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Lichtempfindlichkeit

Von

Elizabeth H. Page

, MD, Harvard Medical School

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Lichtempfindlichkeit ist eine Überreaktion der Haut auf Sonnenlicht, an der das Immunsystem beteiligt ist. Sie kann idiopathisch sein oder nach Exposition mit bestimmten toxischen oder allergenen Arzneimitteln oder Chemikalien auftreten und tritt gelegentlich im Rahmen systemischer Erkrankungen auf (z. B. SLE, Porphyrie, Pellagra, Xeroderma pigmentosum). Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Behandlung richtet sich nach der Art der Reaktion.

Neben den akuten Effekten von Sonnenlicht und den chronischen Auswirkungen von Sonnenlicht können unmittelbar nach der Sonnenexposition zahlreiche weniger häufige Reaktionen auftreten. Sofern die Ursache nicht offensichtlich ist, sollten Patienten mit ausgeprägter Lichtempfindlichkeit mit Blick auf systemische oder kutane Krankheiten, die mit Lichtempfindlichkeit assoziiert sind, wie etwa SLE, Dermatomyositis, und Porphyrie, untersucht werden.

Urticaria solaris

Bei manchen Patienten entsteht binnen weniger Minuten auf der sonnenexponierten Haut eine Urtikaria. Gewöhnlich bilden sich die Läsionen innerhalb von 24 Stunden wieder zurück. In seltenen Fällen, in denen große Bereiche betroffen sind, können sich Synkopen, Schwindel, Keuchen und andere systemische Symptome entwickeln. Die Ätiologie ist unklar, könnte aber hauteigene Bestandteile, die als Photoallergene wirken, beinhalten, was wie bei anderen Arten von Urtikaria zu Mastzelldegranulation führt. Urticaria solaris kann von anderen Arten von Urtikaria dadurch unterschieden werden, dass Quaddeln bei Urticaria solaris nur auf ausgesetzer Haut nach Ultraviolett (UV)-Licht-Exposition auftreten.

Die Solarurtikaria kann anhand der Komponente des UV-Spektrums (UVA, UVB und sichtbares Licht) klassifiziert werden, die Läsionen verursacht. Falls erforderlich, können Patienten getestet werden, indem ein Teil der Haut natürlichem Licht oder künstlichem Licht bestimmter Wellenlängen ausgesetzt wird (Phototesting).

Die Behandlung von Solarurtikaria kann schwierig sein und kann H1 Blocker, topische Kortikosteroide und Sonnenschutzmittel umfassen. Wenn die Standardbehandlung fehlschlägt, kann eine Desensibilisierung mit schmalbandigem UVB oder PUVA (Psoralen plus Ultraviolett A) versucht werden. Omalizumab (Anti-IgE-Therapie) hat bei wenigen Patienten Erfolg gezeigt. Die Erkrankung ist chronisch und kann über Jahre hinweg wachsen und abnehmen.

Chemische Lichtempfindlichkeit

Mehr als 100 Substanzen, die oral aufgenommen oder topisch angewandt werden, sind bekannt, die kutane Reaktionen nach Sonnenexposition prädisponieren. Eine überschaubare Zahl ist dabei für die meisten Reaktionen verantwortlich (siehe Tabelle: Einige Substanzen, die kutane Lichtempfindlichkeit verursachen). Man unterscheidet phototoxische und photoallergische Reaktionen: Phototesting kann dabei helfen, die Diagnose zu bestätigen. Die chemische Photosensibilität wird mit topischen Glucocorticoiden und Vermeiden des auslösenden Agens behandelt.

Bei phototoxischen Reaktionen produzieren lichtabsorbierende Komponenten freie Radikale und Entzündungsmediatoren, die Gewebeschäden versuchen, die sich als Schmerz und Erythem manifestieren (wie Sonnenbrand). Für diese Reaktion muss keine vorherige Sonnenexposition erfolgt sein und sie kann bei allen Menschen auftreten, wobei das Ausmaß stark schwankt. Typische Ursachen für phototoxische Reaktionen umfassen topische (z. B. Parfums, Kohlenteer, Furocumarin-haltigen Pflanzen [wie Limetten, Sellerie und Petersilie], Medikamente für die photodynamische Therapie) oder eingenomme (z. B. Tetracycline, Thiazide) Agenten. Phototoxische Reaktionen dehnen sich nicht auf Bereiche der Haut aus, die keinem Sonnenlicht ausgesetzt waren.

Photoallergie ist ein Typ IV (zellvermittelte) Immunantwort. Lichtabsorption bewirkt strukturelle Veränderungen im Medikament oder in der Substanz, sodass sie sich an Gewebeprotein binden und als Hapten wirken kann, wodurch der Komplex allergen wird. Dafür ist eine vorherige Exposition gegenüber dem Allergen erforderlich. Die Reaktion ist in der Regel ekzematisch, mit Erythem, Schuppung, Juckreiz und manchmal Bläschen. Typische Ursachen photoallergischer Reaktionen sind Rasierwasser, Sonnenschutzmittel und Sulfonamide. Eine Photoallergie kommt seltener vor als eine Phototoxizität und die Reaktion kann sich auf nicht dem Sonnenlicht ausgesetzte Haut ausweiten.

Tabelle
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Einige Substanzen, die kutane Lichtempfindlichkeit verursachen

Kategorie

Spezifische Substanz

Akne-Medikamente

Isotretinoin

Analgetika

NSAR (insbesondere Piroxicam und Ketoprofen)

Antibiotika

Chinolone

Sulfonamide

Tetracycline

Trimethoprim

Antidepressiva

Trizyklische Antidepressiva

Antimykotika

Griseofulvin

Blutzuckersenkende Arzneimittel

Sulfonylharnstoffe

Malaria-Medikamente

Chloroquin

Chinin

Antipsychotika

Phenothiazine

Anxiolytika

Alprazolam

Chlordiazepoxide

Chemotherapeutika

Dacarbazin

Fluorouracil

Methotrexate

Vinblastine

Diuretika

Furosemide

Thiaziddiuretika

Herz-Medikamente

Amiodaron

Chinidin

Topische Präparate*

Antibiotika (z. B. Chlorhexidin, Hexachlorophen)

Steinkohlenteer

Düfte

Furocumarin-haltige Pflanzen (z. B. Limetten, Sellerie, Petersilie)

Sonnenschutzmittel

* Es gibt viele topische Präparate. Die spezifischen Substanzen, die aufgelistet werden, sind Beispiele.

Polymorphe Lichtdermatose

Polymorphe Lichtdermatose ist eine häufige lichtempfindliche Reaktion auf UV und manchmal sichtbares Licht. Sie scheinen weder mit systemischen Erkrankungen noch mit Arzneimitteln assoziiert zu sein. Eine positive Familienanamnese bei einigen Patienten lässt einen genetischen Risikofaktor vermuten.

Die Dermatosen erscheinen auf der Sonne ausgesetzten Bereichen auf, in der Regel 30 Minuten bis mehrere Stunden nach der Exposition. Manchmal tauchen die Dermatosen allerdings bis zu mehreren Tagen nicht auf. Die Läsionen jucken, sind erythematös und oft papulös, können jedoch auch papulovesikulär oder plaqueartig sein. Diese Reaktionen treten häufiger bei Frauen und Menschen aus nördlichen Klimazonen auf, wenn es zur ersten Sonnenexposition im Frühjahr oder Sommer kommt, und seltener bei Menschen mit ganzjährigem Sonnenkontakt. Die Läsionen klingen oft innerhalb einiger Tage bis Wochen ab.

Die Diagnose eines polymorphen Lichtausbruchs erfolgt durch Vorgeschichte, Hautbefunde und Ausschluss anderer Sonnenempfindlichkeitsstörungen. Manchmal erfordert die Diagnose eine Reproduktion der Läsionen mit Phototesting, wenn der Patient keine potenziell Lichtempfindlichkeit erhöhenden Medikamente nimmt.

Oft sind die Läsionen selbst eingrenzend und klingen spontan ab, sobald der Sommer fortschreitet. Vorsichtsmaßnahmen umfassen die Anwendung eines breiten Spektrums an Sonnenschutz und moderate Sonnenexposition. Patienten mit stärkerer Ausprägung profitieren oft von einer Desensibilisierung zu Beginn des Frühlings mit allmählich zunehmender UV-Exposition mittels niedrigdosiertem PUVA ( Psoriasis : Phototherapie) oder Schmalband-UVB (312 nm). Leichte bis mäßige Eruptionen werden mit topischen Kortikosteroiden behandelt. Patienten mit behindernder Krankheit können eine Behandlung mittels oraler immunsuppressiver Therapie, wie Prednison, Azathioprin, Ciclosporin oder Hydroxychloroquin, benötigen. Einige Beweise legen nahe, dass Antioxidantien wie Polypodium leucotomos, ein natürlicher tropischer Farnextrakt, helfen kann, polymorphen Lichtausbruch zu verhindern, es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich (1).

Allgemeiner Hinweis

  • Nestor MS, Berman B, Swenson N: Safety and efficacy of oral Polypodium leucotomos extract in healthy adult subjects. J Clin Aesthet Dermatol 8 (2):19–23, 2015.

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