Der Nutzen der Genetik in der medizinischen Versorgung

VonQuasar S. Padiath, MBBS, PhD, University of Pittsburgh
Überprüft vonGlenn D. Braunstein, MD, Cedars-Sinai Medical Center
Überprüft/überarbeitet Juni 2025 | Geändert Juli 2025
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Die Genetik kann auf verschiedene Weisen genutzt werden, um diverse Störungen besser zu verstehen, zu diagnostizieren und zu behandeln.

(Siehe auch Gene und Chromosomen.)

Kenntnis von Störungen

Das Verständnis für Humangenetik ist deutlich gestiegen, seitdem die Wissenschaftler, die das Humangenomprojekt durchführten, im Jahr 2003 alle Gene in den menschlichen Chromosomen erfolgreich identifiziert und kartiert haben. Genetische Methoden können eingesetzt werden, um die Gene einer Person zu untersuchen und darüber mehr über bestimmte Störungen zu erfahren. Einige Arten von Störungen, die früher anhand ihrer Symptome klassifiziert wurden, werden nun z. B. anhand der vorliegenden genetischen Anomalie neu klassifiziert.

Diagnose von Störungen

Gentests werden routinemäßig zur Diagnose bestimmter Störungen (z. B. Hämochromatose und chromosomale Störungen wie das Down-Syndrom und das Turner-Syndrom) verwendet.

Die Genetik erhöht zudem die Fähigkeit vorauszusagen, welche Störungen eine Person wahrscheinlich entwickeln wird. Frauen mit bestimmten Störungen in den BRCA-Genen sind z. B. für Brust- und Eierstockkrebs besonders anfällig. Diese Vorhersagen können vorbeugende Maßnahmen ermöglichen und dazu führen, dass das Screening besser auf den Einzelnen zugeschnitten ist.

Diagnose genetischer Störungen vor der Empfängnis oder der Geburt

Fortschritte auf dem Gebiet der Methoden, die genetische Merkmale zugänglich machen und das Verständnis für Genetik fördern, haben die Diagnose von genetischen Störungen vor der Schwangerschaft oder der Geburt verbessert. In einigen Fällen können vor der Geburt diagnostizierte genetische Störungen behandelt werden, und zwar eventuell nach der Geburt oder bisweilen sogar schon vorher, was künftigen Komplikationen vorbeugt. Kortikosteroide, die der Mutter vor der Niederkunft verabreicht werden, können z. B. die Schwere eines bestimmten genetischen Hormonmangels bei den Nachkommen mildern.

Mit Hilfe des genetischen Screenings können Eltern zu den Risiken, eine genetische Störung an ihre Nachkommen zu vererben, beraten werden. Das Screening kann auch zur Ermittlung von Fötusanomalien eingesetzt werden (pränatale Diagnosetests).

Wussten Sie ...

  • Gentests können helfen, vorherzusagen, welche Störungen bei einer Person wahrscheinlich auftreten können oder wie die Person auf bestimmte Behandlungen reagieren wird.

Ansprechen auf Medikamente

Ein besseres Verständnis der Humangenetik hilft dabei, vorauszusagen, wie Personen auf der Basis ihrer ganz persönlichen genetischen Veranlagung auf bestimmte Medikamente reagieren werden (Genetische Veranlagung und Ansprechen auf Medikamente). Bestimmte Gene können beispielsweise vorhersagen, wie viel Warfarin, ein Antikoagulans (Blutverdünner), eine Person ggf. benötigt. Diese Vorhersage ist wichtig, weil eine zu hohe Warfarin-Anwendung schwere Blutungen verursachen kann und das Medikament bei einer zu geringen Anwendung wiederum nicht wirkt, was ebenfalls gefährlich ist.

Gentests können zudem vorhersagen, ob eine Person nach Erhalt des Krebsmedikaments Irinotecan massive oder nur leichte Nebenwirkungen bekommt. Personen, die zu schwerwiegenden Nebenwirkungen neigen, können mit anderen Medikamenten behandelt werden.

Gentests können zudem aufzeigen, wie schnell eine Person Kodein verstoffwechselt und dem entsprechend auf das Schmerzmittel reagiert. Personen, die Kodein schnell verstoffwechseln, können hohe Mengen eines Stoffwechselnebenprodukts von Kodein ansammeln, was sich negativ auf den unbewussten Atemantrieb auswirkt. Diese Wirkung der schnellen Verstoffwechslung führte zum Tod einiger Kinder, die nach einer Mandel- und Polypenoperation zur Behandlung einer obstruktiven Schlafapnoe Kodein erhielten.

Behandlung von Störungen

Die Genetik kranken Gewebes (z. B. von Krebs) kann Arzneimittelherstellern helfen, Behandlungsziele genauer zu identifizieren (etwa Wirkstoffe zur Krebsbehandlung). Das Krebsmedikament Trastuzumab kann z. B. bei Brustkrebs gegen bestimmte Brustkrebszellen eingesetzt werden, die das Brustkrebsgen HER2/neu enthalten.

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