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Pilzvergiftung (Giftpilze)

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Kurzinformationen

Viele Pilzarten sind giftig. Das Vergiftungspotenzial bei einer einzigen Art kann zu verschiedenen Zeiten einer Anbausaison und je nach Zubereitungsart verschieden sein. Es ist schwierig, in der Natur giftige von ungiftigen Pilzen zu unterscheiden, sogar für Menschen mit viel Fachwissen. Volksweisheiten sind nicht verlässlich. (Siehe auch Übersicht über Vergiftungen.)

Alle giftigen Pilze verursachen Erbrechen und Bauchschmerzen. Je nach Art von Pilz sind die anderen Symptome ganz verschieden. Im Allgemeinen sind Pilze, die früh (innerhalb von 2 Stunden) nach der Einnahme zu Symptomen führen, weniger gefährlich als solche, die später (für gewöhnlich nach 6 Stunden) Symptome verursachen.

Frühe Magen-Darm-Symptome

Gifte, die früh Symptome im Verdauungstrakt (wie etwa Chlorophyllum molybdates und die kleinen braunen Pilze, die oft auf dem Rasen wachsen) nach sich ziehen, verursachen Erbrechen und Durchfall. Diese Symptome entwickeln sich innerhalb von ein bis sechs Stunden. Manchmal ist der Durchfall blutig. Manche Betroffene haben Kopf- oder Gliederschmerzen. Die Symptome legen sich für gewöhnlich innerhalb von 24 Stunden wieder.

Frühsymptome, die das Gehirn und die Wirbelsäule betreffen

Pilze, die rasch Symptome verursachen, welche das Hirn und das Rückenmark schädigen, sind unter anderem halluzinogene Pilze, die das Halluzinogen Psilocybin enthalten. Die häufigsten gehören zur Gattung Psilocybe, aber auch einige andere Pilze enthalten Psilocybin. Sie führen auch innerhalb von 15 bis 45 Minuten nach Verzehr zu Übelkeit und Erbrechen. Die Symptome beginnen innerhalb von 20 bis 90 Minuten nach der Einnahme und sind unter anderem Euphorie, Phantasievorstellungen und Halluzinationen. Häufig ist der Puls beschleunigt und der Blutdruck erhöht, manche Kinder entwickeln Fieber. Diese Symptome klingen aber ohne Behandlung ab und schwere Folgen sind selten, sodass meistens keine besondere Behandlung notwendig ist. Wenn der Betroffene aber sehr unruhig ist, verabreicht der Arzt eventuell ein Beruhigungsmittel (wie etwa Lorazepam).

Frühe Symptome, die durch muskarinhaltige Pilze verursacht werden

Bei vielen Inocybe- und einigen Clitocybe-Arten ist Muscarin die toxische Substanz. Symptome, die innerhalb von 30 Minuten nach dem Verzehr auftreten können, sind unter anderem:

  • Erhöhtes Augentränen und Speichelfluss

  • Verengung (Konstriktion) der Pupillen

  • Schwitzen

  • Erbrechen, Magenkrämpfe, Durchfall

  • Schwindel

  • Muskelzucken (Faszikulationen)

  • Verwirrung, Koma, Anfälle (gelegentlich)

Auch wenn diese Symptome ernsthaft sind, verlaufen sie bei den meisten Betroffenen leicht und klingen innerhalb von 12 Stunden wieder ab. Die Ärzte spritzen Patienten mit schweren Symptomen Atropin (intravenös), und so gut wie alle erholen sich innerhalb von 24 Stunden. Ohne Behandlung kann bei einer schweren Vergiftung innerhalb weniger Stunden der Tod eintreten.

Verzögert eintretende gastrointestinale und andere Symptome

Pilze, die verzögerte Symptome des Darmtrakts verursachen, sind zum Beispiel Amanita phalloides und damit verwandte Pilzarten (aus den Gattungen Amanita, Gyromitra und Cortinarius).

Knollenblätterpilze verursachen 95 Prozent der Todesfälle aufgrund einer Pilzvergiftung. Das Erbrechen und der Durchfall beginnen innerhalb von 6 bis 12 Stunden. Manchmal senkt sich der Blutzuckerspiegel gefährlich. Die Symptome dauern nur ein paar Tage an. Bei einigen Patienten kann es dann jedoch auch zu einer Leber- und manchmal Niereninsuffizienz kommen. Durch ein Versagen der Leber wird die Haut gelb (Gelbsucht). Patienten mit einer Niereninsuffizienz scheiden weniger oder gar keinen Urin mehr aus. Manchmal verschwinden die Symptome von allein, aber etwa die Hälfte der Patienten mit dieser Art von Vergiftung stirbt innerhalb von 5 bis 8 Tagen. Patienten mit einem Leberversagen können eventuell überleben, wenn sie ein Lebertransplantat erhalten.

Amanita smithiana-Pilze führen tendenziell zu einem verzögerten Erbrechen und verzögertem Durchfall (etwa 6 bis 12 Stunden nach dem Verzehr). Eine Niereninsuffizienz kann innerhalb von 3 Tagen bis 1 oder 2 Wochen nach Verzehr der Pilze auftreten und die Patienten benötigen oft kurzzeitig eine Hämodialyse.

Auch Gyromitra-Pilze führen zu zeitlich verzögertem Erbrechen und Durchfall und einem niedrigen Blutzuckerspiegel. Weitere Probleme sind Vergiftungserscheinungen des Gehirns (wie etwa Krämpfe) und nach einigen Tagen Leber- und Niereninsuffizienz.

Die meisten Gyromitra-Pilze stammen aus Europa. Das Erbrechen und der Durchfall können 3 Tage lang anhalten. Eine Niereninsuffizienz mit Symptomen wie Flankenschmerzen und geringe Urinausscheidung können 3 bis 20 Tage nach dem Verzehr der Pilze eintreten. Die Nieren erholen sich von allein wieder.

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