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Fanconi-Syndrom

Von

L. Aimee Hechanova

, MD, Texas Tech University

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Das Fanconi-Syndrom besteht aus multiplen Defekten in der proximalen renalen Tubulusfunktion und verursacht Glukosurie, Phosphaturie, generalisierter Aminoazidurie und Bicarbonatverlust. Es kann angeboren oder erworben sein. Die Symptome sind bei Kindern Gedeihstörungen, Wachstumsverzögerung und Rachitis, bei Erwachsenen Osteomalazie und Muskelschwäche. Die Diagnose wird durch den Nachweis von Glucosurie, Phosphaturie und Aminoazidurie gestellt. Die Behandlung besteht manchmal in Bicarbonat- und Kaliumersatz, der Beseitigung von angreifenden Nephrotoxinen und Maßnahmen, die einem Nierenversagen vorbeugen sollen.

Ätiologie

Das Fanconi-Syndrom ist entweder

  • erblich, oder

  • erworben

Erblich bedingtes Fanconi-Syndrom

Diese Störung tritt meistens in Begleitung anderer genetischer Störungen auf, insb. der Cystinose. Zystinose ist eine erbliche (autosomal-rezessive) Stoffwechselstörung, bei der sich Zystin in Zellen und Gewebe anreichert (und nicht übermäßig in den Urin ausgeschieden wird wie dies bei Cystinuriie der Fall ist. Neben einer renalen Tubulusdysfunktion, treten auch andere Komplikationen der Zystinose wie Augenerkrankungen, Hepatomegalie, Hypothyreose und andere Erscheinungsformen auf.

Das Fanconi-Syndrom kann auch gemeinsam mit Morbus Wilson, hereditärer Fructoseintoleranz, Galactosämie, okulozerebrorenalem Syndrom (Lowe-Syndrom), mitochondrialen Zythopathien sowie Tyrosinämie auftreten. Die Vererbung variiert bei den verschiedenen Störungen.

Erworbenes Fanconi-Syndrom

Diese Störung kann durch verschiedene Medikamente, einschließlich einigen Chemotherapeutika (z. B. Ifosfamid, Streptozosin), Virustatika (z. B. Didanosin, Cidofir) und abgelaufenem Tetracyclin verursacht werden. Alle diese Medikamente sind nephrotoxisch. Das erworbene Fanconi-Syndrom kann außerdem bei Nierentransplantation und bei Patienten mit multiplem Myelom, Amyloidose und Intoxikationen mit Schwermetallen, anderen chemischen Stoffen oder Vitamin-D-Mangelvorkommen.

Pathophysiologie

Verschiedene Störungen der proximalen Tubulusfunktion treten auf, einschließlich einer Beeinträchtigung der Resorption von Glukose, Phosphat, Aminosäuren, Bicarbonat, Harnsäure, Wasser, Kalium und Natrium. Es besteht eine generalisierte Aminoazidurie, wobei die gesteigerte Zysteinausscheidung hier, im Gegensatz zu der bei Zysteinurie, ohne wesentliche Bedeutung ist. Die pathophysiologische Ursache dieser Störung ist unbekannt, kann aber mitochondrialen Ursprungs sein. Die niedrigen Serumohosphatspiegel verursachen Rachitis, die sich verschlimmert, da die Konversion von Vitamin D in seiner aktiven Form im proximalen Tubulus vermindert ist.

Symptome und Beschwerden

Beim hereditären Fanconi-Syndrom treten die klinischen Hauptmerkmale–proximale tubuläre Azidose, hypophosphatämische Rachitis, Hypokalämie, Polyurie und Polydipsie – normalerweise bereits in der Kindheit auf.

Bei der nephrotischen Form mit Zysteinose sind Wachstumsverzögerungen und Gedeihstörungen die Regel. Die Retina zeigt eine unregelmäßige Depigmentierung. Es bildet sich eine interstitielle Nephritis aus, die zum terminalen Nierenversagen führt, welches noch vor der Adoleszenz zum Tode führen kann.

Beim erworbenen Fanconi-Syndrom haben Erwachsene pathologische Laborbefunde ähnlich einer tubulären Nierenazidose (proximaler Typ 2—siehe Tabelle: Einige Merkmale der verschiedenen Formen von renal tubulärer Azidose*), Hypophosphatämie und Hypokalämie. Ferner können Symptome einer Knochenerkrankung (Osteomalazie) oder Muskelschwäche auftreten.

Diagnose

  • Urinproben auf Glukose, Phosphate und Aminosäuren

Die Diagnose wird aufgrund des Nachweises von Funktionsanomalien der Nieren gestellt, insbesondere durch Nachweis der Glukosurie (bei normaler Serumglukose), Phosphaturie und Aminoazidurie. Bei der Zysteinose zeigen sich, bei Betrachtung der Kornea durch die Spaltlampe, Zysteinkristalle.

Therapie

  • Manchmal Natriumbikarbonat oder Kaliumbikarbonat oder Kaliumcitrat

  • Manchmal Zufuhr von Kalium

Abgesehen von der – sofern machbar – Beseitigung des die Nieren schädigenden Agens gibt es keine spezifische Therapie.

Die Azidose kann durch die Gabe von Tabletten oder flüssigem Natriumbicarbonat oder Kaliumbicarbonat oder Natriumcitrat oder Kaliumcitrat, z. B. Shohl-Lösung (Natriumcitrat und Zitronensäure; 1 ml ist äquivalent zu 1 mmol Bicarbonat) 1 mEq/kg 2- oder 3-mal täglich oder 5–15 ml nach den Mahlzeiten oder vor dem Schlafengehen gebessert werden.

Der Kaliumverlust muss mit kaliumhaltigem Salz ersetzt werden.

Die hypophosphatämische Rachitis kann behandelt werden.

Die Nierentransplantation hat sich bei Nierenversagen als positiv erwiesen. Ist die zugrunde liegende Krankheit allerdings eine Zysteinose, kann sich die progressive Schädigung in anderen Organen fortsetzen und zum Tode führen.

Wichtige Punkte

  • Verschiedene Störungen beeinflussen die proximale tubuläre Resorption von Glukose, Phosphat, Aminosäuren, Bicarbonat, Harnsäure, Wasser, Kalium und Natrium.

  • Das Fanconi-Syndrom wird in der Regel durch ein Medikament verursacht oder tritt zusammen mit einer andere genetische Störung auf.

  • Beim hereditären Fanconi-Syndrom treten proximale tubuläre Azidose, hypophosphatämische Rachitis, Hypokalämie, Polyurie und Polydipsie –normalerweise bereits in der Kindheit auf.

  • Urinuntersuchung für Glukosurie (insbesondere bei normaler Serumglukose) Phosphaturie und Aminoazidurie.

  • Die Behandlung erfolgt durch die Gabe von Kombinationen aus Kalium oder Natrium (je nach Bedarf) mit entweder Bicarbonat oder Citrat, oder manchmal auch nur mit einem zusätzlichen Kaliumsalz.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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