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Angina pectoris

(Angina pectoris)

Von

Ranya N. Sweis

, MD, MS, Northwestern University Feinberg School of Medicine;


Arif Jivan

, MD, PhD, Northwestern University Feinberg School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2019| Inhalt zuletzt geändert Apr 2019
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Quellen zum Thema

Auftreten von vorübergehenden Schmerzen im Brustkorb oder eines Druckgefühls, wenn der Herzmuskel nicht genug Sauerstoff erhält.

  • Eine Person mit Angina pectoris empfindet in der Regel Unbehagen oder Druck unter dem Brustbein (Sternum).

  • Zu einer Angina pectoris kommt es für gewöhnlich als Reaktion auf Belastung, und sie wird durch Ruhe gelindert.

  • Angina pectoris wird auf Basis von Symptomen, Elektrokardiographie und bildgebenden Verfahren diagnostiziert.

  • Eine Behandlung kann Nitrate, Betablocker, Kalziumkanalblocker bzw. eine perkutane Koronarintervention oder eine Koronararterien-Bypassoperation umfassen.

In den Vereinigten Staaten leiden etwa 10 Millionen Menschen an Angina pectoris, einem Symptom einer erheblichen koronaren Herzkrankheit und sie wird jährlich bei etwa 500.000 Menschen neu diagnostiziert. Bei Frauen tritt Angina pectoris tendenziell in einem späteren Alter auf als bei Männern.

Ursachen

Der Herzmuskel benötigt eine konstante Versorgung mit Blut, das mit Sauerstoff angereichert ist. Dieses Blut wird von den Koronararterien geliefert, die von der Aorta abzweigen, direkt nachdem diese das Herz verlässt. Normalerweise kommt es zu einer Angina pectoris, wenn die Belastung des Herzens (und dessen Sauerstoffbedarf) die Fähigkeit der Koronararterien, das Herz mit einer ausreichenden Menge Blut zu versorgen, übersteigt. Der Blutfluss durch die Herzkranzgefäße kann durch verengte Arterien eingeschränkt werden (siehe Überblick über koronare Herzkrankheit). Diese Verengungen sind für gewöhnlich eine Folge von Fettablagerungen (Atherosklerose), können jedoch auch von einem Koronararterienspasmus kommen. Eine unzureichende Blutversorgung eines Gewebes wird als Ischämie bezeichnet.

Liegt die Ursache der Angina pectoris in einer Atherosklerose, tritt sie erstmals meist während körperlicher Anstrengung oder emotionaler Belastung auf, die dem Herzen eine höhere Leistung abverlangen und dadurch seinen Sauerstoffbedarf erhöhen. Sind die Arterien zu mehr als 70 Prozent verengt, kann Angina pectoris schon im Ruhezustand auftreten, wenn das Herz nur minimal beansprucht wird.

Eine schwere Anämie erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Angina pectoris. Bei einer Anämie ist die Zahl der roten Blutkörperchen (die mittels Hämoglobin Sauerstoff transportieren) oder die Hämoglobinmenge in den Zellen geringer als normal. Als Folge davon wird die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels verringert.

Ungewöhnliche Ursachen

Syndrom X ist eine Form der Angina pectoris, die weder durch einen Spasmus noch durch eine erkennbare Blockade in den großen Koronararterien zustande kommt. Möglicherweise spielt zumindest bei einem Teil der Betroffenen die vorübergehende Verengung sehr viel kleinerer Koronararterien eine Rolle. Die Ursachen für diese vorübergehende Verengung sind unbekannt, doch sie können in einem chemischen Ungleichgewicht im Herzen oder in einer anomalen Funktion der kleineren Arterien (Arteriolen) liegen. Dieses Syndrom wird auch als „Kardiales Syndrom X“ bezeichnet, um es von einer anderen Störung, die ebenfalls Syndrom X genannt wird, zu unterscheiden (metabolisches Syndrom oder das Syndrom der Insulinresistenz).

Zu anderen ungewöhnlichen Ursachen für Angina pectoris gehören:

Diese Bedingungen erhöhen die Belastung des Herzens und damit den Sauerstoffbedarf des Herzmuskels. Überschreitet der Bedarf die Versorgung, kommt es zu einer Angina pectoris. Bestimmte Fehlbildungen der Aortenklappe können den Blutfluss durch die Koronararterien behindern, da sich die Eingänge der Koronararterien genau unterhalb dieser Klappe befinden.

Klassifizierung

Nächtliche Angina pectoris tritt nachts während des Schlafes auf.

Stabile Angina pectoris bezeichnet Brustschmerzen oder Unbehagen, die zumeist mit Aktivität und Stress einhergehen. Episoden mit Schmerzen oder Unbehagen werden durch ähnliche oder andauernde Mengen an Aktivität und Stress ausgelöst.

Angina decubitus tritt ohne ersichtlichen Grund im Liegen auf (nicht unbedingt während der Nacht). Angina decubitus entwickelt sich als Folge der Beeinflussung der Körperflüssigkeiten durch die Schwerkraft. Um diesen Vorgang auszugleichen, muss das Herz kräftiger arbeiten.

Die Prinzmetal-Angina oder Variantangina rührt von Verkrampfungen (Spasmen) der großen Koronararterien auf der Oberfläche des Herzens her. Sie wird als „variant” bezeichnet, da die Schmerzen in Ruhe auftreten, nicht bei Belastung, und aufgrund von spezifischen Veränderungen, die während einer solchen Angina-pectoris-Episode im EKG ersichtlich sind.

Instabile Angina pectoris ist eine Form, bei der sich das Grundmuster der Symptome verändert. Da die Merkmale einer Angina pectoris bei einer bestimmten Person für gewöhnlich gleichbleiben, gilt jegliche Veränderung, etwa das plötzliche Auftreten starker Schmerzen, häufigere Anfälle, das Auftreten in Ruhe oder bei geringerer Belastung als sonst, als schwerwiegend. Eine derartige Veränderung ist meist auf eine plötzliche Verengung einer Koronararterie zurückzuführen, da eine Plaque aufgeplatzt ist oder sich ein Gerinnsel gebildet hat. Die Gefahr eines Herzinfarkts ist dann hoch. Eine instabile Angina pectoris gilt als akutes Koronarsyndrom.

Symptome

Angina pectoris wird zumeist als Druck oder Schmerz unter dem Brustbein (Sternum) empfunden. Menschen beschreiben diese Gefühle oft eher als Unbehagen oder Schwere und eben nicht als Schmerz. Das Unbehagen kann in einer der beiden Schultern und auf der Innenseite eines Arms auftreten, es kann in Rücken, Hals, Kiefer und in die Zähne ausstrahlen.

Bei älteren Menschen können die Symptome einer Angina pectoris anders sein, weshalb leicht eine falsche Diagnose gestellt werden kann. Beispielsweise treten die Schmerzen seltener unter dem Brustbein auf. Die oft im Rücken und in den Schultern gefühlten Schmerzen können fälschlicherweise zur Diagnose von Arthritis führen. Unbehagen und Blähungen können in der Magengegend besonders nach Mahlzeiten auftreten (da für die Verdauung mehr Blut benötigt wird). Diese werden für Verdauungsstörungen gehalten oder auf ein Magengeschwür geschoben. Aufstoßen scheint diese Symptome sogar zu lindern. Ältere Personen, die an Verwirrtheit oder Demenz leiden, haben manchmal auch Schwierigkeiten, jemandem mitzuteilen, dass sie an Schmerzen leiden.

Frauen können ganz andere Angina-pectoris-Symptome haben. Frauen spüren eher ein Brennen oder eine Druckempfindlichkeit in Rücken, Schultern, Armen oder im Kiefer.

Wussten Sie ...

  • Frauen empfinden das Unbehagen aufgrund einer Angina pectoris anders als Männer und spüren eher ein Brennen oder eine Druckempfindlichkeit in Rücken, Schultern, Armen oder im Kiefer.

Eine Angina pectoris wird typischerweise durch körperliche Belastung ausgelöst, dauert nicht länger als ein paar Minuten und klingt in Ruhe wieder ab. Manche Menschen können genau vorhersagen, bei welchem Grad körperlicher Belastung sie eine Angina pectoris bekommen. Bei anderen treten die Anfälle überraschend auf. Häufig verschlimmert sich die Angina pectoris, wenn die körperliche Belastung nach einer Mahlzeit stattfindet, sowie bei kaltem Wetter. Ein Spaziergang bei Wind oder der Wechsel von einem warmen Raum in die kalte Außenluft kann einen Anfall auslösen. Das Gleiche gilt für emotionale Belastungen. Manchmal bewirkt sogar eine heftige Gefühlsregung in Ruhe oder ein schlimmer Traum eine Angina pectoris.

Stumme Ischämie

Nicht jeder Mensch mit Ischämie leidet zwangsläufig unter Angina pectoris. Ischämie, die keine Angina pectoris verursacht, wird als „stumme Ischämie“ bezeichnet. Warum manche Ischämien stumm, d. h. symptomlos verlaufen, ist noch nicht geklärt, wobei auch die Bedeutung dieses Phänomens diskutiert wird. Dennoch sind stumme Ischämien ebenso ernst zu nehmen wie solche, die von Angina pectoris begleitet sind.

Diagnose

  • Elektrokardiographie

Der Arzt wird die Diagnose Angina pectoris weitgehend aufgrund der Schilderung der Symptome durch den Betroffenen stellen. Es kann sein, dass eine körperliche Untersuchung und ein Elektrokardiogramm (EKG) zwischen den Anfällen und manchmal sogar während eines Anfalls von Angina pectoris, wenige oder gar keine Auffälligkeiten zeigen, selbst bei Menschen mit fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit. Während des Angina-pectoris-Anfalls können Herzfrequenz und Blutdruck etwas ansteigen und mit dem Stethoskop ist eventuell eine Veränderung des Herzschlags zu hören. Das EKG kann unter Umständen Veränderungen der elektrischen Signale des Herzens zeigen.

Bei typischen Symptomen ist es für gewöhnlich einfach, die richtige Diagnose zu stellen. Die Art des Schmerzes und die Stelle, an der er auftritt, der Zusammenhang zwischen körperlicher Belastung, Mahlzeiten, Wetter und andere Faktoren helfen bei der Diagnose. Das Vorhandensein von Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit erleichtert die Diagnose ebenfalls.

Ärzte nehmen folgende Untersuchungen vor, um die Blutversorgung des Herzmuskels zu beurteilen und zu erkennen, ob eine koronare Herzkrankheit vorliegt und wie schwerwiegend diese ist.

Belastungstest

Ein Belastungstest basiert auf der Annahme, dass das Herz bei nur teilweise blockierten Koronararterien eine ausreichende Blutversorgung erhalten kann, wenn die betroffene Person in Ruhestellung ist, jedoch nicht, wenn das Herz stark schlagen muss, weil die Person aktiv ist. Für einen Belastungstest wird die Herzleistung des Patienten stark angeregt (beispielsweise durch Gehen auf einem Laufband oder einem Standrad). Menschen, die nicht imstande sind, solche Übungen auszuführen, erhalten stimulierende Medikamente, die den Herzschlag erhöhen. Während des Belastungstests wird der Patient über ein EKG auf Anomalien, die auf eine Ischämie hindeuten könnten, hin überwacht.

Nach dem Belastungstest werden oft weitere genauere, aber teurere Untersuchungen auf Ischämie durchgeführt, z. B. eine Echokardiographie und eine Radionuklidangiographie. Das Ergebnis hilft zu entscheiden, ob eine Koronarangiographie oder eine Koronararterienbypass-Operation (CABG) erforderlich sind.

Echokardiographie

Bei einer Echokardiographie werden Ultraschallwellen eingesetzt, um Bilder des Herzens zu erzeugen (Echokardiogramme). Dieses Verfahren veranschaulicht die Größe des Herzens, die Bewegungen des Herzmuskels, den Blutfluss durch die Herzklappen und die Herzklappenfunktion. Angewendet wird die Echokardiographie in Ruhe und bei körperlicher Belastung. Bei Vorhandensein einer Ischämie ist die Pumpbewegung des linken Ventrikels erkennbar anders als sonst.

Koronarangiographie

Bei einer Koronarangiographie werden nach Injektion eines strahlenundurchlässigen Kontrastmittels Röntgenaufnahmen der Arterien erstellt. Die Koronarangiographie gilt als genauste Methode zur Diagnose von koronarer Herzkrankheit und bietet sich vor allem bei einer ungewissen Diagnose an. Sie wird häufig eingesetzt, um eine Entscheidung zwischen einer CABG oder einer perkutanen Koronarintervention (PCI) zu treffen. In der Angiographie können auch Arterienspasmen erkannt werden.

Bei einigen Menschen mit typischen Symptomen einer Angina pectoris und anomalen Ergebnissen im Belastungstest bestätigt die Koronarangiographie das Vorhandensein einer koronaren Herzkrankheit nicht. Manche dieser Menschen leiden am Syndrom X, doch bei den meisten liegt die Ursache der Symptome nicht im Herzen.

Fortlaufende EKG-Überwachung

Ein Langzeit-EKG mit einem Holter-Monitor kann Anomalien entdecken, die auf eine symptomatische oder stumme Ischämie oder eine Prinzmetal-Angina (die typischerweise im Ruhezustand auftritt) hinweisen.

Aufnahmen des Herzens

Eine Computertomographie (CT) mit Elektronenstrahlen kann die Menge an Kalziumablagerungen in den Koronararterien feststellen. Die vorhandene Kalziummenge (der Kalziumwert) ist ungefähr proportional zu der Wahrscheinlichkeit, dass eine Person eine Angina pectoris oder einen Herzinfarkt erleidet. Da Kalziumablagerungen allerdings auch bei Personen vorhanden sein können, deren Arterien nicht sehr verengt sind, kann dieser Wert die Notwendigkeit einer PCI oder einer CABG nicht zuverlässig voraussagen. Eine Elektronenstrahl-CT eignet sich nicht als Vorsorgeuntersuchung für alle Menschen, da es u. a. die Menschen etwas Strahlung aussetzt.

Bei einer Multidetektor-CT oder CT-Angiographie wird ein Hochgeschwindigkeitsscanner mit sehr kleinen Detektoren verwendet, mit denen eine Verengung einer Koronararterie genau identifiziert werden kann. Dieses Verfahren ist nicht invasiv und sehr präzise beim Ausschließen einer Koronararterienverengung als Ursache der Symptome der Patienten (besonders bei Betroffenen, die keinen Belastungstest absolvieren konnten oder deren Belastungstest kein eindeutiges Resultat ergab). Es wird auch eingesetzt, um zu überprüfen, ob ein Stent oder ein Bypass blockiert ist, um die Anatomie des Herzens und der Koronarvenen zu veranschaulichen und um zu beurteilen, ob die atherosklerotischen Plaques Kalzium enthalten. Dieses Verfahren kann nicht bei schwangeren Frauen angewendet werden, sowie auch nicht bei Menschen, die nicht imstande sind, drei- oder viermal im Laufe des Verfahrens je 15 bis 20 Sekunden lang ihren Atem anzuhalten. Da diese Untersuchung außerdem nicht gut bei schnellem Herzschlag funktioniert, erhalten Menschen, deren Herzfrequenz bei über 65 Schlägen pro Minute liegt, Medikamente zu deren Senkung. Menschen, die diese Medikamente nicht vertragen, oder für die eine niedrige Herzfrequenz schädlich ist, können dieser Untersuchung nicht unterzogen werden. Die betroffenen Personen werden auch einer erheblichen Strahlenmenge ausgesetzt.

Eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens ist sehr nützlich zur Bewertung des Herzens und der großen Blutgefäße, die aus dem Herz entspringen (Aorta und Lungenarterien). Bei dieser Methode findet keine Strahlenexposition statt. Bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit kann MRT eingesetzt werden, um die Verengung der Arterien zu beurteilen, den Blutstrom in den Koronararterien zu messen und die Sauerstoffversorgung des Herzens zu untersuchen. Sie wird auch verwendet, um Anomalien der Herzwandbewegung bei Belastung festzustellen (diese könnten auf eine unzureichende Blutversorgung dieses Bereichs hindeuten) und um zu beurteilen, welche Bereiche eines bei einem Herzinfarkt geschädigten Herzmuskels sich wieder erholen können (Untersuchung der Viabilität).

Prognose

Fortgeschrittenes Alter, schwere koronare Herzkrankheit, Diabetes, zusätzliche Risikofaktoren (insbesondere Rauchen), starke Schmerzen und im Besonderen eine verringerte Pumpleistung des Herzens (Leistung der Herzkammer) verschlechtern die Aussicht auf Besserung (Prognose) für Menschen mit Angina pectoris. So erweist sich zum Beispiel die Prognose als umso schlechter, je mehr Koronararterien betroffen sind oder je umfangreicher der Verschluss der Arterien ist. Für Menschen mit stabiler Angina pectoris und einer normalen Pumpleistung ist die Prognose erstaunlich gut. Eine reduzierte Pumpleistung verschlechtert die Prognose drastisch.

Die jährliche Sterberate für Menschen mit Angina pectoris ohne andere Risikofaktoren liegt bei etwa 1,4 Prozent. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, auffällige EKG-Resultate oder ein früherer Herzinfarkt, insbesondere bei Diabetikern, erhöhen die Rate.

Behandlung

  • Änderung der Lebensweise

  • Medikamentöse Therapie

  • Manchmal Behandlung zur Öffnung verkalkter Blutgefäße (Revaskularisation)

Die Behandlung beginnt damit, das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit durch Kontrolle der Risikofaktoren zu verlangsamen oder umzukehren. Risikofaktoren wie Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte werden umgehend behandelt. Es ist unbedingt notwendig, mit dem Rauchen aufzuhören. Eine fettarme, abwechslungsreiche Ernährung mit einem geringen Anteil an Einfachzucker-Kohlenhydraten und sportlicher Aktivität wird (den meisten Menschen) empfohlen. Wenn nötig, soll das Gewicht reduziert werden.

Die Behandlung der Angina pectoris hängt zum Teil von der Stabilität und Stärke der Symptome ab. Bei stabilen leichten bis mäßig starken Symptomen erweist sich die Verringerung der Risikofaktoren und der Einsatz bestimmter Medikamente als am wirkungsvollsten. Wenn die Verringerung der Risikofaktoren und die medikamentöse Behandlung nicht die erhoffte Symptomlinderung bringen, kann ein Verfahren zur Wiederherstellung des Blutflusses in die betroffenen Bereiche des Herzens (Revaskularisation) erforderlich werden. Bei einer rapiden Verschlechterung der Symptome ist zumeist eine sofortige Krankenhauseinweisung notwendig, wo der Patient auf ein akutes Koronarsyndrom hin untersucht wird.

Medikamentöse Therapie

Ärzte verwenden für die Behandlung von Patienten mit Angina pectoris mehrere Arten von Medikamenten. Verschiedene Medikamente werden eingesetzt, um:

  • einen Anfall von Angina pectoris zu stoppen (Nitrate),

  • einen weiteren Anfall von Angina pectoris zu vermeiden (Betablocker, Kalziumkanalblocker, manchmal neuere Medikamente, Ranolazin),

  • Verstopfungen von Koronararterien vorzubeugen oder rückgängig zu machen (Angiotensinkonversionsenzym[ACE]-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorhemmer, Statine und blutplättchenhemmende Medikamente [Thrombozytenaggregationshemmer]).

Nitrate

Nitrate sind eine Art Medikament, die die Blutgefäße erweitern (Dilatation) und so die Durchblutung dieses Gefäß erhöhen.

Nitroglyzerin ist ein sehr kurzfristig wirkender Nitratwirkstoff. Nitroglyzerin bessert einen Angina-pectoris-Anfall gewöhnlich innerhalb von eineinhalb bis drei Minuten; die Wirkung hält etwa 30 Minuten an. Nitroglyzerin kann in Form einer unter die Zunge platzierten Tablette (sublinguale Verabreichung) eingenommen oder als Spray durch den Mund inhaliert werden. Alternativ dazu kann die Tablette nahe am Zahnfleisch platziert werden. Patienten mit chronischer stabiler Angina pectoris sollten immer Nitroglyzerin in Form von Tabletten oder als Spray mit sich tragen. Manchmal kann es hilfreich sein, das Medikament schon vor einer körperlichen Belastung einzunehmen, wenn diese erfahrungsgemäß einen Angina-pectoris-Anfall auslöst.

Langwirkende Nitrate, wie etwa Isosorbid, werden täglich 1- bis 4-mal oral eingenommen. Wirksam sind auch Nitrat-Pflaster und -Salben, aus denen der Wirkstoff viele Stunden lang über die Haut aufgenommen wird. Bei regelmäßiger Anwendung lässt die Wirkung langwirkender Nitrate allerdings bald nach. Deshalb wird empfohlen, die Medikamente möglichst jeden Tag 8 bis 12 Stunden lang nicht einzunehmen, am besten während der Nacht, falls dies nicht die Zeit ist, zu der die Angina-pectoris-Anfälle gewöhnlich auftreten. Dies hilft dabei, die Langzeitwirksamkeit der Medikamente aufrechtzuerhalten. Anders als Betablocker verringern Nitrate nicht das Risiko für Herzinfarkt und plötzlichen Herztod; aber sie verschaffen Menschen mit koronarer Herzkrankheit weitgehende Beschwerdefreiheit.

Beta-Blocker

Betablocker beeinflussen die Wirkung der Hormone Epinephrin ( Adrenalin) und Norepinephrin ( Noradrenalin) auf das Herz und andere Organe. Diese Hormone regen das Herz an, schneller und kräftiger zu schlagen, und sie veranlassen die meisten Arteriolen, sich zusammenzuziehen (was den Blutdruck erhöht). So verringern Betablocker die Herzfrequenz und den Blutdruck in Ruhe. Bei körperlicher Aktivität begrenzen sie den Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks und verringern so den Sauerstoffbedarf und die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls von Angina pectoris. Betablocker senken zudem das Risiko für Herzinfarkt und plötzlichen Herztod und verbessern langfristig die Prognose für Patienten mit koronarer Herzkrankheit.

Kalziumkanalblocker

Kalziumkanalblocker verhindern, dass sich Blutgefäße verengen (zusammenziehen) und können so einem Koronararterienspasmus entgegenwirken. Diese Medikamente eignen sich nicht nur zu Behandlung einer stabilen Angina pectoris, sondern auch zur Behandlung einer Prinzmetal-Angina. Alle Kalziumkanalblocker senken auch den Blutdruck. Manche dieser Medikamente, wie Verapamil und Diltiazem, senken darüber hinaus die Herzfrequenz. Mit der Senkung des Blutdrucks und der Herzfrequenz wird der Sauerstoffbedarf und damit die Wahrscheinlichkeit einer Angina pectoris verringert. Das kann vor allem bei den Menschen vorteilhaft sein, die keine Betablocker einnehmen können oder denen Nitrate nicht die erhoffte Symptomlinderung bringen.

Angiotensinkonversionsenzym-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorhemmer

Angiotensinkonversionsenzym(ACE)-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorhemmer (ARB) werden häufig Menschen verabreicht, bei denen eine koronare Herzkrankheit, unter anderem Angina pectoris, nachgewiesen wurde. Diese Medikamente behandeln nicht die Angina pectoris direkt, können jedoch den Blutdruck senken (und damit die Menge an Blut verringern, die das Herz pumpen muss) und sie reduzieren auch das Risiko eines Herzinfarktes und eines Todes infolge einer koronaren Herzkrankheit.

Statine

Statine sind Medikamente, die das Cholesterin mit Lipoproteinen niedriger Dichte (low density lipid, kurz LDL) senken, die Art von Cholesterin, die zu einer koronaren Herzkrankheit führen kann. Diese Medikamente reduzieren die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts, Hirnschlags oder Todes.

Thrombozytenaggregationshemmer

Thrombozytenaggregationshemmer, wie Aspirin, Ticlopidin, Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor verhindern, dass sich die Blutplättchen (Thrombozyten) verklumpen und an den Wänden der Blutgefäße anheften. Blutplättchen, die im Blut zirkulieren, fördern die Entstehung von Blutgerinnseln (Thrombosen), wenn ein Blutgefäß verletzt wird. Auf einer atherosklerotischen Plaque an der Arterienwand kann das durch Blutplättchen ausgelöste Blutgerinnsel die Arterie verengen oder ganz verschließen und einen Herzinfarkt auslösen.

Aspirin verändert die Blutplättchen dauerhaft und kann das Sterberisiko durch eine koronare Herzkrankheit verringern. Ärzte empfehlen Menschen mit koronarer Herzkrankheit, Aspirin und Clopidogrel einzunehmen, um das Herzinfarktrisiko zu senken. Prasugrel, Ticlopidin, Clopidogrel und Ticagrelor verändern zusätzlich zum Aspirin die Blutplättchen noch weiter. Eines dieser Medikamente kann nach einem Herzinfarkt oder einer PCI für eine Zeitlang zusätzlich zu Aspirin eingesetzt werden, um die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes in der Zukunft zu verringern. Soweit es keine Gegenanzeigen dafür gibt, erhalten Patienten mit Angina pectoris Thrombozytenaggregationshemmer. So erhalten beispielsweise Patienten mit einer Blutgerinnungsstörung keine Thrombozytenaggregationshemmer.

Weitere Informationen über die jeweiligen Medikamente für eine koronare Herzkrankheit finden sich an anderer Stelle im Manual (siehe Tabelle Medikamente zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit).

Revaskularisationsverfahren

Menschen, die auch nach Einnahme von vorbeugenden Medikamenten unter einer Angina pectoris leiden, profitieren manchmal von Verfahren, bei denen die Koronararterien geöffnet oder ersetzt werden. Diese Verfahren werden Revaskularisation genannt. Dazu zählen:

  • Perkutane Koronarintervention (PCI) (auch Angioplastie genannt)

  • Koronararterienbypass-Operation (CABG)

Diese invasiven Methoden sind wirkungsvoll, allerdings lediglich mechanische Maßnahmen zur Korrektur eines akuten Problems. Sie bremsen nicht die Progression der zugrundeliegenden Krankheit. Es ist weiterhin erforderlich, die Risikofaktoren zu vermindern.

Perkutane Koronarintervention

Eine PCI wird einer CABG oft vorgezogen, da dieser Eingriff nicht so groß ist, auch wenn er nicht in jeder Situation anwendbar ist. Eine PCI ist meist das bevorzugte Verfahren, wenn nur ein oder zwei Arterien betroffen sind und der blockierte Bereich nicht sehr lang ist. Dank neuer Technologien und größerer Erfahrung kann die PCI aber bei immer mehr Patienten angewendet werden.

Koronararterien-Bypassoperation

Eine CABG ist sehr effektiv bei Patienten mit Angina pectoris und koronarer Herzkrankheit. Sie kann die Belastungstoleranz verbessern, die Symptome lindern und den Dosisbedarf der benötigten Medikamente verringern. Am wahrscheinlichsten hilft eine CABG Patienten mit schwerer Angina pectoris, die durch eine medikamentöse Behandlung nicht gelindert werden kann, Patienten mit einem normal funktionierenden Herz, ohne frühere Herzinfarkte und ohne andere Risiken für die Operation (etwa eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Für solche Patienten würde eine CABG, die nicht als Notfallmaßnahme durchgeführt wird, ein Sterberisiko von höchstens 1 Prozent und ein Risiko für Herzschädigung (z. B. Herzinfarkt) während der Operation von weniger als 5 Prozent bedeuten. Bei 85 Prozent der Operierten sind die Symptome hinterher behoben oder zumindest erheblich verbessert.

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