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Acne vulgaris

(Akne)

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Quellen zum Thema

Die Acne vulgaris geht mit der Bildung von Komedonen (Mitessern), Papeln, Pusteln, Knötchen und/oder Zysten durch Obstruktion und Entzündung der Haarfollikel-Talgdrüsen-Einheit einher. Akne entwickelt sich im Gesicht und am Oberkörper. Meist sind Jugendliche betroffen. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und erfolgt mit zahlreichen topischen und systemischen Wirkstoffen, die auf die Reduktion der Talgproduktion, der Komedonenproduktion, der Entzündungsreaktion und der Bakterienzahl abzielen und die Keratinisierung normalisieren.

Akne ist die häufigste Hauterkrankung in den USA und betrifft 80% der Bevölkerung irgendwann im Verlauf ihres Lebens.

Pathophysiologie

Akne tritt durch das Zusammenspiel von vier Hauptfaktoren auf:

  • Übermäßige Talgproduktion

  • Follikelverstopfung mit Talg und Keratinozyten

  • Kolonisierung der Follikel durch Propionibacterium acnes (ein normaler menschlicher Anaerobier)

  • Freisetzung mehrerer Entzündungsmediatoren

Akne kann klassifiziert werden als

  • Nichtentzündlich: Durch Komedonen gekennzeichnet

  • Entzündlich: Durch Papeln, Pusteln, Knötchen und Zysten gekennzeichnet.

Nichtentzündliche Akne

Komedonen sind talgige Pfropfen, die in den Follikeln betroffen sind. Man unterscheidet offene und geschlossene Komedonen, je nachdem, ob der Follikel an der Hautoberfläche dilatiert oder verschlossen ist. Die Pfropfen lassen sich aus offenen Komedonen leicht ausdrücken, sind aber aus geschlossenen Komedonen schwer zu entfernen. Geschlossene Komedonen sind die Vorläuferläsion der entzündlichen Akne.

Entzündliche Akne

Papeln und Pusteln treten auf, wenn P. acnes die geschlossenen Komedonen kolonisiert, was den Talg in freie Fettsäuren aufbricht, die das Follikelepithel reizen und eine Entzündungsreaktion durch Neutrophile und später Lymphozyten auslösen, die das Epithel weiter stört. Der entzündete Follikel ruptiert in die Dermis (manchmal durch physische Manipulation oder starkes Reiben ausgelöst), wo die Inhalte der Komedone eine weitere lokale Entzündungssreaktion hervorrufen, die zur Bildung von Papeln führt. Wenn die Entzündung intensiv ist, treten grob eitrige Pusteln auf.

Knoten und Zysten sind andere Manifestationen der entzündlichen Akne. Knoten sind tiefere Läsionen, die > 1 Follikel umfassen können, und Zysten sind große schwankende Knoten.

Ätiologie

Der häufigste Auslöser ist

  • Pubertät

Während der Pubertät stimuliert die vermehrte Androgenproduktion die Talgproduktion und die Hyperproliferation der Keratinozyten.

Andere Auslöser umfassen

  • Hormonelle Veränderungen, die mit der Schwangerschaft oder dem Menstruationszyklus auftreten

  • Okklusive Kosmetika, Reinigungsmittel, Lotionen und Kleidung

  • Hohe Feuchtigkeit und Schwitzen

Ein Zusammenhang zwischen der Exazerbation von Akne und bestimmten Nahrungsmitteln, unzureichender Gesichtshygiene, Masturbation oder Sex ist unbegründet. Einige Studien deuten auf einen möglichen Zusammenhang mit Milchprodukten und Nahrungsmitteln mit einem hohen glykämischen Index hin. Aufgrund der entzündungshemmenden Wirkung des Sonnenlichts kann die Akne in den Sommermonaten zurückgehen. Vorgeschlagene Zusammenhänge zwischen Akne und Hyperinsulinismus müssen noch weiter abgeklärt werden. Einige Medikamente und Chemikalien (z. B. Kortikosteroide, Lithium, Phenytoin, Isoniazid) verschlimmern die Akne oder verursachen akneiforme Eruptionen.

Symptome und Beschwerden

Hautläsionen und Vernarbung können eine erhebliche emotionale Belastung darstellen. Knoten und Zysten können schmerzhaft sein. Oft liegen Läsionen unterschiedlicher Stadien nebeneinander vor.

Komedonen kommen als „Whiteheads“ oder „Blackheads“ vor. Whiteheads (geschlossene Komedonen) sind fleischfarbene oder weißliche Läsionen von 1–3 mm Durchmesser. Blackheads (offene Komedonen) sehen ähnlich aus, besitzen jedoch eine schwarze Mitte.

Manifestationen von Akne

Papeln und Pusteln sind rötliche Läsionen mit 2–5 mm Durchmesser. Papeln sind relativ tief. Pusteln liegen oberflächlicher.

Zysten sind suppurative Knötchen. Selten bilden Zysten tiefe Abszesse. Langfristige zystische Akne kann Narben verursachen, die sich als winzige und tiefe Gruben (Eispickel-Narben), größere Gruben, flache Vertiefungen oder hypertrophe Narbenbildung oder Wulstnarben Keloide Keloide sind weiche Wucherungen fibroblastischen Gewebes im Bereich einer Verletzung (z. B. Lazerationen, Operationsnarben, Rumpfakne), treten aber gelegentlich auch spontan auf. Am häufigsten... Erfahren Sie mehr Keloide manifestieren.

Die Acne conglobata ist die schwerste Form der Acne vulgaris. Sie ist bei Männern häufiger als bei Frauen. Die Patienten weisen Abszesse, dränierende Sinusse, Fistelbildungen zwischen Komedonen sowie Keloid- und atrophische Narben auf. Rücken und Brust sind sehr stark betroffen. Daneben können auch Arme, Abdomen, Gesäß und sogar die Kopfhaut betroffen sein.

Acne fulminans ist eine akute, febrile, ulzerative Form von Akne, bei der plötzlich Abszesse auftreten, die konfluieren und zu hämorrhagischen Nekrosen führen. Außerdem können auch eine Leukozytose, Gelenkschmerzen und -schwellungen vorkommen.

Rosazea fulminans tritt plötzlich zentrofazial bei jungen Frauen auf. Sie kann wie eine Acne fulminans verlaufen. Dabei treten erythematöse Plaques und Pusteln an Kinn, Wangen und Stirn auf. Papeln und Knoten können sich entwickeln und konfluieren.

Diagnose

  • Feststellung beitragender Faktoren (z. B. hormonelle, mechanische oder medikamentöse)

  • Bestimmung des Schweregrads (leicht, mittel, schwer)

  • Beurteilung der psychosozialen Auswirkungen

Die Diagnose der Acne vulgaris wird klinisch gestellt.

Zu den Differenzialdiagnosen gehören die Rosazea Symptome und Beschwerden Rosazea ist eine chronische, entzündliche Erkrankung, die im Gesicht Rötung, Teleangiektasien, Erytheme, Papeln und Pusteln verursacht sowie in schweren Fällen mit einem Rhinophym einhergeht... Erfahren Sie mehr  Symptome und Beschwerden (die nicht mit Komedonen einhergeht), die Steroidakne (ohne Komedonen und meist mit Pusteln im gleichen Entwicklungsstadium), die periorale Dermatitis Periorale Dermatitis Die periorale Dermatitis ist ein erythematöses, papulopustulöses Gesichtsexanthem, das ähnlich aussieht wie Akne und/oder Rosazea, aber typischerweise perioral beginnt. Die Diagnose wird anhand... Erfahren Sie mehr Periorale Dermatitis (in der Regel mit einer stärker perioralen und periorbitalen Distribution) und akneiforme Arzneimittelexantheme (siehe Tabelle: Arten von Arzneimittelwirkungen und typische Erreger Arten von Arzneimittelwirkungen und typische Erreger Arzneimittel können zahlreiche Hautexantheme und -reaktionen auslösen. Die schwerwiegendsten davon werden an anderer Stelle im MSD-Manual besprochen. Dazu gehören das Stevens-Johnson-Syndrom... Erfahren Sie mehr  Arten von Arzneimittelwirkungen und typische Erreger ). Der Schweregrad der Akne wird anhand von Anzahl und Art der Läsionen als leicht, mittelschwer oder schwer eingestuft; ein standardisiertes System ist in der Tabelle Klassifikation des Schweregrades der Akne Klassifikation des Schweregrads der Akne Die Acne vulgaris geht mit der Bildung von Komedonen (Mitessern), Papeln, Pusteln, Knötchen und/oder Zysten durch Obstruktion und Entzündung der Haarfollikel-Talgdrüsen-Einheit einher. Akne... Erfahren Sie mehr  Klassifikation des Schweregrads der Akne dargestellt.

Tabelle
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Prognose

Unabhängig vom Schweregrad bildet sich Akne häufig zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr spontan zurück. Allerdings kann die Akne bei einer signifikanten Minderheit von Patienten, meist Frauen, bis in die 5. Lebensdekade auftreten, wobei die Behandlungsoptionen im gebärfähigen Alter eingeschränkt sein können. Bei vielen Erwachsenen treten gelegentlich leichte, vereinzelte Akneläsionen auf. Akne, die nicht oder nur leicht entzündlich ist, heilt meist ohne Vernarbung ab. Die mäßig bis stark entzündliche Akne heilt, hinterlässt aber meist Narben. Die Narben sind dabei nicht nur körperlich. Akne bedeutet für die Jugendlichen häufig eine erhebliche emotionale Belastung. Oft ziehen sie sich zurück und benutzen die Akne als Entschuldigung für Anpassungsschwierigkeiten. In schweren Fällen kann eine psychologische Betreuung der Patienten und ihrer Eltern erforderlich sein.

Therapie

  • Komedonen: Topisches Tretinoin

  • Leichte entzündliche Akne: Topisches Retinoid allein oder mit einem topischen Antibiotikum, Benzoylperoxid oder beidem.

  • Mittlere Akne: Orale Antibiotika und topische Therapie wie bei milder Akne

  • Schwere Akne: Orales Isotretinoin

  • Zystische Akne: Intraläsionales Triamcinolon

Es ist wichtig, Akne zu behandeln, um das Ausmaß der Erkrankung, der Narbenbildung, und der psychologischen Belastung zu reduzieren.

Die betroffenen Bereiche sollten täglich gereinigt werden, wobei häufigeres Waschen, antibakterielle Seifen und kräftiges Schrubben keinen zusätzlichen Nutzen haben.

Eine Ernährung mit Lebensmitteln, die einen niedrigeren glykämischen Index haben, und die Mäßigung der Milchaufnahme kann bei Jugendlichen für therapieresistente Akne in Betracht gezogen werden.

Peeling-Substanzen, wie Schwefel, Salicyl- und Glykolsäure sowie Resorcin, können nützliche Ergänzungen für die Behandlung sein, werden aber üblicherweise nicht länger eingesetzt.

Orale Kontrazeptiva sind effektiv für die Behandlung entzündlicher und nichtentzündlicher Akne und Spironolacton (anfangend mit 50 mg p.o. 1-mal/Tag, erhöht auf 100 mg p.o. 1-mal/Tag nach ein paar Monaten, falls erforderlich) ist ein weiteres Anti-Androgen, das für Frauen gelegentlich nützlich ist. Verschiedene Lichttherapien, mit und ohne topische Photosensibilisatoren, sind effektiv eingesetzt worden, hauptsächlich bei entzündlicher Akne.

Die Behandlung sollte die Aufklärung des Patienten und einen individuell angepassten, für den Patienten realistischen Behandlungsplan beinhalten. Ein Versagen der Therapie kann häufig auf mangelndes Einhalten des Behandlungsplans (mangelnde Compliance) und auf fehlende Nachuntersuchungen zurückgeführt werden. Eine Beratung mit einem Spezialisten kann notwendig sein.

Wirkungsweise verschiedener Medikamente bei der Behandlung von Akne

Genetische, umweltabhängige und Entwicklungsfaktoren, die Schwankungen in der Reaktion auf Arzneimittel verursachen können
Tabelle
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Leichte Akne

Die Behandlung der leichten Akne sollte für 6 Wochen oder bis zur Abheilung der Läsionen erfolgen. Eine Erhaltungstherapie kann erforderlich sein, um eine Exazerbation zu verhindern.

Eine Monotherapie ist in der Regel ausreichend für eine komedonale Akne. Der wichtigste Punkt in der Behandlung der Komedonen ist die tägliche Anwendung von topischem Tretinoin in einem für den Patienten verträglichen Maß. Für Patienten, die topisches Tretinoin nicht vertragen, besteht die Alternative, täglich Adapalen-Gel, Tazaroten-Creme oder -Gel, Azelainsäure-Creme oder Glykol- oder Salicylsäure zu verwenden. Nebenwirkungen sind Erytheme, Brennen, Stechen und Abschälen der Haut. Adapalen und Tazaroten sind Retinoide und wirken, ebenso wie Tretinoin, leicht reizend und können Photosensibilität hervorrufen. Azelainsäure besitzt durch einen anderen Wirkmechanismus komedolytische und antibakterielle Eigenschaften und wirkt bei gleichzeitiger Gabe mit Retinoiden synergistisch.

Eine duale Therapie (z. B. eine Kombination aus Tretinoin mit Benzoylperoxid, einem topischen Antibiotikum oder beidem) sollte zur Behandlung der leichten papulopustulären (entzündlichen) Akne angewandt werden. Das topische Antibiotikum ist in der Regel Erythromycin oder Clindamycin. Die Kombination von Benzoylperoxid und diesen Antibiotika kann die Entwicklung von Resistenzen verringern. Glykolsäure kann anstelle von oder zusätzlich zu Tretinoin verwendet werden. Abgesehen von Austrocknen und Reizung der Haut (sowie selten allergischen Reaktionen auf Benzoylperoxid) verursachen diese Substanzen keine signifikanten Nebenwirkungen.

Bei Patienten, die nicht auf die topische Behandlung ansprechen, besteht die Möglichkeit, die Komedonen mittels Komedonextraktor zu entfernen. Die Extraktion der Komedonen kann durch einen Arzt, eine Krankenschwester oder einen Arzthelfer durchgeführt werden. Das eine Ende des Komedonextraktors ähnelt einer Klinge oder einem Bajonett und punktiert den geschlossenen Mitesser. Das andere Ende drückt auf den Mitesser, um ihn zu extrahieren.

Orale Antibiotika (z. B. Tetracyclin, Minocyclin, Doxycyclin, Erythromycin) können bei ausgedehnten Läsionen angewandt werden, wenn eine topische Behandlung nur schwer möglich ist.

Mittelschwere Akne

Eine orale systemische Therapie mit Antibiotika ist der beste Weg, um eine mittelschwere Akne zu behandeln. Zu den bei Akne wirksamen Antibiotika gehören Tetracyclin, Minocyclin, Erythromycin und Doxycyclin. Der Behandlungserfolg stellt sich erst nach 12-wöchiger Therapie ein.

Die topische Therapie, wie die für leichte Akne, wird in der Regel gleichzeitig mit oralen Antibiotika eingesetzt.

Doxycyclin und Minocyclin sind Medikamente der ersten Wahl; beide können mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Tetracyclin ist auch eine gute erste Wahl, aber es kann nicht mit Nahrung eingenommen werden und kann eine geringere Wirksamkeit als Doxycyclin und Minocyclin haben. Die Dosierung von Doxycyclin und Minocyclin beträgt 50 bis 100 mg p.o. 2-mal täglich. Doxycyclin kann Lichtempfindlichkeit verursachen, und Minocyclin kann bei chronischem Gebrauch mehr Nebenwirkungen haben, einschließlich medikamenteninduziertem Lupus und Hyperpigmentierung. Die Tetracyclin-Dosierung beträgt 250 oder 500 mg p.o. 2-mal täglich zwischen den Mahlzeiten. Um die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen zu reduzieren, nachdem die Kontrolle erreicht wurde (normalerweise 2 bis 3 Monate), wird die Dosis so weit wie möglich konzediert, um die Kontrolle aufrechtzuerhalten. Antibiotika können abgesetzt werden, wenn die topische Therapie die Kontrolle behält.

Erythromycin und Azithromycin sind andere Optionen, aber sie können gastrointestinale Nebenwirkungen verursachen, und es kommt häufiger zu Antibiotikaresistenzen. Einige Ärzte verwenden auch Trimethoprim/Sulfamethoxazol, aber es kann sich eine antibakterielle Resistenz entwickeln, und diese Kombination kann seltene unerwünschte Arzneimittelwirkungen verursachen.

Bei Langzeitanwendung von Antibiotika kann eine gramnegative pustulöse Follikulitis um die Nase und zentrofazial entstehen. Diese seltene Superinfektion ist oft schwer zu behandeln, am besten mit oralem Isotretinoin nach Absetzen des oralen Antibiotikums. Alternativ kann bei gramnegativer Follikulitis Ampicillin gegeben werden. Bei Frauen kann durch eine antibiotische Langzeittherapie eine vaginale Kandidose entstehen. Sofern diese nicht durch lokale und systemische Maßnahmen zu beseitigen ist, muss die Antibiotikabehandlung der Akne abgesetzt werden.

Wenn der Patient weiblich ist und nicht auf orale Antibiotika anspricht, kann ein Versuch mit oralen Antiandrogenen (orale Kontrazeptiva und/oder Spironolacton) unternommen werden.

Schwere Akne

Patienten mit mittlerer Akne, bei denen Antibiotika unwirksam sind, und Patienten mit schwerer, entzündlicher Akne werden am besten mit oralem Isotretinoin behandelt. Die Dosierung von Isotretinoin beträgt für gewöhnlich 1-mal täglich 1 mg/kg für 16–20 Wochen, kann jedoch auch auf 1-mal täglich 2 mg/kg erhöht werden. Sofern diese Dosis aufgrund von Nebenwirkungen nicht vertragen wird, kann sie auf 1-mal täglich 0,5 mg/kg reduziert werden. Nach Abschluss der Behandlung bessert sich die Akne oft weiterhin.

Die meisten Patienten benötigen keinen zweiten Behandlungszyklus; wenn nötig, wird die Behandlung erst wieder aufgenommen, nachdem das Medikament für 4 Monate abgesetzt wurde, außer in schweren Fällen, in denen sie früher wieder aufgenommen werden kann. Eine erneute Behandlung ist öfter bei initial niedriger Dosierung (0,5 mg/kg) erforderlich. Bei dieser Dosis (die in Europa beliebt ist) treten zwar weniger Nebenwirkungen auf, aber die Therapie muss über einen längeren Zeitraum erfolgen. Die kumulative Dosierung hat an Unterstützung gewonnen; eine Gesamtdosis von 120 bis 150 mg/kg führte zu geringeren Rezidivraten, und einige Experten schlagen eine höhere kumulative Dosis von 220 mg/kg vor (2 Behandlungshinweise Die Acne vulgaris geht mit der Bildung von Komedonen (Mitessern), Papeln, Pusteln, Knötchen und/oder Zysten durch Obstruktion und Entzündung der Haarfollikel-Talgdrüsen-Einheit einher. Akne... Erfahren Sie mehr  Behandlungshinweise ).

Isotretinoin ist fast immer wirksam, allerdings ist seine Anwendung durch Nebenwirkungen beschränkt, wie trockene Konjunktiven und Genitalschleimhäute, aufgesprungene Lippen, Arthralgien, Depression, erhöhte Blutfettwerte und das Risiko von Geburtsfehlern, wenn die Behandlung während der Schwangerschaft erfolgt. Hydration mit Wasser gefolgt von der Applikation von Vaseline lindert in der Regel die Trockenheit der Schleimhäute und der Haut. Arthralgien (meist der großen Gelenke und des unteren Rückenbereiches) treten bei etwa 15% der Patienten auf. Über das erhöhte Risiko für Depressionen und Suizide wird zwar oft berichtet, aber diese sind wahrscheinlich selten. Es ist nicht klar, ob das Risiko von neuen oder sich verschlechternden chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) erhöht wird.

Vor Therapiebeginn müssen die Leberwerte, Triglyceride und Cholesterin erfasst sowie ein Blutbild gemacht werden. Nach 4 Wochen sollte dies wiederholt werden. Sofern keine Veränderungen aufgetreten sind, ist bis zum Therapieende keine erneute Kontrolle erforderlich. Selten steigen die Triglyceride so stark an, dass die Substanz abgesetzt werden muss. Die Leberfunktion ist nur selten beeinträchtigt. Da Isotretinoin teratogen ist, werdem Frauen im gebärfähigen Alter darüber informiert, dass sie 1 Monat vor Therapiebeginn, während der Therapie und für mindestens 1 Monat nach Therapieende 2 Kontrazeptionsformen anwenden müssen. Vor Therapiebeginn sowie monatlich während der Therapie und bis 1 Monat nach Therapieende sollten Schwangerschaftstests durchgeführt werden.

Zystische Akne

Bei Patienten mit zystischer Akne ist zur schnellen klinischen Besserung und zur Vermeidung von Narbenbildung die intraläsionale Injektion von 0,1 ml Triamcinolonacetonid-Suspension 2,5 mg/ml (dazu muss die Suspension mit 10 mg/ml verdünnt werden) indiziert. Dabei kann eine lokale Atrophie auftreten, die normalerweise aber nur vorübergehend ist. Bei isolierten, sehr pastösen Läsionen sind oft Inzision und Dränage von Vorteil, die jedoch Narben zurücklassen können.

Andere Akneformen

Rosazea fulminans wird mit oralen Kortikosteroiden und Isotretinoin behandelt.

Acne fulminans wird mit oralen Kortikosteroiden und systemischen Antibiotika behandelt.

Bei Acne conglobata wird orales Isotretinoin gegeben, sofern systemische Antibiotika nicht wirken.

Für durch endokrine Veränderungen (z. B. polyzystisches Ovar-Syndrom, virilisierende Nebennierentumoren bei Frauen) verursachte Akne sind Antiandrogene indiziert. Gelegentlich wird zur Behandlung von Akne Spironolacton, das eine gewisse antiandrogene Wirkung besitzt, in einer Dosis von 1-mal täglich 50–100 mg p.o. verordnet. In Europa wird Cyproteronacetat verwendet. Beim Versagen anderer Maßnahmen kann ein Kontrazeptivum mit Östrogen und Progesteron ausprobiert werden, wobei der Therapieeffekt erst nach 6-monatiger Behandlung zu erkennen ist.

Narbenbildung

Kleinere Narben werden mit chemischen Peelings, Laser-Abtragung oder Dermabrasion behandelt. Tiefere, diskretere Narben werden exzidiert. Breite, flache Vertiefungen können mit Subcision oder Injektion von Kollagen oder einem anderen Füllstoff behandelt werden. Füllstoffe, einschließlich Kollagen, Hyaluronsäure und Polymethylmethacrylat, sind vorübergehend und müssen regelmäßig wiederholt werden.

Behandlungshinweise

  • 1. Bienenfeld A, Nagler AR, Orlow SJ: Oral antibacterial therapy for acne vulgaris: An evidence-based review. Am J Clin Dermatol 18(4):469–490, 2017. doi: 10.1007/s40257-017-0267-z.

  • 2. Blasiak RC, Stamey CR, Burkhart CN, et al: High-dose isotretinoin treatment and the rate of retrial, relapse, and adverse effects in patients with acne vulgaris. JAMA Dermatol 149(12):1392–1398, 2013. doi: 10.1001/jamadermatol.2013.6746.

Weitere Informationen

Wichtige Punkte

  • Wenn sie nicht-entzündlich ist, wird Akne durch Mitesser gekennzeichnet und, wenn sie entzündlich ist, durch Papeln, Pusteln, Knötchen und Zysten.

  • Leichte und mittelschwere Akne heilt in der Regel bis zum Alter von Mitte 20 ohne Narbenbildung ab.

  • Den Patienten ist zu empfehlen, Auslöser zu vermeiden (z. B. okklusive Kosmetika und Kleidung, Reinigungsmittel für die Haut, Lotionen, hohe Feuchtigkeit, einige Medikamente und Chemikalien, möglicherweise ein hoher Verzehr von Milch und eine Ernährung mit Lebensmitteln, die einen hohen glykämischen Index haben).

  • Sowohl die psychologischen, als auch die physischen Auswirkungen von Akne sind zu beachten.

  • Verschreiben Sie ein topisches Komedolytikum (z. B. Tretinoin) und, für entzündliche Akne, Benzoylperoxid oder ein topisches Antibiotikum oder beide.

  • Verschreiben Sie ein orales Antibiotikum für mittelschwere Akne und orales Isotretinoin für schwere Akne.

  • Behandeln Sie zystische Akne mit intraläsionalem Triamcinolon, wenn dies bei akuten Läsionen erforderlich ist.

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Rosazea
Eine 35-jährige Frau wird in der Praxis vorstellig, weil sie seit einer Woche Rötungen und Schwellungen im Gesicht hat. Sie sagt auch, dass sie im gleichen Zeitraum mehrere Hitzewallungen und ein Brennen in denselben Bereichen verspürte, nachdem sie sich draußen in der Kälte aufgehalten hatte. Die körperliche Untersuchung ergibt ein Erythem, ein Ödem und mehrere Teleangiektasien an Wangen und Nase. In welcher der folgenden Phasen einer Rosazea befindet sich diese Patientin am wahrscheinlichsten?

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