Überblick über Diabetes mellitus bei Kindern und Jugendlichen

VonNeha Suresh Patel, DO, University of Pennsylvania School of Medicine
Überprüft vonMichael SD Agus, MD, Harvard Medical School
Überprüft/überarbeitet Geändert Jan. 2026
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Kurzinformationen

Bei der Krankheit Diabetes mellitus ist der Blutzuckerspiegel (Glukose) ungewöhnlich hoch, da der Körper nicht genügend Insulin produziert oder auf das gebildete Insulin nicht richtig anspricht.

  • Diabetes beschreibt eine Gruppe von Erkrankungen mit einem hohen Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) aufgrund einer verminderten Insulinproduktion, einer verminderten Wirkung des Insulins oder beidem.

  • Häufige Symptome bei der Diagnosestellung sind übermäßiger Durst, vermehrte Harnproduktion und Gewichtsverlust.

  • Die Diagnose basiert auf den Symptomen sowie auf den Ergebnissen von Urin- und Bluttests.

  • Die Behandlung hängt vom Diabetestyp ab, umfasst jedoch Injektionen mit Insulin oder oral einzunehmende Medikamente, eine Ernährungsumstellung, sportliche Betätigung und Gewichtsabnahme (bei Übergewicht).

Symptome, Diagnose und Behandlung von Diabetes bei Kindern und Erwachsenen sind weitgehend gleich. Bei Kindern kann es jedoch schwieriger sein, den Diabetes in den Griff zu bekommen. Die Behandlung muss der physischen und emotionalen Reife des Kindes sowie den konstanten Änderungen bei der Ernährung, den körperlichen Aktivitäten und Stress angepasst werden.

Blutzucker (Glukose)

Diabetes ist eine Erkrankung, bei der die Menge eines Typs Zucker, der Glukose, im Blut beeinflusst wird.

Es gibt viele Arten von Zucker, und einige Arten sind eine Kombination aus 2 Einfachzuckern. Der weiße, granulierte Haushaltszucker, der in der Küche verwendet oder in den Kaffee oder Tee gegeben wird, ist Rohr- oder Rübenzucker (Saccharose). Saccharose ist in Zuckerrohr und Zuckerrüben vorzufinden. Saccharose besteht aus 2 verschiedenen Einfachzuckern: Glukose und Fruktose. Laktose, eine andere Form von Zucker, ist in Milch enthalten. Laktose besteht aus den Einfachzuckern Glukose und Galaktose.

Saccharose und Laktose müssen vom Darm in ihre Einfachzucker aufgespalten werden, bevor sie vom Körper aufgenommen werden können. Glukose ist der wichtigste Einfachzucker, aus dem der Körper Energie gewinnt. Aufgrund dessen werden während und nach der Aufnahme die meisten Zucker in Glukose umgewandelt. Wenn Ärzte daher über Blutzucker sprechen, beziehen sie sich auf Blutglukose.

Der Blutzuckerspiegel verändert sich normalerweise im Verlauf des Tages. Sie steigen nach einer Mahlzeit an und kehren innerhalb von 2 Stunden nach dem Essen wieder auf den Wert vor der Mahlzeit zurück. Der Blutzuckerspiegel bewegt sich normalerweise in einem engen Bereich, bei Gesunden etwa zwischen 70 und 110 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) bzw. 3,9 bis 6,1 Millimol pro Liter (mmol/l) Blut. Nach dem Verzehr großer Mengen an Kohlenhydraten können die Spiegel mehr ansteigen.

Insulin

Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Insulin kontrolliert die Glukosemenge im Blut und ermöglicht es der Glukose, vom Blut in die Zellen einzudringen. Nach einer Mahlzeit wird mehr Insulin freigesetzt, wenn der Glukosespiegel ansteigt, und weniger Insulin, sobald die Glukose wieder auf die Werte vor der Mahlzeit fällt. Ohne die richtige Menge Insulin gelangt die Glukose nicht in die Zellen, sondern reichert sich im Blut an. Wenn der Glukosespiegel im Blut steigt, ist die Glukose auch im Urin nachweisbar. Dadurch wird mehr Wasser im Urin aufgenommen und die Betroffenen müssen häufiger urinieren (Polyurie), werden dadurch durstiger und trinken mehr (Polydipsie). Ohne Insulin kann es zu Problemen mit Elektrolyten und zu Dehydratation im Körper kommen. Wenn kein Insulin vorhanden ist, kann Glukose nicht als primäre Energiequelle dienen, was zum Abbau von Fetten und Proteinen führt.

Typen von Diabetes mellitus (DM) bei Kindern und Jugendlichen

Die Diabetes-Typen bei Kindern sind ähnlich wie bei Erwachsenen. Diese Typen sind:

  • Prädiabetes

  • Typ-1-Diabetes

  • Typ-2-Diabetes

Prädiabetes

Prädiabetes ist ein Zustand, bei dem die Blutglukosespiegel zu hoch sind, um als normal angesehen zu werden, aber nicht hoch genug, um als Diabetes erachtet zu werden. Unter Kindern kommt Prädiabetes bei Jugendlichen mit Adipositas häufiger vor. Bei manchen Jugendlichen ist er nur vorübergehend, der Rest entwickelt jedoch Diabetes, insbesondere wenn die Jugendlichen weiterhin zunehmen.

Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse wenig oder kein Insulin bildet. Typ 1 ist der häufigste Typ bei Kindern und ist für etwa zwei Drittel aller Diabetes-Fälle verantwortlich. Er ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in der Kindheit. Bis zum Alter von 19 Jahren entwickelt eines von 450 Kindern Typ-1-Diabetes.

Typ-2-Diabetes

Typ-2-Diabetes entsteht, wenn die Körperzellen nicht angemessen auf das Insulin ansprechen (als Insulinresistenz bezeichnet). Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes kann die Bauchspeicheldrüse hier zwar noch Insulin bilden, jedoch nicht genug, um die Insulinresistenz zu überwinden. Dies wird häufig als relativerInsulinmangel bezeichnet, im Gegensatz zum absoluten Insulinmangel beim Typ-1-Diabetes.

Wussten Sie ...

  • Typ-2-Diabetes tritt häufig bei Menschen mit Adipositas auf.

Monogene Formen von Diabetes

Monogene Formen von Diabetes werden durch genetische Defekte verursacht, die die Funktion von Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, die Wirkung von Insulin oder die Teile der Zellen, die Energie produzieren, beeinträchtigen. Monogene Formen von Diabetes gelten nicht als Typ 1 oder Typ 2 und sind selten. Monogene Formen von Diabetes werden nicht durch eine Autoimmunreaktion oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse verursacht.

Symptome von Diabetes mellitus (DM) bei Kindern und Jugendlichen

Ein hoher Glukosespiegel im Blut kann eine Vielzahl von unmittelbaren Symptomen und Langzeitkomplikationen verursachen. Bei vielen Kindern sind die Symptome übermäßiger Durst und übermäßiges Wasserlassen oder vage Symptome wie Müdigkeit. Andere Kinder haben anfänglich oft keine Symptome. Manchmal ist das erste Symptom von Diabetes eine ernste Komplikation, wie eine diabetische Ketoazidose oder ein hyperosmolarer hyperglykämischer Zustand.

Diagnose von Diabetes mellitus bei Kindern und Jugendlichen

  • Blutglukosetests

  • Hämoglobin-A1c(HbA1C)-Test

  • Manchmal oraler Glukosetoleranztest

  • Bestimmung des Diabetes-Typs (Typ 1, Typ 2 oder anderer)

  • Manchmal Antikörpertests

Die Diagnose des Diabetes erfolgt in 2 Schritten. Zunächst wird der Diabetes diagnostiziert. Anschließend wird die Art bestimmt. Treten bei Kindern Komplikationen auf, werden weitere Tests durchgeführt.

Screening auf Diabetes bei Kindern

Kinder, die Geschwister oder Eltern mit Typ-1-Diabetes haben, können auf diese Erkrankung kontrolliert werden.

Kinder mit Übergewicht und mindestens einem zusätzlichen Risikofaktor (Typ-2-Diabetes in der Familiengeschichte oder Mutter mit Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck, auffälligem Cholesterinspiegel, polyzystischem Eierstocksyndrom oder Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht) werden ab einem Alter von 10 Jahren auf Typ-2-Diabetes untersucht.

Diagnose von Diabetes bei Kindern

Ärzte vermuten Diabetes, wenn Kinder typische Symptome aufweisen oder wenn ein Screening-Test auf Diabetes hindeutet. Zur Bestätigung der Diagnose wird die Konzentration des Blutzuckers (Blutglukose) bestimmt.

Der Blutglukosespiegel kann morgens vor dem Essen (Nüchternblutglukose) oder unabhängig von der Nahrungsaufnahme (Gelegenheitsglukose bzw. Nicht-Nüchternglukose) gemessen werden. Kinder werden als Diabetespatienten eingestuft, wenn sie Symptome und einen Nüchternglukosespiegel von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher aufweisen. Wenn der zufällige Glukosespiegel 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher beträgt, insbesondere, wenn die Kinder Symptome von Über- oder Unterzuckerung zeigen, haben sie wahrscheinlich Diabetes. Zur Bestätigung sollte aber auch noch ihr Nüchternglukosespiegel getestet werden.

Ärzte messen auch den Spiegel eines Proteins im Blut, den Wert von Hämoglobin A1C (HbA1C). Hämoglobin ist die rote, Sauerstoff transportierende Substanz in den roten Blutkörperchen. Wenn Blut über einen gewissen Zeitraum hohen Blutglukosespiegeln ausgesetzt wird, lagert sich Glukose an Hämoglobin an und bildet HbA1C. Da die Bildung und der Abbau von HbA1C relativ lange dauern, verändert sich dessen Spiegel nur über einen Zeitraum von Wochen bis Monaten (nicht innerhalb von Minuten, wie es beim Glukosespiegel der Fall ist). Die HbA1C-Werte zeigen daher den Blutglukosespiegel über einen Zeitraum von 2 bis 3 Monaten. Bei Kindern mit einem HbA1C-Wert ab 6,5 Prozent geht man von einer Diabeteserkrankung aus. Die HbA1C-Werte sind bei der Diagnose des Typ-2-Diabetes bei Kindern hilfreich, die keine typischen Symptome aufweisen.

Wenn keine Symptome bestehen oder wenn die Symptome nur leicht oder untypisch sind, kann auch ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden. Für diesen Test bleiben die Kinder nüchtern, dann wird eine Blutprobe entnommen, um den Nüchternglukosewert zu bestimmen. Anschließend wird eine Lösung mit einer großen Glukosemenge getrunken. 2 Stunden später wird der Blutglukosespiegel gemessen. Bei einem Wert ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) gelten Kinder als an Diabetes erkrankt. Dieser Test ist ähnlich dem auf Schwangerschaftsdiabetes.

Laboruntersuchung

Bestimmung des Diabetes-Typs und -Stadiums

Um Typ-1-Diabetes vom Typ 2 zu unterscheiden, werden Bluttests durchgeführt, um Antikörper gegen verschiedene Eiweiße zu bestimmen, die von Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden. Antikörper sind wichtig, um fremde Substanzen wie Keime abzuwehren, aber manchmal greifen Antikörper normale Zellen an. Im Fall von Diabetes sind Zellen, die Insulin produzieren, und andere mit Insulin verwandte Chemikalien Beispiele für normale Zellen, die angegriffen werden können. Diese Antikörper sind bei Typ-1-Diabetes häufig, bei Typ-2-Diabetes selten vorhanden. Typ-1-Diabetes ist ein Beispiel für eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die normalen Zellen angreifen.

Typ-1-Diabetes schreitet in Stadien voran. Nachdem Typ-1-Diabetes diagnostiziert wurde, bestimmt der Arzt das Stadium anhand des Blutzuckerspiegels, der Symptome und des Vorhandenseins von Antikörpern.

Tests nach der Diagnose

Kinder, bei denen Diabetes diagnostiziert wird, benötigen auch Tests, um nach anderen Problemen zu suchen, die häufig bei Diabetikern auftreten.

Behandlung von Diabetes mellitus (DM) bei Kindern und Jugendlichen

  • Diabetesaufklärung

  • Ernährung und körperliche Aktivität

  • Bei Typ-1-Diabetes Insulin spritzen

  • Bei Typ-2-Diabetes Metformin und manchmal Insulin oder andere Medikamente

Das Hauptziel einer Diabetes-Behandlung ist, den Blutglukosespiegel so weit, wie es auf unbedenkliche Weise möglich ist, im normalen Bereich zu halten. Wenn der Blutglukosespiegel sehr streng im Normbereich gehalten wird, erhöht sich das Risiko, dass die Blutglukosewerte manchmal zu niedrig werden. Ein niedriger Blutglukosewert wird als Hypoglykämie bezeichnet und kann gefährlich sein.

Obwohl technologische Fortschritte in der Diabetes-Behandlung die Versorgungsqualität und Kontrolle des Blutzuckerspiegels verbessert haben, profitieren nicht alle Menschen davon. In den USA haben Kinder, die weiß oder nicht hispanisch sind, eine niedrigere Komplikationsrate und schlechte Ergebnisse. Ethnische Zugehörigkeit, sozioökonomischer Status, Nachbarschaft und physische Umgebung, Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln und Gesundheitsleistungen sind Beispiele für weitere Faktoren, die dazu beitragen, dass ein Kind mit Diabetes seinen Blutzucker erfolgreich kontrollieren kann.

Kinder mit Diabetes sollten einen medizinischen Ausweis (z. B. ein Armband oder einen Anhänger) tragen, der die behandelnden Notarztkräfte über den Diabetes informiert. Diese Informationen ermöglichen es medizinischen Fachkräften, schnell eine lebensrettende Behandlung zu beginnen, insbesondere bei Verletzungen oder Veränderungen des Geisteszustands.

Diabetesaufklärung

Kinder mit Diabetes und ihre Betreuer nehmen häufig an intensiven Diabetes-Schulungsprogrammen teil. Diese Programme werden empfohlen, um Kindern und ihren Familien zu helfen, mit der Krankheit umzugehen und die Behandlungsziele zu erreichen. Die Programme decken alle Aspekte des Umgangs mit Diabetes und des Lebens mit Diabetes ab.

Ernährung und Bewegung

Kinder mit Diabetes sollten unabhängig vom Diabetes-Typ Folgendes tun:

  • Regelmäßig nahrhafte Mahlzeiten und Snacks essen

  • Raffinierte Kohlenhydrate und gesättigte Fette einschränken

  • Sich regelmäßig bewegen

  • Bei Übergewicht auf ein gesundes Gewicht hinarbeiten

Eine allgemeine Ernährungskontrolle und Aufklärung sind für alle Kinder mit Diabetes von besonderer Bedeutung. Ernährungsempfehlungen für Kinder mit Diabetes basieren auf den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung für alle Kinder. Ihr Ziel ist es, ein ideales Körpergewicht und optimales Wachstum zu erreichen und die kurz- und langfristigen Komplikationen von Diabetes zu vermeiden. Eine Ernährungstherapie, einschließlich der Dienste eines Ernährungsberaters, wenn möglich, ist hilfreich.

Alle Kinder sollten regelmäßig essen und keine Mahlzeiten auslassen. Wichtig ist ein individueller Ernährungsplan, der die bevorzugten Nahrungsmittel und das Aktivitätsniveau des Kindes berücksichtigt. Auch wenn die meisten Ernährungspläne eine gewisse Flexibilität bezüglich der Kohlenhydrataufnahme und der Zeiten erlauben, ist die Einnahme von Mahlzeiten und geplanten Zwischenmahlzeiten jeden Tag zu etwa der gleichen Zeit und mit etwa der gleichen Kohlenhydratmenge wichtig für eine optimale Glukosekontrolle. Da der Körper Kohlenhydrate im Essen in Glukose umwandelt, hängt der Blutglukosespiegel mit der Aufnahme von Kohlenhydraten zusammen.

Obwohl für Kinder mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes dieselben allgemeinen Richtlinien für gesunde Ernährung gelten, konzentrieren sich Menschen mit Typ-1-Diabetes möglicherweise mehr auf das Zählen von Kohlenhydraten und eine konsequente Ernährung, während sich Menschen mit Typ-2-Diabetes häufig auf Gewichtsverlust konzentrieren.

Medikamente

Die wichtigste medikamentöse Behandlung von Typ-1-Diabetes ist Insulin.

Neben Insulin werden bei Kindern mit Typ-2-Diabetes häufig sowohl orale als auch injizierbare Antidiabetika (Medikamente, die einen zu hohen Blutzuckerspiegel oder zu niedrigen Blutzuckerspiegel verhindern) eingesetzt. Kinder mit Erkrankungen, die ihr Risiko für eine Herzerkrankung erhöhen, können auch andere Medikamente wie ACE-Hemmer (Hemmer des Angiotensin-konvertierenden Enzyms) oder Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker einnehmen.

Überwachung des Blutglukosespiegels

Die Häufigkeit der Überwachung hängt vom Diabetes-Typ ab.

Zu den Überwachungsoptionen gehören periodische Selbstüberwachung, Blutzuckertests am Finger oder Systeme zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung, die ständig getragen werden.

Bei Kindern mit Typ-1-Diabetes muss mehrmals täglich der Blutglukosespiegel mit Selbstüberwachungsmethoden gemessen werden. Dazu wird der Glukosespiegel vor jeder Mahlzeit, vor einem Betthupferl, wenn das Kind krank ist, und, wenn das Kind Symptome von niedrigem Blutzucker (Hypoglykämie) oder hohem Blutzucker (Hyperglykämie) zeigt, gemessen. Während die Glukoseüberwachung etabliert wird, kann es notwendig sein, den Blutzuckerspiegel 6- bis 10-mal täglich zu kontrollieren. Zur Überwachung der Blutglukose wird am häufigsten ein Blutglukosetest am Finger verwendet. Für die meisten Blutglukoseüberwachungsgeräte (Glukometer) wird ein Blutstropfen gewonnen, indem die Fingerkuppe mit einer kleinen Lanzette eingestochen wird. Die Lanzette trägt eine winzige Nadel, die in den Finger gestochen werden kann oder in ein Gerät mit Federmechanismus platziert wird, und dringt leicht und schnell durch die Haut. Der Tropfen wird auf einen Teststreifen gegeben, der dann maschinell mittels Glukometer ausgewertet wird. Ein Gerät zeigt das Ergebnis digital an. Da körperliche Aktivität den Glukosespiegel für bis zu 24 Stunden senken kann, sollte an diesen Tagen die Glukose häufiger gemessen werden. Manchmal muss der Spiegel auch nachts gemessen werden.

Bei Typ-2-Diabetes sollte der Blutglukosespiegel zwar ebenfalls regelmäßig mit Selbstüberwachungsmethoden gemessen werden, jedoch nicht so häufig wie bei Typ-1-Diabetes. Mehrere Faktoren bestimmen die Häufigkeit der Selbstüberwachung, unter anderem der Glukosespiegel des Kindes zwischen den Mahlzeiten und nach dem Essen. Kinder, die Probleme mit der Kontrolle ihrer Glukosewerte haben, die krank sind oder spürbare Symptome einer Hypoglykämie oder Hyperglykämie haben, sollten mindestens 3 Mal täglich überwacht werden. Sobald der Glukosespiegel eingestellt ist, werden die Tests zuhause wöchentlich auf ein paar Blutglukosemessungen zwischen den Mahlzeiten und nach dem Essen beschränkt.

Sobald Eltern und Kinder den Umgang gelernt haben, können sie die Insulindosis bei Bedarf anpassen, um den Blutzuckerspiegel besser unter Kontrolle zu halten. Es hängt von der Entwicklungsreife und den Fähigkeiten des Kindes ab, wann es beginnt, seine Glukoseüberwachung selbst durchzuführen und sich eigenständig Medikamente zu verabreichen. Zunächst wird das Kind dabei beaufsichtigt, und später übernimmt es sein Diabetesmanagement selbstständig. Ärzte, Diabetespädagogen und der Rest des Versorgungsteams arbeiten mit dem Kind und seiner Familie zusammen, um seine Unabhängigkeit auf sichere und verantwortungsvolle Weise zu fördern.

Eltern sollten in einem Tagebuch, einer App, einer Tabelle, mit intelligenten Messgerät oder einem cloudbasierten Programm täglich detailliert Daten zu allen Faktoren festhalten, die sich auf die Kontrolle der Blutglukosewerte auswirken können, einschließlich Blutglukosespiegel, Zeitpunkt und Höhe der Insulin-Dosis, Kohlenhydrataufnahme, körperliche Aktivität und alle anderen relevanten Faktoren (z. B. Krankheit, Imbiss spät am Abend oder eine vergessene Dosis Insulin).

Unabhängig vom Typ des Diabetes besuchen die betroffenen Kinder ihren Arzt gewöhnlich mehrere Male im Jahr. Der Arzt bewertet Wachstum und Entwicklung, prüft die von den Eltern notierten oder in einem Überwachungsgerät aufgezeichneten Blutglukosewerte, gibt Ratschläge zur Ernährung und misst das glykosylierte Hämoglobin (Hämoglobin A1C). Normalerweise sucht der Arzt nach langfristigen Komplikationen von Diabetes, indem er Eiweiß im Urin misst, Tests zur Bestimmung der Schilddrüsenfunktion durchführt (Schilddrüsenfunktionstests), nach Nervenschädigungen sucht und Augenuntersuchungen durchführt. Screening-Tests können einmal im Jahr oder in anderen zeitlichen Abständen durchgeführt werden.

Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (Continuous Glucose Monitoring, CGM) sind eine häufige Methode zur Überwachung des Blutglukosespiegels und können bei manchen Kindern die routinemäßige Selbstüberwachung des Blutzuckerspiegels ersetzen. Bei CGM-Systemen misst ein kleiner Glukosesensor, der unter der Haut platziert wird, die Blutzuckerspiegel alle 1 bis 5 Minuten, 24 Stunden am Tag. Der Sensor überträgt Echtzeitmessungen des Blutglukosespiegels kabellos an ein Gerät, das Teil einer Insulinpumpe sein kann, auf einen kabellosen Bildschirm, der am Gürtel getragen werden kann, oder auf ein Smartphone oder eine Smartwatch-App. Die Systeme zeichnen die Ergebnisse auch zur Kontrolle für den Arzt auf. Die Alarme in den CGM-Geräten können als Akustiksignale eingestellt werden, die ertönen, wenn der Blutglukosespiegel zu stark abfällt oder zu hoch ansteigt. Die Geräte können den Betroffenen mit Typ-1-Diabetes also dabei helfen, bedrohliche Veränderungen im Blutglukosespiegel schnell zu erkennen. Durch Verwendung von CGM-Geräten kann der HbA1C-Spiegel gesenkt werden.

Derzeit sind zwei Arten von CGM-Systemen verfügbar: CGM mit Echtzeitanzeige und CGM mit nachfrageorientierter (intermittierender) Anzeige.

Ein Echtzeit-CGM kann bei Kindern ab 2 Jahren angewendet werden. Diese Art von System überträgt automatisch einen kontinuierlichen Strom von Glukosedaten in Echtzeit an den Anwender, gibt Warnmeldungen und aktive Alarme aus und überträgt Glukosedaten auch an einen Empfänger, eine Smartwatch oder ein Smartphone. Ein Echtzeit-CGM sollte so möglichst täglich durchgeführt werden, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen.

Ein intermittierender CGM kann bei Kindern ab 4 Jahren verwendet werden. Diese Art von System liefert die gleiche Art von Glukosedaten wie der Echtzeit-CGM, aber der Benutzer muss die Daten selbst vom Sensor abrufen, um Informationen zu erhalten. Viele intermittierende CGM-Systeme können optionale Benachrichtigungen und Alarme ausgeben. Eine Abfrage des intermittierenden CGM sollte regelmäßig, mindestens alle 8 Stunden, erfolgen.

Kinder, die ein CGM-Gerät jeglichen Typs verwenden, müssen in der Lage sein, den Blutzucker mit einem Fingerstich zu messen, um ihren Monitor zu kalibrieren und die Glukosewerte zu überprüfen, wenn sie nicht mit ihren Symptomen übereinstimmen.

Auch wenn die CGM-Geräte mit jedem Insulinschema verwendet werden können, kommen sie typischerweise bei Insulinpumpen zum Einsatz. Wird die Kombination in Verbindung mit einer Insulinpumpe verwendet, wird sie als sensorunterstützte Pumpentherapie bezeichnet.

Andere CGM-Systeme sind in eine Pumpe integriert und können auch die Insulindosis senken, wenn der Blutzucker zu stark abfällt. Diese integrierte Lösung kann die Anzahl der Episoden verringern, in denen der Blutzuckerspiegel zu stark absinkt, selbst im Vergleich zur sensorunterstützten Pumpentherapie.

Bei Kindern ab 2 Jahren können Insulinpumpen mit geschlossenem Regelkreis (Closed-loop-Insulinpumpensysteme) eingesetzt werden. Sie geben automatisch die richtige Menge an Insulin ab, die mithilfe von intelligenten Computer-Algorithmen bestimmt wird, die auf einem Smartphone oder einem ähnlichen Gerät ausgeführt werden. Sie haben einen CGM-Sensor, der an eine Insulinpumpe angeschlossen ist, um die Blutglukosekonzentration zu messen und die Abgabe von Insulin zu kontrollieren. Closed-Loop-Systeme sind nicht vollständig automatisiert, da die Benutzer sie manuell für die Abgabe von Insulin zu Mahlzeiten und Snacks bedienen und Anpassungen in Bezug auf ihre körperlichen Aktivitäten vornehmen müssen. Diese Systeme ermöglichen eine engmaschigere Insulindosierungskontrolle und minimieren Fälle, in denen die Insulinwerte im Blut zu hoch oder zu niedrig sind. Ein vollautomatisiertes Closed-Loop-System, manchmal auch als künstliche Bauchspeicheldrüse bezeichnet, ist noch nicht im Handel erhältlich.

Wussten Sie ...

  • Kinder mit Typ-1-Diabetes müssen sich immer Insulin spritzen, egal, ob sie abnehmen oder ihren Ernährungsplan umstellen.

Jugendliche mit Diabetes

Manche Kinder kommen mit ihrem Diabetes und dessen Kontrolle sehr gut und ohne Konflikte zurecht. Bei anderen verursacht Diabetes großen Stress in der Familie, unter dem dann auch die Diabetesbehandlung leidet. Jugendlichen kann es aus den folgenden Gründen besonders schwer fallen, ihren Blutglukosespiegel zu kontrollieren:

  • Hormonelle Veränderungen während der Pubertät: Diese Veränderungen wirken sich darauf aus, wie der Körper auf Insulin reagiert. Aufgrund dessen sind während dieser Zeit gewöhnlich höhere Dosen erforderlich.

  • Lebensstil und Herausforderungen bei Jugendlichen: Gruppenzwang, vermehrte Aktivitäten, unregelmäßige Tagesabläufe, die Sorge um das Aussehen oder Essstörungen können den vorgeschriebenen Behandlungsplan beeinträchtigen, vor allem den Ernährungsplan und die glykämische Kontrolle

  • Das Probieren von Alkohol, Zigaretten und illegalen Drogen: Jugendliche, die diese Substanzen probieren, vernachlässigen womöglich ihre Behandlung, was zu einem erhöhten Risiko von Komplikationen im Zusammenhang mit Diabetes (wie Hypoglykämie und DKA) führen kann.

  • Konflikte mit den Eltern und mit anderen Autoritätspersonen: Bei solchen Konflikten sind Jugendliche weniger bereit, ihren Behandlungsplan zu befolgen.

Daher ist es wichtig, dass Eltern oder andere Erwachsene Schwierigkeiten dieser Art erkennen und dem Jugendlichen die Möglichkeit bieten, Probleme mit einer medizinischen Fachkraft zu besprechen. Eine medizinische Fachkraft hilft den Jugendlichen, darauf zu achten, ihren Blutglukosespiegel unter Kontrolle zu halten. Die Eltern und medizinischen Fachkräfte sollten mit den Jugendlichen zusammenarbeiten, um ihnen bei der Überwachung und Behandlung ihres Blutzuckers zu helfen.

Jugendliche profitieren davon, wenn der Arzt und die Familienangehörigen ihren gewünschten Zeitplan, ihre Aktivitäten und Essensvorlieben berücksichtigen und bei der Lösung von Problemen flexibel sind, d. h., mit den Jugendlichen zusammenarbeiten, statt ihnen Lösungen aufzudrängen.

Betreuung

Psychische Gesundheitsprobleme belasten Kinder mit Diabetes und ihre Familien. Das Bewusstsein, eine lebenslange Erkrankung zu haben, kann Kinder traurig oder wütend machen und manchmal sogar dazu führen, dass sie ihre Krankheit verleugnen. Die Eltern können einen Arzt, Psychologen oder Berater suchen, der diese Gefühle angehen und dem Kind dabei helfen kann, den erforderlichen Plan für Mahlzeiten, körperliche Aktivität, Blutglukosetests und Medikamente einzuhalten. Unbehandelte psychische Gesundheitsprobleme können zu Schwierigkeiten bei der Kontrolle des Blutglukosespiegels führen.

In Ferienlagern für Kinder mit Diabetes lernen sie, mehr Verantwortung für sich und ihren Körper zu übernehmen, während sie sich körperlich betätigen. Gleichzeitig können sie ihre Erfahrungen mit anderen teilen und sich austauschen.

Bei der Behandlung von Diabetes bezieht der Hausarzt des Kindes weitere Fachleute, wie pädiatrische Endokrinologen, Ernährungsberater, Diabetestrainer, Sozialarbeiter und Psychologen, in die Behandlung ein. Auch Familienunterstützungsgruppen können helfen. Der Arzt kann die Eltern mit Informationsschriften und Merkblättern für die Schule versorgen, um auch die Lehrkräfte über den richtigen Umgang mit Diabetes aufzuklären.

Weitere Informationen

Die folgenden Quellen in englischer Sprache können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt der Quellen verantwortlich ist.

  1. American Diabetes Association: Umfassende Informationen zu Diabetes, einschließlich Ressourcen zur Behandlung von Diabetes

  2. Breakthrough TD1 (ehemals bekannt als JDRF – Juvenile Diabetes Research Foundation) Allgemeine Informationen zu Typ-1-Diabetes

  3. International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes: Resources for people with diabetes

  4. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Allgemeine Informationen zu Diabetes, einschließlich der neuesten Forschung und der ambulanten Programme in der Gemeinde

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