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Gehörgangsobstruktion

(Fremdkörper im Ohr)

Von

Bradley W. Kesser

, MD, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Eine Verlegung des Gehörgangs durch Cerumen (Ohrenschmalz), Fremdkörper oder Insekten kann Juckreiz, Schmerzen und eine zeitweilige Schallleitungsschwerhörigkeit zur Folge haben. Bei der otoskopischen Untersuchung lassen sich die meisten Obstruktionsursachen leicht erkennen. Die Behandlung besteht in der vorsichtigen manuellen Ausräumung des Hindernisses.

Vor und nach dem Versuch, Cerumen oder einen Fremdkörper zu entfernen, sollte der Arzt die Durchführung eines Hörtests erwägen, falls die notwendige Ausrüstung leicht verfügbar ist. Ein Hörverlust (im Vergleich zum nicht betroffenen Ohr), der sich nach Beseitigung der Obstruktion nicht bessert, könnte darauf hindeuten, dass der Fremdkörper (oder frühere Versuche, ihn zu entfernen) das Mittel- oder Innenohr beschädigt hat. Verschlechtert sich das Hörvermögen nach Beseitigung der Obstruktion, könnte dies auf Schäden hinweisen, die durch den Vorgang des Entfernens selbst verursacht sind. Allerdings sollten Untersucher, die das Hörvermögen formal nicht beurteilen können, die Beseitigung der üblichen, leicht zu entfernenden Obstruktionen nicht aufschieben. Durch einen Stimmgabeltest in der Praxis lässt sich der Hörstatus ebenfalls dokumentieren.

Cerumen

Cerumen, das durch Reinigungsversuche der Patienten mit Wattestäbchen noch tiefer ins Ohr hineingeschoben wird, kann einen Pfropf bilden und den Gehörgang verstopfen oder eindrücken. Bevor man es durch eine Ohrspülung oder direkt entfernt, sollte verhärtetes Ohrenschmalz mit Lösungsmitteln wie Wasserstoffperoxid, Carbamidperoxid, Glycerin, Triethanolamin, flüssiges Docusat-Natrium oder Mineralöl erweicht werden. Eine längerfristige Anwendung solcher „Weichmacher“ kann aber zu Hautreizungen oder allergischen Reaktionen im Gehörgang führen.

Das Cerumen kann mit einer stumpfen Kürette oder Schlinge oder einem schmalen rechtwinkeligem Haken oder. mit einer Saugspritze (z. B. Baron, Größe 5 French) aus dem Gehörgang herausgeholt werden. Richtige Beleuchtung ist von wesentlicher Bedeutung. Diese Methoden, insbesondere wenn sie von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden, können für den Patienten schneller, sicherer und bequemer sein als die Irrigation. Die Irrigation erfolgt häufig in der Notaufnahme oder in der Primärversorgung und sollte sorgfältig durchgeführt werden, um Komplikationen zu vermeiden. Die Irrigation kann auch mit Cerumenolytika, wie flüssigem Docusat-Natrium, kombiniert werden. Die Spülung ist bei Patienten mit bekannter Trommelfellperforation oder bei Verdacht auf eine Infektion kontraindiziert. Wasser, das durch eine Trommelfellperforation in das Mittelohr gelangt, kann die chronische Otitis media verschlimmern und eine akute Otitis media verursachen.

Fremdkörper im Ohr

Fremdkörper im Gehörgang finden sich besonders häufig bei Kindern, die sich beim Spielen oft Kleinteile in die Ohren stecken (wie z. B. Perlen, Radiergummis oder Bohnen). Manchmal bleibt ein Fremdkörper so lange unbemerkt, bis sich eine Entzündungsreaktion mit Schmerzen, Juckreiz, Infektion und übelriechendem eitrigem Ausfluss einstellt.

Im Allgemeinen können Fremdkörper, die leicht zu greifen und zu entfernen scheinen (z. B. Papier, ein Insektenflügel) mit einer Alligatorzange von den meisten Ärzten entfernt werden. Allerdings neigen Zangen dazu, runde, glatte Objekte (z. B. Perlen, Bohnen) tiefer in den Kanal zu schieben. Bei Patienten mit diesen Objekten ist eine Überweisung zu einem HNO-Arzt nötig. Ein glatter rundlicher Fremdkörper lässt sich am besten mit einem kleinen, stumpfen Haken von hinten fassen und herausrollen, was unter operativer mikroskopischer Kontrolle von einem Spezialisten durchgeführt werden sollte. Schwieriger können medial des Isthmus (am Übergang zwischen knöchernem und knorpeligem Anteil des äußeren Gehörgangs) befindliche Fremdkörper zu entfernen sein ohne den empfindlichen Gehörgang, das Trommelfells oder die Gehörknöchelchen zu verletzen. (Anm. d. Übers.: In der Regel lassen sich aber alle Gehörgangsfremdkörper ohne Trommelfellverletzung entfernen; bei Kindern ist meist Maskennarkose erforderlich.) Überweisung an einen HNO-Arzt ist auch bei einem unkooperativen Kind angezeigt, das eine Sedierung erfordert oder für Fehlversuchen bei der Entfernung.

Tipps und Risiken

  • Eine Ohrspülung ist zur Entfernung von Fremdkörpern nicht ratsam. Hygroskopische Fremdkörper (wie Bohnen und andere trockene Pflanzenteile), die in Wasser quellen, sind schwieriger zu entfernen.

Wenn Kinder nicht stillhalten oder bei einer komplizierteren Ausräumung Verletzungsgefahr für Trommelfell und Gehörknöchelchen besteht, sollte der Eingriff in Allgemeinanästhesie oder bei tiefer Sedierung durchgeführt werden. Falls ein vorgeblicher Fremdkörper bei der Manipulation zu bluten anfängt, sollten weitere Versuche diesen zu entfernen gestoppt und umgehend ein HNO-Arzt konsultiert werden. Bluten kann eine Platzwunde der "canal skin" anzeigen oder dass der Fremdkörper eigentlich ein Mittelohrpolyp ist.

Insekten im Gehörgang sind besonders lästig, wenn sie noch leben. Um sie abzutöten, wird Lidocain-Gel in den Gehörgang gefüllt; das bewirkt eine sofortige Besserung, und das reglose Insekt kann dann mit der Pinzette entfernt werden, indem man einen Flügel oder ein Bein fasst.

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