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Flüchtige Lösungsmittel

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2017| Inhalt zuletzt geändert Aug 2017
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Quellen zum Thema

Flüchtige Lösungsmittel sind Flüssigkeiten, die schnell verdampfen. Wird das entstandene Gas eingeatmet, kann es zu Vergiftungen und langfristigen Nerven- und Organschädigungen kommen.

Flüchtige Lösungsmittel finden sich in vielen Haushaltsprodukten wie Klebestoffen, Farben und Reinigungsmitteln. Daher sind sie für Kinder und Jugendliche leicht zugänglich. In den USA inhalieren etwa 10 Prozent der Jugendlichen Lösungsmittel (Schnüffelstoffe) ( Substanzgebrauch und –missbrauch unter Jugendlichen).

Abhängige sprühen solche Produkte oft in eine Plastiktüte und atmen dann die Dämpfe ein (schnüffeln), oder sie tränken ein Tuch mit dem Mittel und halten es an die Nase oder stecken es in den Mund (Huffen).

Produkte, die oft flüchtige Lösungsmittel enthalten

  • Klebstoffe

    • Flugzeugkleber

    • Gummilösung

    • Polyvinylchlorid-Klebstoffe

  • Sprays

    • Sprühfarbe

    • Haarspray

  • Lösungsmittel und Gase

    • Nagellackentferner

    • Farbentferner

    • Farbverdünner

    • Tipp-Ex und Verdünner

    • Heizgas

    • Feuerzeugflüssigkeit

    • Benzin

  • Mittel zur chemischen Reinigung

    • Flüssigkeit zur chemischen Reinigung

    • Fleckenentferner

    • Fettlöser

Symptome

Unmittelbare Auswirkungen

Die Rauschwirkung setzt rasch ein. Den Betroffenen wird schwindlig, sie werden benommen und verwirrt. Die Sprache ist verwaschen. Es kommt zu Schwierigkeiten beim Stehen und Gehen, ein unsicherer Gang entsteht. Die Betroffenen können auch aufgeregt, impulsiv und gereizt sein.

Später werden die Wahrnehmung und das Gefühl für Realität verzerrt, Illusionen, Halluzinationen und Wahnvorstellungen treten auf. Es kommt zu einem euphorischen, traumähnlichen Hochgefühl, das seinen Höhepunkt in einem kurzen Schlaf findet. Möglicherweise treten Stimmungsschwankungen, Delirium und Verwirrung auf. Die Denk- und Koordinationsfähigkeit ist eingeschränkt. Diese Wirkungen können einige Minuten oder über eine Stunde anhalten.

Überdosis

Einige flüchtige Lösungsmittel werden in toxische Substanzen umgewandelt. Dichlormethan beispielsweise, das in einigen Abbeizmitteln enthalten ist, wird im Körper in Kohlenmonoxid umgewandelt. Wird es eingeatmet, kann es zu einer Kohlenmonoxidvergiftung kommen. Das Einatmen von Methanol führt zu giftigen Nebenprodukten, die eine Übersäuerung des Blutes und Augenprobleme verursachen.

Der Tod kann plötzlich eintreten, auch beim ersten Mal, wenn diese Produkte direkt eingeatmet werden, da die Atmung sich stark verlangsamt und flach wird oder der Herzrhythmus gestört ist (Arrhythmie).

Langzeitauswirkungen

Bei chronischem Missbrauch oder Kontakt mit Lösungsmitteln (auch am Arbeitsplatz) können schwere Schäden an peripheren Nerven, Gehirn, Herz, Nieren, Leber und Lunge die Folge sein. Außerdem kann das Knochenmark Schaden nehmen, was die Produktion roter Blutkörperchen beeinträchtigt und Blutarmut verursacht. Auch eine Leukämie kann die Folge sein. Die Haut um Mund und Nase kann gereizt sein. Bei einer Anwendung in der Schwangerschaft kann es zu einer vorzeitigen Geburt und einem fetalen Lösungsmittelsyndrom kommen, dessen Symptome dem der Alkoholembryopathie ähnlich sind.

Entzug

Bei chronischer Verwendung entwickelt sich eine geringfügige Toleranz gegenüber dem Lösungsmittel. Es kann eine psychische Abhängigkeit mit dem starken Drang entstehen, diese fortwährend einzuatmen. Zu einer körperlichen Abhängigkeit kommt es jedoch nicht. Das heißt, ein Verzicht auf diese Substanzen führt nicht zu unerwünschten Symptomen (Entzug).

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Kontakt mit Lösungsmitteln in der Vorgeschichte

Die Diagnose basiert zumeist auf den Berichten der Betroffenen oder deren Freunden. Flüchtige Lösungsmittel lassen sich mit Routinetests nicht nachweisen, allerdings stehen bei Bedarf spezielle Tests zur Verfügung.

Behandlung

  • Behandlung etwaiger Organschädigungen

  • Drogenberatung

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die Schnüffelstoffe missbrauchen, beinhaltet die Untersuchung auf, sowie die Behandlung von Organschäden.

Der Rehabilitationserfolg nach Missbrauch von Schnüffelstoffen ist unter den stimmungsverändernden Substanzen am geringsten. Die Behandlung von lösungsmittelabhängigen Jugendlichen gestaltet sich schwierig und es kommt häufig zu Rückfällen. Die meisten schnüffeln jedoch mit dem Erwachsenwerden nicht mehr. Eine Schulung und Beratung zur Verbesserung der geistigen Gesundheit und der sozialen Fähigkeiten sowie zur Bewältigung soziologischer Probleme kann helfen.

Flüchtige Nitrite

Nitrite (Amyl-, Butyl- oder Isobutylnitrit) werden auf der Straße als „Poppers“, „Rush“ und unter ähnlichen Bezeichnungen verkauft.

Diese Drogen können zu einem kurzen Blutdruckabfall führen, zu Benommenheit sowie Hautrötung und beschleunigtem Herzschlag. Diese Kombination kann ein Gefühl der Erregung und der Euphorie erzeugen. Manche Menschen versprechen sich von der Inhalation dieser Mittel einen erhöhten sexuellen Genuss. Werden diese Nitrite zusammen mit Sildenafil (zur Behandlung einer erektilen Dysfunktion) verwendet, können sie den Blutdruck gefährlich senken, und es kann zu Bewusstlosigkeit, Herz- und Schlaganfällen kommen. Nitrite können zudem zu einer Methämoglobinämie führen, einer Erkrankung, bei der das Blut den Sauerstoff nicht ausreichend transportieren kann.

Distickstoffoxid: Dieses Gas (Lachgas) wird als Anästhetikum eingesetzt. Es wird auch als Treibgas in Dosen und für Sprühsahne verwendet. Lachgas wird manchmal missbräuchlich angewendet, da es ein Gefühl der Euphorie und einen angenehmen, traumartigen Zustand hervorruft. Ein solcher Missbrauch kann langfristig zu Vitamin-B12-Mangel führen, was ein bleibendes Taubheitsgefühl und Schwäche in Armen und Beinen verursacht. Mit Distickstoffoxid gefüllte Ballons werden unerlaubterweise verkauft und bei Rockkonzerten und Sportveranstaltungen verwendet.

Weitere Informationen

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