Apnoe bezeichnet das Aussetzen der Atmung für mindestens 20 Sekunden bei Frühgeborenen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, und die keine bekannte Störung haben, die der Apnoe zugrunde liegen könnte.
Schübe von Apnoe treten bei Frühgeburten auf, wenn der Teil ihres Gehirns, der die Atmung (Atemzentrum) reguliert, noch nicht vollständig ausgereift ist.
Durch die Apnoe kann sich der Sauerstoffgehalt im Blut verringern, was zu einer geringeren Herzfrequenz und die Lippen und/oder Haut blau anlaufen lässt.
Diese Störung wird durch Beobachtung diagnostiziert oder durch den Alarm eines Überwachungsmonitors, an den das Neugeborene angeschlossen ist.
Wenn ein sanftes Anstoßen nicht ausreicht, um das Neugeborene wieder zum Atmen zu bewegen, kann eine künstliche Beatmung erforderlich sein.
Neugeborene mit schwerer Apnoe erhalten neben anderen Therapien auch Koffein, um die Atmung zu stimulieren.
Mit zunehmender Reife des Atemzentrums im Gehirn werden die Apnoe-Episoden seltener und hören schließlich ganz auf.
(Siehe auch Übersicht über allgemeine Beschwerden bei Neugeborenen.)
Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, gelten als Frühgeburt (auch Frühgeborene genannt). Je früher ein Neugeborenes geboren wird, desto größer ist das Risiko einer Frühgeborenenapnoe. Fast alle Frühgeborenen, die vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, leiden zu einem bestimmten Grad an Frühgeborenenapnoe.
Diese Störung beginnt in der Regel 2 bis 3 Tage nach der Geburt. Neugeborene, die am ersten Lebenstag eine Frühgeborenenapnoe entwickeln, können einen Hirn- oder Rückenmarksdefekt oder eine Verletzung haben. Neugeborene, bei denen mehr als 14 Tage nach der Geburt eine Frühgeborenenapnoe auftritt, die aber ansonsten gesund sind, können eine schwere Erkrankung wie eine Sepsis haben.
Bei der Frühgeborenenapnoe können die Neugeborenen wiederholt einen Wechsel zwischen normaler Atmung und Atemaussetzern von mindestens 20 Sekunden haben. Manche Frühgeborenen halten den Atem unter Umständen weniger als 20 Sekunden an, haben aber trotzdem eine niedrigere Herzfrequenz (Bradykardie) oder zeigen einen Rückgang des Sauerstoffgehalts im Blut.
Es gibt 3 Formen der Apnoe:
Zentral
Obstruktiv
Mischform
Die zentrale Apnoe tritt auf, wenn der Teil des Gehirns, der die Atmung reguliert (Atemzentrum) noch nicht richtig funktioniert, weil er noch nicht vollständig ausgereift ist. Dies ist die häufigste Form von Frühgeborenen-Apnoe.
Die obstruktive Apnoe wird verursacht durch eine vorübergehende Blockade der Speiseröhre (Pharynx) aufgrund der geringen Muskelspannung oder weil der Hals nach vorne gebogen ist. Diese Form kann sowohl bei voll ausgetragenen Babys als auch bei Frühgeburten auftreten.
Die gemischte Apnoe ist eine Kombination aus zentraler und obstruktiver Apnoe.
Bei allen Formen von Apnoe kann sich die Herzfrequenz verlangsamen und der Sauerstoffgehalt im Blut sinken.
Auch wenn einige Kinder, bei denen es zu einem plötzlichen unerwarteten Kindstod (Sudden Unexplained Infant Death, SUID) kommt, zu dem auch der plötzliche Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) zählt, Frühgeburten sind, scheint die Frühgeborenenapnoe selbst keine Ursache für den plötzlichen unerwarteten Kindstod oder den plötzlichen Kindstod zu sein.
Nicht alle Atempausen entstehen durch ein Problem. Eine reguläre Atmung besteht aus 5 bis 20 Sekunden normalem Atmen, gefolgt von einer Atempause, die weniger als 20 Sekunden andauert. Eine Atmung in regelmäßigen Intervallen tritt bei voll ausgetragenen Neugeborenen und Frühgeborenen häufig auf und gilt nicht als Frühgeborenen-Apnoe. Sie führt nicht dazu, dass sich die Herzfrequenz verlangsamt oder der Sauerstoffgehalt sinkt, und verursacht in der Regel keine Frühgeborenenapnoe.
Symptome einer Frühgeborenen-Apnoe
Im Krankenhaus werden Frühgeburten routinemäßig zur Überwachung an einen Monitor angeschlossen, der Alarm gibt, wenn die Atmung immer wieder für mindestens 20 Sekunden aussetzt oder sich die Herzfrequenz verlangsamt. Je nach Dauer der Atemaussetzer kann der Sauerstoffgehalt im Blut absinken, was zu einer bläulichen Verfärbung der Haut (Zyanose) oder zu bleichen Lippen und/oder Haut (Blässe) führt.
Bei Neugeborenen mit dunkler Haut kann die Haut gelb-grau, grau anlaufen oder bleich werden. Diese Veränderungen können in den Schleimhäuten von Mund, Nase und Augenlidern besser sichtbar sein.
Aufgrund der geringen Sauerstoffsättigung des Bluts kann sich auch die Herzfrequenz verlangsamen.
Diagnose einer Frühgeborenen-Apnoe
Beobachtung oder Monitoralarm
Andere Ursachen ausgeschlossen
Die Diagnose einer Apnoe wird in der Regel wie folgt gestellt: durch Beobachtung der Atmung der Neugeborenen oder durch den Alarm eines Monitors, der an das Neugeborene angeschlossen ist, und durch fehlendes Heben und Senken des Brustkorbs, wenn das Baby kontrolliert wird.
Eine Apnoe kann das Zeichen einer Störung, wie einer Blutinfektion (Sepsis), einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder einer Unterkühlung (Hypothermie) sein. Um diese Ursachen zu Beginn einer Apnoe auszuschließen, muss das Neugeborene gründlich untersucht werden, wenn es zu einer plötzlichen oder unerwarteten Häufung der Apnoe-Schübe kommt. Die Ärzte nehmen dafür Proben des Bluts, Urins und der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, um zu analysieren, ob eine schwere Infektion vorliegt oder ob der Blutzuckerspiegel zu gering ist.
Behandlung einer Frühgeborenen-Apnoe
Sanftes Stupsen oder Berühren
Behandlung der Krankheitsursache
Stimulanzien (z. B. Koffein)
Maßnahmen zur Unterstützung der Atmung
Wenn eine Apnoe auftritt, ob durch Beobachtung oder durch den Alarm eines Überwachungsmonitors erkannt, reicht es meistens aus, das Neugeborene sanft zu berühren oder anzustoßen, um die Atmung zu stimulieren.
Die weitere Behandlung der Apnoe richtet sich nach der Ursache. Ärzte behandeln die bekannten Ursachen, z. B. Infektionen.
Wenn die Apnoe-Schübe häufiger auftreten, und besonders, wenn die Neugeborenen blau anlaufen, bleiben sie weiterhin auf der Neugeborenen-Intensivstation (NICU). Sie können mit einem Medikament behandelt werden, mit dem das Atemzentrum stimuliert wird, z. B. mit Koffein.
Wenn Koffein häufigen oder schweren Apnoe-Schüben nicht vorbeugt, müssen die Neugeborenen eventuell mit einer kontinuierlichen Überdruckbeatmung (CPAP) behandelt werden. Dieses Verfahren ermöglicht den Neugeborenen selbstständig zu atmen, während Sauerstoff mit geringem Druck über einen Nasentubus zugeführt wird, der an ihren Nasenflügeln befestigt wird. Neugeborene mit Apnoe-Schüben, die schwer in den Griff zu bekommen sind, müssen eventuell mit einem Beatmungsgerät (einer Maschine, die hilft, Luft in und aus den Lungen zu transportieren) behandelt werden, damit sie atmen können.
Entlassung aus dem Krankenhaus und häusliche Versorgung
Frühgeborene, insbesondere diejenigen, die an Frühgeborenenapnoe leiden, sollten vor Verlassen des Krankenhauses einem Autositz-Test unterzogen werden. Mit diesem Test wird sichergestellt, dass es bei Säuglingen aufgrund der Position von Kopf und Hals im Autositz nicht zu einer Apnoe oder einem niedrigen Sauerstoffgehalt kommt.
Wenn Neugeborene 3 bis 10 Tage lang keine Apnoe hatten, sind sie in der Regel bereit, aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen zu werden. In seltenen Fällen werden Säuglinge mit Apnoe-Episoden, die ihre Herzfrequenz nicht verlangsamen und ohne medizinische Intervention (z. B. Stimulation oder künstliche Beatmung) wieder verschwinden, mit einem Rezept für Koffein oder einem Monitor zur Apnoe-Überwachung (Atmung und Sauerstoffgehalt) nach Hause entlassen.
Die Eltern sollten lernen, wie sie den Monitor und andere Geräte richtig bedienen, und was zu tun ist, wenn der Alarm ertönt, wie man bei Bedarf eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (Cardiopulmonary Resuscitation, CPR) durchführt, und wie man sämtliche Ereignisse aufzeichnet. Die meisten Monitore speichern auftretende Ereignisse automatisch. Es gibt auch keinen Nachweis dafür, dass die zu Hause weitergeführte Überwachung mit einem Apnoe-Monitor das Risiko für schlafbezogene Todesfälle, einschließlich plötzlichem Kindstod oder kurzer abgeschlossener unerklärlicher Ereignisse beim Frühgeborenen sinken lässt.
Die Eltern und der Arzt des Säuglings entscheiden gemeinsam, wie lange der Monitor verwendet wird.
Zu Hause sollten Neugeborene für jeden Schlaf auf einer stabilen ebenen Schlafunterlage auf den Rücken gelegt werden. Auf dem Bauch schlafen, seitliches Schlafen und hochgelagertes Schlafen sind nicht sicher. Sichere Schlafpraktiken sollten für alle Säuglinge angewandt werden, gleich, ob sie zu früh geboren wurden oder nicht.
Prognose zu Frühgeborenen-Apnoe
Mit der Zeit reift das Atemzentrum, die Apnoe-Schübe werden seltener und hören auf, wenn das Frühgeborene seinen ursprünglich errechneten Entbindungstermin erreicht hat.
Eine Apnoe kann bei einem Säugling, der sehr viel zu früh entbunden wurde (z. B. zwischen der 23. und 27. Schwangerschaftswoche) über Wochen hinweg anhalten.
Die Frühgeborenenapnoe verläuft selten tödlich.
