Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

Lädt...

Überblick über Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

Von

Alicia R. Pekarsky

, MD, State University of New York Upstate Medical University, Upstate Golisano Children's Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2018| Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Quellen zum Thema

Kindesvernachlässigung bezeichnet das Vorenthalten grundlegender Dinge. Kindesmissbrauch dagegen sind das Kind schädigende Handlungen.

  • Einige Faktoren, die das Risiko für Kindesmisshandlung und -vernachlässigung erhöhen, sind Armut, Drogen- und Alkoholmissbrauch, psychische Gesundheitsstörungen und Alleinerziehung.

  • Vernachlässigte oder misshandelte Kinder erscheinen müde, hungrig oder ungepflegt oder sie haben körperliche Verletzungen oder emotionale bzw. geistige Probleme. Sie können jedoch auch vollkommen normal wirken.

  • Von einer Misshandlung sollte ausgegangen werden, wenn die Verletzungen darauf schließen lassen, dass sie nicht auf einen Unfall zurückzuführen sind, wenn sie nicht mit der Erklärung der Bezugsperson übereinstimmen, wenn der Entwicklungsstand des Kindes nicht zu den Verletzungen passt (beispielsweise, dass ein Säugling den Herd anschalten würde), oder auch, wenn ein Kind alte und neue Verletzungen aufweist, die nicht auf Unfälle hindeuten.

  • Kinder sollten vor weiterem Schaden beschützt werden. Dies kann durch Hinzuziehen des Jugendamts und/oder der Vollzugsbehörden, die Einweisung in ein Krankenhaus, Beratung für Eltern und Kinder sowie Unterstützung der Familie bei einer sicheren und passenden Versorgung sein.

Bei der Vernachlässigung werden die physischen, medizinischen, erzieherischen und emotionalen Grundbedürfnisse eines Kindes nicht erfüllt.

Misshandlungen können körperlicher, sexueller und psychischer Natur sein. Sie können sich auch auf Kindesmisshandlung im medizinischen Kontext beziehen.

Kindesmisshandlung und -vernachlässigung sind häufig nicht voneinander zu trennen und treten gleichzeitig mit anderen Formen der Gewalt in der Familie auf, z. B. Gewalt gegenüber dem Partner. Neben den unmittelbaren Schäden erhöhen Vernachlässigung und Misshandlung auch das Risiko langfristiger Probleme wie psychische Störungen und Drogenmissbrauch. Kindesmisshandlung wird auch mit anderen Problemen im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht, wie Fettleibigkeit, Herzerkrankungen und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Im Jahr 2015 wurden den Jugendämtern (Child Protective Services, CPS) in den USA 4,4 Millionen Fälle von möglicher Kindesmisshandlung gemeldet; dabei waren 7,2 Millionen Kinder betroffen. Etwa 2,1 Millionen dieser Berichte wurden im Einzelnen untersucht und etwa 683.000 misshandelte oder vernachlässigte Kinder wurden ermittelt. Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen. Das Risiko einer Misshandlung ist bei Säuglingen und kleinen Kindern erhöht.

Von den im Jahr 2015 ermittelten Kindern waren 75,3 Prozent vernachlässigt (einschließlich medizinischer Vernachlässigung), 17,2 Prozent körperlich misshandelt, 8,4 Prozent sexuell missbraucht und 6,9 Prozent litten unter seelischen oder anderen Misshandlungen. Viele Kinder waren auch Opfer verschiedener Formen der Misshandlung.

Im Jahr 2015 starben in den USA etwa 1.670 Kinder an Vernachlässigung oder Misshandlung, circa drei Viertel davon waren Kinder unter 3 Jahren. Über 70 Prozent dieser Kinder waren Opfer von Vernachlässigung, 44 Prozent wurden körperlich misshandelt, was teilweise mit anderen Formen der Misshandlung einherging. Mehr als 75 Prozent der Straftäter waren Eltern, die allein oder mit anderen Personen die Tat verübten. Und etwa 25 Prozent der Todesfälle wurden von der Mutter allein verursacht.

Risikofaktoren für Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

Vernachlässigung und Misshandlung sind die Folge einer komplexen Mischung aus persönlichen, familiären und sozialen Faktoren. Eltern, die alleinerziehend oder arm sind, Probleme mit Drogen- oder Alkoholmissbrauch haben und/oder psychische Probleme haben (wie eine Persönlichkeitsstörung oder geringes Selbstwertgefühl), neigen eher dazu, ein Kind zu vernachlässigen oder zu misshandeln. Erwachsene, die als Kind körperlich oder sexuell missbraucht wurden, neigen außerdem eher dazu, ihre eigenen Kinder zu misshandeln. Die Zahl der Vernachlässigungen ist bei Kindern, die in Armut leben, 12 Mal so hoch.

Eltern, die zum ersten Mal ein Kind haben, Eltern im Jugendalter und Eltern, die mehrere Kinder unter 5 Jahren haben, tragen ebenfalls ein höheres Risiko, ihre Kinder zu misshandeln. Frauen, die keine Schwangerschaftsvorsorge wahrnehmen, rauchen und Drogen konsumieren, oder während der Schwangerschaft häusliche Gewalt erlebten, können Gefahr laufen, ihre Kinder zu misshandeln.

Manchmal entsteht zwischen den Eltern und Kindern keine starke emotionale Bindung. Diese fehlende Bindung besteht bei Frühgeburten oder kranken Säuglingen, die früh von ihren Eltern getrennt wurden, oder auch bei biologisch nicht verwandten Kindern (zum Beispiel bei Stiefkindern) häufiger und erhöht das Risiko einer Misshandlung.

Auch wenn körperliche Misshandlung, emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung mit Armut sowie einem niedrigeren sozialen und ökonomischen Status in Zusammenhang gebracht werden, kommen alle Arten der Misshandlung, einschließlich sexuellen Missbrauchs, in allen sozioökonomischen Schichten vor.

Formen

Es gibt verschiedene Formen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Sie kommen häufig zur gleichen Zeit vor.

Vernachlässigung

Vernachlässigung bezeichnet das Nichterfüllen der grundlegenden körperlichen, emotionalen, erzieherischen sowie medizinischen Bedürfnisse eines Kindes. Eltern oder andere Betreuungspersonen lassen ein Kind womöglich in der Obhut einer Person, von der sie wissen, dass sie gewalttätig ist, oder sie lassen ein kleines Kind unbeaufsichtigt. Es gibt viele Formen der Vernachlässigung.

Bei der körperlichen Vernachlässigung versorgen die Eltern oder andere Betreuungspersonen das Kind nicht ausreichend mit Nahrung, Kleidung, Wohnung, Aufsicht sowie Schutz vor möglichen Schäden.

Bei der emotionalen Vernachlässigung werden dem Kind womöglich keine Zuneigung, Liebe oder andere Arten emotionaler Unterstützung zuteil. Sie werden ignoriert, zurückgewiesen oder von der Interaktion mit anderen Kindern oder Erwachsenen abgehalten.

Von medizinischer Vernachlässigung spricht man, wenn die Eltern oder andere Bezugspersonen keine angemessene Versorgung für ihr Kind in Anspruch nehmen, zum Beispiel notwendige Behandlungen bei Verletzungen sowie für körperliche oder psychische Gesundheitsstörungen. Oder Eltern suchen nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe, wenn das Kind krank ist, und nehmen dadurch eine Verschlimmerung der Krankheit oder den Tod des Kindes in Kauf.

Bei der erzieherischen Vernachlässigung wird das Kind eventuell nicht in der Schule angemeldet oder es wird nicht dafür gesorgt, dass es in einer entsprechenden Umgebung geschult wird, wie in einer öffentlichen oder privaten Schule oder auch zu Hause.

Vernachlässigung unterscheidet sich von Misshandlungen daher, dass die Eltern und Betreuungspersonen die Kinder durch ihre Versorgung nicht vorsätzlich schädigen möchten.

Sie resultiert meist aus einer Kombination aus schlechten elterlichen erzieherischen Fertigkeiten, schlechtem Umgang mit Stress, fehlenden unterstützenden Familienverbänden sowie stressigen Lebensumständen. Vernachlässigung kommt häufig in armen Familien vor, die unter finanziellem und gesellschaftlichem Druck stehen, insbesondere, wenn die Eltern zusätzlich unter psychischen Gesundheitsstörungen (typischerweise Depression, bipolare Störung oder Schizophrenie), Drogen- oder Alkoholsucht leiden oder über beschränkte intellektuelle Fähigkeiten verfügen. Für Kinder von Alleinerziehenden kann das Risiko für Vernachlässigung aufgrund eines geringeren Einkommens und weniger verfügbaren Ressourcen erhöht sein.

Körperlicher Missbrauch

Von körperlicher Misshandlung spricht man, wenn ein Kind geschlagen oder verletzt wird, auch wenn es sich dabei um übermäßige körperliche Bestrafung handelt. Typische Beispiele sind schütteln, fallen lassen, beißen und verbrennen (zum Beispiel durch Verbrühen oder Zigarettenglut). Kinder jeden Alters können Opfer körperlicher Misshandlung werden, Säuglinge und Kleinkinder sind jedoch besonders gefährdet. Das Risiko für Säuglinge und Kleinkinder, wiederholt Opfer von Misshandlungen zu werden, ist besonders hoch, da sie noch nicht für sich selbst sprechen können. Während dieser Zeiträume durchleben die Kinder in der Regel Veränderungen, die bei den Betreuungspersonen schnell zu Frustration und Verlust über die Beherrschung führen können. Beispiele sind Trotzanfälle, Toilettentraining, unregelmäßige Schlafmuster sowie Koliken.

Körperliche Misshandlungen sind die häufigste Ursache schwerer Kopfverletzungen bei Säuglingen. Verletzung des Bauchraums aufgrund körperlicher Misshandlungen sind bei Kleinkindern jedoch häufiger als bei Säuglingen. Körperliche Misshandlung (einschließlich Mord) ist eine der 10 häufigsten Todesursachen bei Kindern. In der Regel nimmt für ein Kind die Gefahr von körperlicher Misshandlung während der ersten Schuljahre ab.

Kinder von jungen alleinerziehenden Eltern, die bei der Geburt des Kindes in Armut leben, sind besonders bezüglich körperlicher Misshandlung gefährdet. Die familiäre Belastung spielt hierbei eine große Rolle. Ursachen für die Belastung können Arbeitslosigkeit, häufige Umzüge, fehlende Nähe zu Freunden oder Angehörigen oder ständige Gewalt in der Familie sein. Schwierige Kinder (die reizbar, anstrengend oder hyperaktiv sind) oder Kinder mit besonderen Bedürfnissen (die geistig oder körperlich behindert sind), sind körperlichen Misshandlungen häufiger ausgesetzt.

Die Tat wird oft durch eine Krise ausgelöst, die mit einer anderen Stresssituation zusammenfällt. Mögliche Auslöser sind der Verlust des Arbeitsplatzes, ein Todesfall in der Familie oder ein Erziehungsproblem. Wenn die Eltern Drogen oder Alkohol konsumieren, kann das Verhalten gegenüber den Kindern impulsiv und unkontrolliert sein. Auch bei psychischen Störungen der Eltern steigt das Risiko einer Misshandlung.

Eltern, die als Kinder selbst vernachlässigt oder misshandelt wurden, fehlt es möglicherweise an emotionaler Reife oder sie leiden an einem geringen Selbstwertgefühl. Gewalttätige Eltern sehen ihre Kinder als Quelle unbegrenzter und bedingungsloser Zuneigung und erwarten von ihnen die Unterstützung, die sie selbst nie bekommen haben. Als Folge haben sie möglicherweise unrealistische Erwartungen an ihre Kinder, sie sind schnell frustriert, haben sich schlecht unter Kontrolle und können das nicht geben, was sie selbst nie bekommen haben.

Sexueller Missbrauch

Jede Handlung an einem Kind, die der sexuellen Befriedigung eines Erwachsenen oder eines wesentlich älteren Kindes dient, gilt als sexueller Missbrauch ( Pädophilie). Dazu gehört u. a.

  • Eindringen in die Scheide, den Anus oder den Mund des Kindes

  • Berühren des Kindes ohne Penetration, jedoch mit sexuellen Absichten (Belästigung)

  • Zurschaustellen der Geschlechtsorgane oder Darbieten von Pornographie

  • Zwingen eines Kindes zu sexuellen Handlungen mit einem anderen Kind

  • Herstellung von Kinderpornographie

Sexueller Missbrauch hat nichts mit sexuellen Spielen zu tun. Bei sexuellen Spielen betrachten oder berühren ungefähr gleichaltrige Kinder ohne Zwang oder Einschüchterung den Genitalbereich des jeweils anderen. Bei der Einschätzung, ob es sich bei einer bestimmten Situation zwischen Kindern um sexuellen Missbrauch handelt, müssen die unterschiedlichen Fähigkeiten und Machtverhältnisse unbedingt bewertet werden, wie Alter, Kraft, Größe und Beliebtheit. Auch wenn es keine festen Richtlinien dazu gibt, welcher Altersunterschied den Missbrauch vom Spiel unterscheidet, wäre es beispielsweise nicht angemessen, wenn ein 12-jähriges Kind mit einem 8-Jährigen Geschlechtsverkehr hätte, auch wenn beide dem zustimmen. Je größer der Altersunterschied, desto größer ist der Unterschied bezüglich geistiger Reife und sozialem Status zwischen den Kindern. Ab einem gewissen Punkt sind die Unterschiede dann so groß, dass rechtlich nicht mehr von einer „Einwilligung“ des jüngeren Kindes zur sexuellen Aktivität gesprochen werden kann.

Bis zu ihrem 18. Geburtstag werden rund 12 – 25 Prozent der Mädchen und 8 – 10 Prozent der Jungen sexuell missbraucht. Die meisten Täter stammen aus dem näheren Umfeld der Kinder; häufig ist es der Stiefvater, ein Onkel oder der Partner der Mutter. Sexuelle Gewalt durch Frauen ist eher selten.

Bestimmte Situationen erhöhen die Gefahr sexuellen Missbrauchs. So sind beispielsweise Kinder mit mehreren Betreuungspersonen oder einer Betreuungsperson mit mehreren Sexualpartnern einem höheren Risiko ausgesetzt. Weitere Faktoren für ein erhöhtes Risiko sind soziale Isolation, geringes Selbstwertgefühl, Familienangehörige, die ebenfalls sexuelle Gewalt erlebt haben, oder die Zugehörigkeit zu einer Bande.

Emotionaler Missbrauch

Als emotionaler Missbrauch gilt der Gebrauch von Wörtern oder Handlungen, die dem Kind psychisch schaden sollen. Kinder, die emotional missbraucht werden, haben ein geringes Selbstwertgefühl, fühlen sich minderwertig, ungeliebt, ungewollt, gefährdet oder erleben nur dann Anerkennung, wenn sie die Bedürfnisse eines anderen Menschen erfüllen.

Emotionaler Missbrauch umfasst u. a.

  • Extremes Schimpfen durch Brüllen oder Schreien

  • Verhöhnen der Fähigkeiten und Leistungen des Kindes

  • Ermutigung zu abweichendem oder kriminellem Verhalten, wie Straftaten zu begehen und Alkohol oder Drogen zu konsumieren

  • Mobbing, Drohen oder Angst einjagen

Emotionaler Missbrauch findet normalerweise über einen langen Zeitraum statt.

Kindesmissbrauch im medizinischen Bereich

Bei dieser selteneren Art der Kindesmisshandlung (die früher als Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, heute als auf andere übertragene artifizielle Störung bezeichnet wird) möchte eine Betreuungsperson Ärzte glauben machen, dass ein gesundes Kind krank ist. Typischerweise gibt die Betreuungsperson falsche Informationen über die Symptome des Kindes an, beispielsweise dass das Kind erbrochen hat oder über Bauchschmerzen klagt. Manchmal verursachen die Betreuungspersonen jedoch sogar die Symptome, zum Beispiel durch Medikamentengabe. In anderen Fällen mischen sie Blut oder andere Substanzen unter Proben, die im Labor ausgewertet werden sollen, damit das Kind krank erscheint.

Kulturelle Faktoren

In unterschiedlichen Kulturen gibt es unterschiedliche Wege, die Kinder zu disziplinieren. In manchen Kulturen sind körperliche Bestrafungen normal. Dazu zählen alle Bestrafungen, die sich auf den Körper richten und Schmerzen verursachen. Schwere körperliche Bestrafungen, unter anderem Peitschen, Verbrennen oder Verbrühen, gelten als körperliche Misshandlung. Bei leichteren Arten der körperlichen Bestrafung, wie den Hintern versohlen, verläuft die Grenze zwischen gesellschaftlich akzeptiertem Verhalten und Misshandlung in verschiedenen Kulturen fließend. Einige Experten sind der Ansicht, dass körperliche Bestrafung im Zorn oder mit der Absicht, das Kind zu verletzen, oder solche, die zu sichtbaren Verletzungen führt, in keiner Kultur rechtmäßig ist.

Auch die medizinischen Praktiken sind von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Bestimmte kulturelle Praktiken (wie die Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane) sind so extrem, dass sie eine Misshandlung darstellen. Bestimmte Hausmittel (wie Schröpfen) führen jedoch häufig zu blauen Flecken oder leichten Verbrennungen, die zwar nach körperlicher Bestrafung aussehen, aber keine sind.

Mitglieder bestimmter religiöser oder kultureller Gruppen haben es bisweilen versäumt, ihr Kind mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung behandeln zu lassen (wie diabetische Ketoazidose oder Hirnhautentzündung), was zum Tod des Kindes führte. Ein solches Verhalten wird typischerweise als Vernachlässigung eingestuft, ungeachtet der Absicht der Eltern oder Betreuungspersonen. Wenn Kinder krank sind, muss die Ablehnung einer Behandlung häufig untersucht werden und erfordert bisweilen ein gerichtliches Einschreiten. Zudem steigt die Zahl der Impfverweigerer bei bestimmten Personen und kulturellen Gruppen in den Vereinigten Staaten immer weiter an. Dies ist entweder auf Sicherheitsbedenken oder religiöse Gründe zurückzuführen. Es ist nicht klar, ob diese Verweigerung eine medizinische Vernachlässigung im rechtlichen Sinne darstellt.

Symptome

Die jeweiligen Symptome hängen von der Art und der Dauer der Vernachlässigung oder der Misshandlung, vom Kind und von den jeweiligen Umständen ab. Neben sichtbaren körperlichen Verletzungen können emotionale und geistige Störungen auftreten. Solche Probleme können sofort oder verzögert auftreten und Dauerschäden verursachen.

Manchmal scheinen misshandelte Kinder Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aufzuweisen und werden fälschlicherweise mit dieser Störung diagnostiziert.

Körperliche Vernachlässigung

Kinder, die körperlich vernachlässigt werden, können dadurch auffallen, dass sie unterernährt, müde oder ungepflegt aussehen oder nicht richtig gekleidet sind und dass sie nicht gedeihen. Ein weiterer Hinweis kann häufiges Fehlen in der Schule sein. In Extremfällen lebt das Kind auf sich allein gestellt oder mit Geschwistern ohne die Aufsicht eines Erwachsenen. Unbeaufsichtigte Kinder können krank werden oder sich verletzen. Die körperliche und emotionale Entwicklung kann verzögert sein. Die Vernachlässigung kann so weit gehen, dass das Kind verhungert oder erfriert.

Körperlicher Missbrauch

Einige Merkmale körperlicher Misshandlung sind blaue Flecke, Verbrennungen, Striemen, Bissmale und Kratzer. Diese Flecke und Striemen können die Form der Objekte haben, mit denen sie verursacht wurden, z. B. ein Gürtel mit Schnalle, ein Lampen- oder Verlängerungskabel. Die Haut des Kindes kann Handabdrücke oder runde Male von Fingerspitzen aufweisen, die durch Schläge, Festhalten oder Schütteln entstehen. An Armen, Beinen oder anderen Körperteilen können durch Zigarettenglut verursachte Verbrennungen oder auch Verbrühungen zu sehen sein. Kinder, die geknebelt wurden, können an den Mundwinkeln verdickte Haut oder Narben aufweisen. Wurde den Kindern an den Haaren gezogen, können Haarbüschel fehlen oder die Kopfhaut kann geschwollen sein. Daneben können schwere Verletzungen an Mund, Augen, Gehirn oder anderen inneren Organen vorliegen, die von außen nicht sichtbar sind. Die Anzeichen körperlicher Misshandlung sind jedoch häufig subtil. Beispielsweise können auf Gesicht und/oder Hals kleine blaue Flecken oder rötliche Punkte zu sehen sein. Das Kind kann Spuren alter Verletzungen aufweisen, z. B. heilende Knochenbrüche. Manchmal führen die Verletzungen zu Entstellungen.

Kleinkinder, die absichtlich in heißes Wasser getaucht wurden (z. B. in der Badewanne), weisen Verbrühungen auf. Solche kreisförmigen Verbrühungen befinden sich in der Regel am Gesäß. An den Körperstellen, die nicht mit dem Wasser in Berührung gekommen sind oder die auf den kühleren Boden der Badewanne gepresst wurden, sind keine Verbrennungen zu sehen. Heiße Wasserspritzer können kleinere Verbrühungen an anderen Stellen des Körpers verursachen.

Bei Säuglingen kann es durch das sogenannte Schütteltrauma zu Hirnschädigungen kommen. AHT wird durch heftiges Schütteln und/oder Stoßen des Kopfes gegen einen harten Gegenstand verursacht. Im englischen wurde der Begriff „Shaken Baby Syndrome“ (Baby-Schütteltrauma) durch „Abusive Head Trauma“ ersetzt, da nicht nur Schütteln die Ursache sein kann. Symptome des AHT bei Säuglingen sind Aufregung oder Erbrechen, möglicherweise entstehen jedoch keine sichtbaren Anzeichen der Verletzung und die Kinder scheinen tief zu schlafen. Diese Schläfrigkeit wird durch die Verletzung und das Anschwellen des Gehirns verursacht, ausgelöst durch eine Blutung zwischen dem Gehirn und Schädel (subdurales Hämatom). Ferner kann es bei Säuglingen zu Blutungen der Netzhaut im hinteren Teil des Auges kommen. Weitere Merkmale sind Rippen- und Knochenbrüche.

Kinder, die über einen langen Zeitraum hinweg misshandelt werden, können ängstlich und reizbar wirken. Häufig leiden sie an Schlafstörungen und Sie können depressiv und ängstlich sein und zeigen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie neigen zunehmend zu Gewalt und Selbstmord.

Sexueller Missbrauch

Häufige Anzeichen für sexuellen Missbrauch sind Verhaltensveränderungen. Sie können plötzlich auftreten und extreme Ausmaße annehmen. Kinder können aggressiv werden oder sich zurückziehen oder Phobien oder Schlafstörungen entwickeln. Kinder, die sexuell missbraucht werden, legen sexuelles Verhalten an den Tag, wie übermäßiges Anfassen oder unangebrachtes Anfassen Anderer. Kinder, die von einem Elternteil oder einem anderen Familienmitglied misshandelt werden, können widersprüchliche Empfindungen haben. Sie können beispielsweise ein enges emotionales Verhältnis zum Täter haben und sich dennoch verraten fühlen.

Sexueller Missbrauch kann körperliche Verletzungen nach sich ziehen. Die Kinder können blaue Flecke oder Risswunden aufweisen, oder sie bluten an den Geschlechtsorganen, am Anus oder Mund. Verletzungen im Genital- oder Rektalbereich können zunächst zu Schwierigkeiten beim Gehen oder Sitzen führen. Bei Mädchen kann es zu Ausfluss, Blutungen oder Juckreiz im Bereich der Scheide kommen. Sexuell übertragbare Krankheiten wie Gonorrhö, Chlamydien, Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV) oder andere Infektionen sind ebenfalls möglich. Es kann zu einer Schwangerschaft kommen.

Emotionale Misshandlung und Vernachlässigung

Kinder, die emotionale Misshandlung erleben, sind im Allgemeinen unsicher und ängstlich in ihren Beziehungen zu anderen Menschen, da ihre Bedürfnisse nicht konsequent und vorhersehbar erfüllt wurden. Andere Ergebnisse fallen unterschiedlich aus und hängen von der Art der emotionalen Misshandlung ab. Die Kinder können unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden. Eingeschüchterte oder bedrohte Kinder können ängstlich und verschlossen wirken. Sie sind häufig unsicher, misstrauisch, schüchtern und auffällig bemüht, es Erwachsenen recht zu machen. Sie wenden sich möglicherweise auf unangebrachte Weise an Fremde. Kinder, die keine Kontakte mit Anderen pflegen dürfen, verhalten sich unbeholfen im Umgang mit anderen Menschen und können Schwierigkeiten haben, normale Beziehungen aufzubauen. Andere begehen möglicherweise Straftaten oder neigen zu Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch. Ältere Kinder gehen eventuell nicht regelmäßig zur Schule, erzielen keine guten Leistungen oder haben Probleme im Umgang mit Lehrern und Mitschülern.

Emotional vernachlässigte Säuglinge gedeihen häufig schlecht und scheinen emotionslos oder nicht an ihrer Umgebung interessiert. Dieses Verhalten kann fälschlicherweise für eine intellektuelle Behinderung oder für eine körperliche Störung gehalten werden. Emotional vernachlässigten Kindern fehlen manchmal bestimmte soziale Fähigkeiten oder ihre sprachliche Entwicklung ist verlangsamt.

Wussten Sie ...

  • Die meisten Opfer von sexuellem Missbrauch kennen den Täter.

Diagnose

  • Ärztliche Untersuchung

  • Fotos der Verletzungen

  • Bei einer körperlichen Misshandlung, manchmal Labortests und bildgebende Tests, wie Röntgenbilder und Computertomographie-Scans (CT)

  • Bei sexuellem Missbrauch Test auf Infektionen und manchmal Erhebung von Proben (Körperflüssigkeiten, Haare usw.) zu Beweiszwecken

Vernachlässigung und Misshandlung sind oft nur dann eindeutig festzustellen, wenn das Kind stark unterernährt ist, sichtbare Verletzungen aufweist oder wenn es Zeugen für das Geschehen gibt. Häufig bleibt Derartiges jedoch jahrelang unentdeckt. Es gibt viele Gründe warum Vernachlässigung und Missbrauch nicht erkannt werden. Misshandelte Kinder können das Gefühl entwickeln, dass die Gewalt ein normaler Teil des Lebens sei, und sprechen deshalb nicht darüber. Körperlich und sexuell misshandelte Kinder scheuen oft davor zurück, sich zu offenbaren, weil sie Scham empfinden, durch Drohungen eingeschüchtert wurden oder gar das Gefühl haben, sie hätten die Misshandlung verdient. Körperlich misshandelte Kinder, die sprechen können, können, wenn sie direkt darauf angesprochen werden, den Täter identifizieren und das Geschehene beschreiben. Sexuell missbrauchte Kinder müssen dem Täter möglicherweise schwören zu schweigen. Oder sie sind so traumatisiert, dass sie über den Missbrauch nicht sprechen können oder diesen sogar leugnen, wenn sie direkt danach gefragt werden.

Vermutet ein Arzt eine Vernachlässigung oder irgendeine Form von Misshandlung, sucht er nach Anzeichen für andere Formen von Gewaltanwendung. Außerdem wird untersucht, welche körperlichen, emotionalen, sozialen und seine Umwelt betreffenden Bedürfnisse das Kind hat. Ärzte versuchen, das Verhalten zwischen dem Kind und seinen Betreuungspersonen so oft wie möglich zu beobachten. Sie halten die Geschichte des Kindes fest, indem sie Zitate aufschreiben sowie Bilder von möglichen Verletzungen machen.

Vernachlässigung und emotionale Misshandlung

Dass ein Kind vernachlässigt wird, erkennen Ärzte und Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen womöglich bei Anlässen, die mit dem Fall nichts zu tun haben, z. B. bei einer Verletzung, Krankheit oder einem Verhaltensproblem. Einem Arzt kann auffallen, dass sich ein Kind körperlich oder emotional nicht normal entwickelt oder Impftermine und Untersuchungen versäumt. Vernachlässigung wird meist zuerst von Lehrern und Sozialarbeitern bemerkt. Lehrer erkennen ein vernachlässigtes Kind unter Umständen daran, dass es häufig unentschuldigt fehlt.

Emotionale Misshandlung wird häufig während der Beurteilung eines anderen Problems, wie einer schlechten schulischen Leistung oder einem Verhaltensproblem, erkannt. Emotional misshandelte Kinder werden auf Anzeichen von körperlichem oder sexuellem Missbrauch untersucht.

Körperlicher Missbrauch

Körperliche Misshandlung wird in der Regel vermutet, wenn ein Säugling, der noch nicht selbstständig laufen kann (sich beim Gehen an Möbeln festhält), blaue Flecke oder schwere Verletzungen oder scheinbar leichte Verletzungen im Gesicht aufweist. Säuglinge, die ungewöhnlich schläfrig oder lethargisch sind, werden auf Hirnverletzungen untersucht. Eine Misshandlung kann vermutet werden, wenn ein Kleinkind oder ein etwas größeres Kind blaue Flecken an ungewöhnlichen Stellen, wie etwa auf der Rückseite der Beine oder am Gesäß aufweist. Kinder im Lauflernalter haben häufig blaue Flecke, jedoch treten diese normalerweise an exponierten knochigen Stellen wie den Knien, den Schienbeinen, dem Kinn und der Stirn auf.

Ein Verdacht auf Misshandlung kann auch gegeben sein, wenn die Eltern wenig über die Gesundheit ihres Kindes wissen oder eine offensichtliche Verletzung scheinbar ignorieren oder deswegen übermäßig beunruhigt sind. Eltern, die ihr Kind misshandeln, erzählen dem Arzt oder Freunden vielleicht nur ungern, wie es zu der Verletzung gekommen ist. Manchmal passt die Darstellung des Hergangs nicht zum Alter des Kindes oder zur Art der Verletzung, oder die Eltern erzählen immer wieder etwas anderes. Misshandeln Eltern ihr Kind, lassen sie es bei Verletzungen möglicherweise nicht sofort behandeln.

Wenn ein Arzt vermutet, dass ein Kind körperlich misshandelt wird, lässt er für gewöhnlich Fotos der Verletzungen anfertigen. Es kann eine Bildaufnahme des Gehirns (Computer[CT]- oder Magnetresonanztomographie [MRT]) durchgeführt werden. Manchmal wird mithilfe von Röntgenaufnahmen nach Spuren früherer Verletzungen gesucht. Bei Kindern unter 3 Jahren macht man häufig Röntgenaufnahmen aller Knochen, um eventuelle Knochenbrüche feststellen zu können.

Sexueller Missbrauch

Ein Fall von sexuellem Missbrauch kommt häufig dadurch ans Licht, dass das Kind oder ein Zeuge den Vorfall schildert. Da sich die meisten Kinder jedoch scheuen, über sexuelle Handlungen zu sprechen, entsteht ein Verdacht manchmal auch erst dadurch, dass sich das Kind auffällig verhält. Hat ein kleines Kind eine Geschlechtskrankheit sollte der Arzt von sexuellem Missbrauch ausgehen.

Wenn zwischen sexuellem Missbrauch und Ankunft in der medizinischen Einrichtung weniger als 96 Stunden vergangen sind, untersuchen Ärzte das Kind, um mittels Abstrichen von Körperflüssigkeiten und Hautoberflächen rechtskräftige Beweise für den möglichen sexuellen Kontakt zu sammeln. Diese Beweissammlung wird häufig mit einem Spurensicherungsset für Sexualdelikte (Rape Kit) erstellt. Sichtbare Verletzungen werden durch Fotos dokumentiert. Manchmal werden für diese Aufgaben Ärzte hinzugezogen, die sich auf die Problematik von sexuellem Missbrauch von Kindern spezialisiert haben. Auch werden Tests auf Geschlechtskrankheiten sowie gegebenenfalls ein Schwangerschaftstest durchgeführt.

Vorbeugung

Kindesmisshandlung und -vernachlässigung lassen sich am besten verhindern, indem man sie stoppt, bevor es dazu kommt. Programme, die Eltern Unterstützung bieten und ihnen positive erzieherische Fertigkeiten mitgeben, sind sehr wichtig und notwendig. Eltern können lernen, wie sie positiv kommunizieren, richtig erziehen und die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder angemessen erfüllen. Programme zur Prävention von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung verbessern zudem die Eltern-Kind-Beziehungen und bieten Eltern soziale Unterstützung.

Diese Programme können zuhause, in der Schule, in Kliniken oder anderen kommunalen Einrichtungen stattfinden. Sie können als Einzel- oder Gruppentermine geplant sein.

Behandlung

  • Behandlung von Verletzungen

  • Maßnahmen zur Sicherstellung der Sicherheit des Kindes, manchmal durch Herausnehmen aus dem Zuhause

Alle körperlichen Verletzungen und Erkrankungen werden behandelt. Kinder, die verletzt, stark unterernährt oder krank sind, können ins Krankenhaus eingewiesen werden. Bei besonders schweren Verletzungen kann eine Operation notwendig sein. Säuglinge mit Schütteltrauma werden für gewöhnlich stationär behandelt. Auch gesunde Kinder werden manchmal ins Krankenhaus eingewiesen, um sie vor weiteren Misshandlungen zu schützen, bis ein sicherer Heimplatz gefunden ist. Körperliche Misshandlung, insbesondere ein Trauma am Kopf, kann langandauernde Auswirkungen auf die Entwicklung haben. Alle Kinder mit einem Kopftrauma sollten untersucht werden, da sie möglicherweise frühe Interventionen benötigen, wie beispielsweise Sprach- und Ergotherapie.

Manche Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt waren, erhalten Medikamente, die den Ausbruch von sexuell übertragbaren Krankheiten bis hin zur HIV-Infektion verhindern sollen. Wird ein Missbrauch vermutet, ist eine sofortige Unterstützung des Kindes erforderlich. Sexuell missbrauchte Kinder werden, auch wenn sie zunächst gleichmütig erscheinen, von Psychologen und Therapeuten betreut, da dauerhafte Schäden die Regel sind. Häufig ist über lange Zeit eine psychologische Betreuung erforderlich. Ärzte verweisen anderweitig misshandelte Kinder an Therapeuten, wenn sie Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Störungen entwickeln.

Sofortige Sicherheit des Kindes

Ärzte und andere medizinische Fachkräfte, die mit Kindern in Berührung kommen, sind gesetzlich verpflichtet, dem Jugendamt sofort sämtliche Verdachtsfälle von Kindesvernachlässigung und -misshandlung zu melden. Medizinische Fachkräfte sollten, müssen aber nicht, in solchen Fällen den Eltern sagen, dass entsprechend dem Gesetz Bericht erstattet wird und dass sie kontaktiert, befragt und wahrscheinlich zu Hause besucht werden könnten. Unter Umständen kann auch die örtliche Polizeibehörde eingeschaltet werden. Eine umgehende Meldung über ihre Beobachtung müssen ferner alle Personen machen, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit mit Kindern unter 18 Jahren zu tun haben. Dazu gehören Lehrer, Erzieher, Pflegedienstleister sowie Mitarbeiter der Polizei und der Gerichtsbehörden. Alle anderen, denen ein Fall von Vernachlässigung oder Misshandlung bekannt ist oder die einen solchen Verdacht haben, sind zwar nicht gesetzlich verpflichtet, den Fall zu melden, sollten dies aber von sich aus tun. Eine Person, die aus vernünftigen Gründen und in guten Glauben eine Misshandlung meldet, kann hierfür nicht verhaftet oder bestraft werden. Für Meldungen oder um Hilfe zu erhalten, steht die National Child Abuse Hotline unter 1-800-4-A-CHILD (1-800-422-4453) zur Verfügung.

Gemeldete Fälle werden dahingehend untersucht, ob weitere Ermittlungen notwendig sind. Gemeldete Fälle, die weitere Ermittlungen erforderlich machen, werden vom örtlichen Jugendamt untersucht, welches den Sachverhalt ermittelt und Empfehlungen für das weitere Vorgehen ausspricht. Beispielsweise könnten soziale Einrichtungen (für das Kind und Angehörige), eine vorübergehende Aufnahme ins Krankenhaus zum Schutz, eine vorübergehende Unterbringung bei Verwandten oder eine zeitlich begrenzte Pflegeunterbringung empfohlen werden. Die Mitarbeiter des Jugendamts besprechen mit Ärzten und Sozialarbeitern das weitere Vorgehen, wobei die unmittelbaren medizinischen Bedürfnisse des Kindes, die Schwere der Verletzungen und die Wahrscheinlichkeit, dass die Vernachlässigung oder Misshandlung weitergeht, berücksichtigt werden.

Nachbetreuung

Bei Vernachlässigung oder Misshandlung kümmert sich ein Team aus Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern um die Bearbeitung der Ursachen und Folgen. Dieses Team koordiniert zusammen mit der Justiz die Versorgung des Kindes. Das Team hilft den Angehörigen, die Bedürfnisse des Kindes besser zu verstehen, und vermittelt Hilfe vor Ort. Können sich die Eltern beispielsweise keine Gesundheitsfürsorge leisten, steht dem Kind unter Umständen medizinische Unterstützung durch den Staat zu. Andere lokale oder staatliche Programme bieten Unterstützung mit Essen und Unterkunft. Eltern mit Suchtmittel- oder psychischen Problemen werden an entsprechende Therapieprogramme verwiesen. In manchen Gebieten werden Elternprogramme und Selbsthilfegruppen angeboten. Für die Familie könnte eine regelmäßiger oder laufender Kontakt mit einem Sozialarbeiter, einem Anwalt für Opfer oder beiden notwendig sein.

Herausnehmen aus dem Zuhause

Das letztendliche Ziel des Jugendamts ist es, die Kinder in eine sichere, gesunde Familie zu entlassen. Je nach Art der Gewaltanwendung und abhängig von anderen Faktoren, kehren Kinder entweder zu ihrer Familie zurück, oder sie werden bei Verwandten oder Pflegeeltern untergebracht. Hier können die Betreuungspersonen das Kind vor weiterer Misshandlung schützen. Eine solche Unterbringung ist meistens vorübergehend, z. B. bis die Eltern eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz gefunden haben oder bis regelmäßige Hausbesuche durch einen Sozialarbeiter gewährleistet sind. Leider sind Wiederholungstaten bei Vernachlässigung und/oder Misshandlung häufig. In schweren Fällen von Vernachlässigung oder Misshandlung kann ein langfristiges Herausnehmen aus dem Zuhause erwogen oder den Eltern das Sorgerecht dauerhaft entzogen werden. Das Kind bleibt dann in der Pflegefamilie, bis es adoptiert wird oder erwachsen ist.

Weitere Informationen

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Insulingabe
Video
Insulingabe
Diabetes bezeichnet eine Erkrankung, die durch erhöhte Glukose- bzw. Blutzuckerwerte im Blut...
3D-Modelle
Alle anzeigen
Kyphose
3D-Modell
Kyphose

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN