Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Allergische Rhinitis

Von

Peter J. Delves

, PhD,

  • Professor of Immunology, Division of Infection & Immunity, Faculty of Medical Sciences
  • University College London, London, UK

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Die allergische Rhinitis äußert sich durch saisonal oder ganzjährig auftretendes Niesen, Rhinorrhoe, verstopfte Nase und manchmal auch Konjunktivitis, ausgelöst durch Pollen oder andere Allergene. Die Diagnose wird durch Anamnese und gelegentlich durch Hauttests gestellt. Die Behandlung der ersten Wahl sind nasale Kortikosteroide (mit oder ohne orales oder nasales Antihistaminikum) oder ein orales Antihistaminikum sowie einem Medikament mit abschwellender Wirkung.

Eine allergische Rhinitis kann saisonal oder das ganze Jahr hindurch (eine Form der perennialen Rhinitis) auftreten. Die saisonale Rhinitis ist in der Regel allergisch. In mindestens 25% der Fälle ist die perenniale Rhinitis nichtallergisch begründet.

Saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen) wird meist durch pflanzliche Allergene verursacht, die je nach Saison variieren. Häufige Pflanzenallergene sind

  • Frühling: Baumpollen (z. B. Eiche, Ulme, Ahorn, Erle, Birke, Wacholder, Olive)

  • Sommer: Gräserpollen (z. B. Bermudagras, Wiesenlieschgras, süß frühlingshaft, Obstbäume, Johnson) und Unkrautpollen (z. B. russische Distel, englischer Wegerich)

  • Herbst: Andere Unkrautpollen (z. B. Ambrosia)

Die Ursachen sind auch regional unterschiedlich. Gelegentlich wird die saisonale allergische Rhinitis auch durch in der Luft befindliche Pilzsporen (Schimmel) hervorgerufen.

Die perenniale Rhinitis wird durch eine ganzjährige Exposition gegenüber Allergenen in der Wohnung (z. B. Kot von Staubmilben, Schaben, Tierschuppen, Schimmel) und durch eine starke Reaktivität gegenüber Blütenpollen in den verschiedenen Jahreszeiten verursacht.

Häufig liegen allergische Rhinitis und Asthma gemeinsam vor; ob aber Rhinitis und Asthma Folgen des gleichen allergischen Prozesses (Hypothese des Einmal-Luftweges) sind oder die Rhinitis als diskreter Asthmaauslöser agiert, ist unklar.

Zu den nichtallergischen Formen der perennialen Rhinitis zählen die infektiöse, vasomotorische, medikamenteninduzierte (z. B. Aspirin oder NSAID) und atrophische Rhinitis.

Symptome und Beschwerden

Die Patienten klagen über Juckreiz in Nase, Augen oder Rachen; weitere Symptome sind Niesen, Rhinorrhoe sowie Obstruktion der Nase und Nebenhöhlen. Durch eine Nebenhöhlenobstruktion kann es zu Kopfschmerzen in der Stirnregion kommen; Sinusitis ist eine häufig auftretende Komplikation. Es können Husten und Niesen auftreten, besonders dann, wenn auch Asthma vorliegt.

Das deutlichste Symptom der perennialen Rhinitis ist die chronische nasale Obstruktion, die bei Kindern zu einer chronischen Otitis media führen kann; in ihrer Ausprägung variieren die Symptome im Laufe des Jahres, Juckreiz ist weniger prominent als bei der saisonalen Rhinitis. Es können sich Chronische Sinusitis und Nasenpolypen entwickeln.

Die klinischen Zeichen sind ödematös geschwollene, blaurot verfärbte Nasenmuscheln, und in einigen Fällen von saisonaler allergischer Rhinitis kommt es zu Konjunktivalinjektion und Augenlidödem.

Diagnose

  • Klinische Erhebung

  • Gelegentlich Hauttests, Allergen-spezifische Serum-lgE-Tests oder beides

Die Diagnose der allergischen Rhinitis kann fast immer allein durch die Anamnese gestellt werden. Diagnostische Untersuchungsverfahren sind nicht routinemäßig erforderlich, es sei denn, dass sich mit empirischer Behandlung keine Besserung der Symptome einstellt; dann können Hauttests durchgeführt werden, um eine Reaktion auf Pollen (saisonal), oder auf Kot von Staubmilben, Schaben, Tierschuppen, Schimmel und andere Antigene (perennial) zu zeigen; hiermit wird eine Orientierungshilfe für Zusatzbehandlungen gegeben. Gelegentlich sind Haut-Testergebnisse zweideutig oder die Tests können nicht durchgeführt werden (z. B. weil Patienten Medikamente einnehmen, die die Ergebnisse beeinträchtigen). In diesem Fall wird ein Allergen-spezifischer Serum-lgE-Test durchgeführt. Der Nachweis von Eosinophilen im Nasensekret bei negativem Hauttest deutet auf eine Acetylsalicylsäureempfindlichkeit oder eine nichtallergische Rhinitis mit Eosinophilie (NARES, nonallergic rhinitis with eosinophilia) hin.

Nichtallergische ganzjährigen Rhinitis wird in der Regel ebenfalls anamnestisch diagnostiziert. Das Fehlen eines klinischen Ansprechens auf die Behandlung der vermuteten allergischen Rhinitis und negative Ergebnisse der Hauttests und/oder eines Allergen-spezifischen Serum-lgE-Tests deuten ebenfalls auf eine nichtallergische Ursache hin; zu den Störungen, die in Erwägung zu ziehen sind, gehören Nasentumoren, vergrößerte Rachenmandeln, hypertrophe Nasenmuscheln, Granulomatose mit Polyangiitis (Wegener-Granulomatose) und Sarkoidose.

Therapie

  • Antihistaminika

  • Dekongestantien

  • Nasale Kortikosteroide

  • Bei saisonaler oder schwerer refraktorischer Rhinitis, manchmal Desensibilisierung

Die Behandlung der saisonalen und perennialen Rhinitis unterscheidet sich gewöhnlich nicht. Im Falle einer perennialen Rhinitis sollten Versuche unternommen werden, Allergene zu entfernen oder zu vertmeiden (z. B. Eliminierung von Staubmilben und Schaben). Desensibilisierung bei saisonaler oder schwerer hartnäckiger Rhinitis kann eine Immuntherapie zur Desensibilisierung helfen.

Die wirksamsten Medikamenten der ersten Wahl sind

  • Nasal Kortikosteroide mit oder ohne orale oder nasale Antihistaminika (siehe Tabelle: Inhalative Nasale Kortikosteroide)

  • Orale Antihistaminika sowie abschwellende MIttel

Weniger wirksame Alternativen zur Erleichterung der Rhinorrhoe stellen nasal applizierbare Mastzellstabilisatoren (z. B. Cromoglicinsäure), zwei- bis viermal täglich, der nasal verabreichte H1-Blocker Azelastin, ein bis zwei Sprühstöße zweimal täglich, und 0,03% Ipratropium, 2 Sprühstöße alle 4–6 h, dar.

Nasal verbarechte Medikamente werden den oralen Medikamenten häufig vorgezogen, weil weniger von dem Medikament systemisch resorbiert wird.

Tabelle
icon

Inhalative Nasale Kortikosteroide

Wirkstoff

Dosis pro Spray

Erste Dosis (Sprühstöße pro Nasenloch)

Beclomethason

42 μg

6-12 Jahre: 1 Sprühstoß zweimal täglich

>12 Jahre: 1 Sprühstoß 2- bis 4-mal täglich

Budesonid

32 μg

6 Jahre: 1 Sprühstoß 1-mal täglich

Flunisolid

29 μg

6–14 Jahre: 1 Sprühstoß 3-mal täglich oder 2 Sprühstöße 2-mal täglich

Erwachsene: 2 Sprühstöße 2-mal täglich

Fluticason

50 μg

4–12 Jahre: 1 Sprühstoß 1-mal täglich

>12 Jahre: 2 Sprühstöße 1-mal täglich

Mometason

50 μg

2–11 Jahre: 1 Sprühstoß 1-mal täglich

≥ 12 Jahre: 2 Sprühstöße 1-mal täglich

Triamcinolon

55 μg

> 6–12 Jahre: 1 Sprühstoß 1-mal täglich

>12 Jahre: 2 Sprühstöße 1-mal täglich

Tabelle
icon

Inhalative Nasale Mastzellstabilisatoren

Wirkstoff

Dosis pro Spray

Erste Dosis (Sprühstöße pro Nasenloch)

Azelastin

137 μg

5–11 Jahre: 1 Sprühstoß 2-mal täglich

>12 Jahre: 1–2 Sprühstöße 2-mal täglich

Cromoglicinsäure

5,2 mg

6 Jahre:1 Sprühstoß 3-mal bis 4-mal täglich

Olopatadin

665 μg

6–11 Jahre: 1 Sprühstoß 2-mal täglich

>12 Jahre: 2 Sprühstöße 2-mal täglich

Intranasale Kochsalzlösung, häufig vergessen, hilft dickes Nasensekret zu lösen und die Nasenschleimhäute zu befeuchten; verschiedene Kochsalzlösungs-Kits und Spülvorrichtungen (z. B. Squeeze-Flaschen, Ballspritze) sind rezeptfrei erhältlich oder können von den Patienten selbst hergestellt werden.

Spezifische Immuntherapie kann bei der saisonalen allergischen Rhinitis effektiver als bei der ganzjährigen allergischen Rhinitis sein; sie wird empfohlen, wenn

  • Symptome schwerwiegend sind

  • Allergen kann nicht vermieden werden

  • Medikamentöse Behandlung unzureichend ist

Die ersten Desensibilisierungsversuche sollten bald nach Ende der Pollensaison beginnen, um für die nächste Saison vorbereitet zu sein; unerwünschte Wirkungen nehmen zu, wenn mit der Desensibilisierung während der Pollensaison begonnen wird, denn zu diesem Zeitpunkt ist die allergische Immunität des Patienten bereits maximal stimuliert.

Die sublinguale Immuntherapie unter Verwendung von 5-Gräserpollen-Sublingualtabletten (ein Extrakt aus 5 Gräserpollen) können verwendet werden, um eine Gräserpollen-induzierte allergische Rhinitis zu behandeln. Dosierung

  • Für Erwachsene: Eine 300-IR (Index der Reaktivität)-Tablette täglich

  • Für Patienten im Alter von 10 bis 17 Jahren: Eine 100-IR-Tablette am Tag 1, zwei 100-IR-Tabletten gleichzeitig am Tag 2, dann weiter die Dosis für Erwachsene von Tag 3 an

Die erste Dosis wird in einer medizinischen Einrichtung gegeben und Patienten sollten für 30 Minuten nach der Verabreichung beobachtet werden, da eine Anaphylaxie auftreten kann. Wenn die erste Dosis toleriert wird, können die Patienten weitere Dosen zu Hause nehmen. Die Behandlung wird 4 Monate vor dem Beginn jeder Gräserpollensaison begonnen und während der gesamten Saison aufrecht erhalten.

Eine sublinguale Immuntherapie, die entweder Ambrosiapollen oder Hausstaubmilbenallergenextrakte verwendet, kann verwendet werden, um durch diese Allergene induzierte allergische Rhinitis zu behandeln.

Patienten mit allergischer Rhinitis sollten eine vorgefüllte Epinephrin-Spritze zur Selbstinjektion bei sich tragen.

Montelukast, ein Leukotriene-Blocker lindert die Symptome bei allergischer Rhinitis, doch ist seine Rolle im Verhältnis zu anderen Behandlungen ungewiss.

Omalizumab, ein Anti-IgE-Antikörper wird derzeit als Behandlung der allergischen Rhinitis untersucht. Der Einsatz wird jedoch begrenzt sein, da preiswertere und wirksamere Alternativen zur Verfügung stehen.

Die Behandlung der nichtallergischen Rhinitis mit Eosinophilie-Syndrom (NARES) wird mit nasal applizierbaren Kortikosteroiden durchgeführt.

Eine Acetylsalicylsäureempfindlichkeit wird durch das Vermeiden von Acetylsalicylsäure und nicht-selektiven NSAR (die mit Aspirin kreuzreagieren können) behandelt, sowie Desensibilisierung und nach Gebrauch Leukotrien-Blocker.

Vorbeugung

Bei ganzjährigen Allergien sollten Auslöser beseitigt oder vermieden werden. Maßnahmen:

  • Kissen aus Kunstfasern und undurchlässige Bettlaken nutzen

  • Häufiges Waschen von Bettwäsche, Kissenbezüge und Decken in heißem Wasser

  • Entfernen von Polstermöbeln, Stofftieren und Teppichen

  • Vernichten von Schaben, um die Exposition zu verhindern

  • Luftentfeuchter in Kellern und anderen schlecht belüfteten, feuchten Räumen

  • Behandlung der Wohnungen mit Wasserdampf

  • Verwendung von hocheffizienten Luftpartikel und -filter (high-efficiency particulate air, HEPA)

  • Vermeidung von auslösenden Lebensmitteln

  • Begrenzung der Haustierhaltung auf bestimmte Räume oder außer Haus

  • Regelmäßige Haus- oder Wohnungsreinigung

Zusätzliche nichtallergene Auslöser (z. B. Zigarettenrauch, scharfe Gerüche, beißender Qualm, Luftverschmutzung, niedrige Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit) sollten möglichst ebenfalls gemieden oder kontrolliert werden.

Wichtige Punkte

  • Saisonale Rhinitis ist in der Regel eine allergische Reaktion auf Pollen.

  • Patienten mit allergischer Rhinitis können folgende Symptome haben: Husten, Keuchen, frontale Kopfschmerzen, Sinusitis, oder, vor allem bei Kindern mit ganzjähriger Rhinitis, Otitis media.

  • Die Diagnose einer allergischen Rhinitis erfolgt in der Regel anamnestisch; Hauttests und manchmal ein Allergen-spezifischer Serum-lgE-Test sind nur erforderlich, wenn die Patienten nicht auf empirische Behandlung reagieren.

  • Als erstes werden nasal verabreichte Kortikosteroide versucht, da sie die effektivste Behandlungsind und nur wenige systemische Effekte haben.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN