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Wucherungen im Mund

Von

Bernard J. Hennessy

, DDS, Texas A&M University, College of Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2018| Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Quellen zum Thema

Wucherungen im Mund können von einem beliebigen Gewebe in und um den Mund herum ausgehen, inkl. Bindegewebe, Knochen, Muskeln und Nerven. Wucherungen bilden sich am häufigsten

  • Auf den Lippen

  • An den Seiten der Zunge

  • Am Mundboden

  • Im hinteren Bereich des Gaumens (am weichen Gaumen)

Manche Wucherungen verursachen Schmerzen oder Irritationen.

Ursachen

Wucherungen im Mund können

  • Nicht-kanzerös (gutartig) sein

  • Krebsvorstufen (Dysplasien) sein

  • Kanzerös (bösartig) sein

Die meisten Wucherungen im Mund sind nicht-kanzerös.

Gutartige Wucherungen

In und um den Mund herum können sich eine Reihe von gutartigen Wucherungen entwickeln. Ein dauerhafter Knoten oder erhobener Bereich auf dem Zahnfleisch (Gingiva) sollte von einem Zahnarzt untersucht werden. Ein Knoten kann von einem Zahnfleisch- oder Zahnabszess oder durch eine Reizung hervorgerufen sein. Da aber jede ungewöhnliche Wucherung im oder am Mund bösartig sein kann, sollte sie umgehend von einem Arzt oder Zahnarzt untersucht werden.

Gutartige Wucherungen aufgrund einer Reizung sind relativ häufig und können, wenn nötig, chirurgisch entfernt werden. Bei 10 - 40 Prozent der Betroffenen treten gutartige Wucherungen am Gaumen jedoch erneut auf, wenn die Reizursache bestehen bleibt. Manchmal kann eine derartige Reizung, wenn sie lange Zeit anhält, zu Krebsvorstufen führen.

Gewöhnliche Warzen (verrucae vulgaris) können den Mund infizieren, wenn eine Person eine solche leckt oder kaut. Eine andere Art von Warzen, die sogenannten Feigwarzen (Condylomata acuminata), können durch Oralsex übertragen werden. Der Arzt kann gewöhnliche Warzen mit verschiedenen Methoden entfernen ( Warzen: Behandlung).

Soor ist eine Pilzinfektion der Haut und feuchter Bereiche (wie Mund und Vagina), die oft in Form weißer, käsiger Flecken im Mund auftritt. Soor klebt fest an den Schleimhäuten und hinterlässt beim Wegwischen einen roten Fleck. Soor tritt zumeist bei Menschen mit Diabetes oder einer Autoimmunerkrankung auf, sowie bei Menschen, die Antibiotika einnehmen.

Ein Wulst kann sich, als langsam wachsende runde Knochenhervorhebung in der Mitte des weichen Gaumens (Torus palatinus) oder auf dem Unterkiefer neben der Zunge bilden (Torus mandibularis). Diese harte Wucherung ist harmlos und weit verbreitet. Selbst große Wucherungen brauchen nicht behandelt zu werden, außer wenn die darüber liegende Schleimhaut beim Essen beschädigt wird oder der Betroffene ein Gebiss benötigt, das den Gaumen bedeckt. Multiple Knochenwucherungen am Unterkiefer können auf Gardner-Syndrom hindeuten, eine Erbkrankheit des Verdauungstraktes, bei der der Betroffene viele Polypen im Dickdarm hat, die häufig zu bösartigen Tumoren entarten (kanzerös werden).

Keratoakanthome sind Wucherungen auf den Lippen und anderen der Sonne ausgesetzten Bereichen wie Gesicht, Unterarme und Hände. Ein Keratoakanthom erreicht seine volle Größe von ein bis drei Zentimetern oder mehr innerhalb von ein bis zwei Monaten, beginnt nach einigen weiteren Monaten zu schrumpfen und kann letztendlich ohne Behandlung wieder verschwinden. Früher galten alle Keratoakanthome als nicht-kanzerös, aber viele Experten halten Keratoakanthome, die nicht kleiner werden, nun für langsam wachsende Krebstumore und empfehlen deren Entfernung.

Viele Arten von Zysten (hohle, mit Flüssigkeit gefüllte Schwellungen) bewirken Schmerzen im Kiefer und Schwellungen des Kiefers. Oft entwickeln sie sich neben einem eingeklemmten Weisheitszahn. Obwohl sie nicht bösartig sind, können sie beträchtliche Bereiche des Kieferknochens zerstören, wenn sie wachsen. Gewisse Zystentypen kehren nach der operativen Entfernung häufig wieder. Auch auf dem Mundboden können sich zahlreiche Zystentypen entwickeln. Häufig werden sie chirurgisch entfernt, weil sie das Schlucken erschweren oder kosmetisch störend sind. Die weitaus häufigste Zyste tritt an den Lippen auf und ist unter dem Namen Mukozele oder Schleimzyste bekannt. Sie tritt in der Regel als Folge eines unbeabsichtigten Lippenbeißens (Unterlippe) und bei einer Abflussbehinderung des Speichels zur Mundhöhle durch eine kleine Speicheldrüse auf. Die meisten Mukozelen verschwinden innerhalb einer oder zwei Wochen wieder, können aber auch operativ entfernt werden, wenn sie den Patienten stören.

Odontome sind gutartige Wucherungen aus zahnbildenden Zellen, die entweder wie kleine, unförmige zusätzliche Zähne oder eine große Ansammlung von Zahnmaterial aussehen. Bei Kindern können sie neuen Zähnen den Weg versperren. Bei Erwachsenen können sie Zähne verschieben. Wenn Odontome groß werden, können sie dazu führen, dass sich der obere oder untere Kiefer vergrößert. Sie werden üblicherweise chirurgisch entfernt.

Die meisten (75–80 %) Speicheldrüsentumore sind nicht kanzerös, schmerzfrei und wachsen langsam. Gewöhnlich treten sie als einzelner weicher, beweglicher Knoten unter der Wangenhaut oder der Schleimhaut auf. Wenn sie flüssigkeitsgefüllt sind, fühlen sie sich manchmal fest an. Der häufigste Typ, ein sogenannter Mischtumor oder pleomorphes Adenom, tritt vorwiegend bei Frauen über 40 Jahren auf. Dieser Typ kann entarten und wird operativ entfernt. Wird er nicht vollständig entfernt, kehrt er häufig zurück. Andere gutartige Tumore werden ebenfalls operativ entfernt, entarten aber seltener und kehren auch seltener zurück.

Präkanzeröse Veränderungen im Mund

Weiße, rote oder weiß-rot-gemischte Bereiche, die sich nicht leicht wegwischen lassen, die länger als zwei Wochen bestehen bleiben und keiner anderen Störung zugeordnet werden können, können Krebsvorstufen sein. Dabei spielen dieselben Risikofaktoren eine Rolle wie bei kanzerogenen Wucherungen. Bei Nichtentfernung können sie kanzerös werden.

Wenn die feuchte Mundschleimhaut längere Zeit gereizt wird, kann sich ein flacher, weißer Fleck bilden, der sich nicht wegwischen lässt (Leukoplakie). Der gereizte Bereich erscheint weiß, weil er aus einer dicken Schicht Keratin, demselben Material wie die äußerste Schicht der Haut (Hornschicht), besteht. In der Mundschleimhaut ist jedoch weniger Keratin vorhanden.

Erythroplasie ist ein roter und flacher oder abgeriebener Bereich, der entsteht, wenn die Auskleidung des Mundes ausdünnt. Das Gebiet sieht rot aus, da die darunterliegenden Blutgefäße durchschimmern. Erythroplasie ist ein bedenklicheres Vorzeichen für Krebs als Leukoplakie.

Weiß-rot-gemischte Bereiche sind ein Anzeichen für das Vorliegen sowohl von Leukoplakie als auch Erythroplasie und können sich mit der Zeit zu einem Krebsgeschwür entwickeln.

Krebserkrankung des Mundes

Raucher und Alkoholtrinker oder Menschen, die sowohl rauchen als auch trinken, tragen ein bis zu 15-fach höheres Risiko für Mundkrebs als Nichtraucher und Nichttrinker. Bei Menschen, die Tabak kauen und schnupfen, entwickeln sich Krebsgeschwülste oft auf der Innenseite von Lippen und Wangen. Bei anderen Menschen sind die häufigsten Stellen für Mundkrebs u. a. die Seiten der Zunge, der Mundboden und die Kehle. Krebserkrankungen durch eine orales HPV(humanes Papillomavirus)-Infektion tritt normalerweise im hinteren Rachenbereich, an der Zungenbasis und in der Gaumenmandeln auf. Nur selten handelt es sich bei Krebstumoren im Mundbereich um Metastasen, die von Krebserkrankungen in anderen Körperteilen ausgehen, wie z. B. Lunge, Brust oder Prostata.

Mundkrebs kann viele unterschiedliche Erscheinungsformen haben, ähnelt aber typischerweise präkanzerösen Läsionen (z. B. weiße, rote oder gemischte weiße Flecken, die nicht leicht weggewischt werden können).

Beurteilung

Die folgenden Informationen können dabei helfen, zu klären, wann man zum Arzt gehen sollte und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Bestimmte Symptome und Merkmale sind Anlass zu Besorgnis: Hierzu gehören

  • Gewichtsverlust

  • Fester Knoten im Hals

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Menschen mit Mundwucherungen, die nach einer oder zwei Wochen noch andauern, sollten ihren Arzt oder Zahnarzt aufsuchen, sobald es sich einrichten lässt. Warnzeichen deuten auf ein erhöhtes Krebsrisiko hin, und obwohl eine Untersuchung nicht dringend ist, sollten Betroffene mit Warnzeichen diese nicht aufschieben.

Da Mundkrebs im Frühstadium oft keine Symptome produziert, ist eine frühzeitige Untersuchung wichtig. Eine solche Untersuchung kann im Rahmen einer jährlichen zahnärztlichen Vorsorge erfolgen.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Befunde in Vorgeschichte und Untersuchung können Aufschluss über die Ursache der Mundwucherung geben.

Ärzte fragen bspw., wie lange die Wucherung bereits besteht, ob sie schmerzhaft ist und ob es in dem betreffenden Bereich zu einer Verletzung gekommen ist (bspw. ein Biss in die Wange oder Kratzer durch einen scharfen Zahn oder Zahnersatz). Weitere Fragen können gestellt werden wie bspw.

  • nach Menge und Dauer des Alkohol- bzw. Tabakkonsums

  • Risikofaktoren für Soor (verursacht durch den Pilz Candida albicans), einschließlich der Verwendung von Antibiotika und diagnostizierter Diabetes mellitus oder HIV-Infektion

  • ob der Betreffende Gewicht verloren hat oder sich allgemein krank fühlt

Die körperliche Untersuchung konzentriert sich auf Mund und Hals. Ärzte sehen sich alle Bereiche in Mund und Rachen genau an, insbesondere unterhalb der Zunge. Sie tasten die Seiten des Halses auf geschwollene Drüsen (Lymphknoten) ab, die auf möglichen Krebs oder eine chronische Infektion hindeuten.

Tests

Wenn eine Wucherung die Erscheinung eines Soors hat, untersucht der Arzt Abstriche unter einem Mikroskop. Bei anderen Wucherungen, die länger als ein paar Wochen angedauert haben, empfehlen die meisten Ärzte, einen Teil oder die gesamte Wucherung für die Untersuchung in einem Labor zu entfernen (Biopsie). Eine Biopsie ist oft erforderlich, um sicherzugehen, dass eine Wucherung nicht kanzerös ist.

Behandlung

  • Die Behandlung richtet sich nach der Ursache

Die Behandlung hängt von der Ursache der Wucherung ab.

Wichtigste Punkte

  • Die meisten Wucherungen im Mund sind nicht-kanzerös.

  • Warzen, Pilzinfektionen und wiederholte Traumata (wie durch Beißen oder Reiben an einem scharfen Zahn) sind häufige Gründe für nicht-kanzeröse Wucherungen.

  • Der Konsum von Alkohol und Tabak sowie eine orale HPV-Infektion sind ein Risikofaktor für Mundkrebs. Eine orale HPV-Infektion ist ebenfalls ein Risiko.

  • Da kanzeröse Wucherungen allein ihrem Erscheinungsbild nach schwierig zu erkennen sind, empfehlen Ärzte häufig eine Biopsie.

Weitere Informationen

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