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Neuronitis Vestibularis

(Virale Labyrinthitis)

Von

Lawrence R. Lustig

, MD, Columbia University Medical Center and New York Presbyterian Hospital

Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Eine Neuronitis vestibularis kann einen von selbst abklingenden Schwindelanfall auslösen, der vermutlich auf einer Entzündung des Vestibularisasts des VIII. Hirnnervs beruht. Danach kann die Gleichgewichtsfunktion zu einem gewissen Grad weiter gestört bleiben.

Manchmal wird vestibuläre Neuronitis synonym mit viraler Labyrinthitis verwendet. Eine vestibuläre Neuronitis zeigt sich jedoch nur mit Schwindel, während eine virale Labyrinthitis auch von Tinnitus, Hörverlust oder beidem begleitet wird.

Obwohl die Ätiologie unklar ist, wird eine Virusinfektion als Ursache vermutet.

Symptome und Beschwerden

Als Symptome der vestibulären Neuritis treten ein isolierter, starker Schwindelanfall mit Übelkeit und Erbrechen sowie ein Nystagmus auf, der 7–10 Tage anhält. Dabei handelt es sich um einen unidirektionalen, horizontalen Spontannystagmus zur betroffenen Seite mit schnellschlägigen Oszillationen in Richtung des nichterkrankten Ohres. Kennzeichnend für eine Neuronitis vestibularis ist das Fehlen eines begleitenden Tinnitus oder Hörverlusts und hilft, diese von Morbus Meniere und Innenohrentzündung zu unterscheiden.

Nach der ersten Episode bessert sich der Zustand nach Tagen oder Wochen allmählich wieder. Dass manche Patienten trotzdem (v. a. bei raschen Kopfbewegungen) noch Reste der Gleichgewichtsstörung spüren, liegt wahrscheinlich an einer chronischen Vestibularisschädigung.

Diagnose

  • Audiologie, Elektronystagmographie und MRT

Patienten mit Verdacht auf vestibuläre Neuritis werden audiologisch und elektronystagmographisch (mit kalorischer Reizprüfung) untersucht. Um differenzialdiagnostisch einen Kleinhirnbrückenwinkeltumor, eine Hirnstammblutung oder einen Hirninfarkt ausschließen zu können, wird das Augenmerk bei der Gadolinium-verstärkten MRT besonders auf die inneren Gehörkanälchen gerichtet. Eine verstärkte Zeichnung der Vestibularisnerven in der MRT ist mit einer entzündlichen Neuritis vereinbar.

Therapie

  • Symptomlinderung mit Antiemetika, Antihistaminika oder Benzodiazepinen

Die Symptome von Neuritis vestibularis werden kurzfristig symptomatisch behandelt wie bei der Menière-Krankheit, d. h. mit Anticholinergika, Antiemetika (z. B. Prochlorperazin oder Promethazin, alle 6–8 h 25 mg rektal oder 10 mg p.o.), Antihistaminika oder Benzodiazepinen sowie einer Kortikosteroid-Stoßtherapie. Nach anhaltendem Erbrechen kann eine Infusion zum Flüssigkeits- und Elektrolytersatz nötig sein. Von einer langfristigen Anwendung (d. h. über mehrere Wochen) vestibulärer Suppressoren wird abgeraten, da diese Medikamente die vestibuläre Kompensation verzögern, insbesondere bei älteren Menschen. Maßnahmen zur Rehabilitation des Gleichgewichtsempfindens (meist durch Physiotherapeuten) helfen mit, restliche vestibuläre Defizite auszugleichen.

Wichtige Punkte

  • Die Patienten zeigen Tage bis Wochen schwere, ständige Schwindelanfälle mit Übelkeit und Erbrechen und Nystagmus nach der betroffenen Seite hin.

  • Hörverlust oder Tinnitus sind nicht vorhanden.

  • Die durchgeführten Untersuchungen dienen dazu, andere Erkrankungen auszuschließen.

  • Die Behandlung zielt auf die Symptome und umfasst Antiemetika und Antihistaminika oder Benzodiazepine; Kortikosteroide können ebenfalls hilfreich sein.

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