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Stumpfe Verletzung des Herzens

(Herzkontusion, myokardiale Kontusion)

Von

Thomas G. Weiser

, MD, MPH, Stanford University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2020| Inhalt zuletzt geändert Jun 2020
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Eine stumpfe Verletzung des Herzens entsteht durch Stoßeinwirkung auf den Brustkorb, durch den der Herzmuskel geprellt wird, ein Riss (eine Ruptur) in den Herzwänden entsteht oder eine Herzklappe verletzt wird.

  • Die Betroffenen haben unter Umständen das Gefühl von Herzklopfen oder Herzrasen, sind kurzatmig oder haben gefährlich niedrigen Blutdruck.

  • Es wird eine Elektrokardiographie (EKG) und eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) des Herzens durchgeführt.

  • Bei Herzrhythmusstörungen (beschleunigter, verlangsamter oder unregelmäßiger Herzschlag) werden die Patienten ins Krankenhaus eingewiesen, damit der Rhythmus kontinuierlich überwacht werden kann.

  • Personen mit Schädigung einer Herzklappe oder einem Riss in der Herzwand müssen meist operiert werden.

Eine stumpfe Verletzung ist ein kraftvoller Stoß, der die Haut nicht penetriert. Stumpfe Verletzungen des Herzens können bei einem Fahrzeugunfall, einem Sturz aus größerer Höhe oder in selteneren Fällen durch einen direkten Stoß entstehen.

Bei schweren Herzverletzungen sterben die Betroffenen oft, bevor sie behandelt werden können. Viele Verletzungen verschlimmern sich jedoch im Lauf von Stunden oder längeren Zeiträumen.

Eine Prellung des Herzmuskels (myokardiale Kontusion) kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Infolgedessen kann das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig (Arrhythmie) schlagen.

Ein Riss in der Herzwand (ventrikuläre Ruptur) verursacht häufig eine tödliche Blutung, bevor die Betroffenen in ein Krankenhaus gebracht werden können. Handelt es sich um einen kleinen Riss, wird die Blutung manchmal durch die das Herz umgebende Membran (Perikard) lang genug aufgehalten, damit die Betroffenen behandelt werden können. Das Blut, das sich dabei um das Herz herum ansammelt, kann dazu führen, dass sich das Herz nicht mehr richtig mit Blut füllen kann ( Herzbeuteltamponade).

Die Schädigung einer Herzklappe kann zu Herzversagen führen.

Selten kann ein Riss in der Membran zwischen den beiden Herzkammern auftreten (Septumruptur). Ein solcher Riss nach einer stumpfen Verletzung kann unter Umständen erst einige Zeit symptomatisch werden. Mit der Zeit kann es dann zur Herzinsuffizienz kommen.

Herzerschütterung (Commotio cordis)

Herzerschütterung (lat. Commotio cordis) bezeichnet den plötzlichen Stillstand des Herzens (Herzstillstand) infolge eines Stoßes bzw. Schlags auf die Brust. Der Schlag geht oft von einem sich schnell bewegenden, harten Gegenstand aus (etwa einem Baseball oder Hockeypuck). Eine Herzerschütterung tritt daher in der Regel bei sportlichen Aktivitäten bei jungen Menschen auf. Warum es zum Herzstillstand kommt, ist nicht vollständig geklärt. Eine Herzerschütterung ist jedoch nicht die Folge einer zugrundeliegenden Herzerkrankung oder einer physischen Schädigung des Herzmuskels. Manche Fachleute sind der Ansicht, dass der Herzstillstand eintritt, weil der Schlag während des Zyklus, der jeden Herzschlag hervorbringt, in einem kritischen Moment erfolgt ist. Der Schlag unterbricht die elektrischen Signale, mit deren Hilfe das Herz kontinuierlich und regelmäßig schlägt.

Symptome einer stumpfen Verletzung des Herzens

Eine stumpfe Verletzung des Herzens kann sich durch verschiedene Symptome äußern. Die meisten Betroffenen leiden unter Schmerzen, häufig auch unter Prellungen oder anderen Verletzungen in der Gegend des Brustbeins oder der Rippen. Bisweilen liegen Symptome einer Herzinsuffizienz vor, zum Beispiel Kurzatmigkeit. Der Betroffene kann in einen Schockzustand geraten. Dies ist daran erkennbar, dass die Haut von einem Schweißfilm bedeckt, kühl und bläulich verfärbt und der Blutdruck gefährlich stark erniedrigt ist. Es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen. Die Betroffenen haben das Gefühl eines hämmernden oder rasenden Herzens, oder dass der Herzschlag gestört ist (Palpitationen).

Diagnose einer stumpfen Verletzung des Herzens

  • Elektrokardiographie (EKG) und Echokardiographie

Wenn eine stumpfe Herzverletzung vorliegen könnte, wird in der Regel ein EKG durchgeführt, um Herzrhythmusstörungen festzustellen. Mitunter wird auch auf Vorhandensein bestimmter Substanzen im Blut (Serum-Marker) getestet, die vom geschädigten Herz freigesetzt werden.

Es wird eine Echokardiographie durchgeführt, manchmal bereits in der Notaufnahme. Mit einer Echokardiographie können Anomalien der Art und Weise, wie sich die Herzwand bewegt, festgestellt werden. Auch Blut- oder Flüssigkeitsansammlungen um das Herz, ein Riss in der Herzwand oder die Schädigung einer Herzklappe sind dadurch erkennbar.

Behandlung einer stumpfen Verletzung des Herzens

  • Behandlung von damit zusammenhängenden Problemen, beispielsweise von Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz oder Herzstillstand

Bei Herzrhythmusstörungen werden die Patienten zur Überwachung ins Krankenhaus eingewiesen, da diese Herzrhythmusstörungen sich ganz plötzlich verschlechtern können.

Wenn eine stumpfe Verletzung des Herzens andere Probleme verursacht (zum Beispiel Herzinsuffizienz oder Schaden an der Herzklappe), werden die Patienten zur Behandlung ins Krankenhaus eingewiesen.

Personen, die nach einem stumpfen Schlag auf die Brust kollabieren, müssen sofort auf Herzstillstand untersucht werden. Wenn ein Herzstillstand vorliegt, wird sofort eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) durchgeführt. Dafür wird ein automatisierter externer Defibrillator (AED) verwendet, sofern ein solcher verfügbar ist. Etwa 35 Prozent der mit einem AED behandelten Personen überleben.

Mehrere Maßnahmen tragen dazu bei, eine Herzerschütterung zu verhindern. Beispielsweise kann Spielern beigebracht werden, wie sie sich selbst schützen können (bestimmte Abwehrstrategien), indem sie Brustkorbprotektoren und weichere Bälle verwenden und bei Sportereignissen AED bereitgestellt werden und ausgebildete Notfallsanitäter vor Ort sind.

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