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Akute bakterielle Konjunktivitis

Von

Melvin I. Roat

, MD, FACS, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Apr 2018
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Quellen zum Thema

Eine akute Konjunktivitis kann durch viele Bakterien verursacht werden. Symptome sind Hyperämie, Tränenträufeln, Irritation und Sekretion. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Therapie erfolgt mit lokalen Antibiotika, wird aber in schweren Fällen durch systemische Antibiotika verstärkt.

Die meisten bakteriellen Konjunktivitiden sind akut. Eine chronische bakterielle Konjunktivitis kann durch Chlamydia und selten Moraxella verursacht sein. Eine Chlamydienkonjunktivitis umfasst das Trachom und die Einschlusskonjunktivitis des Erwachsenen oder des Neugeborenen.

Ätiologie

Eine bakterielle Konjunktivitis ist meistens durch Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae, Haemophilus-Spezies oder seltener durch Chlamydia trachomatis ( Trachom) verursacht. Die durch Neisseria gonorrhoeae verursachte Gonokokkenkonjunktivitis tritt meistens nach sexuellem Kontakt mit einer Person, die eine Genitalinfektion hat, auf.

Ophthalmia neonatorum (neonatale Konjunktivitis) wird durch eine mütterliche Gonokokken- und/oder Chlamydieninfektion verursacht. Eine neonatale Konjunktivitis kommt nach einer Spontangeburt mit Passage eines infizierten Geburtskanals bei 20–40% der Neugeborenen vor.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome sind typischerweise unilateral, breiten sich aber innerhalb weniger Tage auf das andere Auge aus. Das Sekret ist typischerweise eitrig.

Augen- und Lidbindehaut sind intensiv hyperämisch und ödematös. Subkonjunktivale Petechien, Chemosis, Photophobie und ein vergrößerter präaurikulärer Lymphkoten fehlen typischerweise. Das Augenlidödem ist oft moderat.

Bei der Gonokokkenkonjunktivitis des Erwachsenen entwickeln sich 12–48 h nach der Exposition Symptome. Typisch sind ein starkes Lidödem, Chemosis und profuses eitriges Exsudat. Seltene Komplikationen sind Hornhautulzeration, Abszess, Perforation, Panophthalmie und Blindheit.

Die Ophthalmia neonatorum, die durch eine Gonokokkeninfektion verursacht wird, manifestiert sich 2–5 Tage nach der Geburt. Bei der Ophthalmia neonatorum, die durch eine Chlamydieninfektion verursacht wird, treten die Symptome nach 5–14 Tagen auf. Beide Formen sind eine bilaterale, stark ausgeprägte papilläre Konjunktivitis mit Augenlidödem, Chemosis und mukopurulentem Sekret.

Diagnose

  • Klinische Bewertung

  • Manchmal Kultur eines Bindehautabstrichs oder -abkratzpräparats

Die Diagnose der Konjunktivitis und die Differenzierung zwischen bakterieller, viraler und infektiöser Konjunktivitis (siehe Tabelle: Differenzierungsmerkmale der akuten Konjunktivitis) werden in der Regel klinisch gestellt. Bei Patienten mit schweren Symptomen, eingeschränkter Immunabwehr, Nichtansprechen auf die initiale Therapie oder einem empfindlichen Augen (z. B. nach Hornhauttransplantation, bei endokriner Ophthalmopathie) sollten Abstriche entnommen und Bakterienkulturen angelegt werden. Abstriche und Abkratzpräparate von der Bindehaut sollten mikroskopisch untersucht werden. Mit einer Gram-Färbung lassen sich Bakterien nachweisen und mit einer Giemsa-Färbung die charakteristischen basophilen zytoplasmatischen Einschlusskörperchen in den Epithelzellen bei einer Chlamydienkonjunktivitis ( Einschlusskonjunktivitis des Erwachsenen).

Tabelle
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Differenzierungsmerkmale der akuten Konjunktivitis

Ätiologie

Ausfluss/Zelltyp

Lidödem

Knotenbeteiligung

Juckreiz

Eitrig/polymorphkernige Leukozyten

Moderat

Normalerweise keine

Keine

Klar/mononukleären Zellen

Minimal

Oft vorliegend

Keine

Klar, schleimig, zäh/Eosinophilen

Mittelschwer bis schwer

Keine

Mild bis intensiv

Therapie

  • Antibiotika (topische für alle Ursachen außer Gonokokken und Chlamydien)

Die bakterielle Konjunktivitis ist sehr ansteckend, daher sollten Standardmaßnahmen der Infektionsbekämpfung befolgt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Um eine Übertragung der Infektion zu vermeiden, müssen Ärzte

  • Verwenden Sie ein Handdesinfektionsmittel oder waschen Sie Ihre Hände gründlich (vollseifen Sie die Hände, schrubben Sie die Hände für mindestens 20 Sekunden, spülen Sie sie gut ab und schalten Sie das Wasser mit einem Papiertuch aus).

  • Desinfektion der Geräte nach der Untersuchung der Patienten

Patienten sollten Folgendes tun:

  • Verwenden Sie Händedesinfektionsmittel und/oder waschen Sie ihre Hände gründlich, nachdem Sie ihre Augen oder Nasensekret berührt haben

  • Berühren Sie das nicht infizierte Auge nicht, nachdem Sie das infizierte Auge berührt haben

  • Vermeiden Sie, Handtücher oder Kissen zu teilen

  • Vermeiden Sie das Schwimmen in Pools

Wenn weder eine Gonokokken- noch eine Chlamydieninfektion zu vermuten ist, führen die meisten Kliniker auf Verdacht eine 7- bis 10-tägige Behandlung mit Ofloxacin-Augentropfen (3-mal täglich) oder mit einem anderen Fluorchinolon oder Trimethoprim/Polymyxin B (3-mal täglich) durch. Ein schwaches klinisches Ansprechen nach 2 oder 3 Tagen deutet auf resistente Bakterien, ein Virus oder eine Allergie als Ursache hin. Kultur und Antibiogramm sollten dann durchgeführt werden (wenn dies noch nicht vorher geschehen); die Ergebnisse leiten die anschließende Behandlung.

Aufgrund der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel und weil bei Patienten mit Gonorrhoe häufig eine genitale Chlamydien-Infektion vorliegt, erfordert die Gonokokken-Konjunktivitis bei Erwachsenen eine duale Therapie mit einer Einzeldosis Ceftriaxon 1 g i. m. plus Azithromycin 1 g p. o. (mit einer Azithromycin-Allergie oder zur Behandlung einer erwarteten Chlamydien-Koinfektion Verwenden Sie Doxycyclin 100 mg p. o. für 7 Tage). Fluorchinolone werden nicht mehr empfohlen, da die Resistenz weit verbreitet ist. Zusätzlich zur systemischen Therapie kann Bacitracin (500 I.E./g) oder Gentamicin 0,3% Augensalbe alle 2 h in das betroffene Auge instilliert werden. Sexualpartner sollten ebenfalls behandelt werden. Die Patienten müssen auf andere sexuell übertragbare Krankheiten untersucht werden und die lokalen Gesundheitsbehörden (zumindest in den USA) müssen informiert werden.

Eine Ophthalmia neonatorum lässt sich durch routinemäßige Anwendung von Silbernitrat-Augentropfen oder Erythromycin-Salbe nach der Geburt verhindern. (Anmerkung der Redaktion für den deutschsprachigen Raum: In Deutschland wird keine Prophylaxe nach Geburt durchgeführt. Die Anwendung von Silbernitrat-Augentropfen ist verboten, Erythromycin-Salbe ist nicht im Handel erhältlich. Eine Antibiotische Therapie erfolgt nur bei tatsächlichen Zeichen einer Infektion.) Wenn sich trotz dieser Behandlung Infektionen entwickeln, ist eine systemische Therapie nötig. Bei einer Gonokokkeninfektion wird Ceftriaxon 25–50 mg/kg i.v. oder i.m. (nicht über 125 mg) als Einzeldosis gegeben. Eine Chlamydieninfektion wird mit Erythromycin (4-mal täglich 12,5 mg/kg p.o. oder i.v. über 14 Tage) behandelt. Die Eltern sollten mitbehandelt werden.

Wichtige Punkte

  • Die akute bakterielle Konjunktivitis unterscheidet sich von der viralen Konjunktivitis durch das Vorliegen von eitrigem Ausfluss und das Fehlen einer Chemosis und einer präaurikulären Adenopathie.

  • Formen der bakteriellen Konjunktivitis, die unterschiedlich behandelt werden müssen, umfassen die neonatale Konjunktivitis, die Gonokokkenkonjunktivitis, das Trachom und die Einschlusskonjunktivitis.

  • Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt.

  • Die Behandlung umfasst Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung sowie Antibiotika (topische wie ein Fluorchinolon, mit Ausnahme von Gonokokken und Chlamydien als Ursache).

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