Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

honeypot link

Intraabdominelle Abszesse

Von

Parswa Ansari

, MD, Hofstra Northwell-Lenox Hill Hospital, New York

Inhalt zuletzt geändert Dez 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Abszesse können überall im Abdomen und Retroperitoneum auftreten. In der Mehrzahl der Fälle treten sie nach Operationen, Trauma oder Krankheiten mit abdomineller Infektion und Entzündung auf, v. a. wenn eine Peritonitis oder Perforation vorkommen. Symptome sind Krankheitsgefühl, Fieber und Bauchschmerzen. Die Diagnose erfolgt durch eine CT. Die Behandlung besteht in einer Drainage, entweder einer operativen oder perkutanen. Antibiotika werden begleitend eingesetzt.

Ätiologie

Bei den intraabdominellen Abszessen unterscheidet man intraperitoneale, retroperitoneale oder viszerale (siehe Tabelle Intraabdominelle Abszesse Intraabdominelle Abszesse  Intraabdominelle Abszesse ) Viele intraabdominelle Abszesse entwickeln sich nach der Perforation eines Hohlorgans oder bei Kolontumoren. Andere entstehen durch eine Ausbreitung einer Infektion oder Entzündung ausgehend von einer Appendizitis Appendizitis Unter einer Appendizitis versteht man eine akute Entzündung des Wurmfortsatzes, die typischerweise zu Bauchschmerzen, Appetitverlust und schmerzempfindlichen gespannten Bauchdecken fü... Erfahren Sie mehr Appendizitis , Divertikulitis Kolonische Divertikulitis Unter einer Divertikulitis verstehen wir die Entzündungund/oder Infektion eines Divertikels, die zu einer Phlegmone der Darmwand, zur Peritonitis, Perforation, Fistel- oder Abszessbildung... Erfahren Sie mehr Kolonische Divertikulitis , Morbus Crohn Morbus Crohn Der Morbus Crohn ist als chronische transmurale Darmntzündung definiert, die in der Regel das distale Ileum und das Kolon befällt, aber auch in jedem Abschnitt des Gastrointestinaltrakts... Erfahren Sie mehr Morbus Crohn , Pankreatitis Übersicht zur Pankreatitis Man unterscheidet eine akute und eine chronische Pankreatitis. Die akute Pankreatitis ist eine Entzündung, die sowohl klinisch als auch histologisch vollkommen ausheilt. Die chronische Pankreatitis... Erfahren Sie mehr , Entzündungen im kleinen Beckenraum Pelvic Inflammatory Disease (PID) Die entzündliche Erkrankung des Beckens (PID) ist eine polymikrobielle Infektion des oberen weiblichen Genitaltraktes: Gebärmutterhals, Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke... Erfahren Sie mehr oder in der Tat von jedem Ereignis, das eine generalisierte Peritonitis Peritonitis Bauchschmerzen treten häufig auf und bleiben oft ohne Konsequenz. Akute und schwere Bauchschmerzen sind jedoch meist ein Zeichen einer intraabdominellen Krankheit. Sie können der einzige Hinweis... Erfahren Sie mehr verursachen kann. Die Abdominalchirurgie, v. a. bei Eingriffen am Darm oder Gallentrakt, stellt einen weiteren signifikanten Risikofaktor dar: Das Peritoneum kann während oder nach einer Operation, z. B. durch Anastomosenlecks, kontaminiert werden. In der Folge von abdominellen Traumata – v. a. Verletzungen und Hämatomen der Leber, des Pankreas, der Milz und des Darms – können Abszesse entstehen, unabhängig davon, ob eine operative Versorgung erfolgt oder nicht.

Die auslösenden Erreger stellen die normale Darmflora dar oder sind eine komplexe Mischung von Anaerobiern und Aerobiern. Die häufigsten Isolate sind

Tabelle

Symptome und Beschwerden

Abszesse können sich innerhalb einer Woche nach der Perforation oder bei einer signifikanten Peritonitis bilden, postoperative Abszesse treten dagegen nicht vor 2–3 Wochen nach der Operation auf und in seltenen Fällen sogar erst nach Monaten. Grundsätzlich sind die Befunde bei Abszessen variabel, die meisten Abszesse verursachen allerdings Fieber und Bauchschmerzen (in der Regel in der Nähe des Abszesses) von sehr unterschiedlichem Schweregrad. Ein generalisierter oder lokalisierter paralytischer Ileus kann auftreten. Häufig sind Übelkeit, Anorexie und Gewichtsverlust.

Abszesse im Douglas-Raum in der Nähe der rektosigmoidalen Verbindung können Diarrhö verursachen. Ein Einbruch in die Blase kann zu Harndrang und vermehrtem Wasserlassen führen und, falls durch Divertikulitis verursacht, eine Kolon-Blasen-Fistel bilden.

Subphrenische Abszesse machen Beschwerden im Bereich des Brustkorbs, z. B. nichtproduktiven Husten, Brustschmerzen, Dyspnoe, Schluckauf, und Schulterschmerzen. Rasselgeräusche, Giemen und Reibegeräusche können auskultiert werden. Ein dumpfer Klopfschall und verminderte Atemgeräusche sind typisch bei basalen Atelektasen, Pneumonie und Pleuraergüssen.

Generell ist der Bereich über einem Abszess empfindlich und schmerzhaft. Große Abszesse können als palpable Masse erscheinen.

Komplikationen

Nichtdrainierte Abszesse können sich in angrenzende Strukturen ausbreiten, benachbarte Gefäße erodieren (Blutung und Thrombose verusachen), in das Peritoneum oder den Darm rupturieren oder eine kutane oder urogenitale Fistel bilden. Subdiaphragmatische Abszesse können sich in die Thoraxhöhle ausbreiten und ein Empyem, einen Lungenabszess Lungenabszess Ein Lungenabszess ist eine nekrotisierende Lungeninfektion, die durch eine mit Eiter gefüllte kavernöse Läsion charakterisiert ist. Am meisten wird er bei Patienten mit Bewusstseinsstö... Erfahren Sie mehr Lungenabszess oder eine Pneumonie Übersicht über Pneumonie (Lungenentzündung) Pneumonie ist eine akute Entzündung der Lunge, die durch Infektionen verursacht wird. Die Erstdiagnose wird üblicherweise (Anm. d. Red.: auskultatorisch oder) anhand eines Röntgenthoraxbildes... Erfahren Sie mehr verursachen. Ein Abszess im Unterbauch kann in den Oberschenkel oder in die perirektale Fossa wandern. Milzabszesse sind eine seltene Ursache einer dauerhaften Bakteriämie bei einer Endokarditis, die trotz angemessener antimikrobieller Therapie persistiert.

Diagnose

  • Abdomen-CT

  • selten Radionuklid-Scanning

Bei Verdacht auf Abszess ist eine CT des Abdomens und Beckens mit Kontrastmittel die bevorzugte diagnostische Methode. Weitere bildgebende Untersuchungsverfahren können ebenfalls Hinweise geben. Abdomenübersichtsaufnahmen zeigen extraintestinale Luft im Abszess, Verlagerung von benachbarten Organen, eine Weichteildichte, die den Abszess darstellt, oder einen verschatteten Psoasmuskel. Abszesse in der Nähe des Zwerchfells können pathologische Befunde im Thoraxbild hervorrufen, wie z. B. ipsilaterale Pleuraergüsse, Zwerchfellhochstand oder -stillstand, Unterlappeninfiltrate und Atelektasen.

Ein komplettes Blutbild und Blutkulturen werden gewonnen. Bei den meisten Patienten tritt eine Leukozytose auf, auch eine Anämie ist häufig.

Gelegentlich ist zur Identifizierung intraabdomineller Abszesse eine Szintigraphie mit 111Indium-markierten Leukozyten hilfreich.

Prognose

Intraabdominelle Abszesse haben eine Mortalitätsrate von 10–40%. Verlauf und Ausgang hängen mehr von der primären Grunderkrankung oder Verletzung des Patienten und von seinem generellen Gesundheitszustand ab als von der spezifischen Art und Lokalisation des Abszesses.

Therapie

  • i.v. Antibiotika

  • Drainage: perkutane oder chirurgische

Nahezu alle intraabdominellen Abszesse erfordern eine Drainage entweder durch perkutane Katheter oder Operation; Ausnahmen sind kleine (< 2 cm) perikolische oder perityphlitische Abszesse oder Abszesse, die spontan auf die Haut oder in den Darm drainieren. Eine Drainage mittels Katheter (CT- oder Ultraschall-gesteuerte Anlage) kann unter folgenden Bedingungen ausreichend sein: es liegen nur wenige Abszesshöhlen vor, der Weg der Drainage durchquert weder Darm noch nichtkontaminierte Organe, Pleura oder Peritoneum; die Infektionsquelle ist unter Kontrolle und der Eiter ist liquide genug, um den Katheter zu passieren.

Antibiotka sind nicht kurativ, können aber die hämatogene Ausbreitung eingrenzen und sollten vor und nach Intervention gegeben werden. Die Therapie erfordert intravenöse Medikamente, die gegen die Darmflora wirken. Patienten mit ambulant erworbener Infektion sollten eingestuft werden als Patienten mit niedrigem oder hohem Risiko eines Therapieversagens oder Todes aufgrund von Anzeichen einer Sepsis oder eines septischen Schocks Symptome und Beschwerden Sepsis ist ein klinisches Syndrom einer lebensbedrohlichen Organdysfunktion, die durch eine dysregulierte Reaktion auf eine Infektion verursacht wurde. Bei septischem Schock tritt eine kritische... Erfahren Sie mehr , von extremem Alter, Komorbiditäten, des Ausmaßes der abdominellen Infektion und des Risikos für resistente Bakterien. Für ambulant erworbene Infektionen bei Patienten mit geringem Risiko werden Ertapenem allein oder Metronidazol plus entweder Cefotaxim oder Ceftriaxon empfohlen. Für ambulant erworbene Infektionen bei Patienten mit hohem Risiko werden Piperacillin/Tazobactam, Cefepim plus Metronidazol, Imipenem/Cilastatin oder Meropenem empfohlen. Patienten, die bereits antibiotisch behandelt wurden oder die einen Krankenhauskeim akquiriert haben, sollten Medikamente gegen resistente aerobe gramnegative Bakterien (z. B. Pseudomonas) und gegen Anaerobier bekommen. (Siehe auch die Surgical Infection Society's revised guidelines on the management of intra-abdominal infection.)

Eine ausreichende Ernährung ist sehr wichtig, die enterale wird bevorzugt. Nur wenn die enterale Ernährung nicht möglich ist, wird man eine parenterale beginnen.

Wichtige Punkte

  • Verdächtig ist ein Abdominalabszess bei Patienten, die nach einem früheren ursächlichen Ereignis (z. B. abominelles Trauma, abdominelle Operation) oder einer Erkrankung (z. B. Morbus Crohn, Divertikulitis, Pankreatitis) Bauchschmerzen und Fieber entwickeln.

  • Ein Abszess kann die erste Manifestation einer Krebserkrankung sein.

  • Die Diagnose erfolgt durch eine abdominelle CT.

  • Die Behandlung besteht in einer perkutanen oder chirurgischen Drainage; Antibiotika sind notwendig, aber allein keine ausreichende Therapie.

Weitere Informationen

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
NACH OBEN