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Atherosklerose

Von

George Thanassoulis

, MD, MSc, McGill University;


Mehdi Afshar

, MD, University of Toronto

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Quellen zum Thema

Bei der Atherosklerose lagert sich in den Wänden mittelgroßer und großer Arterien fetthaltige Substanz (Atherome, atherosklerotische Plaques) ab, die den Blutfluss behindert und blockiert.

  • Atherosklerose wird durch wiederholte Verletzung der Arterienwände verursacht.

  • Dazu tragen viele Faktoren bei, darunter Bluthochdruck, Tabakrauch, Diabetes und hohe Cholesterinwerte im Blut.

  • Ein durch Atherosklerose verursachter Verschluss der Blutgefäße ist eine häufige Ursache von Herzinfarkten und Schlaganfällen.

  • Die ersten Symptome sind oft Schmerzen oder Krämpfe, wenn über den Blutfluss der Sauerstoffbedarf des Gewebes nicht gedeckt werden kann.

  • Zur Vorbeugung von Atherosklerose ist es notwendig, das Rauchen aufzugeben, die Ernährung zu verbessern, regelmäßig Sport zu betreiben und Blutdruck, Cholesterin und Diabetes weiterhin unter Kontrolle zu halten.

  • Ein weiteres Fortschreiten der Atherosklerose führt zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall und erfordert eine Notfallbehandlung.

Atherosklerose stellt in den Vereinigten Staaten und den meisten entwickelten Ländern die häufigste Krankheits- und Todesursache dar. Im Jahr 2016 verursachten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, primär koronare Herzkrankheiten (Atherosklerose, die Arterien betrifft, die das Herz mit Blut versorgen) und Schlaganfälle (Atherosklerose, die Arterien zum Gehirn betrifft – siehe Abbildung Die Blutversorgung des Gehirns), beinahe 18 Millionen Tode weltweit, was Atherosklerose damit zur Haupttodesursache weltweit machte.

Atherosklerose kann die mittelgroßen und großen Arterien von Gehirn, Herz, Nieren, anderen lebenswichtigen Organen und den Beinen betreffen. Sie ist die wichtigste und häufigste Art von Arteriosklerose.

Arteriosklerose

Arteriosklerose bedeutet Verhärtung (Sklerose) der Arterie (arterio-) und ist ein Allgemeinbegriff für verschiedene Krankheiten, bei denen sich die Wand einer Arterie verdickt und an Elastizität verliert (Sklerose). Es gibt drei Formen:

  • Atherosklerose

  • Arteriolosklerose

  • Mönckeberg-Arteriosklerose

Bei Atherosklerose, der häufigsten Form, beruht die Verhärtung der Gefäßwand auf Plaques - das sind fettige Ablagerungen. Sie betrifft mittelgroße und große Arterien.

Arteriolosklerose bezeichnet die Verhärtung der Arteriolen, der kleinen Arterien. Dabei sind hauptsächlich die inneren und mittleren Schichten der Arteriolenwände betroffen. Die Gefäßwände verdicken sich und verengen die Arteriolen. Dadurch erhalten die von den betroffenen Arteriolen versorgten Organe nicht mehr genügend Blut. Oft sind die Nieren betroffen. An dieser Erkrankung leiden meistens Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes. Beide Krankheiten können die Wände der Arteriolen angreifen und den Prozess der Verdickung auslösen.

Die Mönckeberg-Arteriosklerose betrifft kleine bis mittelgroße Arterien. Kalziumablagerungen lassen die Arterienwände steif werden, aber die Adern verengen sich dadurch nicht. Diese im Wesentlichen harmlose Erkrankung tritt gewöhnlich bei Männern und Frauen auf, die älter als 50 Jahre sind.

Ursachen

Die Entstehung von Atherosklerose ist kompliziert; am wichtigsten scheint jedoch eine wiederholte, subtile Verletzung der inneren Auskleidung einer Arterie (Endothel) durch verschiedene Vorgänge zu sein. Dazu zählen die Folgenden:

  • Körperliche Belastung durch turbulenten Blutfluss (tritt z. B. dort auf, wo sich Arterien verästeln, insbesondere bei Personen mit Bluthochdruck)

  • Das Immunsystem betreffende Belastung durch Entzündungen (z. B. durch das Rauchen von Zigaretten)

  • Chemische Anomalien im Blutkreislauf (z. B. hohes Cholesterin oder hoher Blutzucker wie im Fall von Diabetes mellitus)

Infektionen mit manchen Bakterien oder Viren (z. B. Chlamydia pneumoniae oder Zytomegalievirus) können ebenfalls die Entzündung in der Innenauskleidung von Arterien (Endothel) verschlimmern und zu einer Atherosklerose führen.

Plaquebildung

Die Atherosklerose beginnt, wenn die verletzte Arterienwand chemische Signale erzeugt, die dazu führen, dass bestimmte weiße Blutkörperchen (Monozyten und T-Zellen) sich an sie heften. Diese Zellen wandern in die Arterienwand. Dort werden sie in Schaumzellen umgewandelt, die Cholesterin und andere fetthaltige Substanzen sammeln und das Wachstum glatter Muskelzellen anregen. Mit der Zeit wachsen diese mit Fett angereicherten Schaumzellen an. Sie bilden fleckförmige Ablagerungen (Atheromen, auch Plaques genannt), die in der Auskleidung der Arterienwand mit einer fibrösen Kappe bedeckt sind. Mit der Zeit lagert sich Kalzium in den Plaques ab. Plaques können über die mittelgroßen und großen Arterien verstreut sein, beginnen aber gewöhnlich dort, wo die Arterien sich verzweigen.

Wie Atherosklerose entsteht

Die Wand einer Arterie besteht aus verschiedenen Schichten. Die innere Schicht (Endothel) ist normalerweise weich und glatt. Atherosklerose tritt auf, wenn diese Auskleidung beschädigt wird. Dann werden bestimmte weiße Blutkörperchen, die Monozyten und T-Zellen, aktiviert; sie verlassen den Blutstrom und dringen in die Innenschicht der Arterienwand ein. Innerhalb der Wand werden sie in Schaumzellen verwandelt, die fettige Substanzen, hauptsächlich Cholesterin, auf sich ansammeln.

Mit der Zeit wandern glatte Muskelzellen aus der mittleren Schicht der Gefäßwand in die innere Schicht der Arterienwand und vermehren sich dort. Bestandteile von Bindegewebe und elastischem Gewebe sammeln sich ebenfalls an dieser Stelle, wie evtl. auch Zellfragmente, Cholesterinkristalle und Kalzium. Diese Ansammlung von mit Fett beladenen Zellen, glatten Muskelzellen und anderen Substanzen bildet eine ungleichmäßige Masse, Atherom oder atherosklerotische Plaque genannt. Durch ihr Wachstum verdicken einige Atherome die Arterienwand und wölben sich in den Arterienkanal. Diese Plaques können eine Arterie verengen oder verschließen und damit den Blutfluss behindern oder unterbrechen. Andere Plaques blockieren die Arterie zwar nicht sonderlich, sie können aber aufplatzen und dadurch ein Blutgerinnsel verursachen, das plötzlich die Arterie blockieren würde.

Wie Atherosklerose entsteht
Wie Atherosklerose entsteht

Plaqueruptur

Plaques können in die Öffnung (Lumen) einer Arterie hineinwachsen und somit zu einer allmählichen Verengung der Arterie führen. Wenn sich eine Arterie durch Atherosklerose verengt, kann das Gewebe, das von dieser Arterie versorgt wird, nicht mehr ausreichend Blut und Sauerstoff erhalten. Plaques können auch in die Arterienwände hineinwachsen, wo sie den Blutfluss nicht behindern. Beide Arten von Plaque können aufplatzen (rupturieren), dabei werden die darin enthaltenen Substanzen an den Blutstrom abgegeben. Diese Substanzen regen die Bildung von Blutgerinnseln an. Diese Gerinnsel können plötzlich den gesamten Blutfluss durch eine Arterie blockieren, was die Hauptursache eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls ist. Manchmal lösen sich die Gerinnsel ab und wandern über den Blutkreislauf zu einer anderen Arterie im Körper, die sie dann blockieren. In ähnlicher Weise können sich Plaquefragmente lösen und auf ihrem Weg durch den Blutstrom eine Arterie an einer anderen Stelle blockieren.

Risikofaktoren für Atherosklerose

Einige Risikofaktoren für Atherosklerose können beeinflusst werden (siehe auch Vorbeugung koronarer Herzkrankheiten).

Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören folgende:

  • Tabakkonsum

  • Hoher Cholesterinspiegel im Blut

  • Bluthochdruck

  • Diabetes

  • Fettleibigkeit (Adipositas)

  • Bewegungsmangel

  • Geringer täglicher Konsum von Obst und Gemüse

Zu den Risikofaktoren, die nicht beeinflusst werden können, gehören folgende:

  • Früh auftretende Atherosklerose in der Familie (d. h., ein naher männlicher Verwandter, der vor dem 56. Lebensjahr daran erkrankte, oder eine nahe weibliche Verwandte, die vor dem 66. Lebensjahr daran erkrankte)

  • Zunehmendes Alter

  • Männliches Geschlecht

Es gibt viele Risikofaktoren, die noch untersucht werden, wie z. B. hohe Konzentration des C-reaktiven Proteins (ein Entzündungsprotein) im Blut, hohe Konzentration einiger Cholesterinbestandteile, wie Apolipoprotein B oder Lipoprotein (a), und psychologische Faktoren (wie z. B. Angstzustände und niedriger sozioökonomischer Status).

Rauchen und Atherosklerose

Einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren ist das Rauchen. (Der Konsum von Tabak auf anderem Weg als Rauchen, wie Schnupfen und Kauen, erhöht ebenfalls das Risiko.) Das Risiko einiger Arten der Atherosklerose wie z. B. koronare Herzkrankheiten hängt bei Rauchern direkt mit der täglich gerauchten Tabakmenge zusammen. Das Risiko eines Herzinfarkts ist bei einem Konsum von 20 oder mehr Zigaretten am Tag bei Männern dreimal und bei Frauen sechsmal so groß wie bei Nichtrauchern. Für Menschen, die bereits ein erhöhtes Risiko für eine Herzkrankheit haben, ist Rauchen besonders gefährlich.

Rauchen senkt den Blutspiegel des HDL-Cholesterins (Lipoprotein hoher Dichte), des „guten“ Cholesterins, und erhöht den Spiegel des LDL-Cholesterins (Lipoprotein niedriger Dichte), des „schlechten“ Cholesterins. Durch Rauchen erhöht sich auch der Kohlenmonoxidgehalt im Blut; das kann die Gefahr von Schädigungen an den inneren Arterienwänden erhöhen. Durch Atherosklerose verengte Arterien ziehen sich durch das Rauchen noch mehr zusammen; das schränkt die Blutzufuhr in die Körpergewebe noch weiter ein. Außerdem wird die Gerinnungsneigung des Bluts und damit das Risiko für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (Atherosklerose anderer Arterien als jener, die Herz und Gehirn mit Blut versorgen), eine koronare Herzkrankheit, einen Schlaganfall und einen Verschluss eines bei einer Koronararterien-Bypassoperation oder einer Operation, um eine blockierte Arterie an einer anderen Stelle im Körper zu umgehen, angelegten arteriellen Grafts, erhöht. Die Gerinnungsneigung steigt, da die Blutplättchen klebriger werden.

Menschen, die das Rauchen aufgeben, haben ein nur halb so großes Risiko wie jene, die weiterhin rauchen, unabhängig davon, wie lange sie davor geraucht haben. Der Rauchverzicht mindert auch das Sterberisiko nach einer Bypassoperation bei koronarer Herzkrankheit und nach einem Herzinfarkt und senkt das Krankheits- und Todesrisiko bei Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Der Nutzen für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, stellt sich sofort ein und nimmt mit der Zeit noch zu.

Passiver Rauch (durch das Rauchen anderer eingeatmeter Rauch) scheint das Risiko ebenfalls zu erhöhen. Er sollte vermieden werden.

Wussten Sie ...

  • Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor für Atherosklerose.

Cholesterinspiegel

Ein hoher LDL-Cholesterinspiegel ist ein weiterer wichtiger Risikofaktor, der beeinflusst werden kann. Ernährung, die reich an gesättigten Fetten ist (siehe Arten von Fett), führt bei dafür anfälligen Menschen zu einem Anstieg des LDL-Cholesterinspiegels. Der Cholesterinwert steigt zudem mit dem Alter; er ist normalerweise bei Männern höher als bei Frauen, bei welchen er aber nach den Wechseljahren zunimmt. Verschiedene Erbkrankheiten führen ebenfalls zu einem hohen Cholesterinspiegel oder zu erhöhten Werten sonstiger Blutfette. Menschen mit dieser Erbkrankheit können extrem hohe Cholesterinwerte aufweisen und (falls unbehandelt) in jungem Alter an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße sterben.

Wird der hohe LDL-Cholesterinspiegel mit Medikamenten gesenkt, kann das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod erheblich reduziert werden. Es gibt viele Arten von Medikamenten, die die Blutfettwerte senken (Lipidsenker) (siehe Tabelle Lipidsenker). Statine sind die am häufigsten vorkommende Art.

Nicht jeder hohe Cholesterinspiegel erhöht die Gefahr einer Atherosklerose. Ein hoher HDL-Cholesterinspiegel („gutes“ Cholesterin) senkt das Risiko einer Atherosklerose.

Der ideale Gesamtcholesterinwert, der LDL, HDL und Triglyzeride beinhaltet, liegt zwischen 140 und 200 mg/dl (3,6 bis 5,2 mmol/l). Das Risiko eines Herzinfarkts ist bei einem Gesamtcholesterinwert über 300 mg/dl (7,8 mmol/l) mehr als doppelt so hoch. Das Risiko wird vermindert, wenn der LDL-Wert unter 130 mg/dl (3,4 mmol/l) und der HDL-Wert über 40 mg/dl (1 mmol/l) liegt.

Personen mit hohem Risiko, wie Diabetiker, Personen mit atherosklerotischen Herzerkrankungen oder Personen, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten oder sich einer Bypass-Operation unterzogen haben, ziehen einen Nutzen aus der Behandlung mit hochdosierten Statinen, um ihren LDL-Cholesterinspiegel so viel wie möglich zu senken. Das Verhältnis von HDL-Cholesterin zum Gesamtcholesterin ist jedoch ein verlässlicheres Risikomaß als das Gesamtcholesterin oder der LDL-Wert. Das HDL-Cholesterin sollte mehr als 25 Prozent des gesamten Cholesterins ausmachen. Hohe Triglyzeridwerte sind oft mit niedrigen HDL-Cholesterinwerten gekoppelt. Allerdings legt die Erfahrung nahe, dass hohe Triglyzeridwerte allein auch das Atheroskleroserisiko leicht erhöhen können.

Bluthochdruck

Unbehandelter Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle, die durch Atherosklerose verursacht werden. Das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung nimmt ab einem Blutdruck von über 110/75 mmHg zu. Die Senkung des Bluthochdrucks verringert das Risiko deutlich. Ärzte versuchen in der Regel, einen Blutdruck von unter 140/90 mmHg und bei Menschen mit einem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z. B. bei Diabetikern oder Betroffenen mit Nierenleiden, oft unter 130/80 mmHg zu erreichen.

Diabetes mellitus

Personen mit Diabetes mellitus neigen dazu, Erkrankungen zu entwickeln, die kleine Arterien betreffen, etwa die der Augen, Nerven und Nieren, was zu Sehverlust, Nervenschäden und chronischer Nierenerkrankung führen kann. Diabetiker neigen zudem dazu, Atherosklerose in den großen Arterien zu entwickeln. Atherosklerose entwickelt sich meist schon im jüngeren Alter und verläuft schwerer als bei Nichtdiabetikern. Das Atheroskleroserisiko ist bei Diabetikern 2- bis 6-mal höher, besonders bei Frauen. Diabetikerinnen sind, anders als Frauen ohne Diabetes, vor den Wechseljahren nicht vor Atherosklerose geschützt. Menschen mit Diabetes haben das gleiche Sterberisiko wie jemand, der bereits einen Herzinfarkt hatte. Ärzte sind in der Regel bemüht, den Betroffenen zu helfen, die anderen Risikofaktoren (z. B. hohes Cholesterin, Bluthochdruck) unter Kontrolle zu halten.

Fettleibigkeit (Adipositas)

Fettleibigkeit (Adipositas), insbesondere am Bauch (stammbetonte Adipositas), erhöht das Risiko für eine koronare Herzkrankheit (Atherosklerose der Arterien, die das Herz mit Blut versorgen). Abdominale Adipositas erhöht das Risiko anderer Risikofaktoren für Atherosklerose: Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 und hoher Cholesterinspiegel. Gewichtsabnahme verringert das Risiko all dieser Erkrankungen.

Bewegungsmangel

Mangelnde körperliche Aktivität scheint eine Gefahr für koronare Herzkrankheit darzustellen, und die Erfahrung zeigt, dass regelmäßiger Sport selbst in Maßen betrieben dieses Risiko senkt und Sterblichkeit verringert. Körperliche Aktivität kann auch dazu beitragen, andere Risikofaktoren für Atherosklerose zu vermindern, da dadurch Blutdruck, Cholesterinspiegel und Gewicht sinken und die Insulinresistenz abnimmt.

Ernährung

Es gibt deutliche Hinweise, dass der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse das Risiko einer koronaren Herzkrankheit verringern kann. Unklar ist, ob Obst und Gemüse aufgrund ihrer Inhaltsstoffe (Phytochemikalien) vorteilhaft sind, oder ob Leute, die viel Obst und Gemüse essen, weniger gesättigte Fette und mehr Ballaststoffe und Vitamine zu sich nehmen. Phytochemikalien namens Flavonoide (in roten und blauen Weintrauben, Rotwein, Schwarztee und dunklen Bieren enthalten) scheinen allerdings besonders schützend zu wirken. Ihre hohe Konzentration in Rotwein könnte eine Erklärung bieten, warum die Franzosen eine relativ geringe Inzidenz koronarer Herzkrankheiten aufweisen, obwohl sie mehr rauchen und mehr Fette zu sich nehmen als Amerikaner. Es gibt aber keine Studien, die belegen, dass flavonoidreiche Nahrung oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel Atherosklerose vorbeugen.

Der erhöhte Ballaststoffgehalt in bestimmten Gemüsesorten kann das Gesamtcholesterin sowie den Blutglukose- und Insulinspiegel senken. Allerdings behindert ein Überschuss an Ballaststoffen die Aufnahme bestimmter Vitamine und Mineralstoffe. Im Allgemeinen sind Lebensmittel, die reich an Phytochemikalien und Vitaminen sind, auch reich an Ballaststoffen.

Fette machen einen wesentlichen Teil der Ernährung aus. Die Auffassung, dass zu einer gesunden Ernährung wenig Fette gehören, ist nur teilweise richtig, da es auf die Art des Fettes ankommt. Die Hauptarten von Fetten sind

  • Gesättigte und Transfette

  • Ungesättigte Fette (mehrfach ungesättigt und einfach ungesättigt – siehe Arten von Fett)

Fette können bei Raumtemperatur weich (oder flüssig) oder fest sein. Weiche Fette wie Öle und manche Margarinen weisen tendenziell höhere Mengen an einfach und mehrfach ungesättigten Fetten auf. Harte Fette wie Butter und Backfett weisen tendenziell mehr gesättigte und Transfette auf. Gesättigte und Transfette verursachen eher Atherosklerose. Die Menge an gesättigten und Transfetten in der Nahrung sollte also nach Möglichkeit eingeschränkt und stattdessen Nahrungsmittel mit einfach und mehrfach ungesättigten Fetten gewählt werden. Gesättigte und Transfette sind in rotem Fleisch, vielen Fast-Food-Gerichten und minderwertiger Nahrung, Vollfettmilchprodukten (z. B. Käse, Butter und Sahne) und in harter Margarine zu finden. Die Nachweise hinsichtlich der von natürlichen Transfetten ausgehenden Gefahren bleiben jedoch unklar. Einfach ungesättigte Fette sind in Raps- und Olivenöl, weicher Margarine ohne Trans-Fettsäuren, Nüssen und Oliven zu finden. Mehrfach ungesättigte Fette gibt es in Nüssen, Samen, Ölen und Mayonnaise.

Zwei Arten von mehrfach ungesättigten Fetten – Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren – sind für eine gesunde Ernährung besonders wichtig. Omega-3-Fettsäuren sind in fettreichem Fisch wie z. B. Lachs, in Omega-3-Eiern, Rapsöl und in Walnüssen zu finden. Omega-6-Fettsäuren sind in einigen Nüssen und Samen sowie in Distel-, Sonnenblumen- und Maiskeimölen enthalten.

Eine gesunde Ernährung kann helfen, das Atheroskleroserisiko zu senken. Es ist jedoch weniger klar, ob Vitamine, Phytochemikalien, Spurenelemente oder das Coenzym Q10, mit denen die Ernährung ergänzt werden kann, ebenfalls das Risiko senken.

Alkoholkonsum

Menschen, die Alkohol in moderaten Mengen trinken, scheinen ein geringeres Risiko für koronare Herzkrankheit zu haben als die, die zu viel oder gar nicht trinken. Alkohol steigert den HDL-Cholesterinwert (gutes Cholesterin), vermindert das Risiko für Blutgerinnsel und Entzündungen und trägt zum Schutz des Körpers vor Abbaustoffen der Zellaktivität bei. Ein Alkoholkonsum, der die Grenzen von ‚mäßig‘ jedoch übersteigt (mehr als 14 Getränke pro Woche für Männer und mehr als 9 Getränke pro Woche für Frauen), kann erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen und das Todesrisiko erhöhen. Wer größere Mengen Alkohol trinkt, sollte dies einschränken. Menschen, die keinen Alkohol trinken, sollten nicht damit anfangen.

Hohe Homocysteinwerte (Hyperhomocysteinämie):

Personen, die sehr hohe Konzentrationen von Homocystein (einer Aminosäure) in ihrem Blut aufweisen, was in der Regel durch eine Erbkrankheit bedingt ist, haben ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten, meist schon in jungem Alter. Es ist unklar, warum ein hoher Homocysteinspiegel mit Atherosklerose assoziiert wird. Die Verabreichung von Medikamenten zur Senkung des Homocysteinspiegels scheint das Sterberisiko nicht zu senken.

Symptome

Die Symptome sind abhängig von folgenden Faktoren:

  • Wo sich die betroffene Arterie befindet

  • Ob die betroffene Arterie allmählich verengt oder plötzlich verschlossen wurde

Symptome einer allmählichen Verengung

Bei der allmählichen Verengung (Atherosklerose) entstehen gewöhnlich keine Symptome, bis das Innere einer Arterie um mehr als 70 Prozent verengt ist.

Das erste Symptom einer verengten Arterie können Schmerzen oder Krämpfe sein, wenn über den Blutfluss der Sauerstoffbedarf des Gewebes nicht gedeckt werden kann. Beispielsweise kann eine Person während körperlicher Aktivität Schmerzen oder ein Unbehagen in der Brust fühlen, weil die Sauerstoffversorgung zum Herzen unzureichend ist. Diese Brustschmerzen (Angina pectoris) gehen innerhalb von Minuten wieder weg, wenn die Person die Belastung einstellt. Beim Gehen kann eine Person Beinkrämpfe verspüren (Claudicatio intermittens), da die Sauerstoffversorgung zu den Beinmuskeln unzureichend ist. Wenn die Arterien, die eine oder beide Nieren versorgen, sich verengen, kann dies zu Niereninsuffizienz oder gefährlich hohem Blutdruck führen.

Symptome eines plötzlichen Arterienverschlusses

Wenn die Arterien, die das Herz versorgen (Koronararterien), plötzlich blockiert werden, kann dies zu einem Herzinfarkt führen. Ein Verschluss der Arterien, die das Gehirn versorgen, kann zu einem Schlaganfall führen. Ein Verschluss der Arterien in den Beinen kann zu einer Gangrän des Zehs, Fußes oder Beins führen.

Diagnose

  • Bluttest, um nach Atherosklerose-Risikofaktoren zu suchen

  • Bildgebende Verfahren, um nach gefährlichen Plaques zu suchen

Die Diagnose der Atherosklerose hängt davon ab, ob der Betroffene Symptome hat.

Betroffene mit Symptomen

Wenn Symptome auf eine verschlossene Arterie hinweisen, werden Tests zur Bestimmung von Ort und Ausmaß der Arterienverstopfung durchgeführt. In Abhängigkeit davon, welches Organ betroffen zu sein scheint, werden verschiedene Tests durchgeführt. Wenn der Arzt beispielsweise einen Arterienverschluss im Herzen vermutet, führt er in der Regel eine Elektrokardiographie (EKG), Bluttests auf bestimmte Stoffe (kardiale Marker), die auf eine Herzschädigung hinweisen, und manchmal einen Belastungstest oder eine Herzkatheterisierung durch.

Wenn jemand atherosklerotische Arterien in einem Organ hat, sind oft noch weitere Arterien von Atherosklerose betroffen. Darum untersuchen Ärzte, die einen atherosklerotischen Verschluss bei einer Arterie z. B. im Bein entdecken, gewöhnlich noch weitere Arterien auf Verschlüsse, z. B. im Herz.

Ärzte untersuchen auch bestimmte Risikofaktoren bei Menschen mit atherosklerotischem Verschluss. Beispielsweise messen sie den Glukose-, Cholesterin- und Triglyzeridspiegel im Blut. Üblicherweise werden diese Tests als Teil der jährlichen Routineuntersuchung bei Erwachsenen durchgeführt.

Weil einige Plaques in Arterien häufiger aufbrechen und ein Gerinnsel erzeugen als andere, führt der Arzt manchmal Tests durch, um nach diesen gefährlichen Plaques zu suchen. Kein Test ist eindeutig, doch man verwendet Computertomographie (CT), Angiographie, intravaskulären Ultraschall (mit einer Ultraschallsonde an der Spitze eines Katheters, der in eine Arterie eingeführt wird) während einer Herzkatheterisierung und Koronarangiographie sowie auch weitere bildgebende Verfahren und Bluttests.

Betroffene ohne Symptome (Voruntersuchung)

Bei Personen mit einigen Atherosklerose-Risikofaktoren, aber ohne Symptome, werden normalerweise Bluttests durchgeführt, um die Glukose-, Cholesterin- und Triglyzeridspiegel im Blut zu messen. Üblicherweise werden diese Tests als Teil der jährlichen Routineuntersuchung bei Erwachsenen durchgeführt.

Als Teil einer Präventionsstrategie werden Menschen, die zwar Risikofaktoren aber keine Symptome aufweisen, manchmal weitere bildgebende Verfahren empfohlen, um nach atherosklerotischen Verschlüssen zu suchen. Zu diesen Tests zählt das Elektronenstrahl-CT des Herzens sowie Ultraschall der Halsschlagader (Karotis). Ein CT kann verwendet werden, um verhärtete (kalzifizierte) Plaque in den Koronararterien zu entdecken. Das Ergebnis dieses Tests wird manchmal als „Kalkscore“ bezeichnet. Ein Ultraschall der Karotiden kann eine Verdickung der Arterienwand aufzeigen, die auf Atherosklerose hinweist. Jedoch meinen viele Ärzte, dass diese Tests selten den Rat, den sie der Person auf Grundlage der anderen, leichter zu erkennenden Risikofaktoren geben würden, ändern.

Vorbeugung und Behandlung

  • Veränderung der Lebensweise zur Verringerung des Komplikationsrisikos

  • Manchmal Medikamente

Um die Atherosklerose-Prävention zu unterstützen, sollte man

Eine gesunde Ernährung kann helfen, das Atheroskleroserisiko zu senken. Eine Ernährung mit wenig gesättigten Fetten, verarbeiteten Kohlenhydraten und Alkohol und mit viel Obst und Gemüse sowie vielen Ballaststoffen senkt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine gesunde Ernährung und Sport können bei Übergewicht oder Fettleibigkeit den Gewichtsverlust fördern.

Betroffene Raucher sollten aufhören zu rauchen. Menschen, die das Rauchen aufgeben, haben ein nur halb so großes Risiko wie jene, die weiterhin rauchen, unabhängig davon, wie lange sie davor geraucht haben.

Menschen mit Bluthochdruck sollten ihren Blutdruck mit Veränderungen der Lebensweise und Medikamenten senken. Diabetiker müssen ihren Blutzucker (Glukose) fest in den Griff bekommen.

Personen mit einem hohen Atheroskleroserisiko können von der Einnahme bestimmter Medikamente profitieren. Zu den nützlichen Medikamenten gehören Statine, die den Cholesterinspiegel senken (selbst wenn dieser normal oder nur leicht erhöht ist), und in manchen Fällen Aspirin oder andere Blutgerinnungshemmer, sog. Thrombozytenaggregationshemmer (Medikamente, die verhindern, dass sich die Blutplättchen verklumpen und die Blutgefäße blockieren). Aspirin und andere Blutgerinnungshemmer können Blutungen verursachen. Diese Medikamente sollten also nur angewendet werden, wenn für die Patienten ein sehr hohes Atheroskleroserisiko besteht. Einige Mittel, die zur Behandlung von Bluthochdruck oder Diabetes verwendet werden, reduzieren ebenfalls das Risiko für Atherosklerose.

Behandlung von Atherosklerose-Komplikationen

Wenn eine fortschreitende Atherosklerose Komplikationen verursacht, müssen diese eigens behandelt werden. Komplikationen sind

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