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Übersicht über Herzrhythmusstörungen

Von

L. Brent Mitchell

, MD, Libin Cardiovascular Institute of Alberta, University of Calgary

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Quellen zum Thema

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) entstehen durch Serien von Herzschlägen, die unregelmäßig, zu schnell oder zu langsam sind, oder sie werden durch eine fehlerhafte elektrische Reizleitung im Herzen ausgelöst.

  • Die häufigste Ursache von Herzrhythmusstörungen sind Erkrankungen des Herzens.

  • In manchen Fällen werden die Herzrhythmusstörungen selbst wahrgenommen, oftmals jedoch nur deren Folgen, wie Schwäche oder Ohnmacht.

  • Die Diagnose basiert auf einer Elektrokardiographie.

  • Die Behandlung hat das Ziel, den Herzrhythmus wieder zu normalisieren und weitere Anfälle zu verhindern.

Das Herz ist ein Muskelorgan mit vier Kammern, die so angelegt sind, dass sie ein Leben lang rationell, zuverlässig und pausenlos arbeiten. Die Muskelwände einer jeden Kammer ziehen sich in regelmäßigen Abständen zusammen, pumpen dabei so viel Blut in den Körper, wie er benötigt, und sie verbrauchen für jeden Herzschlag so wenig Energie wie nur möglich.

Die Kontraktionen der Muskelfasern im Herzen werden durch Elektrizität gesteuert, die in genau vorgegebener Weise auf bestimmten Bahnen und in einer kontrollierten Geschwindigkeit durchs Herz fließt. Der elektrische Strom, der jeden Herzschlag auslöst, wird von dem Schrittmacher des Herzens (dem sogenannten Sinus- oder Sinuatrial-Knoten) abgegeben, der in der Spitze der oberen rechten Herzkammer (des rechten Vorhofs) sitzt. Die zeitlichen Abstände, in denen der Schrittmacher seine elektrischen Signale abgibt, bestimmen die Herzfrequenz. Diese wird von Nervenimpulsen und von dem Gehalt bestimmter Hormone im Blut beeinflusst.

Die Herzfrequenz wird automatisch vom vegetativen Nervensystem reguliert, das aus dem sympathischen und dem parasympathischen Teil besteht. Der sympathische Teil erhöht die Herzfrequenz durch ein Netzwerk aus Nerven, das als Sympathikus Plexus bezeichnet wird. Der parasympathische Teil senkt die Herzfrequenz durch einen einzigen Nerv, den Vagusnerv.

Die Herzfrequenz wird auch von Hormonen beeinflusst, die durch das sympathische Nervensystem in den Blutkreislauf gelangen:

  • Epinephrin ( Adrenalin)

  • Norepinephrin (Noradrenalin)

Epinephrin und Norepinephrin erhöhen die Herzfrequenz. Ein Schilddrüsenhormon, das durch die Schilddrüse in den Blutkreislauf freigesetzt wird, erhöht ebenfalls die Herzfrequenz.

Ein Erwachsener hat im Ruhezustand gewöhnlich eine Herzfrequenz von 60 bis 100 Schlägen pro Minute. Jedoch können bei jüngeren Erwachsenen niedrigere Frequenzen normal sein, vor allem, wenn sie sich körperlich fit halten. Die Herzfrequenz variiert normalerweise in Abhängigkeit von der körperlichen Aktivität und von Reizen wie Schmerz und Ärger. Der Herzrhythmus wird nur dann als abweichend bezeichnet, wenn die Herzfrequenz übermäßig hoch (Tachykardie), sehr langsam (Bradykardie) oder unregelmäßig ist, oder wenn die elektrischen Impulse über falsche Erregungsbahnen geleitet werden.

Normale elektrische Reizleitung

Der vom Sinusknoten abgegebene elektrische Impuls fließt erst durch den rechten Vorhof und dann durch den linken Vorhof, woraufhin sich die Muskeln dieser Kammern zusammenziehen und Blut von den Vorhöfen in die unteren Herzkammern (Ventrikel) gepumpt wird. Danach erreicht das elektrische Signal den Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) im unteren Teil der Vorhofwand in der Nähe der Ventrikel. Der AV-Knoten stellt die einzige elektrische Verbindung zwischen den Vorhöfen und den Ventrikeln dar. Ansonsten sind die Vorhöfe von den Ventrikeln durch Gewebe getrennt, das keinen Strom leitet. Der AV-Knoten verzögert die Weiterleitung des elektrischen Signals, damit sich die Vorhöfe vollständig zusammenziehen können und die Ventrikel in der Lage sind, sich mit so viel Blut wie möglich zu füllen, bevor sie das elektrische Signal erhalten, dass sie sich zusammenziehen sollen.

Die Bahn der Reizleitung im Herzen

Der Sinusknoten (1) gibt einen elektrischen Impuls ab, der durch den rechten und linken Vorhof (2) wandert und beide stimuliert, sich zusammenzuziehen. Mit leichter Verzögerung erreicht der elektrische Impuls den Atrioventrikularknoten (3). Anschließend wandert der elektrische Impuls hinunter zum His-Bündel (4), das sich in den rechten Tawara-Schenkel für den rechten Ventrikel (5) und den linken Tawara-Schenkel für den linken Ventrikel (5) teilt. Der Impuls breitet sich durch die Ventrikel aus und stimuliert diese zur Kontraktion.

Die Bahn der Reizleitung im Herzen

Nach der Passage durch den Atrioventrikularknoten wandert das elektrische Signal hinunter zum His-Bündel, einem Faserbündel, das sich in einen linken Zweig für den linken Ventrikel und in einen rechten Zweig für den rechten Ventrikel teilt. Der elektrische Strom verteilt sich dann in vorgegebener Weise über die Oberfläche der Ventrikel, und zwar von unten nach oben, woraufhin diese sich dabei zusammenziehen und Blut aus dem Herzen ausstoßen.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen von Herzrhythmusstörungen sind Erkrankungen des Herzens, vor allem koronare Herzkrankheiten, Erkrankungen der Herzklappen und Herzinsuffizienz. Viele rezeptpflichtige und frei verkäufliche Medikamente, darunter auch solche zur Behandlung von Herzkrankheiten, können Arrhythmien verursachen. Einige Formen von Herzrhythmusstörungen entstehen durch anatomische Geburtsfehler (angeborene Fehlbildungen). Altersbedingte Veränderungen im elektrischen Reizleitungssystem des Herzens lassen Arrhythmien häufiger auftreten.

In manchen Fällen lässt sich die Ursache für Arrhythmien nicht feststellen.

Zu schneller Herzrhythmus

Schnelle Arrhythmien (Tachyarrhythmien) können durch körperliche Aktivität, emotionale Belastung, übermäßigen Alkoholkonsum, Rauchen und durch anregende Medikamente, wie solche gegen Erkältungen und Heuschnupfen, ausgelöst werden.

Eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), bei der reichlich Schilddrüsenhormone freigesetzt werden, kann zu Rhythmusstörungen mit beschleunigter Herzfrequenz führen.

Zu langsamer Herzrhythmus

Schmerzen, Hunger, Müdigkeit, Verdauungsstörungen (wie Durchfall oder Erbrechen) und Schlucken, das den Vagusnerv extrem reizt, können langsame Arrhythmien (Bradyarrhythmien) auslösen. Eine übermäßige Reizung des Vagusnervs kann sogar zum momentanen Herzstillstand führen, dies kommt aber nur selten vor. In den meisten Fällen bilden sich die Herzrhythmusstörungen von selbst wieder zurück.

Andererseits kann eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) mit einem niedrigen Spiegel von Schilddrüsenhormonen einen verlangsamten Rhythmus bewirken.

Symptome

Manche Menschen können ihre Herzrhythmusstörungen selbst spüren. Doch wie sie ihre Herzschläge (Palpitationen) wahrnehmen, unterscheidet sich sehr. Einige Menschen fühlen bereits ihren normalen Herzschlag, die meisten nehmen ihre Herzschläge nur wahr, wenn sie auf der linken Körperseite liegen.

Herzrhythmusstörungen können harmlos bis lebensbedrohlich sein. Die Schwere der Arrhythmien ist nicht unbedingt mit der Schwere der Symptome gleichzusetzen. Einige lebensbedrohliche Formen von Arrhythmie verursachen keine Beschwerden, dagegen bewirken harmlose Arrhythmien manchmal recht schwere Symptome. Oft sind Art und Schwere der zugrundeliegenden Herzkrankheit entscheidender für die Auswirkungen als die Arrhythmien selbst.

Wenn Herzrhythmusstörungen die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen, kann es zu Schwäche, verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit, Benommenheit, Schwindel, Ohnmacht (Synkope) oder zum Tod kommen. Eine Ohnmacht tritt ein, wenn das Herz so schwach pumpt, dass es den erforderlichen Blutdruck nicht mehr aufrechterhalten kann. Halten solche Arrhythmien an, kann dies zum Tod führen. Herzrhythmusstörungen können auch die Symptome einer zugrundeliegenden Herzkrankheit verschlimmern, darunter Brustschmerzen und Kurzatmigkeit. Arrhythmien, die Symptome verursachen, sollten umgehend ärztlich untersucht werden.

Wussten Sie ...

  • Einige lebensbedrohliche Arrhythmien machen keine Beschwerden. Umgekehrt können ansonsten harmlose Formen gravierende Symptome verursachen.

Diagnose

  • Elektrokardiographie

Oft kann der Arzt schon anhand der Symptome eine vorläufige Diagnose stellen und bestimmen, wie schwer die Arrhythmie ist. Am wichtigsten ist es, zu berücksichtigen, ob die Palpitationen folgendermaßen auftreten:

  • Schnell oder langsam

  • Regelmäßig oder unregelmäßig

  • Kurzfristig oder lang anhaltend

Es ist ebenfalls wichtig, zu berücksichtigen, ob die Herzrhythmusstörung Symptome verursacht.

Der Arzt muss wissen, ob sich die Palpitationen während Ruhepausen oder nur bei anstrengender oder ungewohnter körperlicher Aktivität zeigen, ferner ob sie plötzlich oder allmählich anfangen und aufhören.

In der Regel sind bestimmte Diagnoseverfahren nötig, um die genaue Art und Ursache der Herzrhythmusstörungen zu bestimmen.

Die Elektrokardiographie (EKG) ist das gängigste Diagnoseverfahren zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen und zur Ermittlung von deren Ursache. Dabei werden die elektrischen Signale, welche die Herzschläge auslösen, aufgezeichnet und abgebildet. Die Elektrokardiographie (EKG) zeichnet den Herzrhythmus jedoch meist nur für eine sehr kurze Zeitspanne auf.

Da Herzrhythmusstörungen aber oft nur gelegentlich auftreten, kann ein tragbares Langzeit-EKG-Gerät (ein sogenannter Holter-Monitor oder Ereignis-Monitor) verwendet werden. Damit wird entweder der Herzrhythmus ununterbrochen aufgezeichnet oder der Träger schaltet es gezielt nur dann ein, wenn er den unregelmäßigen Herzrhythmus spürt. Dieses Gerät, das gewöhnlich 24 oder 48 Stunden getragen wird, kann sporadisch auftretende Arrhythmien aufzeichnen, während der Betroffene seinen alltäglichen Aktivitäten nachgeht. Während des Langzeit-EKG hält der Patient in einem Tagebuch Symptome und Aktivitäten fest, die im Zusammenhang mit den Arrhythmien stehen können.

Um sehr seltene, gefährliche Formen von Arrhythmie festzustellen, wird manchmal ein Aufzeichnungsgerät unter die Haut implantiert, gewöhnlich unterhalb des linken Schlüsselbeins (Clavicula). Dieses Gerät kann dort für längere Zeit verbleiben. Gespeicherte Aufzeichnungen von Herzrhythmusstörungen werden dann elektronisch durch die Haut hindurch übermittelt, was völlig schmerzlos ist.

Menschen mit Verdacht auf lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen werden gewöhnlich ins Krankenhaus eingewiesen. Ihr Herzrhythmus wird ununterbrochen aufgezeichnet und auf einem fernseherartigen Bildschirm neben dem Bett oder in der Pflegestation angezeigt. Dadurch können Probleme sofort erkannt werden.

Zu den anderen Diagnoseverfahren zählen:

Bei der elektrophysiologischen Untersuchung werden Katheter mit winzigen Elektroden an der Spitze durch eine Vene bis ins Herz geführt. Die Elektroden stimulieren das Herz, dabei wird die Reaktion des Herzens beobachtet, sodass die Form der Arrhythmie und die beste Behandlungsmöglichkeit bestimmt werden können.

EKG: Auswertung der Kurven

Mit einem Elektrokardiogramm werden die elektrischen Ströme dargestellt, die während des Herzschlags durch das Herz fließen. Sie werden in Teilbereiche aufgeteilt, von denen jeder im EKG mit einem Buchstaben benannt ist.

Jeder Herzschlag beginnt mit einem Impuls des Schrittmachers (Sinusknoten). Dieser Impuls aktiviert die oberen Herzkammern (Vorhöfe). Die P-Kurve zeigt die Tätigkeit der Vorhöfe.

Als nächstes fließt der elektrische Strom durch die unteren Herzkammern (Ventrikel). Der QRS-Komplex zeigt die Aktivität der Ventrikel.

Für den nächsten Herzschlag muss sich die elektrische Ladung in den Ventrikeln darauf ändern. Diesen Teil nennt man Erholungsphase; sie wird von der T-Kurve dargestellt.

Auf einem EKG lassen sich viele abnormale Veränderungen erkennen. Dazu zählen frühere Herzinfarkte (Myokardinfarkte), Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie), unzureichende Blut- und Sauerstoffversorgung des Herzens (Ischämie) und eine Verdickung (Hypertrophie) der Herzmuskelwände.

Manche EKG-Auffälligkeiten können auch auf Ausbuchtungen (Aneurysmen) in schwächeren Bereichen der Herzwände hindeuten. Aneurysmen können Folge eines Herzinfarkts sein. Wenn ein auffälliger Rhythmus (zu schnell/langsam, unregelmäßig) vorliegt, kann das EKG auch Aufschluss über den Ursprungsort im Herzen geben. Solche Informationen helfen dem Arzt bei der Bestimmung der Ursache.

EKG: Auswertung der Kurven

Prognose

Die meisten Herzrhythmusstörungen verursachen weder Symptome, noch beeinträchtigen sie die Pumpleistung des Herzens. Deshalb stellen sie gewöhnlich kaum ein Risiko dar, obwohl sie bei Menschen, die die Symptome spüren, erhebliche Angst auslösen können. Allerdings können sich harmlose Arrhythmien auch zu ernsthaften entwickeln. Ernsthaft sind Herzrhythmusstörungen, die das Herz dabei behindern, ausreichend Blut zu pumpen. Der Schweregrad hängt teilweise davon ab, wo die Ursache für die Herzrhythmusstörung herrührt, ob im Sinusknoten, in den Vorhöfen, im Atrioventrikularknoten oder in den Ventrikeln. Generell sind Herzrhythmusstörungen, die von den Ventrikeln ausgehen, ernster zu nehmen, als jene der Vorhöfe, die wiederum schwerer sind als die Herzrhythmusstörungen, die ihren Ursprung im Sinus- oder Atrioventrikularknoten haben. Es gibt jedoch viele Ausnahmen.

Behandlung

  • Antiarrhythmika, in der Regel zur Behandlung eines schnellen Herzrhythmus

  • Stimulation, in der Regel zur Behandlung eines langsamen Herzrhythmus

  • Elektroschock, in der Regel zur Behandlung eines schnellen Herzrhythmus

Bei Menschen mit symptomatischen Herzrhythmusstörungen kann schon die Versicherung, dass die Krankheit harmlos ist, helfen. Manchmal verringern sich die Arrhythmien oder bleiben ganz aus, wenn die Medikamente gewechselt oder die Dosen verändert werden. Der Verzicht auf Alkohol, Koffein (in Getränken und Nahrung) und Tabak kann ebenfalls helfen. Wenn die Palpitationen nur bei körperlicher Aktivität auftreten, kann auch die Vermeidung von anstrengendem Sport hilfreich sein. In manchen Fällen dürfen die Betroffenen kein Fahrzeug mehr führen, bis der Arzt bestätigt, dass die Behandlung anschlägt.

Medikamente

Antiarrhythmika sind hilfreich, um schnelle Arrhythmien zu behandeln, die unerträgliche Beschwerden bereiten oder ein Risiko darstellen. Kein einzelnes Medikament kann jedoch jede Form von Arrhythmie bei allen Menschen beheben. Manchmal müssen mehrere Mittel ausprobiert werden, bis der Therapieerfolg zufriedenstellend ist. In manchen Fällen können Herzrhythmusstörungen von Antiarrhythmika sogar verschlimmert oder verursacht werden. Diese unerwünschte Wirkung nennt sich Proarrhythmie. Antiarrhythmika können auch andere Nebenwirkungen haben.

Tabelle
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Medikamente bei Herzrhythmusstörungen (Auswahl)

Beispiele

Einige Nebenwirkungen

Anmerkungen

Beta-Blocker

Acebutolol

Atenolol

Betaxolol

Bisoprolol

Carvedilol

Esmolol

Metoprolol

Nadolol

Propranolol

Timolol

Ungewöhnlich niedrige Herzfrequenz (Bradykardie)

Erschöpfung

Depression

Verringerte Wahrnehmung der Symptome bei Unterzuckerung

Kreislaufstörungen im Rumpf, in Armen und Beinen

Schlaflosigkeit

Sexuelle Funktionsstörungen

Kurzatmigkeit

Verkrampfung der Atemwege (Bronchospasmus)

Bei einigen Betablockern Erhöhung des Triglyzeridspiegels (einem Fett)

Erhöhter Augeninnendruck bei Menschen mit grünem Star (Glaukom)

Mit diesen Medikamenten werden ventrikuläre Einzelschläge, ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern sowie paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie behandelt. Sie werden außerdem bei Menschen mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern eingesetzt, um die ventrikuläre Schlagfrequenz (die angibt, wie schnell die unteren Herzkammern oder Ventrikel schlagen) herabzusetzen.

Menschen mit Asthma sollten ihren Arzt fragen, bevor sie diese Medikamente einnehmen.

Timolol ist in den USA nicht verfügbar.

Kalziumkanalblocker

Diltiazem

Verapamil

Verstopfung

Durchfall

Niedriger Blutdruck

Geschwollene Füße

Nur bestimmte Kalziumkanalblocker, wie Diltiazem und Verapamil sind wirksam. Sie werden bei Menschen mit Vorhofflimmern oder -flattern angewendet, um die ventrikuläre Schlagfrequenz herabzusetzen; ebenso zur Behandlung der paroxysmalen supraventrikulären Tachykardie.

Diltiazem und Verapamil verlangsamen die Weiterleitung der elektrischen Impulse durch den AV-Knoten.

Patienten mit dem Wolff-Parkinson-White-Syndrom sollten Verapamil oder Diltiazem nicht einnehmen.

Digoxin

Digoxin

Übelkeit

Erbrechen

Schwere Herzrhythmusstörungen

Überdosis kann zu Farbsehstörungen führen, wobei alle Gegenstände grünlichgelb aussehen

Digoxin verlangsamt die Weiterleitung der elektrischen Impulse durch den AV-Knoten. Digoxin wird bei Menschen mit Vorhofflimmern oder -flattern angewendet, um die ventrikuläre Schlagfrequenz herabzusetzen; ebenso zur Behandlung der paroxysmalen supraventrikulären Tachykardie.

Kaliumkanalblocker

Amiodaron

Azimilid

Bretylium

Dofetilid

Dronedaron

Ibutilid

Sotalol

Vernakalant

Bei allen Kaliumkanalblockern: Arrhythmien und niedriger Blutdruck

Bei Amiodaron: Vernarbung der Lungen (Lungenfibrose) und Störungen in Schilddrüse, Leber und Augen.

Bei Sotalol (ebenfalls ein Betablocker): Gleiche Nebenwirkungen wie bei Betablockern

Diese Medikamente werden bei ventrikulären Einzelschlägen, ventrikulärer Tachykardie, Kammerflimmern, Vorhofflimmern und -flattern eingesetzt.

Da Amiodaron giftig wirken kann, wird es als Langzeitpräparat nur bei Menschen mit schweren oder stark belastenden Herzrhythmusstörungen angewendet.

Bretylium wird nur als Kurzzeitpräparat zur Behandlung lebensbedrohlicher ventrikulärer Tachykardien eingesetzt.

Azimilid, Bretylium und Vernakalant sind in den USA nicht verfügbar.

Purinnukleosid

Adenosin

Verkrampfung der Atemwege

(Kurzzeitige) Hautrötung

Adenosin verlangsamt die Weiterleitung der elektrischen Impulse durch den AV-Knoten.

Adenosin wird zur Behandlung der paroxysmalen supraventrikulären Tachykardie eingesetzt.

Menschen mit Asthma dürfen kein Adenosin bekommen.

Natriumkanalblocker

Disopyramid

Flecainid

Lidocain

Mexiletin

Procainamid

Propafenon

Chinidin

Arrhythmien (die besonders bei Menschen mit einer Herzkrankheit tödlich sein können)

Bei manchen Medikamenten:

Verdauungsbeschwerden

Schwindel

Mundtrockenheit

Benommenheit

Harnverhalt

Tremor

Erhöhter Augeninnendruck bei Menschen mit grünem Star (Glaukom)

Diese Medikamente verlangsamen die Leitung elektrischer Impulse im Herzen.

Mit ihnen werden ventrikuläre Einzelschläge, ventrikuläre Tachykardie und Kammerflimmern behandelt sowie Vorhofflimmern oder -flattern, um zum normalen Rhythmus zurückzukehren (Kardioversion).

Mit Ausnahme von Lidocain und Mexiletin können diese Medikamente auch zur Vorbeugung von Schüben mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern, und seltener, paroxysmaler supraventrikulärer Tachykardie verwendet werden.

Künstliche Schrittmacher

Künstliche Herzschrittmacher sind elektronische Geräte, die die Aufgabe des Sinusknotens übernehmen. Diese Apparate werden unter die Haut implantiert, gewöhnlich unterhalb des linken oder rechten Schlüsselbeins. Sie werden mit dem Herzen durch Drähte (Elektroden) verbunden, die durch eine Vene geführt werden. Dank der heutigen modernen Elektronik und Batterien mit niedrigem Energieverbrauch haben diese Geräte eine Funktionsdauer von etwa 10 bis 15 Jahren.

Für manche Patienten kommt ggf. ein Minischrittmacher infrage. Bei dieser Arzt Herzschrittmacher sind keine Kabel notwendig, um den Schrittmacher mit dem Herzen zu verbinden. Durch einen kleinen Einschnitt in die Leistengegend wird der Schrittmacher über einen Katheter direkt unten in der rechten Herzkammer (den rechten Ventrikel) eingeführt.

Die neue Technik schaltet das Risiko von Störungen durch Mobiltelefone, Elektronik in Autos, Radar, Mikrowellen oder Sicherheitsdetektoren an Flughäfen fast vollständig aus. Einige Geräte können jedoch noch immer Herzschrittmacher stören. Beispiele dafür sind Apparaturen bei der Elektrokauterisation (zur Verhinderung von Blutungen bei Operationen) und Diathermie (physiotherapeutisches Verfahren, bei dem die Muskeln mit Hilfe von Hochfrequenzwellen erwärmt werden) sowie bestimmte Geräte bei der Magnetresonanztomographie (MRT). Bestimmte Schrittmachertypen werden von der MRT nicht beeinträchtigt, das hängt von deren Bauweise ab.

Stabilisierung des Herzschlags: Künstliche Schrittmacher

Künstliche Herzschrittmacher sind elektronische Geräte, die die Aufgabe des herzeigenen Schrittmachers (Sinusknoten oder Sinuatrial-Knoten) übernehmen. Sie erzeugen elektrische Impulse, welche die Herzschläge auslösen. Schrittmacher bestehen aus einem Impulsgenerator (einschließlich Batterie) und Drähten, die den Schrittmacher mit dem Herzen verbinden.

Ein künstlicher Schrittmacher wird operativ eingesetzt. Bei örtlicher Betäubung werden die Drähte (Elektroden), an die der Herzschrittmacher angeschlossen ist, in eine Vene nahe des Schlüsselbeins eingeführt und bis zum Herzen vorgeschoben. Durch einen kleinen Schnitt wird der Impulsgenerator, der ungefähr so groß ist wie ein Silberdollar, unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut geschoben und mit den Drähten verbunden. Der Einschnitt wird zugenäht. Gewöhnlich dauert die Operation etwa 30 bis 60 Minuten. Manchmal kann der Patient kurz darauf nach Hause gehen, sonst bleibt er für eine kleine Weile in der Klinik. Die Batterie des Schrittmachers hält normalerweise 10 bis 15 Jahre. Dennoch sollte sie regelmäßig überprüft werden. Beim Batteriewechsel wird auch der Impulsgenerator ausgetauscht, was sehr schnell geht.

Es gibt verschiedene Arten von Schrittmachern. Die meisten können die elektrische Aktivität des Herzens erkennen. Sie erlauben dem Herzen seine natürliche Pumpfunktion, bis ein Schlag aussetzt oder das Herz mit einer falschen Frequenz zu schlagen beginnt. Der Arzt programmiert den Schrittmacher, bevor er implantiert wird. Dabei wird festgelegt, wann und bei welcher Herzfrequenz sich der Schrittmacher einschalten soll. Der Arzt kann einen bereits implantierten Schrittmacher auch umprogrammieren, indem er ein entsprechendes Gerät an die Haut hält. Einige Typen sind in der Lage, ihre Frequenz auf die Aktivität des Trägers abzustimmen, indem sie die Herzfrequenz bei körperlicher Bewegung erhöhen und im Ruhezustand herabsetzen.

Stabilisierung des Herzschlags: Künstliche Schrittmacher

Am häufigsten werden Schrittmacher bei langsamen Arrhythmien eingesetzt. Unterschreitet die Herzfrequenz eine bestimmte Schwelle, sendet der künstliche Schrittmacher automatisch elektrische Impulse aus. Seltener werden Herzschrittmacher bei schnellen Herzrhythmusstörungen implantiert; sie senden dann eine Reihe von Impulsen aus, um eine zu schnelle Herzfrequenz zu normalisieren.

Ein weiteres Einsatzgebiet für Herzschrittmacher ist die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT). Bei einigen herzkranken Menschen ziehen sich die vier Herzkammern nicht in der richtigen Reihenfolge zusammen. Spezielle Schrittmacher mit drei Elektroden können das Muster, nach dem sich das Herz zusammenzieht, wieder normalisieren und bei einigen Herzinsuffizienz-Patienten zu Verbesserungen führen.

Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus

Manchmal kann ein Elektroschock am Herzen schnelle Arrhythmien stoppen und den normalen Herzrhythmus wiederherstellen. Ein solcher Elektroschock nennt sich Kardioversion, Defibrillation oder Elektroversion, je nachdem, für welche Form von Herzrhythmusstörung er eingesetzt wird.

Eine Kardioversion eignet sich bei Herzrhythmusstörungen, die in den Vorhöfen (wie Vorhofflimmern) oder in den als Ventrikeln bezeichneten unteren Kammern (wie Kammerflimmern) beginnen. Ein Elektroschock ist jedoch nicht in der Lage, ein Herz zu reaktivieren, das keinerlei elektrische Aktivität zeigt (Asystolie). Das Gerät, das den Schock auslöst, (ein Defibrillator) wird von einem Team aus Ärzten und Pflegekräften, von Rettungssanitätern oder von der Feuerwehr verwendet.

Es kann ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD), der etwa halb so groß wie ein Kartenstapel ist, eingesetzt werden. Die meisten Geräte werden genauso wie ein Schrittmacher durch die Blutgefäße eingeführt, wodurch eine Operation am offenen Brustkorb vermieden wird. Eine andere Art des ICD wird unter die Haut eingesetzt anstatt durch die Blutgefäße eingeführt.

Ein tragbarer, westenartiger Defibrillator kommt manchmal zum Einsatz, wenn der Patient den ICD nicht langfristig braucht.

ICD überwachen dauerhaft die Frequenz und den Rhythmus des Herzens, erkennen automatisch Herzrhythmusstörungen mit zu schnellen Herzschlägen und schalten sich dann ein, um das Herz zu stimulieren, oder geben dann einen Schock ab, um den Herzrhythmus wieder zu normalisieren. Meistens werden diese Geräte bei Menschen eingesetzt, deren Herzrhythmusstörungen lebensbedrohlich sind. Ein ICD kann auch wie ein Herzschrittmacher funktionieren und elektrische Impulse zur Überwindung einer langsamen Arrhythmie aussenden. Wenn der ICD einen Schock abgibt, kann sich dies wie ein leichter Stoß in der Brust anfühlen. Ein stärkerer Schock kann das Gefühl eines Tritts vermitteln.

Für Menschen mit ICD gibt es bei den meisten elektronischen Haushaltsgeräten, einschl. Mikrowellen, und bei Sicherheitsdetektoren an Flughäfen, keine Sicherheitsbedenken. Einige Geräte mit starken magnetischen oder elektrischen Feldern können die ICD jedoch störend beeinflussen. Beispiele dafür sind Apparaturen bei der Elektrokauterisation (zur Verhinderung von Blutungen bei Operationen) und Diathermie (physiotherapeutisches Verfahren, bei dem die Muskeln mit Hilfe von Hochfrequenzwellen erwärmt werden) sowie bestimmte MRT-Geräte.

Da ICD aber nicht vorbeugend Herzrhythmusstörungen verhindern können, müssen oft zusätzlich Medikamente eingenommen werden. Die Laufzeit dieser Geräte beträgt etwa 5 bis 7 Jahre. Wenn ein ICD bei Menschen, die sich ansonsten gut fühlen, einen einzelnen Schock abgibt, sollten diese ihre ICD-Klinik oder ihren Facharzt noch in derselben Woche kontaktieren. Da das Gerät den Herzrhythmus des Trägers aufzeichnet, kann der Arzt dann feststellen, weshalb ein Schock abgegeben wurde. Bei Menschen, die direkt vor oder nach dem Schock andere Symptome, wie Kurzatmigkeit, Brustbeschwerden oder Palpitationen hatten, oder bei denen mehrere Schocks abgegeben wurden, kann ein ernsthafteres Problem vorliegen. Solche Patienten sollten sich direkt in die Notaufnahme begeben.

Für die Handhabung eines automatisierten externen Defibrillators (AED) ist nur ein minimaler Schulungsaufwand erforderlich. So können AED beispielsweise von Menschen verwendet werden, die eine Erste-Hilfe-Unterweisung in deren Bedienung erhalten haben. AED können eine Arrhythmie aufspüren, erkennen, ob ein Schock angebracht ist, und diesen dann automatisch abgeben. Sie sind an vielen öffentlichen Orten, wie Flughäfen, Sportplätzen, Hotels und Einkaufszentren vorhanden.

Zerstörung von krankhaftem Gewebe (Ablation)

Bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen lassen sich durch operative oder andere invasive Verfahren behandeln. Eine Arrhythmie, die von einer lokalisierbaren Veränderung im Reizleitungssystem des Herzens ausgeht, kann behoben werden, indem der betreffende Bereich zerstört oder operativ entfernt wird (Ablation).

Meist wird dabei das Gewebe mittels Hochfrequenz-Ablation zerstört (eine winzige Elektrode an der Spitze eines Katheters, die in das Herz geführt wird, liefert dafür Energie einer bestimmten Frequenz). Die Erfolgsquote dieses Verfahrens variiert mit den Formen der Herzrhythmusstörung und reicht von 60 bis 80 Prozent bei schwierigeren Arrhythmien (Vorhofflimmern, Vorhoftachykardie und ventrikuläre Tachykardie) bis zu 90 bis 95 Prozent bei besser behandelbaren Arrhythmien (supraventrikuläre Tachykardien). Der Eingriff dauert mehrere Stunden und erfordert lediglich einen 1- bis 2-tägigen Krankenhausaufenthalt.

Eine Ablation kann auch durch das Einfrieren von Gewebe durchgeführt werden (dies wird dann als Kryoablation bezeichnet).

Bevor eine Ablation durchgeführt werden kann, wird eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt, um die Bereiche zu identifizieren, die vernichtet oder entfernt werden müssen.

In seltenen Fällen wird die Veränderung des Reizleitungssystems bei einer Operation am offenen Herzen zerstört oder entfernt. Manchmal ist eine Operation notwendig, weil die Ablation mittels Katheter nicht erfolgreich war. In anderen Fällen wird die Operation genutzt, weil die Patienten aus anderweitigem Grund am Herzen operiert werden, beispielsweise um eine Herzklappe zu ersetzen.

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