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Akute intermittierende Porphyrie

Von

Herbert L. Bonkovsky

, MD, Wake Forest University School of Medicine;


Sean R. Rudnick

, MD, Wake Forest University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Quellen zum Thema

Die akute intermittierende Porphyrie verursacht Bauchschmerzen und neurologische Symptome. Sie ist die häufigste akute Porphyrie.

  • Bei vielen Menschen treten überhaupt keine Symptome auf.

  • Die Symptome können Erbrechen, Bauchschmerzen oder Rückenschmerzen, Schwäche in den Armen oder Beinen und psychische Symptome umfassen.

  • Labortests werden mit Urinproben durchgeführt, die während des Anfalls entnommen werden.

  • Wichtig sind die Beibehaltung einer guten Ernährung und die Vermeidung von Alkohol und Medikamenten, die Anfälle auslösen.

  • Die Anfälle werden durch Verabreichung von Glukose und manchmal von Häm behandelt.

Die akute intermittierende Porphyrie tritt bei Menschen aller ethnischen Gruppen auf. In den meisten Ländern ist es die häufigste Form der akuten Porphyrien. Zu den anderen Formen akuter Porphyrien zählen:

  • Porphyria variegata

  • Hereditäre Koproporphyrie

  • Delta-Aminolävulinsäure-Dehydratase-Mangel-Porphyrie, die extrem selten ist

Porphyria variegata und hereditäre Koproporphyrie können ebenfalls Hautsymptome (kutane Symptome) verursachen.

Die akute intermittierende Porphyrie beruht auf einem Mangel des Enzyms Porphobilinogen-Deaminase (auch als Hydroxymethylbilan-Synthase bekannt), der anfangs zu einer Anreicherung der Porphyrinvorläufer Deltaaminolävulinsäure und Porphobilinogen in der Leber führt.

Die Krankheit wird über ein einzelnes verändertes Gen von einem der Elternteile ererbt. Das normale Gen vom anderen Elternteil sorgt dafür, dass etwa halb so viel Enzym wie normal vorhanden ist, was ausreicht, um normale Mengen von Häm zu produzieren.

Die meisten Menschen mit einem Mangel an Porphobilinogen-Deaminase bekommen nie Symptome. Bei manchen Menschen können bestimmte Faktoren Symptome jedoch fördern und einen Anfall verursachen. Faktoren, die akute Porphyrieanfälle auslösen können, sind:

  • Viele Medikamente (u. a. Geschlechtshormone, Barbiturate, Antiepileptika und Sulfonamid-Antibiotika)

  • Hormonelle Veränderungen bei Frauen

  • Eine kalorienarme, kohlenhydratarme Ernährung

  • Alkoholkonsum

  • Kontakt mit organischen Lösemitteln (z. B. Trockenreinigungsmittel oder Malerfarben)

  • Emotionale Belastung

  • Infektionen und andere Krankheiten

  • Operation

  • Rauchen

Gewöhnlich spielt eine Kombination von Faktoren bei der Verursachung des Anfalls zusammen. Manchmal können die Faktoren, die einen Anfall auslösen, nicht festgestellt werden.

Die Anfälle sind bei Frauen häufiger als bei Männern und treten nur sehr selten vor der Pubertät auf. Sehr selten wird die Erkrankung von beiden Eltern ererbt (und deshalb liegen zwei veränderte Gene vor). Die Symptome können dann in der Kindheit auftreten und umfassen Abnormitäten der Entwicklung.

Tabelle
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Einige Medikamente, die einen Anfall einer akuten intermittierenden Porphyrie auslösen können*

Kategorie/Behandelte Erkrankung

Beispiele

Anästhetika (lokal)

Lidocain

Antihistaminika

Clemastin

Dimenhydrinat

Hydroxyzin

Antiepileptika

Barbiturate

Carbamazepin

Ethosuximid

Lamotrigin

Phenytoin

Primidon

Valproat

Bestimmte antihyperglykämische Medikamente (Sulfonylharnstoffe)

Chlorpropamid

Glimepirid

Glipizid

Glyburid

Tolbutamid

Antimikrobielle Substanzen

Chloramphenicol

Clindamycin

Erythromycin

Ketokonazol

Nitrofurantoin

Rifampin

Ritonavir

Sulfonamide

Trimethoprim

Herzmedikamente

Hydralazin

Lidocain

Methyldopa

Nifedipin

Spironolacton

Hormone

Danazol

Östrogene

Progesteron

Synthetische Progestine

Medikamente gegen Migräne

Dihydroergotamin

Sedativa

Barbiturate

* Da verschiedene Menschen mit Porphyrie auf Medikamente unterschiedlich reagieren können, und weil viele Medikamente nicht bei Menschen mit Porphyrie getestet wurden, dient diese Auflistung nur als allgemeine Richtlinie. Von Porphyrie Betroffene sollten mit ihren Ärzten über die Einnahme von sämtlichen, auch rezeptfreien, Medikamenten, Heilkräutern und Nahrungsergänzungsmittel sprechen. Die Website Porphyria Drugs (Medikamente gegen Porphyrie; auf Englisch) kann zusätzliche Informationen liefern.

Symptome

Viele Leute leiden nie an den Symptomen einer akuten intermittierenden Porphyrie. Andere Menschen haben im Laufe ihres Lebens vielleicht nur wenige Anfälle. Manche Menschen leiden jedoch immer wieder an Anfällen. Viele Menschen haben Schmerzen oder andere Symptome zwischen den Anfällen.

Als Symptom treten Anfälle auf, die normalerweise einige Tage, gelegentlich auch länger andauern. Normalerweise treten die Anfälle erstmals nach der Pubertät auf. Bei einigen Frauen kommt es zu Anfällen während der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus, wahrscheinlich ausgelöst durch eine Erhöhung des Progesteron-Spiegels, der dann auftritt.

Bauchschmerzen sind das häufigste Symptom. Die Schmerzen können so stark sein, dass Ärzte fälschlicherweise glauben, dass eine Bauchoperation notwendig ist. Andere Verdauungsprobleme sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen, schwere Verstopfung und Durchfall (selten).

Psychische Symptome wie Gereiztheit, Unruhe, Schlaflosigkeit, Erregtheit, Müdigkeit und Depressionen sind häufig.

DieSymptome des Nervensystems sind vielzählig. Es können Nerven, die Muskeln steuern, geschädigt sein und zu Schwäche führen, die normalerweise in den Schultern und Armen beginnt. Die Schwäche kann auf alle Muskeln übergreifen, auch auf die Atemmuskeln. Zittern und Krampfanfälle können auftreten.

Weitere häufige Symptome sind:

  • Schnelle Herzfrequenz

  • Erhöhter Blutdruck

  • Schwitzen

  • Ruhelosigkeit

  • Schlafschwierigkeiten

Die meisten dieser Symptome, auch die Verdauungsbeschwerden, entstehen durch Auswirkungen auf das Nervensystem.

Ein unregelmäßiger Herzschlag ist eine gefährliche Komplikation während eines Anfalls.

Die Erholung von den Symptomen kann innerhalb weniger Tage erfolgen, die vollständige Erholung einer schweren Muskelschwäche kann aber mehrere Monate oder Jahre in Anspruch nehmen. Bei manchen Menschen halten weniger starke Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Rücken- oder Beinschmerzen, Schlaflosigkeit, Depression oder Angst über längere Zeit an. Anfälle sind selten tödlich. Bei einigen Menschen führen die Anfälle jedoch zu Behinderungen.

Langfristig können bei einer akuten intermittierenden Porphyrie anhaltende Muskelschwäche, Bluthochdruck, chronische Nierenerkrankung, Zirrhose und Lebertumoren auftreten.

Diagnose

  • Urintests

Die schweren Magen-Darm- und neurologischen Symptome der akuten intermittierenden Porphyrie ähneln denen vieler anderer häufig auftretender Krankheiten. Laboruntersuchungen von Urinproben, die während eines Anfalls entnommen werden, zeigen erhöhte Spiegel von zwei Porphyrinvorläufern (Deltaaminolävulinsäure und Porphobilinogen). Die Werte dieser Vorläufer sind während der Anfälle sehr hoch und bleiben bei Personen mit wiederholten Anfällen hoch.

Diese Vorläufer können rötliche Porphyrine bilden. Diese Porphyrine färben den Urin rot bis rotbraun. Die Farbe ist besonders deutlich, nachdem die Urinprobe Licht und Luft ausgesetzt wurde.

Verwandte ohne Symptome können als Krankheitsträger identifiziert werden, indem man den Gehalt der Porphobilinogen-Deaminase in den roten Blutkörperchen misst. Um ganz sicher zu gehen, kann ein DNS-Test durchgeführt werden. Eine Diagnose vor der Geburt ist ebenfalls möglich, normalerweise aber nicht erforderlich, da die meisten betroffenen Menschen nie Symptome entwickeln.

Vorbeugung von akuten Anfällen

Anfälle einer akuten intermittierenden Porphyrie können verhindert werden durch

  • Aufrechterhaltung einer guten Ernährung, darunter auch ausreichend Kohlenhydrate

  • Vermeidung von Alkohol

  • Vermeidung von Medikamenten, die einen Anfall verursachen können

  • Nach Möglichkeit nicht rauchen

  • Vermeidung körperlicher und emotionaler Stresssituationen und Erschöpfung

  • Vermeidung von Gewaltkuren zur raschen Gewichtsabnahme

Menschen mit Anfällen zu vorhersehbaren Zeitpunkten, wie Frauen, deren Anfälle mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen, können zur Vermeidung von Anfällen Häm intravenös erhalten. Prämenstruelle Anfälle bei Frauen können mit einem der Agonisten des Gonadotropin freisetzenden Hormons, die zur Behandlung der Endometriose zum Einsatz kommen, verhindert werden. Diese Behandlung sollte jedoch nur von Ärzten durchgeführt werden, die in der Behandlung der Porphyrie erfahren sind.

Behandlung

Akute Anfälle werden bei allen akuten Porphyrien in gleicher Weise behandelt.

  • intravenöse Verabreichung von Häm

  • Dextrose

Personen mit einem Anfall akuter intermittierender Porphyrie werden zur Behandlung schwerer Symptome häufig im Krankenhaus aufgenommen.

Behandlung von akuten Anfällen

Betroffene mit heftigen Anfällen erhalten Häme intravenös. Daraufhin sinken die Blut- und Urinspiegel von Deltaaminolävulinsäure und Porphobilinogen direkt, und die Symptome bessern sich normalerweise innerhalb weniger Tage. Setzt die Behandlung verzögert ein, dauert die Erholungsphase länger und bleibende Nervenschäden können auftreten.

Es kann es außerdem hilfreich sein, Dextrose oral (oder bei Erbrechen intravenös) zu verabreichen, besonders Betroffenen, die Anfälle aufgrund einer kalorienarmen, kohlenhydratarmen Ernährung haben. Diese Maßnahmen sind jedoch weniger wirksam als die Gabe von Häm.

Die Schmerzen können mit Medikamenten (z. B. Opioiden) kontrolliert werden.

Übelkeit, Erbrechen, Angst und Unruhe werden kurzzeitig mit einem phenothiazinhaltigen Medikament behandelt. Ondansetron kann ebenfalls gegen Übelkeit verabreicht werden.

Schlaflosigkeit kann mit Chloralhydrat oder mit schwachen Dosen eines Benzodiazepins behandelt werden, nicht aber mit Barbituraten. Eine überfüllte Blase kann durch Ableitung des Urins mit einem Blasenkatheter behandelt werden.

Der Arzt vergewissert sich, dass die Person keines der Medikamente einnimmt, die bekanntermaßen Anfälle begünstigen, und er widmet sich nach Möglichkeit auch anderen Faktoren, die zum Anfall geführt haben könnten.

Die Behandlung von Epilepsien ist problematisch, da fast alle Antiepileptika den Anfall verstärken. Levetiracetam scheint sicher in der Anwendung zu sein. Betablocker können die schnelle Herzfrequenz und den Bluthochdruck behandeln.

Andere Behandlungen

Patienten mit Nierenschädigung werden meist an einen Facharzt für Nierenkrankheiten (Nephrologen) überwiesen.

Da das Risiko für Leberkrebs bei Menschen mit akuter intermittierender Porphyrie hoch ist, werden Betroffene ab einem Alter von 50 Jahren mindestens einmal pro Jahr auf Leberkrebs untersucht.

Eine Lebertransplantation kann eine akute intermittierende Porphyrie heilen. Ärzte erwägen eine Transplantation bei Personen mit einer schlechten Lebensqualität oder bei denen die Gefahr einer dauerhaften Schädigung der Nieren oder des Nervensystems aufgrund schwerer wiederholter Anfälle besteht. Manche Menschen benötigen eventuell auch eine Nierentransplantation.

Weitere Informationen

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