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Tränende Augen

(Excess Tearing)

Von

Christopher J. Brady

, MD, Wilmer Eye Institute, Retina Division, Johns Hopkins University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Dez 2019| Inhalt zuletzt geändert Dez 2019
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Quellen zum Thema

Ein übermäßiger Tränenfluss kann zu einem Gefühl wässriger Augen oder dem Herablaufen von Tränen auf der Wange führen. Andere Symptome, wie etwa Reizungen der Augen oder Schmerzen können je nach der Art der Ursache ebenfalls präsent sein.

Die meisten Tränen werden in den Tränendrüsen produziert, die sich über dem äußeren Teil des oberen Augenlids befinden. Tränen fließen über das Auge und dann durch die kleinen Öffnungen, die sich in den inneren Rändern der Augenlider nahe der Nase befinden (oberer und unterer Tränenpunkt), in einen kurzen Kanal (das Tränenkanälchen) ab. Dann fließen sie in den Tränensack und durch den Tränennasengang in die Nase. Ein Verschluss entlang des Abflusskanals der Tränen kann zu tränenden Augen führen. Eine Blockierung kann auch eine Infektion des Tränensacks begünstigen (Dakryozystitis). Eine derartige Infektion kann sich in manchen Fällen auf das Gewebe in der Umgebung des Auges ausdehnen (periorbitale Zellulitis).

Wie Tränen entstehen

Wie Tränen entstehen

Ursachen

Tränende Augen können durch eine erhöhte Tränenproduktion oder einen Verschluss der Tränengänge verursacht werden (siehe Tabelle Einige Ursachen und Merkmale tränender Augen).

Häufige Ursachen für tränende Augen sind

Andere Ursachen umfassen

  • Trockene Augen (die trockene Augenoberfläche wird gereizt und die Tränendrüsen produzieren Reflextränen. Auf diese Weise können trockene Augen überraschenderweise tränende Augen verursachen.)

  • Nach innen gewandte Augenwimpern, die gegen den Augapfel reiben (Trichiasis)

  • Ein nach außen gewendetes Augenlid (Ektropium), das den Tränenpunkt von seiner normalen Position neben dem Augapfel verschiebt, sodass es keine Tränen ableiten kann

  • Altersbedingte Verengung der Tränenwege, eine sogenannte erworbene Dakryostenose

  • Chronische Infektionen der Tränensäcke, eine sogenannte Dakryozystitis

Jede Erkrankung, die die Hornhaut irritiert (das ist die klare Schicht vor der Iris und der Pupille), kann die Tränenproduktion erhöhen. Dennoch leiden die meisten Patienten mit Erkrankungen der Hornhaut, die tränende Augen verursachen (wie etwa ein Kratzer oder wunde Stellen auf der Hornhaut, ein Fremdkörper im Auge oder eine Entzündung der Hornhaut) unter starken Schmerzen, Rötungen und/oder Lichtempfindlichkeit, was die üblichen Gründe sind, warum ärztliche Hilfe aufgesucht wird.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale tränender Augen

Ursache

Häufige Merkmale*

Erkrankungen, die eine übermäßige Tränenproduktion verursachen können

Ein Tränen des Auges, das sich bei dem Kontakt mit kaltem oder windigem Wetter, Zigarettenrauch oder trockener Hitze verschlimmert

Ein Fremdkörpergefühl im Auge, das kommt und geht, dies vor allem am Ende des Tages

Irritationen der Augenoberfläche aufgrund von

  • Konjunktivitis (eine Entzündung der Bindehaut, d. i. die Membran, die die hintere Seite des Augenlids auskleidet und die vordere Seite des Auges bedeckt), verursacht durch Allergien, Chemikalien oder Infektionen

  • Blepharitis (Entzündung der Ränder des Augenlids)

  • Entropium (ein nach innen gedrehtes Augenlid) und Trichiasis (nach innen gedrehte Wimpern)

  • Kratzer auf der Hornhaut und Fremdkörper (Kratzer oder Fremdkörper auf der Oberfläche der durchsichtigen Wölbung vorne auf der Augenoberfläche)

Rötung der Augen

Juckreiz bei Patienten mit einer allergischen Bindehautentzündung

Nach innen gewandte Augenlider und Wimpern führen oft zu einem Gefühl, als hätte man Sand oder einen Fremdkörper im Auge

Bei Menschen mit Kratzern oder Fremdkörpern auf der Hornhaut, Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und einem Gefühl von Sand oder Fremdkörper im Auge

Eine Reizung der Nase durch Allergien oder eine Infektion der oberen Atemwege

Eine laufende Nase, Niesen und eine verstopfte Nase

Erkrankungen, die den Abfluss der Tränen blockieren

Kongenitale Dakryostenose (angeborene Blockade eines Tränenwegs)

Symptome, die eine Woche nach der Geburt beginnen

Erworbene Dakryostenose (altersbedingte Verengung der Tränenwege)

Wässrige Augen, die sich mit zunehmendem Alter allmählich verschlimmern

Entropium (nach innen gewandtes Augenlid)

Wird in der Regel im Verlauf der Untersuchung erkannt

Dakryozystitis (eine Infektion des Tränensacks)

Schmerzen oder Unbehagen nahe des Augenwinkels oder an der Seite der Nase

Oft Schwellungen, Rötungen, Empfindlichkeit und Wärmegefühl im selben Bereich

Ektropium (ein nach außen gewandtes Augenlid)

Wird in der Regel im Verlauf der Untersuchung erkannt

Oft bei älteren Menschen

Manchmal ein harter Knoten in der Nähe des Tränensacks

Andere Ursachen (wie etwa Verletzungen oder Medikamente)

In der Regel bei Patienten, die wissen, dass es bei ihnen solche Ursachen gibt.

*Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

Beurteilung

Nicht jeder Fall von wässrigen Augen erfordert eine ärztliche Untersuchung. Die folgenden Informationen können dabei helfen, zu klären, wann man zum Arzt gehen sollte und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Patienten mit wässerigen Augen stellen bestimmte Symptome Grund zur Besorgnis dar. Hierzu gehören

  • Wiederholte, unerklärliche Episoden roter und wässriger Augen.

  • Eine harte Masse im Tränengang oder in der Nähe

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Patienten mit Warnzeichen sollten etwa innerhalb einer Woche einen Arzt aufsuchen. Patienten, die unter wässerigen Augen leiden, sollten einen Arzt aufsuchen, wenn es passt, doch normalerweise ist eine Verzögerung von mehreren Wochen harmlos.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Der Befund des Arztes aus der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung weist oft auf die Ursache tränender Augen und die erforderlichen Tests hin (siehe Tabelle Einige Ursachen und Merkmale tränender Augen).

Der Arzt fragt den Patienten, ob er

  • unter Juckreiz, einer laufenden Nase oder Niesen (besonders nach dem Kontakt mit möglichen Allergenen) leidet

  • eine Reizung, Rötung oder Schmerzen in den Augen hat

  • Schmerz oder Unbehagen mit Schwellungen oder Rötungen in der Nähe des inneren Augenwinkels hat

  • andere Symptome (wie etwa Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Husten, Fieber oder Ausschlag) aufweist

  • Kopfverletzungen, Infektionen, Verbrennungen, Strahlentherapie oder chirurgische Eingriffe, die die Augen, die Nase oder die Nebenhöhlen betreffen, hatte

  • ein Medikament einnimmt, das ein Tränen der Augen verursacht (z. B. Chemotherapie oder Augentropfen, die Echothiophat, Epinephrin oder Pilokarpin enthalten)

Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die körperliche Untersuchung konzentriert sich auf das Gesicht, und vor allem auf die Augen und die Nase. Der Arzt untersucht auf Tränen, die über die Wange laufen. Er untersucht die Augenlider, die Tränenpunkte und den Bereich in den inneren Augenwinkeln. Darüber hinaus inspiziert er die Augenoberfläche mit einer Spaltlampe, um das Auge bei wesentlicher Vergrößerung zu untersuchen. Die Nase wird auf Verstopfung, Blockaden, Eiter, Absonderungen und Blutungen untersucht.

Tests

Normalerweise kann der Arzt die Ursache auf der Grundlage der Anamnese und der körperlichen Untersuchung bestimmen. Oft sind Tests unnötig. Wenn ein Test erforderlich ist, wird der Patient in der Regel an einen Ophthalmologen (das ist ein Mediziner, der auf die Beurteilung sowie operative und nichtoperative Behandlung von Augenkrankheiten spezialisiert ist) überwiesen.

Einige Tests werden in der Praxis des Ophthalmologen durchgeführt. Der Arzt kann eine kleine Sonde in den Tränenpunkt und manchmal in das Tränenkanälchen einführen, um zu versuchen, die Blockierung zu entdecken. Zudem kann er sanft eine Flüssigkeit durch das Tränenkanälchen spülen, um zu sehen, ob die Flüssigkeit ordnungsgemäß in die Nase abläuft.

Manchmal werden bildgebende Verfahren (bildgebende Tests der Tränengänge, Computertomographie [CT] oder die Untersuchung des Naseninnern mit einem flexiblen Betrachtungsschlauch [nasale Endoskopie]) durchgeführt.

Behandlung

  • Behandlung anderer Ursachen

  • Manchmal künstliche Tränen

  • Maßnahmen zur Öffnung blockierter Tränengänge

Zugrunde liegende Krankheiten werden behandelt. So zum Beispiel kann der Arzt ein Kortikosteroid für die Nase verabreichen, wenn die Ursache einer allergischer Schnupfen ist.

Gelegentlich empfiehlt der Arzt den Einsatz künstlicher Tränen, wenn die Ursache in trockenen Augen oder einer Reizung der Augenoberfläche liegt.

Bei Kleinkindern mit blockierten Tränenwegen löst sich die Blockierung oft auch ohne Behandlung, wenn das Kind heranwächst. Bis das Kind etwa 1 Jahr alt ist, empfiehlt der Arzt oft, dass die Eltern den Tränensack 4 oder 5 Mal am Tag manuell zusammendrücken, um den Verschluss zu mildern. Wenn die Blockierung sich nicht gelöst hat, wenn das Kind 1 Jahr alt ist, kann der Arzt einen Eingriff vornehmen, um die Tränengänge zu öffnen. Das Kind erhält eine Vollnarkose, und der Arzt führt eine kleine Sonde in den Tränengang ein, um die Blockierung zu durchbrechen.

Bei Kindern mit blockierten Tränengängen kann es sein, dass der Arzt den Tränengang zunächst sondiert. Wenn die Blockierung anhält, ist es möglich, dass der Arzt einen kleinen Plastikschlauch durch den Tränengang schiebt, der dort einige Monate lang verbleibt, damit der Abfluss offengehalten wird.

Bei Erwachsenen mit verschlossenen Tränengängen versucht der Arzt zunächst verschiedene Methoden, um die zugrunde liegende Erkrankung zu behandeln. Wenn diese Methoden keinen Erfolg haben, kann es sein, dass der Arzt einen chirurgischen Eingriff vornehmen muss, um einen neuen Abfluss für die Tränen anzulegen.

Wichtige Informationen für ältere Menschen

Mit zunehmendem Alter verengen sich die Tränenwege häufig (erworbene Dakryostenose). Eine solche Verengung ist ein häufiger Grund für unerklärlicherweise tränende Augen bei älteren Menschen. Doch ist auch eine komplette Verstopfung der Tränengänge möglich. In seltenen Fällen ist ein Tumor im Tränensack die Ursache.

Wichtigste Punkte

  • Häufige Ursachen des Tränenflusses umfassen Allergien, trockene Augen, sich nach innen oder außen wendende Augenlider, Infektionen sowie eine Verengung oder Blockierung der Abflusskanäle der Tränen.

  • Falls Tests erforderlich sind, können diese oft in der Praxis eines Ophthalmologen durchgeführt werden.

  • Andere Tests, z. B. eine Dakryoszintigraphie oder Dakryozystographie (Bildgebung der Tränenwege) oder eine Computertomographie werden notwendig, wenn Untersuchungen in der Praxis die Ursache nicht enthüllen, oder wenn der Arzt Verdacht auf einen Tumor hegt.

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