Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Mumps

(Parotitis epidemica)

Von

Brenda L. Tesini

, MD,

  • University of Rochester School of Medicine and Dentistry
  • Strong Memorial Hospital and Golisano Children's Hospital, University of Rochester Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Mumps ist eine akute, kontagiöse systemische Viruskrankheit, die meist zu einer schmerzhaften Schwellung der Speicheldrüsen, meist der Ohrspeicheldrüse, führt. Es kann zu Komplikationen wie Orchitis, Meningoenzephalitis und Pankreatitis kommen. Die Diagnose ist in der Regel klinisch; alle Fälle werden umgehend an das Gesundheitsamt gemeldet. Die Therapie ist unterstützend. Die Impfung stellt eine wirksame Präventionsmaßnahme dar.

Die meisten Viren, die Menschen infizieren, können Erwachsene und Kinder infizieren und werden an anderer Stelle im MSD-Manual diskutiert. Viren mit spezifischen Auswirkungen auf Neugeborene werden an anderer Stelle besprochen ( Infektionen des Neugeborenen). Dieses Kapitel behandelt virale Infektionen, die normalerweise in der Kindheit erworben werden (obwohl viele auch Erwachsene betreffen können).

Das ursächliche Virus von Mumps, ein Paramyxovirus, wird durch Tröpfchen oder Speichel übertragen. Das Virus gelangt wahrscheinlich über die Nase oder den Mund in den Körper. Es ist im Speichel bis zu 7 Tage vor Speicheldrüse Schwellung wird mit maximaler Durchlässigkeit kurz vor der Entwicklung von Mumps. Es ist auch in Blut und Urin, bei einer ZNS-Beteiligung auch in Liquor vorhanden. Eine durchgemachte Krankheit verleiht meist eine lebenslange Immunität.

Mumps ist nicht so ansteckend wie Masern. Er tritt vor allem bei nicht immunisierten Bevölkerungen auf, aber Ausbrüche unter weitgehend immunisierten Bevölkerungen haben stattgefunden. Eine Kombination von fehlgeschlagener Primär-Impfung (Fehlen der Immunität nach der Impfung) mit abnehmender Immunität können eine Rolle bei diesen Ausbrüchen spielen. Im Jahr 2006 gab es ein Wiederaufleben von Mumps in den USA mit 6584 Fällen, die vor allem bei jungen Erwachsenen mit vorheriger Impfung auftraten. Seit dieser Zeit haben sporadische Ausbrüche, vor allem auf Universitätsgeländen, dazu beigetragen, dass die Fälle von einem Tief von 229 im Jahr 2012 auf ein Hoch von 6366 im Jahr 2016 schwankten (1).

Wie bei Masern auch, können Mumps-Fälle importiert werden, was zur indigenen Übertragung, insbesondere bei großen Menschenansammlungen (z. B. an Hochschulen) oder in geschlossenen Gemeinschaften (z. B. konservativen jüdischen Gemeinden). Das Häufigkeitsmaximum bei Mumps liegt zwischen dem Ende des Winters und dem Beginn des Frühlings. Die Krankheit kommt in jedem Lebensalter vor, meistens, aber bei Kindern < 2 Jahren, insbesondere bei Kindern < 1 Jahr, ist sie sehr ungewöhnlich. Etwa 25–30% der Fälle verlaufen klinisch unaffällig.

Allgemeiner Hinweis

Symptome und Beschwerden

Nach einer 12–24-tägigen Inkubationszeit entwickeln die meisten Patienten Kopfschmerzen, Anorexie, Krankheitsgefühl und ein leichtes bis mittelgradiges Fieber. Die Speicheldrüsen schwellen 12–24 h später an, begleitet von Fieber bis zu 39,5–40° C. Das Fieber hält über 24–72 h an. Die Speicheldrüsen sind am 2. Tag maximal geschwollen, was 5–7 Tage anhält. Beteiligte Drüsen sind während der fieberhaften Phase extrem empfindlich.

Parotitis ist gewöhnlich beidseitig vorhanden, kann jedoch einseitig sein, vor allem beim Einsetzen. Erste Anzeichen sind Schmerzen beim Kauen oder Schlucken, insbesondere beim Schlucken saurer Flüssigkeiten wie z. B. Essig oder Zitronensaft. Später kommt es zu einer Anschwellung der Ohrspeicheldrüse vor und unterhalb des Ohres. Gelegentlich schwellen auch die submandibulären und sublingualen Drüsen an; selten sind nur diese Drüsen betroffen. Bei einer Beteiligung der Submandibulardrüsen kommt es zu Halsschwellungen unterhalb des Unterkiefers, und es kann sich ein suprasternales Ödem entwickeln, möglicherweise aufgrund einer lymphatischen Obstruktion durch vergrößerte Speicheldrüsen. Bei einer Beteiligung der Sublingualdrüsen kann es zu einer Schwellung der Zunge kommen. Die oralen Gangöffnungen der betroffenen Drüsen sind ödematös geschwollen und leicht entzündet. Die Haut über den Drüsen kann gespannt sein und glänzen.

Komplikationen

Mumps kann auch andere Organe als die Speicheldrüsen betreffen, insbesondere bei Patienten nach der Pubertät. Solche Komplikationen sind

  • Orchitis oder Oophoritis

  • Meningitis oder Enzephalitis

  • Pankreatitis

Bei ca. 20% der postpubertären männlichen Patienten kommt es zu einer meist unilateralen Hodenentzündung (Orchitis), Schmerzen, Empfindlichkeit, Ödemen, Erythemen und Überwärmung des Skrotums. In der Folge kann es zu einer gewissen Hodenatrophie kommen, die Testosteron-Bildung und die Fruchtbarkeit bleiben jedoch meist erhalten. Bei Frauen wird eine Beteiligung der Gonaden (Oophoritis) seltener beobachtet, ist weit weniger schmerzhaft und führt nicht zu einer Infertilität.

Eine Meningitis, charakteristischerweise mit Kopfschmerzen, Erbrechen, Nackensteifigkeit und Liquorpleozytose, kommt bei 1–10% der Fälle mit Parotits vor. Eine Enzephalitis mit Benommenheit, Krampfanfällen oder Koma kommt bei ca. 1 von 1000–5000 Fällen vor. Etwa 50% der ZNS-Mumpsinfektionen verlaufen ohne eine Parotitis.

Gegen Ende der 1. Krankheitswoche kann eine Pankreatitis auftreten, typischerweise mit plötzlicher schwerer Übelkeit, Erbrechen und epigastrischen Schmerzen. Diese Beschwerden verschwinden in ca. 1 Woche und es kommt zu einer kompletten Remission.

Extrem selten kommt es zu einer Prostatitis, Myokarditis, Mastitis, Polyarthritis und Beteiligung der Tränendrüsen. Eine Entzündung der Schilddrüse und des Thymus können zu einem prästernalen Ödem und Schwellungen führen, eine sternale Schwellung wird jedoch häufiger durch eine Beteiligung der Submandibulardrüsen mit Obstruktion der Lymphdrainage verursacht.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

  • Viraler Nachweis über Reverse Transkription-PCR (RT-PCR)

  • Serologische Tests

Der Verdacht auf Mumps besteht bei Patienten mit einer Entzündung der Speicheldrüsen und charakteristischen systemischen Beschwerden, insbesondere bei Vorliegen einer Parotitis oder einer bekannten Mumpsepidemie. Laboruntersuchungen sind nicht erforderlich, um eine Diagnose zu machen, werden aber dringend für gesundheitspolitische Maßnahmen empfohlen. Zu weiteren Ursachen einer ähnlichen Drüsenbeteiligung, siehe Tabelle: Ursachen der Parotis und anderen Speicheldrüsenvergrößerungen. Der Verdacht auf Mumps besteht auch bei einer ansonsten nicht erklärbaren aseptischen Meningitis oder Enzephalitis, die während einer Mumpsepidemie auftritt. Bei Patienten mit Meningismuszeichen ist eine Lumbalpunktion erforderlich.

Tabelle
icon

Ursachen der Parotis und anderen Speicheldrüsenvergrößerungen

Eitrige bakterielle Parotitis

HIV-Parotitis

Andere virale Parotitisarten

Stoffwechselstörungen (z. B. Urämie, Diabetes mellitus)

Mikulicz-Syndrom (eine chronische, meist schmerzlose Parotis und Schwellung der Tränendrüsen mit unbekannter Ätiologie, die mit Tuberkulose, Sarkoidose, SLE, Leukämie und lymphosarcoma auftritt)

Maligne und benigne Tumoren der Speicheldrüsen

Medikamenteninduzierte Parotisvergrößerung (z. B. aufgrund von Jodiden, Phenylbutazon oder Propylthiouracil)

Die Labordiagnostik von Mumps ist erforderlich, wenn die Krankheit folgende Eigenschaften hat:

  • Einseitig

  • Rezidivierend

  • Tritt bei zuvor immunisierten Patienten auf

  • Verursacht starke Beteilung anderer Gewebe als den Speicheldrüsen

Tests auf Mumps werden auch für alle Patienten mit dauerhafter Parotitis 2 Tage ohne erkennbare Ursache empfohlen. RT-PCR ist die bevorzugte Methode für die Diagnose, ggf. aber auch serologische Tests von akuten und Rekonvaleszentenseren durch Komplementbindungsreaktion oder ELISA, virale Kultur der Kehle, Liquoruntersuchung und gelegentlich Urintests. Bei zuvor immunisierten Populationen können IgM-Tests falsch negativ sein. Deshalb sollten RT-PCR-Assays von Speichelproben oder Halsabstrichen wenn möglich schon im Verlauf der Erkrankung durchgeführt werden.

Andere Labortests sind in der Regel nicht notwendig. Bei undifferenzierter aseptischer Meningitis kann ein erhöhter Serum-Amylase-Spiegel trotz der Abwesenheit von Parotitis ein hilfreicher Anhaltspunkt bei der Diagnose von Mumps sein. Die Leukozytenzahl ist nicht spezifisch; sie kann normal sein, meist liegt jedoch eine diskrete Leukopenie und Neutropenie vor. Bei einer Meningitis ist die Liquorglukose meist normal, kann aber gelegentlich wie bei einer bakteriellen Meningitis zwischen 20 und 40 mg/dl (1,1 und 2,2 mmol/l) liegen. Das Liquor-Protein ist nur leicht erhöht.

Prognose

Eine unkomplizierte Mumpskrankheit heilt meist folgenlos aus, obwohl selten auch ein Rezidiv nach ca. 2 Wochen vorkommt. Die Prognose einer Meningitis ist meist gut, bleibende Schädigungen, wie z. B. eine unilaterale (selten bilaterale) Nervenlähmung oder eine Fazialisparese, können jedoch vorkommen. Eine postinfektiöse Enzephalitis, akute Kleinhirnataxie, transverse Myelitis und Polyneuritis kommen selten vor.

Behandlung

  • Unterstützende Behandlung

Die Therapie einer Mumpskrankheit und ihren Komplikationen ist unterstützend. Der Patient wird bis zur Rückbildung der Drüsenanschwellungen isoliert. Eine weiche Diät reduziert Schmerzen durch das Kauen. Saure Substanzen (z. B. Saft von Zitrusfrüchten) verursachen Beschwerden und sollten vermieden werden.

Wiederholtes Erbrechen aufgrund einer Pankreatitis kann eine i.v. Hydratation erforderlich machen. Bei einer Orchitis führen Bettruhe, eine Unterstützung des Skrotums durch ein Hodenbänkchen (eine Brücke aus Pflasterstreifen zwischen den Oberschenkeln zur Zugentlastung) sowie die Anwendung von Kältepackungen oft zu einer Beschwerdelinderung. Kortikosteroide konnten die Ausheilung einer Orchitis nachweislich nicht wirksam beschleunigen.

Prävention

Die Impfung mit Mumps-Lebendimpfstoff (auch siehe Tabelle: Empfohlener Impfplan für das Alter von 0–6 Jahrenund siehe Tabelle: Empfohlener Impfplan für das Alter von 7–18 Jahre) ) bietet eine wirksame Prävention und verursacht keine signifikanten lokalen oder systemischen Reaktionen. Zwei Dosen, als kombinierter Masern-, Mumps- und Röteln-Impfstoff verabreicht, werden für Kinder empfohlen:

  • Die erste Dosis im Alter von 12 bis 15 Monaten

  • Die zweite Dosis im Alter von 4 bis 6 Jahren

Erwachsene, die 1957 oder danach geboren wurden, sollten 1 Dosis erhalten, es sei denn, sie hatten einen Mumps, der durch einen Arzt diagnostiziert wurde. Schwangere Frauen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollte kein Lebend-Impfstoff verabreicht werden.

Eine postexpositionelle Impfung schützt nicht vor einer durch diese Exposition verursachte Mumpskrankheit. Mumpsimmunglobulin ist nicht länger verfügbar und Serumimmunglobulin ist nicht hilfreich. Die Centers for Disease Control and Prevention empfehlen die Isolierung infizierter Patienten mit den Standard- und Atemtröpfchen-Vorsichtsmaßnahmen für 5 Tage nach dem Beginn der Parotitis. Empfindliche Kontakte sollten geimpft werden, und zuvor geimpfte Personen können eine dritte Dosis in bestimmten Situationen des Ausbruchs erhalten, besonders wenn sie vor langer Zeit immunisiert wurden. Solide Daten fehlen, aber eine dritte Dosis und zusätzliche Maßnahmen können helfen, einen Ausbruch zu bekämpfen (1). Nicht immune, asymptomatische Gesundheitsdienstleister sollten ab 11 Tagen nach der ersten Exposition bis 25 Tage nach der letzten Exposition vom Dienst ausgeschlossen werden.

Hinweis zur Prävention

  • 1. Cardemil CV, Dahl RM, James L, et al: Effectiveness of a third dose of MMR vaccine for mumps outbreak control. N Engl J Med 377(10):947–956, 2017. doi: 10.1056/NEJMoa1703309.

Wichtige Punkte

  • Mumps verursacht eine schmerzhafte Vergrößerung der Speicheldrüsen, am häufigsten der Parotiden.

  • Es können Fälle bei immunisierten Menschen auftreten, weil die Erstimpfung unwirsam war oder die Immunsierung nachgelassen hat.

  • Über 20% aller infizierten postpubertären Männer entwickeln eine Orchitis, die meist einseitig ist. Ein gewisse Hodenatrophie kanna auftreten, aber die Testosteron-Produktion und die Fruchtbarkeit bleiben in der Regel erhalten.

  • Zu anderen Komplikationen gehören Meningoenzephalitis und Pankreatitis.

  • Eine labormedizinische Bestätigung der Diagnose ist erforderlich für gesundheitspolitische Maßnahmen, wenn die Krankheitsmanifestationen atypisch sind, wie etwa Fehlen von Parotitis, unilaterale oder rezidivierende Parotitis, Parotitis bei vorher immunisierten Patienten oder ausgeprägte Beteiligung von Geweben ohne Beteiligung der Speicheldrüsen.

  • Eine generelle Impfung ist zwingend notwendig, sofern nicht kontraindiziert (z. B. durch Schwangerschaft oder schwere Immunsuppression).

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN