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Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH)

Von

Jeffrey M. Lipton

, MD, PhD, Hofstra Northwell School of Medicine, Hempstead, NY;


Carolyn Fein Levy

, MD, Hofstra Northwell School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Die hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) ist eine seltene Erkrankung, bei der es bei Säuglingen und Kleinkindern zu immunologischen Störungen kommt. Bei zahlreichen Patienten liegt eine Immunschwäche zugrunde, obwohl bei einigen die zugrunde liegende Störung nicht bekannt ist. Es können sich Lymphadenopathie und Hepatosplenomegalie, Fieber sowie neurologische Auffälligkeiten zeigen. Die Diagnose erfolgt auf Basis spezifischer klinische Kriterien und (genetischer) Tests. Die Behandlung besteht meist in der Chemotherapie und in therapierefraktären Fällen oder bei Patienten mit genetischer Ursache in der hämatopoetischen Stammzelltransplantation.

Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) ist ungewöhnlich Vor allem Säuglinge < 18 Monate sind davon betroffen. Es liegt ein Defekt der zielgerichteten Abwehrfunktion und der inhibitorischen Kontrolle der natürlichen Killerzellen und zytotoxischen T-Zellen vor, was zu einer übermäßigen Produktion von Zytokinen und einer Ansammlung von aktivierten T-Zellen und Makrophagen in verschiedenen Organen führt. Knochenmark- und/oder Milzzellen können Erythrozyten, Leukozyten und/oder Thrombozyten angreifen.

Die Disposition der hämophagozytischen Lymphohistiozytose ist

  • Familiär (primär)

  • Erworben (sekundär)

Die Diagnose hämophagozytische Lymphohistiozytose wird gestellt, wenn mindestens 5 der folgenden Kriterien erfüllt sind oder eine Mutation in einem bekannten HLH-assoziierten Gen vorliegt.

Die erworbene hämophagozytische Lymphohistiozytose kann begleitend mit anderen Erkrankungen (z. B. Epstein-Barr-Virus, Zytomegalievirus oder anderen), Krebs (z. B. Leukämien, Lymphomen), Immunerkrankungen (z. B. systemischem Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Polyarthritis nodosa, Sarkoidose, progressive systemische Sklerose, Sjögren-Syndrom, Kawasaki-Syndrom) und bei Empfängern von Nieren- oder Lebertransplantaten auftreten.

Sowohl bei familiären als auch bei erworbenen Formen sind genetische Anomalien, klinische Manifestationen und Ergebnisse tendenziell ähnlich.

Symptome und Beschwerden

Häufige Manifestationen der hämophagozytären Lymphohistiozytose sind Fieber, Hepatomegalie, Splenomegalie, Ausschlag, Lymphadenopathie und neurologische Anomalien (z. B. Anfälle, Netzhautblutungen, Ataxie, Bewusstseinsveränderungen oder Koma).

Diagnose

  • Klinische und Testkriterien

Eine hämophagozytische Lymphohistiozytose kann diagnostiziert werden, wenn eine Mutation in einem bekannten ursächlichen Gen vorliegt oder wenn mindestens 5 von 8 diagnostischen Kriterien erfüllt sind:

  • Fieber (Maximaltemperatur von > 38,5° C für > 7 Tage)

  • Splenomegalie (Milz tastbar > 3 cm unterhalb des Rippenbogens)

  • Zytopenie mit > 2 Zelllinien (Hämoglobin < 9 9 g/dL [90 g/L], Neutrophilenwert < 100/mcL [0,10 × 109/L]Thrombozytenwert < 100.000/mcL [100 × 109/L]).)

  • Hypertriglyzeridämie (Nüchtern-Triglyzeridwert > 177 mg/dL [2,0 mmol/l] oder > 3 Standardabweichungen [SD] mehr als der Altersnormwert) oder Hypofibrinogenämie (Fibrinogenwert < 150mg/dL [1,5 g/l] oder > 3 SD unter dem Altersnormwert)

  • Hämophagozytose (in Biopsieproben von Knochenmark, Milz oder Lymphknoten)

  • Geringe oder fehlende Aktivität der natürlichen Killerzellen

  • Serumferritin > 500 ng/mL (> 1123,5 pmol/Lng/mL)

  • Erhöhter Spiegel von löslichem Interleukin-2-Rezeptor (CD25) (> 2400 I.E./ml oder einen für das Alter sehr hohen Wert)

Zu den genetischen Mutationen im Zusammenhang mit HLH gehören

  • PRF1

  • UNC13D

  • STX11

  • STXBP2

  • RAB27

  • XLP

Da einige dieser Tests eventuell nicht überall verfügbar sind und die hämophagozytische Lymphohistiozytose selten vorkommt, werden die Patienten in der Regel zur Abklärung an spezialisierte Zentren überwiesen.

Behandlung

  • Chemotherapie, Zytokinhemmer, Immunsuppression und manchmal hämatopoetische Stammzelltransplantation

Die Behandlung der hämophagozytären Lymphohistiozytose sollte bei Verdacht auf eine Erkrankung begonnen werden, auch wenn nicht alle diagnostischen Kriterien erfüllt sind. Die Patienten werden in der Regel durch einen pädiatrischen Hämatologen und in einem Referenzzentrum für hämophagozytische Lymphohistiozytose behandelt. Die Behandlung hängt von Faktoren wie positive Familienanamnese für HLH, begleitenden Infektionen und nachgewiesenen Immundefekten ab. Die Behandlung von HLH kann Zytokininhibitoren, Immuntherapie, Chemotherapie, einige Kombinationen davon und möglicherweise Stammzelltransplantation einschließen.

Im Jahr 2018 wurde Emapalumab, ein Interferon-gamma-blockierender monoklonaler Antikörper, für Patienten mit refraktärer, rezidivierender oder progressiver HLH oder mit einer Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie verfügbar.

Wichtige Punkte

  • Die hämophagozytäre Lymphohistiozytose (HLH) ist eine seltene Erkrankung und betrifft in der Regel Säuglinge < 18 Monate.

  • HLH kann familiär (vererbt) oder erworben sein.

  • HLH diagnostizieren, wenn der Patient mindestens 5 von 8 publizierten diagnostischen Kriterien aufweist oder wenn der Patient eine bekannte Mutation hat, die mit der HLH assoziiert ist.

  • Die Behandlung erfolgt mit Chemotherapie, Zytokin-Inhibitoren, Immunsuppression und manchmal mit der Transplantation hämatopoetischer Stammzellen.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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