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Frühgeborenenapnoe

Von

Arcangela Lattari Balest

, MD, University of Pittsburgh, School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2020| Inhalt zuletzt geändert Jan 2020
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Kurzinformationen
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Apnoe (keine Atmung) ist das Aussetzen der Atmung für mindestens 20 Sekunden bei Säuglingen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, und die keine bekannte Störung haben, die der Apnoe zugrundeliegen könnte.

  • Schübe von Apnoe treten bei Frühgeburten auf, wenn der Teil ihres Gehirns, der die Atmung (Atemzentrum) reguliert, noch nicht vollständig ausgereift ist.

  • Durch Apnoe kann sich der Sauerstoffgehalt im Blut verringern, was zu einer geringeren Herzfrequenz und einer bläulichen Verfärbung der Lippen und/oder Haut führt.

  • Diese Störung wird durch Beobachtung diagnostiziert oder durch den Alarm eines Überwachungsmonitors, an den das Neugeborene angeschlossen ist.

  • Mit zunehmender Reife des Atemzentrums im Gehirn werden die Apnoe-Episoden seltener und hören schließlich ganz auf.

  • Wenn ein sanftes Anstoßen nicht ausreicht, um das Neugeborene wieder zum Atmen zu bewegen, kann eine künstliche Beatmung erforderlich sein.

  • Neugeborene mit schwerer Apnoe erhalten neben anderen Therapien Koffein, um die Atmung zu stimulieren.

Frühgeborenen-Apnoe tritt bei etwa 25 % der Säuglinge auf, die Frühgeburten sind (vor der 37. Schwangerschaftswoche entbunden). Frühgeborenen-Apnoe tritt umso häufiger und heftiger auf je früher ein Baby vorzeitig zur Welt kommt. Diese Störung beginnt in der Regel 2 bis 3 Tage nach der Geburt und nur selten gleich am ersten Tag. Bei der Frühgeborenen-Apnoe können die Neugeborenen wiederholt einen Wechsel zwischen normaler Atmung und Atemaussetzern haben. Manche Frühgeborenen halten den Atem unter Umständen nicht länger als 20 Sekunden an, haben aber trotzdem eine niedrigere Herzfrequenz oder Sauerstoffmangel im Blut. Kürzere Atemaussetzer, die eine Abnahme der Herzfrequenz oder des Sauerstoffgehalts im Blut verursachen, gelten immer noch als Frühgeborenen-Apnoe.

Es gibt drei Formen von Apnoe:

  • Zentral

  • Obstruktiv

  • Mischform

Die zentrale Apnoe tritt auf, wenn der Teil des Gehirns, der die Atmung reguliert (Atemzentrum) noch nicht richtig funktioniert, weil er noch nicht vollständig ausgereift ist. Dies ist die häufigste Form von Frühgeborenen-Apnoe.

Die obstruktive Apnoe wird verursacht durch eine vorübergehende Blockade der Speiseröhre (Pharynx) aufgrund der geringen Muskelspannung oder weil der Hals nach vorne gebogen ist. Diese Form kann sowohl bei voll ausgetragenen Babys als auch bei Frühgeburten auftreten.

Die gemischte Apnoe ist eine Kombination aus zentraler und obstruktiver Apnoe.

Bei allen Formen von Apnoe kann sich die Herzfrequenz verlangsamen und der Sauerstoffgehalt im Blut sinken.

Nicht alle Atempausen sind auf Probleme mit der Atmung zurückzuführen. Eine reguläre Atmung besteht aus 5 bis 20 Sekunden normalem Atmen, gefolgt von einer Atempause, die weniger als 20 Sekunden andauert. Eine Atmung in regelmäßigen Intervallen tritt bei Neugeborenen häufig auf und gilt nicht als Frühgeborenen-Apnoe. Voll ausgetragene Neugeborene können ebenfalls auch Atemaussetzer haben. Diese senken weder die Herzfrequenz noch die Sauerstoffkonzentrationen und führen in der Regel auch zu keinen anderen Problemen.

Symptome

Im Krankenhaus werden Frühgeburten routinemäßig zur Überwachung an einen Monitor angeschlossen, der Alarm gibt, wenn die Atmung für mindestens 20 Sekunden aussetzt oder sich die Herzfrequenz verlangsamt. Je nach Dauer der Atemaussetzer kann der Sauerstoffgehalt im Blut absinken, was zu einer bläulichen Verfärbung der Haut (Zyanose) oder zu bleichen Lippen und/oder Haut (Blässe) führt. Aufgrund der geringen Sauerstoffsättigung des Bluts kann sich auch die Herzfrequenz verlangsamen (Bradykardie).

Diagnose

  • Beobachtung oder Monitoralarm

  • Andere Ursachen ausgeschlossen

Die Diagnose einer Apnoe wird in der Regel wie folgt gestellt: durch Beobachtung der Atmung der Neugeborenen oder durch den Alarm eines Monitors, der an das Neugeborene angeschlossen ist, und durch fehlendes Heben und Senken des Brustkorbs, wenn das Baby kontrolliert wird.

Eine Apnoe kann das Zeichen einer Störung, wie einer Blutinfektion (Sepsis), einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder einer Unterkühlung (Hypothermie) sein. Um diese Ursachen zu Beginn einer Apone auszuschließen, muss das Neugeborene gründlich untersucht werden, wenn es zu einer plötzlichen oder unerwarteten Häufung der Apnoe-Schübe kommt. Die Ärzte nehmen dafür Proben des Bluts, Urins und der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, um zu analysieren, ob eine schwere Infektion vorliegt oder ob der Blutzuckerspiegel zu gering ist.

Prognose

Mit der Zeit reift das Atemzentrum, die Apnoe-Schübe werden seltener und, wenn das Neugeborene die 37. Woche des Schwangerschaftsalters erreicht hat, treten sie nicht mehr auf. Eine Apnoe kann bei einem Säugling, der sehr viel zu früh entbunden wurde (z. B. zwischen der 23. und 27. Woche) über Wochen hinweg anhalten. Eine Frühgeborenenapnoe führt selten zum Tod.

Eine vorzeitige Entbindung bedeutet zwar ein Risiko für den plötzlichen Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS), aber es wurde kein Zusammenhang zwischen Frühgeborenenapnoe und einem späteren Risiko für SIDS nachgewiesen. Ebenfalls gibt es keinen Nachweis dafür, dass die zu Hause weitergeführte Überwachung mit einem Apnoe-Monitor das Risiko für SIDS beim Frühgeborenen sinken lässt.

Behandlung

  • Sanftes Stupsen oder Berühren

  • Behandlung der Krankheitsursache

  • Wachmacher (Koffein)

  • Maßnahmen zur Unterstützung der Atmung

Wenn eine Apnoe auftritt, ob durch Beobachtung oder durch den Alarm eines Überwachungsmonitors erkannt, reicht es meistens aus, das Neugeborene sanft zu berühren oder anzustoßen, um die Atmung zu stimulieren.

Die weitere Behandlung der Apnoe richtet sich nach der Ursache. Ärzte behandeln die bekannten Ursachen, z. B. Infektionen.

Wenn die Apnoe-Schübe häufiger auftreten, und besonders, wenn die Neugeborenen blau anlaufen (Zyanose), bleiben sie weiterhin auf der Neugeborenen-Intensivstation (NICU). Sie können mit einem Medikament behandelt werden, welches das Atemzentrum stimuliert, z. B. mit Koffein. Wenn diese Behandlung häufigen oder schweren Apnoe-Schüben nicht vorbeugt, müssen die Neugeborenen eventuell mit einer kontinuierlichen Überdruckbeatmung (Continuous positive airway pressure, CPAP) behandelt werden. Dieses Verfahren ermöglicht den Neugeborenen selbstständig zu atmen, während Sauerstoff mit geringem Druck über einen Nasentubus zugeführt wird, der an den Nasenflügeln befestigt wird. Neugeborene mit Apnoe-Schüben, die schwer in den Griff zu bekommen sind, müssen eventuell mit einem Beatmungsgerät (einer Maschine, die hilft, Luft in und aus den Lungen zu transportieren) behandelt werden, damit sie atmen können.

Heimpflege

Neugeborene sollten zum Schlafen immer auf den Rücken gelegt werden. Sichere Schlafpraktiken sollten für alle Säuglinge angewandt werden, gleich, ob sie zu früh geboren wurden oder nicht.

Weil alle Frühchen, besonders solche mit einer Frühgeborenen-Apnoe, ein Risiko für Atemaussetzer, niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut und eine langsame Herzfrequenz tragen, wenn sie in einem Autositz platziert werden, sollte mit ihnen ein Autositz-Test durchgeführt werden, bevor sie aus dem Krankenhaus entlassen werden. Bei diesem Test wird überprüft, ob das Neugeborene in einer halb liegenden Position in einem Kinder-Autositz sicher nach Hause gefahren werden kann.

Die meisten Neugeborenen können ohne Monitor aus dem Krankenhaus entlassen werden. Einige wiederum erhalten einen Apnoe-Monitor für zu Hause und bei Bedarf auch Koffein. Die Eltern sollten lernen, wie sie den Monitor und andere Geräte richtig bedienen, und was zu tun ist, wenn der Alarm ertönt, wie man bei Bedarf eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (Cardiopulmonary Resuscitation, CPR) durchführt, und wie man sämtliche Ereignisse aufzeichnet. Die meisten Monitore speichern auftretende Ereignisse automatisch. Die Eltern sollten einen Arzt fragen, wann der Monitor abgesetzt werden kann.

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