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Durchfall bei Kindern

Von

Deborah M. Consolini

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2018| Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Durchfall ist ein sehr verbreitetes Problem bei Kindern (siehe auch Durchfall bei Erwachsenen). Als Durchfall gelten häufige, weiche oder wässrige Stuhlgänge des Kindes, die vom normalen Muster abweichen. Manchmal enthalten die Durchfälle Blut oder Schleim. Einen leichten Durchfall zu erkennen, kann schwierig sein, da die Anzahl und Konsistenz der Stuhlgänge von gesunden Kindern, je nach Alter und Ernährung, sehr unterschiedlich sein können. So werden z. B. bei Stillkindern, die noch keine feste Nahrung erhalten, häufige und weiche Stuhlgänge als normal betrachtet. Eine plötzlich erhöhte Anzahl und weichere Konsistenz kann bei solchen Säuglingen einen Durchfall signalisieren. Wässrige Stuhlgänge, die länger als 24 Stunden dauern, sind allerdings nie normal.

Kinder mit Durchfall können ihren Appetit verlieren, erbrechen, Gewicht verlieren oder Fieber bekommen. Wenn es sich um einen schweren Durchfall handelt oder wenn der Durchfall lange anhält, ist ein Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) wahrscheinlich. Säuglinge und junge Kinder können schnell dehydrieren, manchmal in weniger als 1 Tag. Schwere Austrocknung kann zu Krampfanfällen, Hirnschäden und zum Tod führen.

Weltweit kommt es vor allem in unterentwickelten Ländern in einem Jahr zu 1,5 Millionen Todesfällen aufgrund von Durchfall. In den USA sind Durchfälle für etwa 9 Prozent der stationären Krankenhausaufenthalte von Kindern im Alter von unter 5 Jahren verantwortlich.

Ursachen

Die Ursache für einen Durchfall hängt meist davon ab, ob er weniger (akut) oder länger (chronisch) als 2 Wochen anhält. Die meisten Durchfälle sind akuter Natur.

Häufige Ursachen

Akuter Durchfall wird normalerweise durch Folgendes hervorgerufen:

Eine Gastroenteritis wird meist durch ein Virus ausgelöst, kann aber auch durch Bakterien oder einen Parasiten hervorgerufen werden.

Nahrungsmittelvergiftungen, die Durchfall oder Erbrechen oder beides auslösen, werden normalerweise durch Nahrungsmittel hervorgerufen, die von bestimmten Bakterien produzierte Giftstoffe enthalten, z. B. Staphylokokken oder Clostridien.

Bestimmte Antibiotika sind in der Lage, die Art und Anzahl der Darmbakterien zu ändern. Als Ergebnis davon kann ein Durchfall auftreten. Manchmal können Antibiotika dazu führen, dass ein besonders gefährliches Bakterium, Clostridium difficile, sich vermehrt. Clostridium difficile produziert einen Giftstoff, der eine Entzündung der Dickdarminnenwand auslösen kann (Kolitis – Auf Clostridioides (früher Clostridium) difficile zurückzuführende Colitis).

Chronischer Durchfall wird normalerweise durch Folgendes hervorgerufen:

Seltenere Ursachen

Akuter Durchfall kann durch schwerwiegendere Erkrankungen hervorgerufen werden, z. B. durch eine Appendizitis, Darminvagination oder ein hämolytisch-urämisches Syndrom (eine Komplikation bestimmter bakterieller Infektionsarten). Solche schwerwiegenden Erkrankungen hängen normalerweise neben einem Durchfall auch mit anderen besorgniserregenden Symptomen zusammen, wie z. B. heftigen Bauchschmerzen oder Schwellungen, blutigen Stuhlgängen, Fieber und einem kranken Erscheinungsbild.

Chronischer Durchfall kann auch durch Erkrankungen, die die Aufnahme von Nahrungsmitteln einschränken (Malabsorption), z. B. Mukoviszidose oder durch ein geschwächtes Immunsystem (aufgrund einer Krankheit wie AIDS oder der Einnahme bestimmter Medikamente) hervorgerufen werden.

Manchmal wird ein Durchfall durch eine Verstopfung ausgelöst. Wenn sich im Rektum verhärteter Stuhl ansammelt, kann sich weicher Stuhl daran vorbei drücken und in der Unterwäsche des Kindes landen.

Beurteilung

Warnsignale

Bestimmte Symptome stellen einen Grund zur Besorgnis dar. Hierzu gehören

  • Anzeichen einer Austrocknung, z. B. vermindertes Urinieren, Teilnahmslosigkeit oder Lustlosigkeit, tränenloses Weinen, extremer Durst und ein trockener Mund

  • Krankes Erscheinungsbild

  • Hohes Fieber

  • Blut im Stuhl

  • Schmerzen im Bauch und extremer Druckschmerz bei Berührung

  • Blutungen in der Haut (erkennbar als winzige rötlich-lilafarbene Punkte [Petechien] oder kleine Flecken [Purpura])

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Kinder, bei denen ein Warnsignal erkennbar ist, sollten sofort von einem Arzt untersucht werden. Ebenso sollten Kinder, die mehr als 3 oder 4 Durchfall-Episoden hatten und nicht oder nur wenig trinken, vom Arzt untersucht werden.

Bei Kindern, die keine Warnsignale aufweisen und normal trinken und urinieren, sollte der Arzt verständigt werden, wenn der Durchfall 2 Tage oder länger dauert oder wenn es zu mehr als 6 bis 8 Durchfall-Episoden pro Tag kommt. Wenn es sich nur um einen leichten Durchfall handelt, ist ein Besuch beim Arzt nicht notwendig. Kinder, die 14 Tage oder länger an Durchfall leiden, sollten von einem Arzt untersucht werden.

Was der Arzt unternimmt:

Die Ärzte stellen zunächst Fragen zu den Symptomen und der Krankengeschichte. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die Ergebnisse der Krankengeschichte und der ärztlichen Untersuchung deuten oft auf eine Ursache hin und geben Anhaltspunkte für durchzuführende Tests (siehe Tabelle: Einige Ursachen und Merkmale für Durchfall).

Die Ärzte stellen Fragen zum Aussehen der Stuhlgänge und wie häufig sie auftreten, wie lange sie andauern und ob beim Kind andere Symptome wie Fieber, Erbrechen oder Bauchschmerzen vorhanden sind.

Die Ärzte stellen außerdem Fragen zu möglichen Ursachen, z. B. Ernährung, Einnahme von Antibiotika oder möglicherweise kontaminierten Nahrungsmitteln, kürzlich erfolgter Kontakt mit Tieren und eine kürzlich erfolgte Reise.

Es wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der auf Symptome einer Austrocknung und Erkrankungen, die einen Durchfall verursachen können, geachtet wird. Der Bauch wird auf Schwellung oder Druckempfindlichkeit untersucht. Die Ärzte beurteilen auch das Wachstum des Kindes.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale für Durchfall

Ursache

Häufige Merkmale*

Untersuchungen

Akuter Durchfall (Dauer kürzer als 2 Wochen)

Antibiotikagebrauch

Kürzlicher Einsatz von Antibiotika

Häufig keine anderen Symptome

Ärztliche Untersuchung

Manchmal Tests auf Giftstoffe des Clostridium difficile im Stuhl

Gastroenteritis aufgrund von Viren, Bakterien oder Parasiten

Häufig mit Erbrechen

Häufig Austrocknung, besonders bei Säuglingen und jungen Kindern

Manchmal Fieber und Bauchschmerzen

Selten Blut im Stuhl

Manchmal vor kurzem erfolgter Kontakt mit infizierten Personen (z. B. in einer Kindertagesstätte, in einem Freizeitlager oder auf einer Kreuzfahrt), mit Tieren in einem Streichelzoo (wo Escherichia [E.] coli übertragen werden können), mit Reptilien (die mit Salmonellen-Bakterien infiziert sein könnten) oder vor kurzem erfolgte Einnahme nicht durchgegarter, kontaminierter Nahrungsmittel oder kontaminierten Wassers

Ärztliche Untersuchung

Manchmal körperliche Untersuchungen und Tests mit dem Stuhl

Quaddeln, geschwollene Lippen und Atemschwierigkeiten innerhalb von Minuten bis zu einigen Stunden nach der Mahlzeit

Manchmal Erbrechen

Häufig eine bereits bekannte Nahrungsmittelallergie

Ärztliche Untersuchung

Bauchschmerzen, Erbrechen und normalerweise blutiger Durchfall für einige Tage, gefolgt von blasser Haut und vermindertem Urinieren

Manchmal Blutungen in der Haut (erkennbar als winzige rötlich-lilafarbene Punkte oder kleine Flecken)

Bluttests

Körperliche Untersuchungen und Tests mit dem Stuhl

Chronischer Durchfall (2 Wochen oder länger andauernd)

Erbrechen

Schlechte Nahrungsaufnahme

Gewichtsverlust, schlechtes Wachstum oder beides

Blut im Stuhl

Stuhltests

Symptome, die nachlassen, wenn die Säuglingsnahrung gewechselt wird

Möglicherweise Endoskopie, Koloskopie oder beides

Übermäßiger Verzehr von Fruchtsäften (besonders Apfel-, Birnen- und Pflaumensaft)

Der Verzehr von täglich mehr als 120 bis 240 ml Fruchtsaft

Häufig keine anderen Symptome außer Durchfall

Ärztliche Untersuchung

Besserung des Durchfalls nach Verringerung des Verzehrs von Fruchtsäften

Blut im Stuhl, krampfartige Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und schlechtes Wachstum

Manchmal Arthritis, Ausschläge, offene Stellen im Mund und Einrisse im Rektum

Koloskopie

Manchmal CT oder Röntgenaufnahmen nach Einbringen von Barium ins Rektum (Bariumeinlauf)

Laktoseunverträglichkeit (die Unfähigkeit Laktose, den Zucker in Milch und Milchprodukten, zu verdauen)

Aufblähen des Bauchs, Abgang von Blähungen (Flatulenz) und heftiger Durchfall

Durchfall nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten

Ärztliche Untersuchung

Manchmal ein Atemtest, um Stickstoff nachzuweisen (Hinweis auf unverdaute Kohlenhydrate)

Körperliche Untersuchung und Stuhlanalyse, um nach unverdauten Kohlenhydraten zu suchen

Malabsorption wie z. B.

Heller, weicher, großvolumiger und ungewöhnlich faul riechender Stuhl, der ölig erscheint

Aufblähen des Bauchs und Flatulenz

Geringe Gewichtszunahme

Bei Mukoviszidose häufige Infektionen der Atemwege

Bei Acrodermatitis enteropathica Ausschlag und Einrisse im Mundwinkel

Körperliche Untersuchungen und Tests mit dem Stuhl

Bei Verdacht auf Zöliakie werden Bluttests für Antikörper gegen Gluten (Protein in Weizen) und eine Biopsie des Dünndarms durchgeführt

Bei Verdacht auf Mukoviszidose Schweißtest und möglicherweise genetische Untersuchung

Bei Verdacht auf Acrodermatitis enteropathica wird ein Bluttest für Zinkmangel durchgeführt

Geschwächtes Immunsystem aufgrund von

  • HIV-Infektion oder Immundefektkrankheiten

  • Behandlungen mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken

Häufige Infektionen

Gewichtsverlust oder schlechte Gewichtszunahme

Manchmal eine bereits bekannte HIV-Infektion

Bluttests für HIV

Ein großes Blutbild und weitere Tests zur Beurteilung des Immunsystems

*Zu den Merkmalen zählen Symptome und Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

Chronischer Durchfall kann auch durch bakterielle oder virale Infektionen oder Parasiten hervorgerufen werden.

CT = Computertomographie; HIV = Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus.

Tests

Wenn der Durchfall weniger als 2 Wochen andauert und die Anzeichen nicht vorliegen, wird er wahrscheinlich durch eine Gastroenteritis hervorgerufen, die durch ein Virus ausgelöst wurde; weitere Tests sind dann normalerweise unnötig. Wenn die Ärzte allerdings eine andere Ursache vermuten, werden Tests durchgeführt, um diese vermuteten Ursachen abzuklären.

Die Tests werden üblicherweise durchgeführt, wenn bei Kindern Warnsignale auftreten. Wenn sie Anzeichen einer Austrocknung aufweisen, werden Bluttests durchgeführt, um die Konzentrationen der Elektrolyte zu messen (Natrium, Kalium, Kalzium und andere Mineralstoffe, die notwendig sind, um den Flüssigkeitshaushalt des Körpers aufrechtzuerhalten). Wenn andere Warnsignale vorliegen, können unter anderem folgende Untersuchungen durchgeführt werden: großes Blutbild, Urintests, körperliche Untersuchung und Stuhlanalyse, Röntgenaufnahmen des Bauchs oder eine Kombination dieser Untersuchungen.

Behandlung

Spezielle Ursachen des Durchfalls werden behandelt. Wenn ein Kind beispielsweise an Zöliakie leidet, wird Gluten von seinem Ernährungsplan gestrichen. Antibiotika, die den Durchfall auslösen, werden abgesetzt, wenn der Arzt dies anordnet. Eine durch Viren hervorgerufene Gastroenteritis verschwindet normalerweise ohne weitere Behandlung.

Bei Säuglingen und jungen Kindern werden keine Medikamente gegen Durchfall, wie etwa Loperamid, empfohlen.

Dehydratation

Da das Hauptaugenmerk bei Kindern auf einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr liegt, konzentriert sich die Behandlung auf die Verabreichung von Flüssigkeit und Elektrolyten ( Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) bei Kindern). Die meisten Kinder, die an Durchfall leiden, werden erfolgreich mit Flüssigkeit behandelt, die sie über den Mund (oral) einnehmen. Intravenös wird Flüssigkeit nur dann gegeben, wenn das Kind nicht trinkt oder erheblich dehydriert ist. Oral einzunehmende Flüssigkeitslösungen mit ausgewogenen Anteilen an Kohlenhydraten und Natrium kommen zum Einsatz. In den USA sind solche Lösungen in den meisten Supermärkten und Apotheken ohne Rezept erhältlich. Sportlergetränke, Limonaden, Säfte und ähnliche Getränke sollten nicht verwendet werden, da sie zu wenig Natrium und zu viele Kohlenhydrate enthalten.

Wenn das Kind zusätzlich erbricht, werden zuerst häufige kleine Flüssigkeitsmengen gegeben. Normalerweise wird alle 5 Minuten 1 Teelöffel (5 Milliliter) gegeben. Wenn das Kind diese Menge nicht wieder ausspuckt, wird die Menge allmählich erhöht. Wenn das Kind nicht erbricht, muss die anfängliche Flüssigkeitsmenge nicht begrenzt werden. Mit Geduld und Ermutigung können die meisten Kinder ausreichend Flüssigkeit über den Mund einnehmen, ohne Flüssigkeit intravenös zuführen zu müssen. Kinder, die stark ausgetrocknet sind, brauchen möglicherweise solche intravenösen Flüssigkeitsgaben.

Ernährung

Sobald das Kind ausreichend Flüssigkeit erhält und nicht erbricht, sollte es altersgerecht ernährt werden. Säuglinge können weiter gestillt werden oder Säuglingsnahrung erhalten.

Bei Kindern mit chronischem Durchfall ist die Behandlung von der Ursache abhängig. Am wichtigsten ist es jedoch, für eine angemessene Versorgung mit Nahrung zu sorgen und auf mögliche Defizite von Vitaminen und Mineralstoffen zu achten.

Wichtigste Punkte

  • Bei Kindern kommt Durchfall häufig vor.

  • Meistens ist eine Gastroenteritis die Ursache, die durch ein Virus ausgelöst wird.

  • Kinder sollten von einem Arzt untersucht werden, wenn bei ihnen Warnsignale auftreten (z. B. Anzeichen einer Austrocknung, heftige Bauchschmerzen, Fieber oder Blut oder Eiter im Stuhl).

  • Nur selten sind Tests erforderlich, wenn der Durchfall weniger als 2 Wochen andauert.

  • Wenn der Durchfall lange anhält, ist eine Austrocknung wahrscheinlich.

  • Bei den meisten Kindern kann die Flüssigkeitszufuhr über den Mund vor dem Austrocknen schützen.

  • Bei Säuglingen und jungen Kindern werden keine Medikamente gegen Durchfall, wie etwa Loperamid, empfohlen.

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