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Milzbrand (Anthrax)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Quellen zum Thema

Milzbrand (Anthrax) ist eine potenziell tödliche Infektion mit Bacillus anthracis, einem grampositiven Stäbchenbakterium (siehe Abbildung Wie Bakterien sich entwickeln). Milzbrand kann Haut, Lunge oder in seltenen Fällen auch den Verdauungs- bzw. Gastrointestinaltrakt betreffen.

  • Übertragen wird die Infektion bei Menschen gewöhnlich durch Hautkontakt, aber auch durch Einatmen von Anthraxsporen oder den Verzehr von verunreinigtem Fleisch.

  • Anthraxsporen sind eine potenzielle biologische Waffe.

  • Milzbrandbakterien erzeugen mehrere Toxine, die viele der Symptome hervorrufen.

  • Die Symptome umfassen Beulen und Blasen (nach Hautkontakt), Atembeschwerden und Schmerzen in der Brust (nach Einatmen der Sporen), Bauchschmerzen sowie blutigen Durchfall (nach dem Verzehr von verunreinigtem Fleisch).

  • Die aufgrund der Symptome vermutete Diagnose wird vom Arzt durch Probennahme des infizierten Gewebes und Bestimmung der Bakterien bestätigt.

  • Menschen mit hohem Risiko, sich an Milzbrand zu infizieren, wird ein Impfstoff verabreicht.

  • Kurz nach dem Kontakt mit Milzbranderregern müssen Antibiotika verabreicht werden, um das Mortalitätsrisiko zu verringern.

Anthrax kann bei grasenden Wild- und Haustieren vorkommen, beispielsweise bei Kühen, Schafen und Ziegen. Anthraxbakterien produzieren Sporen, die über Jahre im Boden leben können. Grasende Tiere werden infiziert, wenn sie mit den Sporen in Kontakt kommen oder diese zu sich nehmen. Normalerweise wird Milzbrand übertragen, wenn Menschen in Kontakt mit infizierten Tieren oder Tierprodukten kommen (wie Wolle, Fell und Haar). Sporen können jahrzehntelang in tierischen Produkten überdauern und können nicht ohne Weiteres durch Kälte oder Hitze vernichtet werden. Selbst ein minimaler Kontakt kann zu einer Infektion führen. Üblicherweise infizieren sich Menschen zwar durch die Haut, doch ist das auch durch den Verzehr von infiziertem, nicht ausreichend gegartem Fleisch und durch das Einatmen von Sporen oder Bakterien möglich.

Hautmilzbrand kann sich durch direkten Kontakt mit einer infizierten Person oder einem Gegenstand, der zuvor von einer infizierten Person kontaminiert worden ist, auf andere Personen ausbreiten. Milzbrand infolge des Einatmens von Sporen (Lungenmilzbrand) oder des Verzehrs von kontaminiertem Fleisch (Darmmilzbrand) ist dagegen nicht direkt ansteckend.

Milzbrand eignet sich als potenzieller biologischer Kampfstoff, da sich Milzbrandsporen in der Luft ausbreiten und auf diese Weise eingeatmet werden können. Bei den terroristischen Milzbrandangriffen von 2001 in den USA wurden die Sporen über Briefumschläge durch die amerikanische Post verteilt.

Milzbrandbakterien erzeugen mehrere Toxine, die viele der Symptome hervorrufen.

Symptome

Milzbrandsymptome unterscheiden sich, je nachdem wie man sich die Infektion zugezogen hat:

  • Über die Haut (die meisten Fälle)

  • Durch Einatmen (die schwersten Fälle)

  • Über den Magen-Darm-Trakt (selten)

Hautmilzbrand (Hautanthrax)

In den meisten Milzbrandfällen ist die Haut betroffen. Ein bis zehn Tage nach dem Erstkontakt bildet sich eine schmerzlose, juckende rotbraune Beule. Aus der Beule entwickelt sich eine Blase, die hart wird. Dann bricht sie in der Mitte auf und entlässt eine klare Flüssigkeit, bevor sich eine schwarze Kruste mit einer Schwellung ringsherum bildet. Es können die benachbarten Lymphknoten anschwellen, und die Betroffenen fühlen sich krank – manchmal treten Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen auf. Bis zur Heilung der Beule und bis zum Abklingen der Schwellung kann es mehrere Wochen dauern.

Etwa 10 bis 20 Prozent der unbehandelten Fälle verlaufen tödlich, unter Behandlung ist die Mortalitätsrate jedoch sehr niedrig.

Lungenmilzbrand (Weberhusten)

Lungenmilzbrand ist die schwerste Form der Erkrankung. Die Infektion erfolgt durch Einatmen von Milzbrandsporen, fast immer aufgrund der Arbeit mit kontaminierten Tierprodukten (z. B. Häute).

Die Sporen können mehrere Wochen in der Lunge verbleiben, dringen aber schließlich in die weißen Blutkörperchen (sogenannte Makrophagen) ein, wo sie durch einen Keimprozess wieder zu Bakterien werden, die sich anschließend vermehren und sich zu den Lymphknoten im Brustbereich ausbreiten. Die von den Bakterien produzierten Toxine führen dazu, dass die Lymphknoten anschwellen, zerfallen und bluten; dadurch breitet sich die Infektion im umliegenden Gewebe aus. Im Bereich zwischen Lunge und Brustwand sammelt sich infektiöse Flüssigkeit an.

Die Symptome treten einen Tag bis sechs Wochen nach dem Erstkontakt auf. Anfänglich sind die Symptome vage und ähneln denen der Grippe, beispielsweise leichte Muskelschmerzen, schwaches Fieber, Beklemmungsgefühl in der Brust und trockener Husten. Ein paar Tage später tritt Atemnot auf und die Betroffenen haben Schmerzen in der Brust sowie hohes Fieber mit Schweißausbrüchen. Der Blutdruck fällt plötzlich gefährlich weit ab, was zu einem Schock und schließlich zum Koma führt. Diese schweren Symptome sind höchstwahrscheinlich das Ergebnis einer massiven Freisetzung von Toxinen.

Es kann zu Darmmilzbrand bzw. zu einer Infektion des Gehirns und der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen) – einer sogenannten Meningoenzephalitis – kommen.

Die Erkrankten sterben 24 bis 36 Stunden nach Auftreten der schweren Symptome; selbst bei früh beginnender Behandlung endet diese Art von Milzbrand häufig tödlich. Ohne Behandlung führt Lungenmilzbrand unweigerlich zum Tod. Während des Milzbrandausbruchs in den USA im Jahr 2001 starben 45 Prozent der Patienten, die wegen Lungenmilzbrand behandelt wurden.

Darmmilzbrand

Diese Form von Milzbrand ist selten. Nach dem Verzehr von verunreinigtem Fleisch wachsen die Bakterien in Mund, Rachen und Darm und setzen Toxine frei, die heftige Blutungen und Gewebezerfall auslösen. Die Betroffenen bekommen Fieber, Halsentzündung, eine Schwellung des Halses, Bauchschmerzen und blutigen Durchfall. Außerdem erbrechen sie Blut.

Selbst bei Behandlung sterben rund 50 Prozent der Patienten, wahrscheinlich weil sie zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits schwer erkrankt sind.

Wussten Sie ...

  • Milzbrandsporen können nicht ohne Weiteres durch Kälte oder Hitze vernichtet werden und können jahrzehntelang überleben.

  • Mehr als 1,25 Millionen Menschen wurden gegen Milzbrand geimpft, ohne dass ernste Nebenwirkungen aufgetreten sind.

Diagnose

  • Untersuchung oder Kulturen von Proben der infizierten Haut, infizierter Flüssigkeiten oder Stuhlproben

  • Mitunter Bluttests

Der Verdacht auf Hautmilzbrand geschieht aufgrund dessen typischer Erscheinung. Die Diagnose wird durch die Tatsache, dass Menschen Kontakt zu Tieren oder Tierprodukten hatten oder sich in Gegenden aufhielten, wo Milzbrand bereits aufgetreten ist, untermauert.

Wenn Lungenmilzbrand vermutet wird, wird eine Röntgenuntersuchung oder eine Computertomographie (CT) des Brustkorbs durchgeführt.

Es werden Proben von infiziertem Hautgewebe, Flüssigkeit aus dem Bereich zwischen Lunge und Brustwand oder Stuhlproben entnommen und unter dem Mikroskop untersucht, oder es werden Kulturen angelegt (wobei sich etwaige Bakterien vermehren). Wenn Milzbrandbakterien vorhanden sind, können diese ohne Weiteres identifiziert werden.

Bei Lungenmilzbrand und Symptomen (wie z. B. Verwirrtheit), die auf eine Gehirninfektion hindeuten, wird unter Umständen auch eine Lumbalpunktion durchgeführt, um eine Probe der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt, zu entnehmen. Die Probe wird untersucht und analysiert.

Möglicherweise werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um nach Fragmenten des genetischen Materials der Bakterien oder nach Antikörpern gegen die von den Bakterien produzierten Toxine zu suchen.

Vorbeugung

  • Impfungen

  • Präventiv Antibiotika und manchmal andere Arzneimittel

Menschen mit hohem Infektionsrisiko kann ein Impfstoff gegen Milzbrand verabreicht werden. Da Milzbranderreger als potentielle biologische Waffe verwendet werden kann, wurden die meisten Armeeangehörigen geimpft. Um seine Wirkung entfalten zu können, muss der Impfstoff in fünf Dosen verabreicht werden. Außerdem wird eine jährliche Auffrischungsimpfung empfohlen. Trotz vielfach propagierter Ängste wegen Nebenwirkungen wurden mehr als 1,25 Millionen Menschen gegen Milzbrand geimpft, ohne dass ernste Nebenwirkungen aufgetreten sind.

Menschen, die Lungenmilzbrand ausgesetzt sind, wird ein Antibiotikum in Tablettenform verabreicht, normalerweise Ciprofloxacin, Levofloxacin oder Doxycyclin oder dann Amoxicillin, wenn Erstere nicht in Frage kommen. Das Antibiotikum wird mindestens 60 Tage lang eingenommen, um einen Ausbruch der Infektion zu verhindern. Auch diesen Patienten werden drei Dosen des Impfstoffs verabreicht. Wenn diese Behandlungen nicht verfügbar oder für Patienten nicht geeignet sind, können ihnen Injektionen mit Raxibacumab oder Obiltoxaximab (Antikörper, die Milzbrandtoxine im System der betroffenen Person binden) verabreicht werden.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Gelegentlich andere Arzneimittel

Je länger die Behandlung hinausgezögert wird, desto größer ist das Sterberisiko. Deshalb wird sofort mit der Behandlung begonnen, sobald es erste Anzeichen auf Milzbrand gibt:

  • Hautmilzbrand wird mit Ciprofloxacin, Levofloxacin oder Doxycyclin behandelt, das in Tablettenform verabreicht wird und 7 bis 10 Tage lang einzunehmen ist.

  • Lungen-, Darm- oder schwerer Hautmilzbrand wird mit einer Kombination aus zwei oder drei Antibiotika behandelt, die aus intravenösem Ciprofloxacin oder Doxycyclin sowie einem anderen Antibiotikum, wie z. B. Ampicillin, Clindamycin, Rifampin oder anderen, besteht.

  • Lungenmilzbrand kann auch mit einer Kombination von Antibiotika und Injektionen mit Raxibacumab oder Obiltoxaximab (monoklonale Antikörper, die Milzbrandtoxine im System der betroffenen Person binden) oder mit einer Kombination von Antibiotika und intravenösem Immunglobulin gegen Milzbrand behandelt werden.

  • Wenn das Gehirn und die Meningen betroffen sind oder sich Flüssigkeit um die Lunge herum angesammelt hat, können Kortikosteroide gegeben werden.

Unter Umständen umfasst die Behandlung auch mechanische Beatmung und die Gabe von Flüssigkeit und Medikamenten zur Erhöhung des Blutdrucks.

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