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Verstopfung bei Kindern

Von

Deborah M. Consolini

, MD,

  • Assistant Professor of Pediatrics
  • Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University
  • Chief, Division of Diagnostic Referral
  • Nemours/Alfred I. duPont Hospital for Children
  • Staff Pediatrician in Pediatric Liver Transplantation Program
  • Nemours/Alfred I. duPont Hospital for Children

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Quellen zum Thema

Verstopfung ist verantwortlich für bis zu 5% der pädiatrischen Arztbesuche. Beschrieben wird sie als schwierige oder langsame Defäkation.

Die normale Frequenz und Konsistenz des Stuhls variiert mit dem Kindesalter und der Ernährung; es gibt auch erhebliche Unterschiede von Kind zu Kind.

Die meisten (90%) normalen Neugeborenen haben innerhalb der ersten 24 Lebensstunden einen Mekoniumabgang. Während der ersten Lebenswoche haben Säuglinge durchschnittlich 4 bis 8 Stuhlgänge pro Tag; Säuglinge, die gestillt werden, haben in der Regel mehr Stuhlgänge als Säuglinge, die mit Formeln gefüttert werden. Während der ersten Lebensmonate haben Säuglinge, die gestillt werden, durchschnittlich etwa 2 bis 3 Stuhlgänge pro Tag im Vergleich zu 2 Stuhlgängen pro Tag bei Säuglingen, die mit Formeln gefüttert werden. Bis zum Alter von 2 Jahren sinkt die Anzahl der Stuhlgänge auf leicht < 2/Tag. Ab dem Alter von 4 Jahren ist es leicht > 1/Tag.

In der Regel deuten Anzeichen auf Anstrengung (z. B. Pressen) bei einem jungen Säugling nicht auf Verstopfung hin. Die Muskeln zur Unterstützung des Stuhlgangs entwickeln sich bei Säuglingen erst allmählich.

Ätiologie

Verstopfung bei Kindern werden 2 Ursachen vermutet:

  • Organische (5%)

  • Funktionelle (95%)

Organische Ursachen

Organische Ursachen der Verstopfung umfassen spezifische strukturelle, neurologische, toxisch/metabolische Störungen oder Darmerkrankungen. Sie sind selten, aber wichtig zu erkennen (siehe Tabelle: Organische Ursachen der Verstopfung bei Säuglingen und Kindern).

Die häufigste organische Ursache ist

Andere organische Ursachen, die sich in der neonatalen Periode oder später manifestieren können

Funktionelle Ursachen

Unter funktionellen Ursachen einer Verstopfung versteht man Gründe, die nicht organischer Natur sind.

Kinder sind anfällig für die Entwicklung funktioneller Verstopfung während 3 Perioden:

  • Nach der Einführung von Getreide und fester Nahrung

  • Während des Toilettentrainings

  • Während des Schulbeginns

Jeder dieser Meilensteine hat das Potenzial, den Stuhlgang zu einer unangenehmen Erfahrung zu machen.

Kinder zögern eventuell manchmal den Stuhlgang hinaus, weil der Stuhl hart und der Stuhlgang unangenehm sind oder weil sie ihr Spiel nicht unterbrechen wollen. Um Stuhlgang zu vermeiden, kann es vorkommen, dass Kinder die externen Schließmuskeln anspannen, was zur Folge hat, dass der Stuhl zurückgedrängt wird. Wenn sich dieses Verhalten wiederholt, dehnt sich das Rektum aus, um den zurückgehaltenen Stuhl unterzubringen. Dadurch verringert sich der Stuhldrang, während der Stuhl härter wird, was zu einem Teufelskreis von schmerzhaftem Stuhlgang und Verstopfung führt. Gelegentlich geht weicher Stuhl am harten vorbei und führt zu Stuhlinkontinenz (Enkopresis).

Bei älteren Kindern kann eine Ernährung, die niedrig an Ballaststoffen und reich an Milchproduktien ist, eventuell dafür verantwortlich sein, dass der Stuhlgang unangenehm ist und es ggf. zu Analfissuren kommt. Analfissuren erzeugen Schmerzen beim Stuhlgang, was zu einem ähnlichen Teufelskreis verzögerten Stuhlgangs führt, der in härterem Stuhl resultiert, der schmerzhafter auszuscheiden ist.

Stress, Wunsch nach Kontrolle und sexueller Missbrauch können ebenfalls zu den funktionellen Ursachen von Stuhlzurückhaltung und anschließender Verstopfung gezählt werden.

Tabelle
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Organische Ursachen der Verstopfung bei Säuglingen und Kindern

Grund

Verdächtige Befunde

Diagnostisches Vorgehen

Anatomisch

Analstenose

Verzögerter Stuhlgang in den ersten 24–48 h des Lebens

Explosionsartiger und schmerzhafter Stuhlgang

Aufgetriebener Bauch

Abnormes Aussehen oder Position des Anus

Angespannter Analkanal bei digitaler Untersuchung ertastet

Klinische Bewertung

Vorn versetzter Anus

Schwere chronische Verstopfung mit markierter Anspannung und Schmerzen beim Stuhlgang

In der Regel keine Reaktion auf aggressive Verwendung von Stuhlweichmachern und Abführmitteln

Die Analöffnung liegt nicht in der Mitte des pigmentierten Dammbereichs

Die Berechnung des API* weist auf eine vordere Platzierung hin, die je nach Geschlecht variiert.

  • Mädchen: < 0,29

  • Jungen: < 0,49

Aufgetriebener Bauch

Kein Stuhlgang

Abnormes Aussehen oder Position des Anus oder möglicherweise kein Anus

Klinische Untersuchung

Endokrine oder metabolische Störungen

Polydipsie

Polyurie

Übermäßiges Schreien, das sich nach Wasserzufuhr beruhigt

Gewichtsverlust

Erbrechen

Osmolalität von Urin und Serum

ADH-Ebenen

Serum-Natrium

Manchmal Dursttest

Übelkeit und Erbrechen

Muskelschwäche

Bauchschmerzen

Anorexie, Gewichtsverlust

Polydipsie

Polyurie

Serumkalzium

Muskelschwäche

Polyurie, Dehydratation

Zurückliegende Wachstumsstörungen

Mögliche Einnahme von Aminoglykosid, Diuretika, Cisplatin oder Amphotericin

Elektrolyt-Panel

Schlechte Ernährung

Bradykardie

Große Fontanellen bei Neugeborenen und Hypotonie

Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Müdigkeit, langanhaltende Gelbsucht

Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)

Thyroxin (T4)

Rückenmarkdefekte

Stark sichtbare Läsion der Wirbelsäule bei der Geburt

Abnahme der unteren Extremitäten oder Reflexe Muskeltonus

Fehlender bulbokavernöser Reflex

Einfache Röntgenaufnahmen der lumbosakralen Wirbelsäule

Magnetresonanztomographie der Wirbelsäule

Haarbüschel oder Grube am Kreuzbein

Magnetresonanztomographie der Wirbelsäule

Abgebundene Wirbelsäule

Änderung im Gang

Schmerzen oder Schwäche in den unteren Extremitäten

Harninkontinenz

Rückenschmerzen

Magnetresonanztomographie der Wirbelsäule

Rückenmarktumor oder -infektion

Rückenschmerzen

Schmerzen oder Schwäche in den unteren Extremitäten

Abnahme der Reflexe in den unteren Extremitäten

Änderung im Gang

Harninkontinenz

Magnetresonanztomographie der Wirbelsäule

Intestinale Erkrankungen

Zöliakie (Glutenenteropathie)

Symptombeginn nach Einführung von Weizen in die Ernährung (in der Regel nach dem Alter von 4 bis 6 Monaten)

Gedeihstörung

Wiederkehrende Bauchschmerzen

Völlegefühl

Durchfall oder Verstopfung

Blutbild

Serologisches Screening auf Zöliakie (IgA-Antikörper gegen Gewebe-Transglutaminase)

Endoskopie für Zwölffingerdarm-Biopsie

Kuhmilcheiweißintoleranz (Milchproteinallergie)

Erbrechen

Durchfall oder Verstopfung

Hämatochezie

Analfissuren

Gedeihstörung

Abklingen der klinischen Symptome bei Beseitiung des Kuhmilchproteins

Gelegentlich Endoskopie oder Koloskopie

Verzögerter Mekoniumabgang oder Meconium ileus beim Neugeborenen

Mögliche wiederholte Episoden von Dünndarmobstruktion (Meconium ileus-Äquivalent) bei älteren Kindern

Gedeihstörung

Wiederholte Episoden von Lungenentzündungen oder Keuchen

Schweiß-Test

Gentests

Verzögerter Mekoniumabgang

Aufgetriebener Bauch

Ein angespannter Analkanal bei der digitalen Untersuchung ertastet.

Bariumeinlauf

Anorektale Manometrie und rektale Biopsie zur Bestätigung

Chronische rezidivierende Bauchschmerzen

Oft abwechselnd Durchfall und Verstopfung

Gefühl der unvollständigen Entleerung

Abgang von Schleim

Keine Anorexie oder Gewichtsverlust

Klinische Abklärung

Pseudo-Darmverschluss

Übelkeit, Erbrechen

Bauchschmerzen und Blähungen

Abdomenleeraufnahme

Darm-Transitzeit

Antroduodenale Manometrie

Darmtumor

Gewichtsverlust

Nachtschweiß

Fieber

Bauchschmerzen und/oder Blähungen

Tastbare Raumforderungen im Bauchraum

Darmverschluss

Magnetresonanztomographie

Zerebralparese und andere schwere neurologische Defizite

Bei den meisten Kindern mit Zerebralparese, die Darm-Muskelhypotonie und motorische Lähmung verursacht

Sondenernährung mit ballaststoffarmen Formeln

Klinische Untersuchung

Medikamentennebenwirkungen

Einnahme von Anticholinergika, Antidepressiva, Chemotherapeutika oder Opioiden

Unklare Krankheitsvorgeschichte

Klinische Bewertung

Toxine

Neues Auftreten von schlechtem Saugen, Fütterungsschwierigkeiten, Anorexie, Sabbern

Schwaches Weinen

Reizbarkeit

Ptosis

Abnehmende oder globale Hypotonie und Schwäche

Mögliche Anamnese von Honigverzehr in den ersten 12 Monaten

Test auf Botulinumtoxin im Stuhl

Meistens asymptomatisch

Eventuell intermittierende Bauchschmerzen, sporadisches Erbrechen, Müdigkeit, Reizbarkeit

Regression

Bleispiegel im Blut

Der *API (analer Positionsindex) berechnet sich wie folgt:

  • Mädchen: Abstand vom Anus fourchette/ Abstand vom Steißbein zur fourchette (normaler Mittelwert ± SD 0,45 ± 0,08)

  • Jungen: Entfernung vom Anus Hodensack/ Abstand vom Steißbein bis Hodensack (normal Mittelwert ± SD 0,54 ± 0,07)

SD = Standardabweichung.

Abklärung

Zunächst sollte abgeklärt werden, ob es sich um eine funktionelle Verstopfung oder eine Verstopfung mit einer organischen Ursache handelt.

Anamnese

Der Verlauf der aktuellen Krankheit bei Neugeborenen sollte aufdecken, ob schon einmal Mekonium abgegangen ist, und wenn ja zu welchem Zeitpunkt. Bei älteren Säuglingen und Kindern sollte die Anamnese den Beginn und die Dauer von Verstopfung, Frequenz und Konsistenz der Stühle sowie die Zeitpunkte dokumentieren, wann die Symptome aufgetreten sind. Auch sollte notiert werden, ob die Symptome der Verstopfung nach einem bestimmten Ereignis auftraten, die das Kind unter Stress setzen konnten, wie z. B. die Einführung von bestimmten Lebensmitteln oder Toilettentraining. Wichtige Begleitsymptome sind Verschmutzungen (Stuhlinkontinenz), Beschwerden beim Stuhlgang und Blut am oder im Stuhl. Die Zusammensetzung der Nahrung sollte notiert werden, insbesondere die Aufnahme von Flüssigkeiten und Ballaststoffen.

Eine Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen fragen, die eine organische Ursache nahelegen, einschließlich Wiederauftreten von Stillproblemen, Hypotonie und Einnahme von Honig vor dem Alter von 12 Monaten (infantiler Botulismus); Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Müdigkeit, Muskelschwäche, verlängerte Neugeborenen-Hyperbilirubinämie, häufiger Harndrang und übermäßiger Durst (Endokrinopathien), Veränderungen im Gang, Schmerzen oder Schwäche in den unteren Extremitäten und Harninkontinenz (Wirbelsäulenschäden); Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust (Krebs) und Erbrechen, Bauchschmerzen, schlechtes Wachstum und intermittierender Durchfall (Darm-Erkrankungen).

Bei der Anamnese der Vorgeschichte sollte nach bekannten Erkrankungen gefragt werden, die zu Verstopfung führen können, einschließlich Mukoviszidose und Zöliakie. Eine Exposition gegenüber Medikamenten oder Bleifarbenstaub sollte ausgeschlossen werden. Ärzte sollten ermitteln, ob es zu verspätetem Mekoniumabgang innerhalb der ersten 24–48 h des Lebens kam oder ob es schon frühere Episoden von Verstopfung gab. Außerdem sollte er danach fragen, ob in der Familiengeschichte Verstopfungen bekannt geworden sind.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung beginnt mit der allgemeinen Beurteilung wie stark das Kind unter seiner Situation leidet und wie der Allgemeinzustand des Kindes ist (einschließlich des Zustandes von Haut und Haaren). Größe und Gewicht sollten gemessen und mit Wachstumsnormkurven verglichen werden.

Die Untersuchung sollte sich auf den Bauch und Anus und auf der neurologischen Prüfung konzentrieren.

Der Arzt untersucht, ob der Bauch geschwollen ist oder Darmgeräusche zu hören sind. Er tastet die Bauchdecke auf Empfindlichkeit und harte Bereiche ab. Der Anus wird mit großer Vorsicht und Achtsamkeit auf Fissuren untersucht. Eine sanfte digitale rektale Untersuchung wird durchgeführt, um die Stuhlkonsistenz zu prüfen und um eine Probe für einen Test auf okkultes Blut zu erhalten. Bei der rektalen Untersuchung sollte darauf geachtet werden, wie eng oder gespannt der Anus ist und ob Stuhl im rektalen Gewölbe zu finden ist. Die Untersuchung schließt eine Prüfung auf die Platzierung des Anus und das Vorhandensein von Haarbüscheln oder Gruben oberhalb des Kreuzbeins.

Bei Säuglingen konzentriert sich die neurologische Untersuchung auf Tonus und Muskelkraft. Bei älteren Kindern liegt der Fokus auf dem Gang, den Sehnenreflexen und auf Anzeichen von Schwäche in den unteren Extremitäten.

Warnhinweise

Folgende Befunde gelten als besonders schwerwiegend:

  • Verzögerter Mekoniumabgang (> 24–48 h nach der Geburt)

  • Hypotonie und schlechtes Saugen (Hinweis auf Säuglingsbotulismus)

  • Gangstörung und Sehnenreflexe (Hinweis auf Rückenmark-Beteiligung)

Interpretation der Befunde

Wenn Neugeborene seit der Geburt eine Verstopfung haben, liegt aller Wahrscheinlichkeit nach eine organische Ursache vor. Wenn Neugeborene dagegen schon eine normale Verdauung gehabt haben, ist es relativ unwahrscheinlich, dass es sich um eine schwerwiegende Grunderkrankung handelt.

Bei älteren Kindern sind Hinweise auf eine organische Ursache körperliche Symptome wie z. B. Gewichtsverlust, Fieber oder Erbrechen, stagnierendes Wachstum (abnehmende Perzentile auf der Wachstumskurve) sowie eine krank wirkende Gesamterscheinung. Abnormale Befunde aus der körperlichen Untersuchung werden ebenfalls einbezogen (siehe Tabelle: Organische Ursachen der Verstopfung bei Säuglingen und Kindern). Eine funktionelle Störung ist dann wahrscheinlich, wenn das Kind gesund wirkt, keine anderen Beschwerden außer der Verstopfung hat, einen normalen Befund bei der körperlichen Untersuchung hat und keine Medikamente einnimmt, die zu Verstopfung führen.

Ein aufgeblähtes Rektum, das mit Stuhl gefüllt ist oder Analfissuren sind im Zusammenhang mit einer funktionelle Verstopfung eines ansonsten gesunden Kindes zu sehen. Eine Verstopfung, die nach der Einnahme eines zu Verstopfung führenden Medikaments begann oder die mit einer Ernährungsumstellung einhergeht, kann mit diesem Medikament oder jenem Lebensmittel in Verbindung gebracht werden. Zu Lebensmitteln, die mit Verstopfung in Verbindung gebracht werden, gehören Milchprodukte (z. B. Milch, Käse, Joghurt) und Stärke sowie Fertigessen, das keine Ballaststoffe enthält. Wenn die Verstopfung jedoch nach der Einnahme von Weizen auftritt, sollte über Zöliakie nachgedacht werden. Eine neu aufgetretene Belastung, wie z. B. ein neues Geschwister oder andere mögliche Ursachen von Stuhlverhaltung in Zusammenhang mit normalen körperlichen Befunden unterstützen den Verdacht auf eine funktionelle Ursache.

Tests

Für Patienten, die unter funktioneller Verstopfung leiden, sind keine Tests erforderlich, es sei denn, es gibt keine Besserung nach herkömmlicher Behandlung der Obstipation. Eine Abdomenleeraufnahme sollte dann gemacht werden, wenn der Befund sich nach Behandlung nicht gebessert hat oder eine organische Ursache vermutet wird. Tests auf organische Ursachen sollten dann vorgenommen werden, wenn die Anamnese und die körperliche Untersuchung durchgeführt wurde (siehe Tabelle: Organische Ursachen der Verstopfung bei Säuglingen und Kindern):

Behandlung

Spezifische organische Ursachen der Verstopfung sollten behandelt werden.

Funktionelle Verstopfung wird idealerweise zunächst behandelt mit:

  • Ernährungsumstellung

  • Änderung des Verhaltens

Ernährungsumstellung beinhaltet die Beigabe von Pflaumensaft in der Fertignahrung für Säuglinge, die Erhöhung des Anteils von Obst, Gemüse oder anderen Ballaststoffquellen an der Ernährung für ältere Säuglinge und Kinder sowie eine vermehrte Flüssigkeitszufuhr und die Reduzierung von Lebensmitteln, die zu Verstopfung führen können (z. B. Milch und Käse).

Änderung des Verhaltens für ältere Kinder bedeutet, dass die Kinder dazu ermutigt werden, regelmäßig nach jeder Mahlzeiten auf die Toilette zu gehen, wenn sie trocken sind. Wenn Kinder gerade dabei sind trocken zu werden, ist es manchmal sinnvoll, eine Pause im Toilettentraining einzulegen, bis die Verstopfung vorbei ist.

Persistierende Verstopfung wird dadurch behandelt, dass der Darm entleert wird und eine normale Ernährung und Stuhlgang eingeführt wird. Die Darmentleerung durch Präparate kann oral oder rektal erfolgen. Wenn orale Präparate zur Darmentleerung eingenommen werden sollen, ist die Aufnahme von großen Mengen an Flüssigkeit wichtig. Die Einführung rektaler Mittel kann unangenehm und mitunter schwierig durchzuführen sein. Beide Methoden können von den Eltern unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden, jedoch ist für die Darmentleerung manchmal ein Krankenhausaufenthalt nötig, wenn eine ambulante Behandlung nicht erfolgreich ist. Normalerweise brauchen Säuglinge keine aufwändigen Maßnahmen. Sollte ein Eingreifen jedoch erforderlich sein, reicht ein Glyzerinzäpfchen in der Regel aus. Für die Aufrechterhaltung eines gesunden Darms sollten einige Kinder rezeptfreie Ballaststoffpräparate als Nahrungsergänzung erhalten. Bei der Einnahme dieser Nahrungsergänzungsmittel ist es jedoch notwendig, 1–2 l Wasser am Tag zu trinken (siehe Tabelle: Behandlung von Verstopfung).

Tabelle
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Behandlung von Verstopfung

Art der Behandlung

Wirkstoffe

Dosis

Ausgewählte Nebenwirkungen

Darmentleerung

Oral

Orale Einnahme einer hohen Dosis von Mineralöl (sollte nicht bei Säuglingen < 1 Jahr oder bei neurologisch beeinträchtigten Kindern gegeben werden, um eine Aspiration zu verhüten)

15–20 ml/Lebensjahr (max. 240 ml/Tag) über einen Zeitraum von 3 Tagen oder bis Stuhl erscheint

Stuhlinkontinenz, Malabsorption von fettlöslichen Vitaminen (bei wiederholten Behandlungen)

Orale Polyethylenglykol-Elektrolyt-Lösung

25 ml/kg/h (max. 1000 ml/h) durch NGT bis Stuhl erscheint oder 20 ml/kg/h für 4 h/Tag

Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Blähungen

Orales Polyethylenglykol ohne Elektrolyte

1–1,5 g/kg aufgelöst in 10 ml/kg Wasser einmal am Tag für 3 Tage

Stuhlinkontinenz

Rektal

Glyzerinzäpfchen

Kleinkinder und ältere Kinder: 1/2–1 Zäpfchen einmal täglich für 3 Tage oder bis Stuhl erscheint

Keine

Einlauf mit Mineralöl

2–11 Jahre: 64 ml (2,25 oz) einmal täglich für 3 Tage oder bis Stuhl erscheint

12 Jahre: 127 ml (4,5 oz) einmal täglich über 3 Tage oder bis Stuhl erscheint

Stuhlinkontinenz, mechanisches Trauma

Einlauf mit Natriumphosphat

2– 4 Jahre: 32 ml (1,13 oz) einmal täglich für 3 Tage oder bis Stuhl erscheint

5–11 Jahre: 64 ml (2,25 oz)einmal täglich für 3 Tage oder bis Stuhl erscheint

12 Jahre: 127 ml (4,5 oz) einmal täglich für 3 Tage oder bis Stuhl erscheint

Mechanisches Trauma, Hyperphosphatämie

Darmpflegemittel

Osmotische Abführmittel und Schmiermittel (oral)

Laktulose (70%-ige Lösung)

1 ml/kg 1–2-mal täglich (höchstens 60 ml/Tag)

Bauchkrämpfe, Blähungen

Magnesium-Natriumhydroxid (400 mg/ 5 ml Lösung)

1–2 ml/kg einmal täglich

Im Falle einer Überdosierung Risiko einer Hypermagnesiämie, Hypophosphatämie oder sekundärer Hypocalciämie

Mineralöl

1–3 ml/kg einmal täglich

Stuhlinkontinenz

Polyethylenglykol 3350-Pulver aufgelöst in Wasser

1–18 Monate: 1 Teelöffel Pulver in 60 ml (2 oz) Wasser 1-mal täglich

> 18 Monate–3 Jahre: 1/2 Päckchen Pulver (8,5 g) in 120 ml (4 oz) Wasser 1-mal täglich

3 Jahre: 1 Päckchen (17 g) in 240 ml (8 oz) Wasser 1-mal täglich

Stuhlinkontinenz

Orale Abführmittel (nur für einen begrenzten Zeitraum zu verwenden)

Bisacodyl (5 mg-Tabletten)

2–11 Jahre: 1–2 Tabletten einmal täglich

12 Jahre: 1–3 Tabletten einmal täglich

Stuhlinkontinenz, Hypokaliämie, Bauchkrämpfe

Senna-Sirup: 8,8 mg Sennoside auf 5 ml

Senna-Tabletten: 8,6 mg Sennoside/Tablette

> 1 Jahr: 1,25 ml einmal täglich und bis 2,25 ml 2-mal täglich

2–5 Jahre: 2,5 ml einmal täglich und bis zu 3,75 ml 2-mal täglich

6–11 Jahre: 5 ml einmal täglich und bis zu 7,5 ml 2-mal täglich

12 Jahre: 1 Tablette einmal täglich und bis zu 2 Tabletten 2-mal täglich

Bauchkrämpfe, Melanose coli

Nahrungsergänzungsmittel

Ballastoffergänzungsmittel

Methylzellulose*

< 6 Jahre: 0,5–1 g 1-mal täglich

6–11 Jahre: 1 g 1–3-mal täglich

12 Jahre: 2 g 1–3-mal täglich

Weniger Blähungen als andere Ballaststoffergänzungsmittel

Psyllium*

6–11 Jahre: 1,25–15 g 1–3-mal täglich

12 Jahre: 2,5–30 g 1–3-mal täglich

Blähungen, Blähungen

Sorbit-haltige Fruchtsäfte (z. B. Pflaume, Birne, Apfel)

Säuglinge und ältere Kinder: 30–120 ml (1–4 oz) pro Tag

Flatulenzen

Weizendextrin*

2–20 Jahre: 5 g plus 1 g pro Jahr 1-mal täglich

Blähungen, Blähungen

*Zahlreiche kommerzielle Produkte und Zubereitungen sind in unterschiedlichen Konzentrationen verfügbar, sodass Dosen in Gramm der Ballaststoffe gegeben werden.

Wichtige Punkte

  • Funktionelle Verstopfung macht ungefähr 95% der Fälle aus

  • Organische Ursachen sind selten, müssen aber in Betracht gezogen werden.

  • Verzögerter Mekoniumabgang > 24–48 h nach der Geburt legt den Verdacht auf eine strukturelle Erkrankung nahe, insbesondere Morbus Hirschsprung.

  • Frühzeitige Intervention mit Ernährungs- und Verhaltensänderungen kann funktionelle Verstopfung erfolgreich behandeln.

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