Kohlenwasserstoffflüssigkeit in die Atemwege gelangt und dort die Lunge reizt, was an sich schon zu großen Beschwerden führt (chemische Pneumonitis) und sich bis hin zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) entwickeln kann. Zur Lungenschädigung kommt es vor allem bei dünnflüssigen Kohlenwasserstoffen, wie zum Beispiel Mineral-Dichtöl, welches in Möbelpolituren verwendet wird, und anderen, wie Benzin. Schwere Vergiftungen können das Gehirn, das Herz, das Knochenmark und die Nieren schädigen. Dicke, weniger flüssige Kohlenwasserstoffe wie Lampenöl und Motoröl dringen weniger leicht in die Lunge ein, können aber schwere und bleibende Entzündungen hervorrufen, wenn dies geschieht.

Wussten Sie ...

  • Eine Person, die durch das Einatmen von Kohlenwasserstoffdämpfen berauscht wird, kann aufgrund von Herzrhythmusstörungen oder Herzstillstand plötzlich sterben.

Symptome einer Kohlenwasserstoffvergiftung

Beim Verschlucken oder Einatmen von Kohlenwasserstoffen muss man meist husten, würgen und sich übergeben. Der Magen brennt eventuell und der Betroffene kann sich erbrechen. Falls die Lunge betroffen ist, hustet die Person durchgehend heftig. Das Atmen beschleunigt sich und die Haut läuft eventuell wegen der niedrigen Sauerstoffkonzentration im Blut blau an (Zyanose). Kleine Kinder haben eventuell eine Zyanose, halten den Atem an und husten ständig. Manchmal stellt sich die Atemnot erst viele Stunden ein, nachdem der Kohlenwasserstoff in die Lunge gelangt ist.

Das Verschlucken von Kohlenwasserstoffen verursacht auch neurologische Symptome, einschließlich Benommenheit, Koordinationsstörungen, Reglosigkeit, Koma sowie Krampfanfälle.

Diagnose einer Kohlenwasserstoffvergiftung

  • Vorgeschichte von Missbrauch mit Kohlenwasserstoffen und Geruch von Petroleum am Betroffenen

  • Manchmal Röntgenaufnahme der Brust und Blutgasanalyse

Die Diagnose einer Kohlenwasserstoffvergiftung stützt sich auf die Beschreibung der Vergiftungsumstände und den charakteristischen Geruch der Atemluft oder der Kleidung des Betroffenen nach Petroleum, oder ist klar, wenn in der Nähe der Person ein entsprechender Behälter gefunden wird. Farbreste auf den Händen oder um den Mund herum lassen ein kürzliches Farbschnüffeln vermuten. Eine Lungenentzündung (Pneumonie) bzw. chemische Pneumonitis wird anhand einer Röntgenaufnahme der Brust und Messen des Sauerstoffgehalts im Blut diagnostiziert (siehe Arterielle Blutgasanalyse). Falls die Ärzte einen Verdacht auf Gehirnschäden haben, wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt.

Behandlung einer Kohlenwasserstoffvergiftung

  • Ausziehen der kontaminierten Kleidung und Waschen der Haut

  • Ein Entleeren des Magens vermeiden

  • Manchmal stationäre Aufnahme für eine Versorgung mit zusätzlichem Sauerstoff und mechanischer Beatmung

Zur Behandlung einer Vergiftung sollte die verunreinigte Kleidung ausgezogen und die Haut gewaschen werden. Wenn der Patient aufgehört hat, zu husten und zu zittern, insbesondere wenn die Einnahme gering und zufällig erfolgte, ist eine Behandlung zu Hause möglich. In der Giftnotrufzentrale sollte eine Behandlung für zu Hause besprochen werden.

Ärzte vermeiden eine Entleerung des Magens des Betroffenen, da durch die Entleerung die Kohlenwasserstoffflüssigkeit in die Lungen eindringen kann. Menschen mit Atemproblemen werden ins Krankenhaus eingewiesen. Falls sich eine Aspirationspneumonie oder chemische Pneumonitis einstellt, kann im Krankenhaus Sauerstoff gegeben werden und falls es sich um eine schwere Erkrankung handelt, ein Atemgerät eingesetzt werden. Antibiotika helfen, falls sich eine Lungenentzündung (Pneumonie) entwickelt. Die Erholung nach einer Lungenentzündung (Pneumonie) dauert typischerweise etwa eine Woche, kann aber auch länger dauern, wenn dicke, sirupartige Kohlenwasserstoffe, wie etwa Lampenöl oder Motoröl, in die Lunge gelangt sind.

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