Übersicht der Harnwegsinfektionen (HWI)

Vollständige Überprüfung: März 2026 VonTalha H. Imam, MD, University of Riverside School of Medicine | Peer-Review durchChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Letzte Aktualisierung: März 2026
v763519_de
DIE AUSGABE FÜR MEDIZINISCHE FACHKREISE ANSEHEN

Bei gesunden Menschen ist der Urin in der Blase steril; das bedeutet, er enthält weder Bakterien noch andere Krankheitserreger. Auch in der Harnröhre, dem Kanal, durch den der Urin von der Blase aus dem Körper geleitet wird, befinden sich keine Erreger oder zu wenige, um eine Infektion auszulösen. Jeder Bereich der Harnwege kann jedoch von einer Infektion betroffen sein. Eine Infektion eines Bereichs der Harnwege nennt man Harnwegsinfektion (HWI).

Organe der Harnwege

Die Harnwege umfassen die Nieren, die Harnleiter (Leiter, die den Urin von den Nieren zur Blase führen), die Blase und die Harnröhre (Röhre, durch die der Urin aus dem Körper fließt). Diese Organe können durch stumpfe Gewalteinwirkung (wie z. B. durch einen Motorradunfall oder -sturz) oder durch eine penetrierende Gewalt (als Folge einer Schussverletzung oder Messerstichs) verletzt werden. Verletzungen können auch unabsichtlich während eines chirurgischen Eingriffs vorkommen.

Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen Infektionen der oberen und der unteren Harnwege, je nachdem, wo sie auftreten. Manchmal ist eine solche Unterscheidung jedoch sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich:

  • Infekte der unteren Harnwege: Blaseninfektionen (Zystitis)

  • Infekte der oberen Harnwege: Nierenbeckenentzündungen (Pyelonephritis)

Niereninfektionen können in einer oder beiden Nieren auftreten.

Harnwegsinfektionen können bei Kindern wie auch bei Erwachsenen auftreten.

Ursachen von HWI

Die Erreger können auf zwei Wegen in die Harnwege gelangen. Am häufigsten gelangen sie vom unteren Ende der Harnwege, d. h. von der Öffnung der Harnröhre (beim Mann von der Spitze des Penis, bei der Frau von der Vulva), in den Körper. Die Infektion breitet sich über die Harnröhre bis zur Blase aus und/oder erreicht in manchen Fällen eine oder beide Nieren. Der andere mögliche Weg geht über die Blutbahn direkt in die Nieren.

Harnwegsinfektionen (HWI) werden fast immer durch Bakterien verursacht, wobei auch Viren, Pilze und Parasiten die Harnwege befallen können. Die meisten HWI werden durch aus dem Darm stammende Bakterien verursacht. In der Regel werden die Bakterien, die in die Harnwege eindringen, jedoch wieder hinausgespült, wenn sich die Blase entleert.

Bakterien

Bakterielle HWI treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Etwa 40 bis 50 Prozent der Frauen haben mindestens 1 HWI im Leben, verglichen mit etwa 5 bis 12 Prozent der Männer. Frauen bekommen zudem bakterielle Niereninfektionen, jedoch seltener als Blaseninfektionen.

Escherichia coli ist das häufigste Bakterium, das einen Harnwegsinfekt verursacht.

Obwohl die Harnröhre Teil der Harnwege ist, wird eine Infektion der Harnröhre (Urethritis) in der Regel durch Bakterien hervorgerufen, die eine sexuell übertragbare Infektion verursachen, wie z. B. Neisseria gonorrhoeae (Gonorrhö) oder Chlamydia trachomatis (Chlamydien).

Risikofaktoren für HWI, die sowohl bei Männern als auch bei Frauen häufig sind:

  • HWI in der Vorgeschichte

  • Einführung eines Katheters oder eines Instruments durch den Arzt

  • Strukturelle Anomalien wie eine Harnröhrenstriktur (Verengung), Blasendivertikel (Ausstülpungen) oder ein Austreten des Urins aus dem klappenartigen Mechanismus zwischen Harnleiter und Blase

  • Blockierung der Harnwege durch Nierensteine

  • Erkrankungen, die die normale Blasenentleerung (Miktion) beeinträchtigen, wie eine Lähmung aufgrund einer Rückenmarksverletzung

  • Abnahme der Gedächtnis- und Denkfähigkeiten (kognitive Beeinträchtigung), Stuhlinkontinenz oder Harninkontinenz

Risikofaktoren für HWI bei Frauen:

  • Geschlechtsverkehr

  • Gebrauch eines Scheidendiaphragmas und spermientötender Mittel

  • Einsatz von Antibiotika

  • Ein neuer Sexualpartner im vergangenen Jahr

  • Vorgeschichte von HWI bei weiblichen Verwandten ersten Grades (z. B. Mutter oder Schwester)

  • Erste HWI in einem jungen Alter

  • Fisteln zwischen Scheide und Blase oder zwischen Darm und Blase

Risikofaktoren für HWI bei Männern:

HWI = Harnwegsinfektion (auch UTI)

HWI = Harnwegsinfektion (auch UTI)

Viren

Das Herpes-simplex-Virus kann die Harnröhre infizieren, Schmerzen beim Wasserlassen verursachen und bei der Entleerung der Blase Probleme bereiten. Weitere virale Harnwegsinfektionen, wie Blasen- und Niereninfektionen, entstehen nur bei einem geschwächten Immunsystem (zum Beispiel bei einer Krebserkrankung, bei einer fortgeschrittenen HIV-Infektion [auch als AIDS bezeichnet] oder bei Anwendung eines Medikaments zur Unterdrückung des Immunsystems).

Pilze

Bestimmte Pilze, wie Candida-Pilze (Hefepilz) können Harnwegsinfektionen verursachen. Diese Art der Infektion wird häufig als Candidose (Candida-Infektion) bezeichnet (Candida-Pilze können auch eine Entzündung der Scheide [Vaginitis] verursachen). Der Pilz Candida albicans ist der häufigste Pilzerreger, der HWI verursacht (Candidiasis). Häufig sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder einem Blasenkatheter von der Candida-Infektion betroffen.

Pilze und Bakterien infizieren die Nieren oft gleichzeitig.

Parasiten

Eine Reihe von Parasiten, darunter auch Würmer, können Harnwegsinfektionen auslösen.

Trichomoniasis, die von Protozoen verursacht wird, ist eine sexuell übertragbare Infektion, die durch einen grünlich-gelben, schaumigen, nach Fisch riechenden Ausfluss aus der Scheide (Vagina) gekennzeichnet ist. Manchmal werden Blase und Harnröhre infiziert. Auch die Harnröhre des Mannes kann von der Trichomoniasis befallen werden. Sie verursacht bei Männern in der Regel keine Symptome.

Die Schistosomiasis, eine parasitäre Erkrankung, die durch einen Plattwurm (sog. Saugwurm) verursacht wird, kann die Nieren, die Harnleiter und die Blase befallen. Es ist eine häufige Ursache schwerer Niereninsuffizienz in Afrika, Südamerika und Asien. Eine langanhaltende Schistosomiasis der Blase verursacht häufig Blut im Urin oder eine Blockierung der Harnleiter und kann schließlich zu Blasenkrebs führen.

quizzes_lightbulb_red
Test your KnowledgeTake a Quiz!