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Okkulte Bakteriämie

Von

Geoffrey A. Weinberg

, MD, Golisano Children’s Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2020| Inhalt zuletzt geändert Mai 2020
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Kurzinformationen

Bei der okkulten (versteckten) Bakteriämie sind Bakterien im Blut des Kindes, obwohl sonst nirgendwo im Körper eine Infektion vorzuliegen scheint und das Kind abgesehen vom Fieber gesund wirkt.

  • Bei der überwiegenden Zahl der Kinder wird die okkulte Bakteriämie durch Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae verursacht.

  • Die Kinder haben gewöhnlich keine Symptome, außer Fieber.

  • Die Diagnose hängt von den Bluttests ab.

  • Die standardmäßigen Kinderimpfungen können eine Infektion durch Streptococcus pneumoniae verhindern.

  • Die Infektion wird mit Antibiotika bekämpft.

(Siehe auch Bakteriämie bei Erwachsenen.)

Kinder unter 3 Jahren bekommen häufig Fieber. Meist entwickeln sie darüber hinaus weitere Symptome, wie Husten oder Schnupfen, die dem Arzt den Weg zur Ursache des Fiebers weisen. Manchmal weisen die Kinder jedoch außer Fieber keine weiteren Symptome auf. Das heißt sie haben Fieber, ohne dass dessen Ursprung oder Ursache ersichtlich ist. Bei manchen betroffenen Kindern ist eine Virusinfektion Ursache des Fiebers, die ohne Behandlung wieder abklingt. Bei anderen liegt eine Harnwegsinfektion vor. Bei manchen Kindern, die Fieber ohne offensichtlichen Auslöser haben, sind im Blut zirkulierende Bakterien die Ursache (Bakteriämie). Bakterien im Blut sind bei älteren Kindern und Erwachsenen, die sonst keine anderen Symptome haben, beinahe nie die Ursache für Fieber.

Früher wurden Kinder zwischen 3 und 36 Monaten mit einer Temperatur ab 39° C und ohne weitere Symptome auf okkulte Bakteriämie untersucht. Meist wurde die okkulte Bakteriämie durch Streptococcus pneumoniae verursacht. Bei einem geringeren Anteil waren Haemophilus influenzae Typ B und in noch selteneren Fällen Neisseria meningitidis die Ursache. Bei Säuglingen und kleinen Kindern konnten diese Bakterien im Blut verschiedene Organe angreifen, was zu schweren Erkrankungen wie Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Sepsis führte. Da dies bei etwa 5 bis 10 Prozent der Kinder mit okkulter Bakteriämie der Fall war, wurden Bluttests und Blutkulturen (das Züchten von Bakterien im Labor) angeordnet, um die Bakterien nachweisen zu können, bevor diese Probleme entstanden. Eine erhöhte Zahl der weißen Blutkörperchen deutet auf ein erhöhtes Risiko einer bakteriellen Infektion hin. In diesem Fall gaben Ärzte den Kindern manchmal bereits Antibiotika, bevor die Auswertung der Blutkulturen vorlag.

Heutzutage sind aufgrund der Routineimpfungen von Säuglingen mit den Konjugatimpfstoffen Haemophilus influenzae, Typ B und Streptococcus pneumoniae okkulte Bakteriämien mit diesen Bakterien bei geimpften Kindern beinahe ausgerottet. Impfstoffe gegen Neisseria meningitidis werden bestimmten Kindern bis zu einem Alter von 36 Monaten verabreicht, die ein erhöhtes Risiko für eine Infektion tragen. Kinder, die die empfohlenen Impfungen erhalten haben, entwickeln eher selten okkulte Bakteriämien. Okkulte Bakteriämien können allerdings noch bei Kindern vorkommen, die keine Impfung oder zu wenige Impfungen erhalten haben, sowie bei Kindern mit einem gestörten Immunsystem.

Wussten Sie ...

  • Kinder, die die empfohlenen Impfungen erhalten haben, entwickeln eher selten okkulte Bakteriämien.

Symptome

Das Hauptsymptom der okkulten Bakteriämie ist

  • Fieber über 39° C

Bei Kindern, die andere Symptome aufweisen, wie Husten, Kurzatmigkeit, wenig oder kein Interesse (Teilnahmslosigkeit) oder eine rötliche oder bläuliche Verfärbung der Haut, wird keine okkulte Bakteriämie diagnostiziert. Stattdessen liegt höchstwahrscheinlich eine spezifische bakterielle Infektion vor.

Diagnose

  • Blutkultur

  • Urinkultur und Urinanalyse

  • Manchmal weitere Blut- und Stuhluntersuchungen und eine Spinalpunktion

Da nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann, welche Kinder mit Fieber eine okkulte Bakteriämie haben, müssen die Ärzte anhand von Blutkulturen alle Bakterien bestimmen. Da zu wenige Bakterien vorliegen oder diese zu klein sind, schicken die Ärzte Blutproben ins Labor. Dort werden die Bakterien untersucht und gezüchtet (Kultur anlegen), um sie bestimmen zu können.

Bei Säuglingen bzw. Kindern jeden Alters, die Fieber haben und sehr krank wirken, werden unabhängig vom Impfstatus Blut, Urin und Rückenmarksflüssigkeit entnommen. Die Rückenmarksflüssigkeit wird bei einer Spinalpunktion (Lumbalpunktion) mithilfe einer kleinen Nadel entnommen. Alle Proben werden zur Untersuchung auf eine bakterielle Infektion an ein Labor geschickt. In den meisten Fällen wird der Säugling bzw. das Kind ins Krankenhaus eingewiesen und erhält Antibiotika. Bei Kindern mit Atembeschwerden wird wahrscheinlich zudem eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs erstellt.

Abhängig vom Alter des Kindes können noch weitere Blut- und Stuhluntersuchungen durchgeführt werden.

Bei manchen Kindern können auch bestimmte Schnelltests auf Viren zum Einsatz kommen. Für diese Untersuchungen wird ein Abstrich aus der Nase oder dem Rachen genommen. Die Ergebnisse sind für gewöhnlich innerhalb weniger Stunden verfügbar.

Säuglinge unter 3 Monaten

Bei Säuglingen unter 3 Monaten mit Fieber lässt sich durch die ärztliche Untersuchung allein nicht immer feststellen, ob eine Bakteriämie vorliegt. Dann werden normalerweise Laboruntersuchungen (großes Blutbild, Urinanalyse und Blutkulturen) angeordnet. Sind die Ergebnisse der Blut- und Urinuntersuchungen unauffällig, lassen manche Ärzte die Säuglinge durch die Eltern oder andere Betreuungspersonen zu Hause beobachten. Sie werden gebeten, die Praxis innerhalb von 24 Stunden für eine erneute Untersuchung und die Überprüfung der Blutkulturen aufzusuchen. Während dieses Zeitraums werden keine Antibiotika verschrieben. Andere Ärzte ziehen es vor, diese Säuglinge stationär aufzunehmen und weitere Tests an Blut, Urin und Rückenmarksflüssigkeit durchzuführen. Das Risiko einer Bakteriämie wird von den meisten Ärzten bei Säuglingen unter 30 Tagen als hoch eingestuft. In dieser Altersgruppe werden die Säuglinge normalerweise ins Krankenhaus eingewiesen und es werden weitere Tests an Blut, Urin und Rückenmarksflüssigkeit vorgenommen.

Säuglinge und Kinder zwischen 3 Monaten und 3 Jahren

Das Risiko einer Bakteriämie ist bei Säuglingen und Kindern dieser Altersgruppe, die Fieber haben, jedoch alle Routineimpfungen erhalten haben und ansonsten einen gesunden Eindruck machen, gering. Daher entscheiden die Ärzte möglicherweise, das Kind nur zu beobachten und keine Bluttests durchzuführen. Typischerweise wird jedoch eine Urinuntersuchung durchgeführt und eine Urinkultur angelegt, um Harnwegsinfektionen als Ursache des Fiebers zu suchen. Die Eltern oder andere Betreuungspersonen werden gebeten, die Symptome des Kindes zu überwachen und nach 24 bis 48 Stunden dem Arzt (persönlich oder telefonisch) Bericht zu erstatten. Verschlechtert sich der Zustand oder klingt das Fieber nicht ab, werden Bluttests sowie möglicherweise eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs oder eine Spinalpunktion durchgeführt.

Behandlung

  • Antibiotika

Manchmal wird Kindern mit Fieber, die sehr krank wirken und ein hohes Risiko einer Bakteriämie aufweisen, noch bevor die Ergebnisse der Kultur vorliegen, ein Antibiotikum gegeben. Meist wird das Antibiotikum gespritzt (wie beispielsweise Ceftriaxon).

Falls der Kulturbefund positiv ist und das Kind nicht sehr krank wirkt, erhält es ein gespritztes Antibiotikum oder muss zu Hause Antibiotika einnehmen. Sind die Befunde der Kultur positiv und weist das Kind Anzeichen einer schweren Erkrankung auf, wird es stationär aufgenommen und erhält Antibiotika über eine Vene.

Alle Kinder, die zuhause überwacht wurden, werden nach 24 bis 48 Stunden erneut untersucht. Bei Kindern mit Fieber oder positiven Blut- oder Urinkulturen, die noch keine Antibiotika erhalten haben, werden weitere Kulturen angelegt und es erfolgt eine Aufnahme ins Krankenhaus. Sie werden dann auf schwere Erkrankungen hin untersucht und erhalten Antibiotika über eine Vene.

Kinder im Alter von 3 Monaten bis 3 Jahren können Medikamente, wie Acetaminophen erhalten, die die Körpertemperatur senken und ihren Zustand verbessern.

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