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Röteln

(Rubella, Rubeola, Drei-Tage-Masern)

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
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Quellen zum Thema

Röteln sind eine übertragbare virale Infektionskrankheit, die zu Adenopathie, Exanthem, gelegentlich auch zu meist leichten und kurzzeitigen konstitutionellen Beschwerden führen kann. Eine Infektion während der frühen Schwangerschaft kann zu Spontanabort, Totgeburt oder angeborenen Defekten führen. Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Verdachts-, Krankheits- und Todesfälle müssen an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Eine Behandlung ist meist nicht erforderlich. Die Impfung stellt eine wirksame Präventionsmaßnahme dar.

Die meisten Viren, die Menschen infizieren, können Erwachsene und Kinder infizieren und werden an anderer Stelle im MSD-Manual diskutiert. Viren mit spezifischen Auswirkungen auf Neugeborene werden an anderer Stelle besprochen ( Infektionen des Neugeborenen). Dieses Kapitel behandelt virale Infektionen, die normalerweise in der Kindheit erworben werden (obwohl viele auch Erwachsene betreffen können).

Röteln werden durch das Rubella-Virus, ein RNS-Virus, verursacht, das bei engem Kontakt durch Tröpfcheninfektion sowie aerogen übertragen wird. Patienten können Röteln während einer asymptomatischen Infektion oder 7 Tage vor einem Erscheinen des Exanthems und 15 Tage danach übertragen; die Periode der höchsten Ansteckung ist wenige Tage bevor das Exanthem erscheint bis zu 7 Tage danach. Kongenital infizierte Neugeborene ( Kongenitale Röteln) können Rötelnviren nach der Geburt noch monatelang übertragen.

Röteln sind weniger ansteckend als Masern. Nach einer natürlich durchgemachten Rötelninfektion kommt es zu einer wahrscheinlich lebenslangen Immunität. Trotzdem haben 10–15% der jungen Erwachsenen in einer nichtgeimpften Bevölkerung keine Infektion im Kindesalter durchgemacht und sind demzufolge empfänglich. Derzeit ist Inzidenz in den USA wegen der routinemäßigen Impfung im Kindesalter auf einem historischen Tiefstand. Alle Fälle seit 2004 sind mit Einwanderung oder Reisen assoziiert.

Symptome und Beschwerden

Viele Krankheiten verlaufen mild. Nach einer 14- bis 21-tägigen Inkubationszeit kommt es zu einer 1–5-tägigen Prodromalphase, die meist mit leichtem Fieber, Unwohlsein, Konjunktivitis und Lymphadenopathie einhergeht und bei Erwachsenen auftritt, bei Kindern jedoch nur sehr diskret sein oder ganz fehlen kann. Charakteristisch ist eine weiche Schwellung der subokzipitalen, postaurikulären und posterioren Halslymphknoten. Zu Beginn kommt es zu einer pharyngealen Injektion.

Das Exanthem ähnelt dem bei Masern, ist jedoch weniger ausgedehnt und verblasst schneller. Es ist bei Kindern oft das erste Anzeichen. Es beginnt im Gesicht und am Hals und breitet sich rasch auf den Körperstamm und die Extremitäten aus. Zu Beginn kann ein blasses, makuläres Exanthem auftreten, insbesondere im Gesicht. Am 2. Tag wird das Exanthem oft scharlachähnlich (stecknadelkopfgroß) mit einer Hautrötung. Am weichen Gaumen bilden sich Petechien (Forschheimer-Flecken), die später zu einer flächigen Rötung konfluieren. Der Hautausschlag hält 3–5 Tage an.

Konstitutionelle Symptome bei Kindern fehlen oder sind nur diskret ausgeprägt, wie z. B. Krankheitsgefühl und gelegentliche Arthralgien. Bei Erwachsenen kommt es meist nur zu wenigen oder keinen konstitutionellen Symptomen, gelegentlich tritt hier Fieber, Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Gelenksteifigkeit, transiente Arthritis und milde Rhinitis auf. Im Allgemeinen kommt es am 2. Tag des Exanthems zur Entfieberung.

Eine Enzephalitis kam selten während größerer Ausbrüche in militärischem Kontext vor. Typischerweise kommt es zu einer kompletten Remission, gelegentlich kann eine Ezephalitis tödlich verlaufen. Selten kommen eine thrombozytopenische Purpura und Otitis media vor.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

  • Serologische Tests

Der Verdacht auf Röteln besteht bei Patienten mit charakteristischen Lymphknotenschwellungen und Exanthem. Eine labormedizinische Bestätigung der Diagnose ist nur bei schwangeren Frauen, Patienten mit Enzephalitis und Neugeborenen erforderlich. Auch ist eine Laborauswertung bei allen Verdachtsfällen von Röteln für gesundheitspolitische Maßnahmen notwendig. Ein 4-facher Antikörpertiteranstieg zwischen einem Akut- und einem im Abstand von 4–8 Wochen abgenommenem Rekonvaleszenzserum erhärtet die Diagnose, ebenso wie Serum- Rubella-lgM-Antikörper-Tests. Ein Nachweis viraler RNA durch reverse Transkription-PCR von Hals-, Nasen-oder Urinproben wird auch durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen; eine Genotyp-Analyse ist für epidemiologische Untersuchungen interessant.

Die Differenzialdiagnose umfasst Masern, Scharlach, sekundäre Syphilis, medikamentös bedingte Exantheme, Erythema infectiosum und infektiöse Mononukleose sowie ECHO- und Coxsackievirusinfektionen (siehe Tabelle: Einige respiratorische Viren). Infektionen durch Enteroviren und Parvovirus B19 (Erythema infectiosum) können klinisch nicht zu unterscheiden sein.

Einige dieser Zustände können von Röteln wie folgt differenziert werden:

  • Masern: Eine Rötelnkrankheit wird von einer Masernkrankheit durch das leichtere, verblassende Exanthem; leichtere und mildere Allgemeinsymptome; sowie das Fehlen von Koplik-Flecken, Photophobie und Husten unterschieden.

  • Scharlach: Er führt innerhalb von nur einem Tag meist zu schwereren Allgemeinbeschwerden und Pharyngitis als Röteln.

  • Sekundäre Syphilis: Bei einer sekundären Syphilis sind die Lymphknotenschwellungen nicht weich, und das Exanthem ist auf den Handinnenflächen und Fußsohlen meist deutlich ausgeprägt. Auch ist Syphilis labormedizinisch meist einfach diagnostizierbar.

  • Infektiöse Mononukleose: Sie kann durch die schwerere Pharyngitis, länger andauerndes Krankheitsgefühl und atypische Lymphozytose sowie durch den Epstein-Barr-Virus-Antikörpernachweis unterschieden werden.

Behandlung

  • Unterstützende Behandlung

Die Behandlung von Röteln ist symptomatisch. Bei einer Enzephalitis ist keine spezifische Therapie verfügbar.

Vorbeugung

Routinemäßig wird mit einem Lebendimpfstoff geimpft (siehe Tabelle: Empfohlener Impfplan für das Alter von 0–6 Jahren und siehe Tabelle: Empfohlener Impfplan für das Alter von 7–18 Jahre). Er führt bei > 95% der Geimpften zu einer 15-jährigen Immunität und scheint keine virale Transmission zu verursachen. Da bestimmte andere Infektionen klinisch von Röteln nicht zu unterscheiden sind, stellt ein anamnestischer Hinweis auf eine durchgemachte Rötelninfektion keine Garantie für eine vorhandene Immunität dar.

Die Impfung wird für Kinder als eine kombinierte Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff in 2 Dosen verabreicht:

  • Die erste Dosis im Alter von 12 bis 15 Monaten

  • Die zweite Dosis im Alter von 4 bis 6 Jahren

Eine Dosis wird für alle anfälligen postpubertären Personen empfohlen, insbesondere Studenten, Militärrekruten, medizinisches Personal, kürzlich Immigrierte sowie Menschen, die beruflichen Kontakt zu kleinen Kindern haben. Eine routinemäßige Impfung wird allen anfälligen Müttern unmittelbar nach der Entbindung empfohlen. Ebenso wird bei Frauen im gebärfähigen Alter ein Screening auf Rötelnantikörper sowie die Impfung seronegativer Frauen empfohlen. Geimpfte Frauen sollten jedoch über mindestens die nächsten 28 Tage empfängnisverhütende Maßnahmen durchführen. Das Impfvirus kann in der Lage sein, einen Fetus während der frühen Schwangerschaft zu infizieren. Der Impfstoff verursacht keine Rötelnembryopathie, aber das Risiko eines fetalen Schaden wird auf 3% geschätzt. Diese Impfung ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.

Bei der Impfung von Kindern kommt es selten zu Fieber, Exanthem, Lymphknotenschwellungen, Polyneuropathie, Arthralgie und Arthritis; bei einer Impfung Erwachsener, meist bei nicht immunen Frauen, kann es gelegentlich zu schmerzhaften Gelenkschwellungen kommen.

Wichtige Punkte

  • Röteln bewirken einen scharlachartigen Hautausschlag und oft leichtes Fieber, Unwohlsein, Konjunktivitis und Lymphadenopathie (charakteristischerweise unter Einschluss der subokzipitalen, postaurikulären und posterioren zervikalen Knoten).

  • Die meisten Fälle verlaufen mild und Komplikationen sind mit Ausnahme seltener Fälle von Enzephalitis selten. Es besteht jedoch ein Risiko während der frühen Schwangerschaft, dass eine Infektion kann Fehlgeburt, Totgeburt oder angeborene Fehlbildungen verursachen kann.

  • Eine Labordiagnostik ist bei allen Verdachtsfällen für gesundheitspolitische Zwecke notwendig; hierzu können serologische oder PCR-Tests durchgeführt werden.

  • Ebenso wird bei Frauen im gebärfähigen Alter ein Screening auf Rötelnantikörper sowie die Impfung seronegativer Frauen empfohlen, wenn 28 Tage danach streng verhütet wird.

  • Diese Impfung ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.

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