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Muskelkrämpfe

Von

Michael C. Levin

, MD, College of Medicine, University of Saskatchewan

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Ein Muskelkrampf ist die plötzlich einsetzende, kurze, unbeabsichtigte und meist schmerzhafte Anspannung eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Muskelkrämpfe können ein Symptom einer Fehlfunktion des Nervensystems sein.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen von Muskelkrämpfen sind

  • Milde Beinkrämpfe, welche ohne bekannten Grund und typischerweise in der Nacht auftreten

  • Muskelkrämpfe, die aufgrund von Sportübungen auftreten (Krämpfe während oder unmittelbar nach der Übung)

Muskelkrämpfe (Muskelkater) kommen oft bei gesunden Menschen vor, meist bei Personen im mittleren Alter und Senioren, manchmal jedoch auch bei jüngeren Menschen. Krämpfe treten in der Regel während oder nach größeren Körperanstrengungen auf, doch gelegentlich auch während der Entspannung. Manche Menschen bekommen schmerzhafte Beinkrämpfe im Schlaf. Schlafbedingte Beinkrämpfe betreffen meistens die Waden- und Fußmuskulatur, sodass der Fuß und die Zehen sich nach unten krümmen. Obgleich sie schmerzhaft sind, sind diese Krämpfe normalerweise nicht ernst und werden folglich gutartige Beinkrämpfe genannt.

Fast jeder hat manchmal Muskelkrämpfe, doch das Risiko und/oder die Schwere dieser Krämpfe wird durch manche Erkrankungen erhöht. Hierzu gehört Folgendes:

  • Eine verspannte Wadenmuskulatur, die durch fehlendes Dehnen, Bewegungsmangel oder manchmal eine wiederholte Flüssigkeitsansammlung (Ödem) im unteren Bein hervorgerufen wird

  • Störungen im Mineralstoffhaushalt (wie Kalium-, Magnesium- oder Kalziummangel)

  • Eine Erkrankung der Nerven oder eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)

  • Einnahme bestimmter Arzneimittel

Niedrige Elektrolytwerte können durch einige Diuretika, Alkoholismus, bestimmte Hormon- bzw. Endokrinstörungen, Vitamin-D-Mangel oder Bedingungen verursacht werden, die zu Flüssigkeitsverlust (und somit auch zum Verlust von Elektrolyten) führen. Der Elektrolytspiegel kann gegen Ende der Schwangerschaft sinken.

Krämpfe können kurz nach einer Dialyse entstehen, und zwar vermutlich deswegen, weil die Dialyse große Flüssigkeitsmengen aus dem Körper entfernt, die Flüssigkeit zu schnell beseitigt und/oder den Elektrolytspiegel senkt.

Tabelle
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Bedingungen, die Muskelkrämpfe verursachen oder fördern

Kategorie

Beispiele

Arzneimittel

Verwendung bestimmter Arzneimittel

Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker und einige Betablocker (zur Behandlung von Bluthochdruck), Bronchodilatatoren (zur Behandlung von Asthma), Cisplatin, Clofibrat, Diuretika, Donepezil, Lovastatin, Anti-Baby-Pillen (orale Kontrazeptiva), Pyrazinamid, Raloxifen, synthetisches Parathormon (Teriparatid), Tolcapon oder Vincristin

Stimulanzien, wie Amphetamine, Koffein, Kokain, Ephedrin, Nikotin oder Pseudoephedrin

plötzliches Absetzen einer Substanz

Beruhigungsmittel, wie Alkohol, Barbiturate oder Benzodiazepine

Arzneimittel zur Behandlung von Schlaflosigkeit oder Angstzuständen

Erkrankungen

Elektrolyt- und Hormon- bzw. Endokrinstörungen

Niedriger Kaliumspiegel (Hypokaliämie), niedriger Magnesiumspiegel (Hypomagnesiämie) oder niedriger Kalziumspiegel (Hypokalzämie)

Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse)

Muskel-Skelett-Erkrankungen

feste Wadenmuskulatur

Myopathien (Störungen, die die Muskeln beeinträchtigen)

Strukturstörungen, wie Plattfüße oder Genu recurvatum (eine Missbildung des Kniegelenks, durch die sich das Knie rückwärts biegt)

Nervenstörungen

Motoneuronerkrankungen (Nervenstörungen, welche Muskeln beeinträchtigen, die durch bewusste Anstrengung gesteuert werden)

Periphere Neuropathien (Schädigung der Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks)

Kompression einer Spinalnervenwurzel

Störungen des Wasserhaushalts

Übermäßiges Schwitzen mit unzulänglichem Ersatz von Salz oder Kalium

Auswirkungen der Dialyse – wenn zum Beispiel zu viel oder zu schnell Flüssigkeit aus dem Körper entfernt wird

Andere Faktoren

Bewegung und Lebensstil

Krämpfe während oder kurz nach dem Training

zu langes Sitzen

Störungen, die ähnliche Symptome verursachen

Einige Störungen verursachen Symptome, die Muskelkrämpfen ähnlich sind.

Dystonien sind unwillkürliche Muskelkontraktionen, welche jedoch in der Regel länger als Muskelkrämpfe andauern. Außerdem neigen sie dazu, andere Muskeln zu betreffen und können viele weitere Muskeln, einschließlich der Bein-, Rücken-, Nacken- und Sprachmuskulatur beeinträchtigen. Demgegenüber neigen gutartige Beinkrämpfe und Muskelkrämpfe als Folge von sportlicher Betätigung dazu, sich auf die Wadenmuskeln auszuwirken.

Tetanie ist die ununterbrochene oder periodische Verkrampfung der Muskeln im ganzen Körper. Diese Krämpfe dauern in der Regel viel länger als Muskelkrämpfe und sind ausgedehnter. Die Muskeln können auch zucken.

Illusorische Muskelkrämpfe treten bei einigen Menschen auf. Diese Menschen fühlen sich, als ob sie Krämpfe hätten, ohne dass jedoch eine Muskelkontraktion erfolgt.

Eine Verhärtung der Arterien in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit) kann bei körperlicher Aktivität, wie z. B. beim Gehen, Wadenschmerzen verursachen. Dieser Schmerz entsteht infolge unzureichender Muskeldurchblutung und nicht, wie bei Krämpfen, aufgrund der Muskelkontraktion.

Beurteilung

Die folgenden Angaben können bei der Entscheidung behilflich sein, ob eine ärztliche Beurteilung nötig ist, und liefern Gewissheit darüber, was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Die folgenden Symptome und Merkmale sind für Menschen mit Muskelkrämpfen von besonderer Bedeutung:

  • Krämpfe in den Armen oder im Rumpf

  • Muskelzucken

  • Alkoholismus

  • Schwäche

  • Krämpfe, die nach dem Verlust von Körperflüssigkeiten (Dehydratation, Flüssigkeitsmangel) oder der Einnahme von Diuretika entstehen

  • Schmerzen oder Verlust des Gefühls, mit Ausnahme eines mit den Krämpfen gleichzeitigen Auftretens

Krämpfe in den Armen oder im Rumpf bzw. Muskelzucken werden eher durch eine Erkrankung (wie eine Elektrolyt- oder Hormonstörung) oder ein Medikament verursacht und haben weniger mit gutartigen Beinkrämpfen oder Muskelkrämpfen im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung zu tun.

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Menschen mit Muskelkrämpfen sollten so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen, falls sie auch an Alkoholismus, plötzlicher Schwäche, Verlust des Gefühls oder anderen schweren Symptomen leiden bzw. falls sie Körperflüssigkeiten verloren haben (zum Beispiel durch Erbrechen, Durchfall oder übermäßiges Schwitzen). Andernfalls sollten sie ihren Arzt anrufen und absprechen, wann sie ihn aufsuchen sollten.

Was der Arzt unternimmt:

Der Arzt befragt zunächst den Betroffenen über Symptome und Krankengeschichte und führt anschließend eine körperliche Untersuchung durch. Die Ergebnisse der Krankengeschichte und der ärztlichen Untersuchung deuten oft auf eine Ursache hin und geben Anhaltspunkte für durchzuführende Tests.

Der Arzt bittet den Patienten, die Krämpfe folgendermaßen zu beschreiben:

  • Wann sie auftreten

  • Wie lange sie dauern

  • Wie oft sie auftreten

  • Wo sie auftreten

  • Ob sie möglicherweise durch ein Ereignis ausgelöst werden

  • Ob andere Symptome vorliegen

Er fragt nach Symptomen, die Hinweise auf die Ursache liefern:

  • Ausbleiben der Menstruation oder Menstruationsunregelmäßigkeiten – Symptome, die auf schwangerschaftsbedingte Beinkrämpfe hinweisen

  • Erbrechen, Durchfall, Einnahme von Diuretika, übermäßige körperliche Betätigung und Schwitzen – Symptome, die auf einen Flüssigkeits- oder Elektrolytmangel hinweisen

  • Schwierigkeit, Kälte zu ertragen, Gewichtszunahme und grobe, dicke Haut – Symptome, die auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hinweisen können

  • Schwäche, Schmerzen oder Verlust des Gefühls – Symptome, die auf eine Nervenerkrankung hinweisen

Es wird auch nach dem Arzneimitteln- und Alkoholkonsum gefragt, bzw. nach aktuellen Dialysebehandlungen und jeder Verbindung zwischen vergangenen Dialysebehandlungen und Muskelkrämpfen.

Die körperliche Untersuchung konzentriert sich zunächst auf das Nervensystem (neurologische Untersuchung), einschließlich der Beurteilung von Muskeln und Reflexen. Der Arzt untersucht auch die Haut auf folgende Anzeichen:

  • Alkoholismus (wie Besenreiser, rote Handflächen und, bei Männern, Verteilung des Haarwachstums im Genitalbereich)

  • Hypothyreose (wie ein aufgeschwollenes Gesicht und Ausfall der Augenbrauen)

  • Dehydratation (wie weniger elastische Haut)

Tests

Routinemäßig werden keine Tests durchgeführt.

Wenn die Krämpfe großflächig sind und insbesondere wenn Reflexe überaktiv sind, messen Ärzte den Blutzucker- und Elektrolytspiegel (einschließlich Kalzium und Magnesium) und führen Bluttests durch, um eine Fehlfunktion der Nieren zu prüfen (was zu einer auffälligen Kalzium- und Magnesiumkonzentration führen kann).

Wenn die verkrampften Muskeln gleichzeitig schwach sind, kann eine Elektromyographie durchgeführt werden. Bei diesem Test werden kleine Nadeln in einen Muskel eingeführt, um die elektrische Aktivität des Muskels in Ruhe und in Anspannung aufzuzeichnen.

Wenn die Muskelschwäche ausgedehnt ist und die Ärzte denken, dass sie mit dem Nervensystem zusammenhängt, wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und des Rückenmarks durchgeführt.

Vorbeugung

Krämpfen vorzubeugen ist die beste Behandlung. Folgende Maßnahmen können helfen:

  • kein Training unmittelbar nach dem Essen

  • sanfte Muskeldehnung vor dem Training oder dem Schlafengehen

  • nach dem Training viel Flüssigkeit aufnehmen (vor allem kaliumreiche Getränke für Sportler)

  • Verzicht auf Koffein (z. B. im Kaffee oder in der Schokolade)

  • nicht rauchen

  • Meiden von Stimulanzien wie Ephedrin oder Pseudoephedrin (ein abschwellendes Mittel, das in vielen Präparaten enthalten ist, die zwar nicht verschreibungspflichtig, jedoch nur in Apotheken zu bekommen sind)

Durch Dehnübungen werden Muskeln und Sehnen flexibler und es wird unwahrscheinlicher, dass sie sich unwillkürlich zusammenziehen. Dehnübungen des Zwillingswadenmuskels (Musculus gastrocnemius), wie Läufer sie machen, sind das beste Gegenmittel zur Vorbeugung von Wadenkrämpfen. Hierzu stellt man ein Bein nach vorne und winkelt es am Knie ab. Das andere Bein steht hinten, mit gestrecktem Knie, sodass ein Ausfallschritt entsteht. Um das Gleichgewicht zu behalten, können die Hände an die Wand gelegt werden. Beide Fersen bleiben auf dem Fußboden. Das Knie des vorderen Beines wird weiter abgewinkelt, bis ein Dehnen entlang der Rückseite des anderen Beines gespürt wird. Je größer der Abstand zwischen beiden Beinen und je stärker das vordere Bein abgewinkelt ist, desto größer ist die Dehnung. Die Dehnung wird 30 Sekunden lang beibehalten und 4- bis 5-mal wiederholt. Dann wird die Dehnübung auf der anderen Seite wiederholt.

Wussten Sie ...

  • Dehnen hilft, Krämpfen vorzubeugen, weil es eine unbeabsichtigte Muskelkontraktion verhindert.

Behandlung

Wird eine Erkrankung festgestellt, die Muskelkrämpfe verursacht, wird sie behandelt.

Beim Auftreten eines Krampfs kann das Dehnen des betroffenen Muskels oft den Krampf entspannen. Bei einem Wadenkrampf zum Beispiel kann der Betroffene Fuß und Zehen mit seiner Hand nach oben ziehen oder eine Läuferdehnung ausführen. Durch Massage lassen sich einige Arten von Krämpfen zeitweise lindern.

Die meisten der Substanzen, die zur Vorbeugung gegen wiederkehrende Krämpfe verschrieben werden (wie Kalziumpräparate, Magnesiumkarbonat und Benzodiazepine wie Diazepam) haben sich entweder als nicht wirksam erwiesen oder können deutliche Nebenwirkungen haben. Chinin wird aufgrund seiner Nebenwirkungen wie Erbrechen, Sehstörungen, Ohrensausen und Kopfschmerzen nicht mehr als Behandlung für Muskelkrämpfe empfohlen. Mexiletin (zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen) hilft manchmal, hat aber ebenfalls viele Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Erbrechen, Tremor (rhythmisches Zittern eines Körperteils) und Krampfanfälle.

Wichtigste Punkte

  • Beinkrämpfe kommen häufig vor.

  • Die häufigsten Ursachen sind gutartige Beinkrämpfe und mit körperlicher Aktivität verbundene Verkrampfungen.

  • Dehnübungen und der Verzicht auf Koffein können helfen, Muskelkrämpfen vorzubeugen.

  • Es wird in der Regel keine medikamentöse Therapie empfohlen, um Muskelkrämpfe zu verhindern.

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