Die lymphoide interstitielle Pneumonie (LIP) ist durch eine lymphozytäre Infiltration des alveolären Interstitiums und der Alveolen gekennzeichnet. Die Ursache ist unbekannt. Die Symptomatik besteht in Husten, zunehmender Dyspnoe und feuchten RG. Die Diagnose wird anhand von Anamnese, körperlichem Untersuchungsbefund, bildgebenden Verfahren und Lungenbiopsien gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Glukokortikoiden und / oder Zytostatika. Die Prognose ist weitgehend unbekannt und auf Fallserien beschränkt.
Die lymphoide interstitielle Pneumonie ist eine seltene idiopathische interstitielle Pneumonie, die durch die Infiltration der Alveolen und Alveolarsepten mit kleinen Lymphozyten und unterschiedlichen Mengen von Plasmazellen gekennzeichnet ist. Nichtnekrotisierende, schwach geformte Granulome können vorhanden sein, sind jedoch normalerweise selten und unauffällig.
Die lymphoide interstitielle Pneumonie (LIP) ist die häufigste Ursache für Lungenerkrankungen nach der Pneumocystis-Infektion bei HIV-positiven Kindern und stellt bei bis zu der Hälfte dieser Kinder die definierende Erkrankung im Spätstadium der HIV-Infektion dar. Die lymphoide interstitielle Pneumonie betrifft < 1% der Erwachsenen, mit oder ohne HIV-Infektion. Frauen und Mädchen sind häufiger betroffen.
Die Ursache soll eine Autoimmunerkrankung oder eine unspezifische Immunantwort auf Infekte mit Epstein-Barr virus, HIV oder anderen Viren sein. Beweise für die Autoimmungenese umfassen das häufig gleichzeitige Auftreten mit einem Sjögren-Syndrom und anderen Erkrankungen (z. B. Systemischer Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Hashimoto-Thyreoiditis).
Beweise für eine indirekte Virusätiologie sind das häufige Auftreten bei Immunsuppression (HIV, kombinierte variable Immundefekte, Agammaglobulinämie) und Nachweis von Epstein-Barr virus-DNA und HIV-RNA im Lungengewebe von Patienten mit lymphoider interstitieller Pneumonie. Entsprechend dieser Theorie ist die lymphoide interstitielle Pneumonie ein extremer Ausdruck der normalen Fähigkeit von pulmonalem Lymphgewebe, auf inhalierte und zirkulierende Antigene zu reagieren.
Die meisten Formen der lymphoiden interstitiellen Pneumonie werden als sekundär eingestuft, wenn sie in Verbindung mit anderen Erkrankungen (immunologisch, infektiös oder medikamentös bedingt) auftreten. Wenn keine Ursache identifiziert werden kann, wird sie als primäre lymphoide interstitielle Pneumonie klassifiziert.
Symptome und Anzeichen der lymphozytären interstitiellen Pneumonie
Bei Erwachsenen verursacht die lymphoide interstitielle Pneumonie typischerweise fortschreitende Dyspnoe und Husten. Diese Symptomatik nimmt über Monate oder – in einigen Fällen – über Jahre zu und tritt in einem mittleren Lebensalter von 47 Jahren auf (1). Gewichtsverlust, Fieber, Arthralgien, pleuritische Brustschmerzen und nächtliches Schwitzen kommen ebenfalls vor, sind jedoch seltener.
Bei der Untersuchung können feuchte RG gehört werden. Befunde wie Hepatosplenomegalie, Arthritis und Lymphadenopathie sind ungewöhnlich und legen das Vorhandensein einer begleitenden oder anderen Erkrankung nahe (z. B. Lymphom).
Hinweise auf Symptome und Zeichen
1. Cha SI, Fessler MB, Cool CD, Schwarz MI, Brown KK. Lymphoid interstitial pneumonia: clinical features, associations and prognosis. Eur Respir J 2006;28(2):364-369. doi:10.1183/09031936.06.00076705
Diagnose der lymphoiden interstitiellen Pneumonie
Hochauflösende CT (HRCT)
Laboruntersuchungen zur Identifizierung der zugrunde liegenden Erkrankung
Lungenfunktionsprüfungen
Biopsie zur Bestätigung
Der Verdacht auf lymphoide interstitielle Pneumonie wird in der Regel bei Risikopatienten mit entsprechenden Symptomen geäußert. Es werden bildgebende Verfahren und manchmal Lungenbiopsie durchgeführt.
Im Röntgenthoraxbild zeigen sich beidseitig basale lineare retikuläre oder noduläre Verschattungen, unspezifische Befunde, die bei zahlreichen Lungenerkrankungen vorkommen. Verschattungen der Alveolen und/oder Zysten können bei fortgeschrittener Erkrankung vorhanden sein.
Eine HRCT des Thorax sollte durchgeführt werden, um das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen, die hiläre Anatomie zu definieren und eine Beteiligung der Pleura zu erkennen. Die Hochauflösende CT-Befunde variieren allerdings erheblich. Typische Befunde sind zentrilobuläre und pleuranahe Knötchen, verdickte bronchovaskuläre Gefäßbündel, noduläre Milchglastrübungen sowie zystische Strukturen.
Die Lungenfunktionsprüfung zeigt ein restriktives Lungenerkrankungsmuster mit Anzeichen für verringerte Lungenvolumina (Gesamtlungenkapazität und forcierte Vitalkapazität) und eine verminderte Diffusionskapazität der Lunge für Kohlenmonoxid (DLCO).
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Eine signifikante Hypoxämie kann auftreten.
Eine Bronchoalveoläre Lavage (BAL) sollte zum Ausschluss von Infekten durchgeführt werden. Dabei finden sich gelegentlich erhöhte Lymphozytenzahlen.
Routinemäßige Laboruntersuchungen und eine Serumelektrophorese (SPEP) werden durchgeführt, da etwa 80 % der Patienten eine Dysproteinämie (eine Serumprotein-Anomalie) aufweisen können, am häufigsten eine polyklonale Gammopathie oder eine Hypogammaglobulinämie, deren Signifikanz unbekannt ist (1). Weitere Laboruntersuchungen (z. B. antinukleäre Antikörper [ANA], Anti-Ro/SSA, Anti-La/SSB, Rheumafaktor [RF], Immunglobulinspiegel einschließlich Immunglobulin-Subklassen, HIV-Test) werden durchgeführt, um mögliche Ursachen für eine sekundäre lymphoide interstitielle Pneumonie zu identifizieren.
Lungenbiopsie mit Nachweis einer Infiltration der Alveolarsepten aufgrund von Lymphozyten und anderen Immunzellen (Plasmazellen, Immunoblasten, Histiozyten) ist zur Diagnose bei Erwachsenen erforderlich. Die Infiltrate scheinen gelegentlich entlang von Bronchien und Gefäßen angeordnet, am häufigsten jedoch entlang der Alveolarsepten. Immunhistochemische Färbung und Durchflusszytometrie müssen am Gewebe erfolgen, um eine lymphozytäre interstitielle Pneumonie von primären Lymphomen zu unterscheiden. Bei der lymphozytären interstitiellen Pneumonie ist das Infiltrat polyklonal (bestehend aus T-Zellen und B-Zellen), während andere Lymphome monoklonale Infiltrate erzeugen. Andere häufige Befunde sind Keimzentren und mehrkernige Riesenzellen mit nichtverkäsenden Granulomen.
Diagnosehinweis
1. Cha SI, Fessler MB, Cool CD, Schwarz MI, Brown KK. Lymphoid interstitial pneumonia: clinical features, associations and prognosis. Eur Respir J 2006;28(2):364-369. doi:10.1183/09031936.06.00076705
Behandlung der lymphozytären interstitiellen Pneumonie
Glukokortikoide oder Zytostatika
Die Behandlung der lymphoiden interstitiellen Pneumonie erfolgt bei symptomatischer und/oder fortschreitender Erkrankung mit Glukokortikoiden. Bei Patienten, deren Erkrankung trotz laufender Behandlung fortschreitet, die unter unerwünschten Wirkungen von Glukokortikoiden leiden oder aufgrund von Rückfällen eine Langzeitbehandlung benötigen, können zusätzlich zu Glukokortikoiden oder anstelle davon Zytostatika verabreicht werden. Wie bei vielen anderen Ursachen für interstitielle Lungenerkrankungen wurde dieser Ansatz nicht in randomisierten Studien untersucht und basiert weitgehend auf früheren Behandlungserfahrungen. Die Behandlung richtet sich auch gegen die Ursache der lymphoiden interstitiellen Pneumonie, falls vorhanden (z. B. HIV, Immunschwäche, Autoimmunität).
Prognose der lymphozytären interstitiellen Pneumonie
Der natürliche Verlauf und die Prognose der lymphozytären interstitiellen Pneumonie bei Erwachsenen sind bislang wenig verstanden. Spontanheilungen, Ausheilung nach Behandlung mit Glukokortikoiden oder anderen Immunsuppressiva, Progression zu Lymphomen oder Entwicklung einer Lungenfibrose mit respiratorischer Insuffizienz können auftreten. Das mediane Überleben wird auf 11,5 Jahre geschätzt (1). Häufige Todesursachen sind Infekte, Entwicklung eines malignen Lymphoms (5%) und zunehmende Fibrose.
Hinweis zur Prognose
1. Cha SI, Fessler MB, Cool CD, Schwarz MI, Brown KK. Lymphoid interstitial pneumonia: clinical features, associations and prognosis. Eur Respir J 2006;28(2):364-369. doi:10.1183/09031936.06.00076705
Wichtige Punkte
Lymphozytäre interstitielle Pneumonie ist selten.
Sie ist mit Autoimmunerkrankungen, Immundefekten und chronischen Infektionen (HIV) assoziiert, kann aber auch idiopathisch sein.
Die Symptome und Anzeichen sind eher unspezifisch, beinhalten jedoch Husten und Dyspnoe.
Führen Sie ein hochauflösendes CT, eine bronchoalveoläre Lavage und manchmal eine Lungenbiopsie durch.
Behandeln Sie Patienten mit symptomatischer oder fortschreitender Erkrankung mit Glukokortikoiden, Zytostatika oder beidem; Begleiterkrankungen müssen ebenfalls behandelt werden.



