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Hautabszess

Von

A. Damian Dhar

, MD, JD, North Atlanta Dermatology

Inhalt zuletzt geändert Aug 2017
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Ein Hautabszess ist eine umschriebene Eiteransammlung in der Haut und kann auf jeglicher Hautoberfläche auftreten. Symptome und Beschwerden sind Schmerzen und Druckdolenz sowie eine beständige oder fluktuierende Schwellung. Die Diagnose lässt sich in der Regel anhand des Untersuchungsbefundes stellen. Die Behandlung erfolgt durch Inzision und Drainage.

Zu den Risikofaktoren für kutane Abszesse zählen unter anderem

  • Bakterielle Überwucherung

  • Antezedens Trauma (besonders wenn ein Fremdkörper vorhanden ist)

  • Immunsuppression

  • Beeinträchtigte Zirkulation

Bakterien, die Hautabszesse verursachen, sind oft Bewohner der Haut im betroffenen Bereich. Bei Abszessen an Rumpf, Extremitäten, Achselhöhlen oder Kopf und Hals sind die häufigsten Organismen Staphylococcus aureus (mit Methicillin-resistentem S. aureus[MRSA] am häufigsten in den USA) und Streptokokken.

Abszesse der Perianalregion (inguinal, vaginal, am Gesäß, perirektal) enthalten Fäkalkeime, meist Anaerobier oder eine Kombination aus Aerobiern und Anaerobiern (siehe Tabelle: Klassifikation der häufigen pathogenen Bakterien). Karbunkel und Furunkel sind Arten von kutanen Abszessen.

Symptome und Beschwerden

Hautabszesse sind schmerzhaft, druckdolent, induriert und gelegentlich erythematös. Sie sind unterschiedlich groß, meist 1–3 cm lang, gelegentlich aber auch erheblich größer. Initial ist die Schwellung fest, später wird die Haut dünner, während der Abszess einschmilzt und fluktuiert. Oft drainiert der Abszess dann spontan. Als Begleiterscheinungen treten in unterschiedlicher Verteilung eine lokale Zellulitis, eine Lymphangitis, eine regionale Lymphadenopathie, Fieber und eine Leukozytose auf.

Diagnose

  • Körperliche Untersuchung

  • Kultur, um MRSA zu identifizieren

Die Diagnose lässt sich in der Regel anhand des Untersuchungsbefundes stellen. Eine Kultur wird empfohlen, in erster Linie, um MRSA zu identifizieren.

Krankheitsbilder, die einfachen Hautabszessen ähneln, sind die Hidradenitis suppurativa und rupturierte epidermale Zysten. Epidermoidzysten (oft falsch als Grützbeutel bezeichnet) infizieren sich nur selten. Durch die Ruptur wird jedoch Keratin in die Dermis freigesetzt und löst gelegentlich eine überschießende Entzündungsreaktion aus, die klinisch an eine Infektion erinnert. Die Kultur dieser gerissenen Zysten zeigt nur selten Krankheitserreger. Perineale Abszesse können das Höhertreten eines tieferen Perirektalabszesses auf Hautniveau oder die Drainage eines Fistelgangs aufgrund eines M. Crohn darstellen. Diese Krankheitsbilder lassen sich meist anamnestisch und durch eine digitale rektale Untersuchung erfassen.

Behandlung

  • Inzision und Drainage

  • Manchmal Antibiotika

Manche kleinen Abszesse heilen unbehandelt ab, indem sie sich irgendwann eröffnen und drainieren. Warme Umschläge beschleunigen diesen Vorgang. Inzision und Drainage sind bei signifikanten Schmerzen, Druckdolenz und Schwellung indiziert; bis zum Auftreten der Fluktuation muss nicht gewartet werden. Unter sterilen Bedingungen wird ein lokale Anästhesie entweder als Lidocain-Einspritzung oder Vereisungsspray gegeben.

Patienten mit großen, extrem schmerzhaften Abszessen profitieren oft von einer i.v. Sedierung und Analgesie während der Drainage. Oft reicht die Stichinzision mit der Skalpellspitze aus, um den Abszess zu eröffnen. Nachdem der Eiter abgeflossen ist, sollte die Abszesshöhle stumpf mit einem behandschuhten Finger oder einer Kürette nach Kammern abgesucht. Eine Irrigation mit normaler Kochsalzlösung ist optional. Ein lockeres Verschließen des Hohlraums mit einem Gaze-Docht verringert den Totraum und verhindert die Bildung eines Seroms. Der Docht wird normalerweise 24 bis 48 Stunden später entfernt. Jüngste Daten belegen jedoch nicht die Wirksamkeit der routinemäßigen Irrigation oder Verdichtung (1,2). Lokale Wärme und Hochlagerung tragen zur Abheilung der Entzündung bei.

Antibiotika werden traditionell als unnötig angesehen (3), es sei denn, der Patient hat Anzeichen einer systemischen Infektion, Zellulitis, multiple Abszesse, Immunschwäche oder einen Gesichtsabszess in dem Bereich, der von der Höhlenhöhle entwässert wird. In diesen Fällen sollte eine empirische Behandlung mit einem gegen MRSA wirksamen Medikament (z. B. Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Clindamycin; bei schweren Infektionen Vancomycin) begonnen werden, während auf die Ergebnisse der Bakterienkultur gewartet wird. Jüngste Studien haben jedoch geringfügig bessere Ergebnisse gezeigt, wenn Antibiotika zur üblichen Behandlung von sogar unkomplizierten Abszessen hinzugefügt werden (3).

Behandlungshinweise

  • Chinnock B, Hendey GW: Irrigation of cutaneous abscesses does not improve treatment success. Ann Emerg Med 67(3):379-383, 2016. doi: 10.1016/j.annemergmed.2015.08.007.

  • O'Malley GF, Dominici P, Giraldo P, et al: Routine packing of simple cutaneous abscesses is painful and probably unnecessary. Acad Emerg Med 16(5):470-473, 2009. doi: 10.1111/j.1553-2712.2009.00409.x.

  • Trimethoprim-sulfamethoxazole versus placebo for uncomplicated skin abscess. N Engl J Med 374(9):823-832, 2016. doi: 10.1056/NEJMoa1507476.

Wichtige Punkte

  • Die Pathogene reflektieren die Flora des beteiligten Bereiches (z. B. S. aureus und Streptokokken an Rumpf, Axilla, Kopf und Hals), aber MRSA ist häufiger geworden.

  • Abzesskulturen werden aufgenommen, um MRSA zu identifizieren.

  • Abszesse, bei denen erhebliche Schmerzen, Druckdolenz und Schwellungen auftreten, werden drainiert und angemessene Analgesie und, wenn indiziert, Sedierung wird bereitgestellt.

  • Bei einfachen Abszessen werden Antibiotika vermieden.

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